Hunde verboten

Warum schreiben wir? Wie werde ich reich und berühmt durch meine Bücher? Was macht die besondere Schönheit des Adjektivs aus?
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Hunde verboten

Beitragvon Edekire » 30.04.2005, 20:49

Hallo liebe O livros!

Dass wir spinnen ist doch schön, nicht wahr? Spinnt ihr gerne? Spinnt ihr vielleicht auch gerne ein wenig weiter?

Wir, d.h. in dem Fall Dirk und ich, haben eine Idee. Genauer gesagt hatte sie Dirk, aber ich schlage sie jetzt vor.

Wir schreiben ein Theaterstück.

Ja, das meinen wir ernst und in dem vorletzten "wir" seid ihr hoffentlich mit einbegriffen. Wir stellen uns das in etwas so vor:

Jeder von euch hat einen Charakter in dem Stück. Ihr seid völlig frei, also seid unbeherrscht und tobt euch aus! Fallt einander ins Wort, wann immer ihr wollt, gebt euch selbst gegenseitig Szenenanweisungen. Wir wollen Spaß! Wir wollen Teilnehmer! Los ihr Kreativen erhebt euch! Morgen ist der erste Mai!
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
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Re: Hunde verboten

Beitragvon Edekire » 30.04.2005, 20:49

Und schon geht es los ...

Erster Akt
erste Szene


Ein miefiger kleiner REAL-Markt, sichtbar steht ein Schild „Hunde verboten“ anstatt des sonst üblichen „Wir müssen draußen bleiben“, diverse Personen, rechts die Käsetheke, im rechten Winkel dazu die überlange Fleischtheke. Dahinter die spirreldünne, überlange Verkäuferin Paula, das Schnittmesser spielerisch in der Hand drehend....

Paula: Sie wünschen?
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Re: Hunde verboten

Beitragvon Surjaninov » 30.04.2005, 21:26

Ein elegant blasser Mann tritt auf

Willhelm Ferdinand Friedrich v. Strahl: Oh weh, mich dürstet sehr, ich werd ganz schwach, nach Blutwurst. Ich roch`s schon von weitem, ein herrlicher Duft. Gnäd`ges Fräulein Verkäuferin, ich darf sie bitten mir ein wenig Blutwurst einzupacken. Doch ersuche ich sie eindringlich sich zu beeilen. 3 Pfund. Oder machen sie 4 daraus. `S reicht doch nur bis morgen. Ach und oh, wie die Blutwurst mich ruft...oh weh...

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Re: Hunde verboten

Beitragvon Edekire » 30.04.2005, 23:42

Paula: misstrauisch äugend Blutwurst. 4 Pfund.
sie schneidet ein größeres Tück nachdem sie die Wurst aus der Kühltheke genommen hat
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Re: Hunde verboten

Beitragvon Surjaninov » 01.05.2005, 02:53

Willhelm Ferdinand Friedrich v. Strahl: Zu Gütig, zu gütig! ah!

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Re: Hunde verboten

Beitragvon Edekire » 01.05.2005, 10:04

Paula ihm die Wurst reichend: se sind wohl son schriftfuzzi oder was?
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Re: Hunde verboten

Beitragvon Silentium » 01.05.2005, 12:39

Ein altes Weib tritt auf - zumindest könnte man vermuten, dass sich unter den Lagen aus grauem Leder, Katzenfell, Tweed und hie und da ein paar Futzerl gelblich-verbleichender Spitze ein altes Weib steckt. Das Gesicht sieht man unter dem ausladenden grauem Hut, auf dem sporadisch Büschel grauer Federn verteilt sind, nicht. Sie schleift einen kleinen, grauen Hund an einer grauen Leine hinter sich her - das Tier muss rennen, wenn es nicht stranguliert werden will. Auch an seinen Ohren sind graue Federbüschel festgeklebt.

Margarethe Timm: Was soll er a Schriftfuzzi sein, wann's eam nach'm Essn dürst? S'is, als hätt er in der Sahara Hunger - inadequat ist das! Und jetzt - geben's mir ein paar frische Händ für mein Hunderl, 's macht nichts, wann'd Fingernägel lackiert sind oder noch ein Ehering drauf ist, solang sie nur frisch sind - wehe, ich krieg sie wegen der Leichenstarre nicht in den Fressnapf!
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
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Re: Hunde verboten

Beitragvon [) i r k » 01.05.2005, 19:06

Der Filialleiter erscheint, feist und schweinsgesichtig, in blauem Hemd mit kleinen Flecken unter den Achseln, mit roter Krawatte, deren zu kurzes Ende auf seinem Bäuchlein ruht, und kleine, kalte, bösartig funkelnde Augen, aber nach außen hin bemüht freundlich und leutselig.

Herr Schröder: Grüß Gott, Gnädige Frau, ah, prächtig schaun's aus, ganz prächtig, wenn gnädige Frau erlauben, so müssen's mir irgendwann das Geheimnis ihrer jugendlichen Vitalität verraten, ihrer Energie, ach, prächtig, ganz prächtig, ach, wie mich das freut, dass sie uns mal wieder beehren ...

Zu Paula gewendet: Ist die Bestellung für die Gnädige Frau fertig? - Mach hin, Mädchen!

Dann wieder zu Frau Timm: Und wie geht's denn dem kleinen Franz-Ferdinand ... ach, da ist er ja ... schaut herab auf das Tier ... ach, aber mager sieht das Hunderl aus, geben's ihm denn auch genug zu fressen, Gnädige Frau?

Beugt sich zu dem Hund herab: Na, mein kleiner Scheißerl, ist ja nix an dir dran. Das Tier fletscht seine Zähne.

Herr Schröder: Och, wie ist der putzig ...
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Re: Hunde verboten

Beitragvon Silentium » 01.05.2005, 19:21

Federbewegungen in der Hutperiphäre deuten darauf hin, dass Margarethe Timm gleichzeitig vorwurfsvoll den Kopf schüttelt, als auch zustimmend nickt.

Margarete Timm: Mager ist er, Sie sagen's ja, das liegt an den Händ, die ich's letzte mal gekauft hab: drei warn von Kindern, ich sag's ihnen, und die Kinderhanderl sind zu pickert für sein armes Baucherl.

Sie ruckt an der Leine, Franz-Ferdinand wird kurzzeitig vom Boden gerissen - seine Augen treten leicht aus den Höhlen, er fiept.

Margarethe Timm: Nervös ist er immer, ich sag's Ihnen, nervös. Das liegt am Wetter, der viele blaue Himmel bekommt ihm nicht. Aber die Regierung tut einfach nichts dagegen.

Wieder die Mischung aus Kopfnicken und Kopfschütteln.
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Re: Hunde verboten

Beitragvon [) i r k » 01.05.2005, 19:48

Herr Schröder: Gnädige Frau sprechen mir aus der Seel! Ein unerträgliches Wetter ist das. Furchtbar, ganz furchtbar. Bei so einem lauem Frühlingsgekrösel bevorzuge ich es denn auch, mich in unser Kühllager zurückzuziehen, ich habe mir dort eigens einen Schreibtisch eingerichtet. Ach, stellen sie sich's nur vor, wie wunderbar kühl und dumpf und dämmerig es daherinnen ist.

Wendet sich kurz zur Theke und schaut aus, wo die Verkäuferin abgeblieben ist Paula? Paula! Mehr zu sich selbst: Wo steckt nur dieses Mädchen wieder!

Zu Frau Timm: Ach, schrecklich, sie können's sich gar nicht vorstellen, wie schwierig es heutzutage ist, brauchbares Personal zu finden! Und gerade diese jungen Dinger sind so etwas von unzuverlässig und aufmüpfig, furchtbar, ganz furchtbar ist das. Aber wir haben ein paar ganz wunderbare Patscherl für den kleinen Franzl, richtige schöne Pratzen mit ordentlich was dran, gute Wurstfinger, schmackhaft und fleischig, nicht so'n magerer Krippenknochen. Ich kann mir auch nicht ausdenken, dass sie sowas bei uns bekommen haben sollten. Bei uns nicht, sie werden sehen, Gnädige Frau, sie werden ganz und gar zufrieden sein.
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Re: Hunde verboten

Beitragvon Silentium » 01.05.2005, 20:12

Margarethe Timm: Und wenn's des Mäderl einfach auf die Theken zur Blutwurst legerten... da wird sich dann die Gewerkschaft aufregen, nicht? Schrecklich, schrecklich...

Sie ruckt erneut an der Leine. Der Hund röchelt nur noch.

zum Hund: Gell, Franzl, auf die Patscherl, da freust dich. Dir richt ich dir dann daheim an, mit ein paar Öhrchen, ganz fein...

zu Herrn Schröder: Von meinem Mann selig hab ich noch ein Paar Öhrchen, ich sag's ihnen, Öhrchen, sowas haben Sie ihren Lebtag noch nicht gesehen. Die werden den Franzl, mit ihre guten Finger, weil ich glaub Ihnen ja, dass sie gut sein werden, Herr Schröder, im Vertrauen, ich glaub's Ihnen, die werden ihn wieder auf die kleinen krummen Füßerl bringen. So schöne Öhrchen hat er gehabt, mein Mann selig.
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Re: Hunde verboten

Beitragvon Hamburger » 01.05.2005, 20:13

Ein Gewerkschafter tritt auf. Mit fetten Kugelbauch und bollernden Bewegungen durchschreitet er den Markt und stößt bäuchlings an den Filialleiter...

Grüß Gott, Herr Schröder, prächt`ges Wetterchen nicht wahr? Soll ja Gestalten geben, die...(er blickt misstrauisch auf Frau Timm und dann zu Franz Ferdinand und zieht moquant die linke Augenbraue leicht empor)...wie dem auch sei, wie dem auch sei, Perlich mein Name, Betriebsverfassungsgesetzkontrollbeauftrager. Ist ein Fräulein namens Paula (er zieht ein schmieriges Blatt hervor und sucht mit den Fingern ein paar Spalten ab...)...ja, namens Paula Huneus zu sprechen?
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Re: Hunde verboten

Beitragvon Silentium » 01.05.2005, 20:31

Margarethe Timm zieht und zerrt an der Hundeleine, die zwischen den Bäuchen von Gewerkschafter und Filialleiter eingeklemmt ist. Der Hund schaut ihr mit unsicherer Schadenfreude zu.
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Re: Hunde verboten

Beitragvon [) i r k » 01.05.2005, 20:51

Herr Schröder zu Frau Timm, als Herr Perlich gerade den Laden betritt: Wenn man vom Teufel spricht ... den würde ich gern zur Blutwurst ... aber pssst, er kommt!

Wieder ganz aufgeräumt zu Herrn Perlich, indem er keinen Milimeter zurückweicht: Ja, Grüß Gott, freilich, wo das Fräulein steckt, wüsste ich auch nur allzu gerne! Sehen Sie, sie wird dafür bezahlt, dass sie dort hinter dem Tresen steht ... Und? ... Sehen Sie sie irgendwo? Diese Kundin hier und er weist freundlich auf die Witwe wartet schon seit geschlagenen fünf Minuten auf ihre Bestellung. Unglaublich ist das, ein Skandal! Aber sagen Sie Herr Perlich, worum geht es denn eigentlich? Vielleicht kann ich Ihnen ja weiterhelfen, ich bin der Filialleiter.
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Re: Hunde verboten

Beitragvon Hamburger » 01.05.2005, 21:44

Herr Perlich streichelt seinen kleinen Schnauzbart und seine braunen Knopfaugen weiten sich bedrohlich. Er tippelt ungehalten von einem Plattfuß auf den anderen und hält bäuchlings weiter die Hundeleine fest. Irgendetwas sagt ihm, dass dieser Hund Beistand braucht und nicht der Verfügungsgewalt dieser Dame auszuliefern sei, die ihm viel zu wetterskeptisch aussieht...

Mein Herr, sie machen wohl Scherze im doppelten Sinne. Mir ist bekannt, wer sie sind. Ach, diese Kapitalisten sind alle gleich - immer schön die Form wahren, nicht wahr?
Und was Frau Huneus betrifft, so hüten sie ihre Zunge, denn sie hat eine ungeheurliche Beschwerde gegen sie vorgebracht. Sie scheinen sich Wahnwitziges geleistet zu haben (seine fleischigen Arme beschreiben einen Kreis von seinem Kopfe fast bis zu seinen Knien um die Dimension der Klage zu untermauern), aber ich will sie nicht vorverurteilen, obwohl sie ohne Zweifel schuldig sind! Holen Sie nun bitte umgehend Frau Huneus! Und sie (er sieht Frau Timm listig an) geben mir sofort diese Hundleine...

Frau Timm gibt ihm unsicher die Leine und Herr Schröder begibt sich auf die Suche nach Paula.

Herr Perlich zu Frau Timm: So, jetzt ist es mein Hund. Er wird es gut haben bei mir. Wie heißt die Töle?

Er beugt sich hinunter und streichelt Franz-Ferinands Nacken, während dieser sich freudig an ihn schmiegt...
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