Der Vorsatz zur Vorwort-Diskussion...

Warum schreiben wir? Wie werde ich reich und berühmt durch meine Bücher? Was macht die besondere Schönheit des Adjektivs aus?
Hamburger
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Der Vorsatz zur Vorwort-Diskussion...

Beitragvon Hamburger » 25.08.2004, 15:41

Hallo auseinander,

ähm, tja, hüstel, wer Näheres über den Sinn dieses Threads erfahren möchte schaue bei dne "Rezensionen" in den Thread "Vorworte" und poste dann hier seine möglichst grundätzliche, total unumstößliche Meinung :-D , die wir dann ja ausgiebig diskutieren können.

Hab-die-2-Kilo-wieder-runter-Grüsse,

Hamburger
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Matthias
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Re: Der Vorsatz zur Vorwort-Diskussion...

Beitragvon Matthias » 25.08.2004, 15:58

Interessante Frage: Wozu überhaupt ein Vorwort? (Um diese Frage noch einmal in diesem Thread zu stellen) Wieso sagt der Autor das, was er sagen will, nicht in dem Buch selbst aus?

Meine Ansicht: Ein Autor darf in seinem Buch über alles schreiben; nur nicht über das betreffende Buch selbst.

Es gibt natürlich Ausnahmen: Im zweiten Teil des "Don Quixote" haben die meisten vorkommenden Charaktere den ersten Teil des "Don Quixote" gelesen, und auch Sterne kommt in seinem "Tristram Shandy", wenn ich mich nciht irre, öfters auf das Buch als solches zu sprechen. Solche Fälle sind jedoch literarische "Scherze", die absichtlich die Illusion des Buches durchbrechen, die den Leser daran erinnern, dass er nur ein Buch liest.

Will ein Autor also etwas über das, was er da geschrieben hat, sagen, so ist ein Vorwort, oder auch Nachwort, durchaus der richtige Platz dafür. In das Vorwort zum Beispiel eines Gedichtbandes kann man noch einmal Anekdoten zu bestimmten Gedichten erzählen oder seine persönlichen Vorlieben für dieses oder jenes Gedicht ausdrücken; oder eben eine ästhetische Auffassung essayistischer Natur, die in dem Buch zu einem Bruch führen würde (nicht, dass jeder Essay in einem Buch zu einem Bruch führen müsse; "Moby Dick", "Notre-Dame de Paris" und "Les Miserables" fallen mir sofort als Gegenbeispiel ein)

Das Vorwort ist eine literarische Gattung, die einige sehr schöne Texte hervorgebracht. Dies sollte, in meinen Augen, zu ihrer Rechtfertigung genügen.

Viele Grüße,
Matthias
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Hamburger
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Re: Der Vorsatz zur Vorwort-Diskussion...

Beitragvon Hamburger » 25.08.2004, 17:06

Hallo nochmals Matthias,

Das Vorwort ist eine literarische Gattung, die einige sehr schöne Texte hervorgebracht. Dies sollte, in meinen Augen, zu ihrer Rechtfertigung genügen.


Also dem widerspreche ich erstmal ganz entschieden. Die Argumentationsweise X ist gerechtfertigt, weil es schöne X gibt überzeugt mich nicht.
In diesem Falle würden ein paar Einzelfälle die Rechtfertigung der literarischen Gattung "Vorwort" "an sich" erbringen. Das erscheint mir unlogisch und überhöht.

Viel eher überzeugt mich da eine etwas grundsätzlichere Vorgehensweise und eine Argumentation in diese Richtung bringst du ja auch.



In das Vorwort zum Beispiel eines Gedichtbandes kann man noch einmal Anekdoten zu bestimmten Gedichten erzählen oder seine persönlichen Vorlieben für dieses oder jenes Gedicht ausdrücken; oder eben eine ästhetische Auffassung essayistischer Natur (...)


Allerdings: Ich für meinen Teil empfinde es eher als störend wenn mir der Autor seine persönlichen Vorlieben mitteilt. Sein Werk möchte ich selbst entdecken. Am Besten finde ich es, wenn dieses Werk nur für sich spricht.
Auch ästhetische Auffassungen des Autors transportiert das Werk am Besten selber, wie ich finde. Wenn jemand schon vor-oder nachschiebt, er habe dies und das so und so geschrieben, weil er der Meinung sei dass X werde ich immer ziemlich skepttisch - und fühle mich als Leser eingeengt.
Eigentlich kann ich dir auch hier nur bezüglich eines Arguments zustimmen, nämlich bezüglich der Anekdoten - oder nennen wir es ruhig die Entstehungsgeschichte des Werkes.
Diese kann für den Kontext sehr wichtig sein, aber dadurch dass ich sie erfahre bin ich noch nicht so weit eingeengt, dass der Autor, indem er sie erzählt, ins Werk selber eingreift.

Allerdings muss ich selbst dies einschränken: Denn besagte Anekdoten sind häufig genug nichts weiter als Legendenbildung oder mindestens Übertreibung, um den Verkauf anzuheizen.

So hatten "Rosenstolz" nach ihren ersten Alben (verdientermaßen :-D ) nicht mal mehr was zu essen, so schlecht verkauften sie sich. Sie mussten von ihrem Produzenten über Wasser gehalten werden.

Joanne K. Rowlings Vertlag nervte mich bei irgendeiner dieser Fortsetzungen von "Harry-Potter" wochenlang, da in regelmäigen Abständen zu lesen und zu hören war wie schlecht es ihr ginge und wie sehr sie sich quäle.


Ich plädiere also dafür, dass der Autor seine Anekdoten sich dann auch wirklich fürs Vorwort aufhebt. Sollte allerdings in besagter "Potter"-Fortsetzung auch nur ansatzweise geschrieben stehen (hab noch keines dieser Bücher gelesen), wie viel Anstrengung es die Autorin gekostet hat das vorliegende Buch zu schreiben - mir würde schlecht werden.

Du siehst, ich besitze Widerspruchsgeist. Aber deswegen muss ich ja noch lange nicht Recht haben, zumal ich gegen Ende eher die Auswüchse der Mediengesellschaft kritisiert habe.

Weitere Meinungen?, wümnscht sich der

Hamburger
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Re: Der Vorsatz zur Vorwort-Diskussion...

Beitragvon Khadija » 25.08.2004, 23:08

In das Vorwort zum Beispiel eines Gedichtbandes kann man noch einmal Anekdoten zu bestimmten Gedichten erzählen oder seine persönlichen Vorlieben für dieses oder jenes Gedicht ausdrücken; oder eben eine ästhetische Auffassung essayistischer Natur,(...)


Also wenn der Autor so etwas schreibt, dann ist mir lieber, wenn er das im Nachwort tut. Ich möchte ein Werk selber entdecken und mir eine eigene Meinung bilden. Ohne dass mir der Autor erklärt wie und warum er etwas geschrieben hat.

Die Ausnahme dabei ist die von Hamburger erwähnte Entstehungsgeschichte. Eben weil sie den Kontext erklärt, ohne automatisch eine Deutung aufzudrängen.

Liebe Grüße
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Re: Der Vorsatz zur Vorwort-Diskussion...

Beitragvon razorback » 26.08.2004, 15:02

Interessant, das Ganze. Wobei ich die Frage "sind Vorworte berechtigt" etwas anmassend finde. Wer will denn bitte Vorworte verbieten? :-D

Eine Definition wäre hilfreich, habe ich schon unter Rezensionen angemerkt. Aber nehmen wir mal die weitestmögliche Definition: Einleitende Worte zum Text. Da halte ich es mit Matthias, nur etwas radikaler:

Meine Ansicht: Ein Autor darf in seinem Buch über alles schreiben; nur nicht über das betreffende Buch selbst.


Genau! Und bitte auch nicht im Vorwort, Schon GAR NICHT im Vorwort. Ich möchte mir doch die Lektüre eines Buches nicht versauen lassen, indem mir der Autor zunächst einmal vorschreibt, wie ich das ganze zu verstehen habe, oder mir vorbetet, was er sich dabei gedacht hat etc. Auch Anekdötchen will ich absolut nicht. Als leuchtendes Gegenbeispiel möchte ich Paul Auster anführen: Aus interessanten Anekdoten und erstaunlichen Erlebnissen die durchaus im Zusammenhang mit seinen Texten stehen, hat er ein eigenes Buch gemacht, das "Red Notebook". Wer sich für sowas interessiert, kann es kaufen (ich habe gekauft und nicht bereut). Wer mit sowas verschont werden möchte, kann es im Regal stehen lassen und wird nicht in irgendwelchen Vorworten damit belästigt. Meiner Meinung nach hat der Autor jedes belletristischen oder lyrischen Werkes seinem Werk gegenüber in den Hintergrund zu treten. Bücher, die nur mit Gebrauchsanweisung lesbar sind, taugen meines Erachtens nichts.

Keine Probleme habe ich mit Prologen, die schon Teil der Handlung sind (zum Beispiel der an anderer Stelle genannte "Prolog im Himmel" aus "Faust I"), mit oft sehr nützlichen Personenübersichten (etwa in Matt Ruffs "Fool on the Hill") oder mit Danksagungen. Letztere sind zwar nicht immer interessant (oft durchaus) aber sie tun auch niemandem weh, freuen sicher die eine oder andere genannte Person und man kann sie gegebenenfalls überlesen ohne das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Außerdem halte ich es - wenn es eine ehrliche Danksagung ist - für einen anerkennenswerten Akt der Höflichkeit gegenüber den Helfern.

Dem

Das Vorwort ist eine literarische Gattung, die einige sehr schöne Texte hervorgebracht. Dies sollte, in meinen Augen, zu ihrer Rechtfertigung genügen.


kann ich auch nicht zustimmen. Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten: Gut geschriebene Vorworte sind berechtigt, weniger gute nicht. Ich bin aber durchaus weniger genervt, wenn ein mittelmässiger Autor mir durch die Menge seiner Figuren hilft, als wenn ein Genie mir vorschreibt, wie ich seinen genialen Text gefälligst zu interpretieren habe.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You


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