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wie die uns bekannte Welt so sind
auch unsere Schulen dynamisch
im Wandel begriffen geht es schon
lange nicht mehr einzig darum
Wissen zu reproduzieren sondern
um persönliche Kompetenzen
sind u.a. Teamfähigkeit Flexibilität
Eigenverantwortung Selbstständigkeit
Reflexion sowie Kritikvermögen
Kreativität und Engagement gefragt
ganz schön viel verlangt_ nicht wahr?
existenzielle Pädagogik_ Bildungsansatz
der den ganzen Menschen im Blick hat
ihn dazu anregt verantwortlich frei und
sinnorientiert zu leben und zu handeln
war mir zwar theoretisch ein Begriff
die Möglichkeit mir dafür Wesentliches
in gut gelebter Praxis anzuschauen
ergab sich allerdings erst als ich
eine kennenlernte die mein Interesse
auch solo auf dem Laufenden zu sein
vorab lächelnd zur Kenntnis nahm
zwei Tage nach meinem ersten Treffen
mit Marielle sitze ich um 7.25 Uhr
in ihrer 1a-Klasse der Volksschule und
weil sie selbst gerade ihr erstes Kind
erwartet schauen ehemalige Schüler und
Schülerinnen vor Unterrichtsbeginn
nen Sprung vorbei um sie zu sehen und
zu fragen wie es ihr und dem Baby geht
wenig später trudeln die eigentlichen
Erstklässler ein schauen mich kurz an
grüßen freundlich nehmen ihre Plätze ein
sie zücken unaufgefordert Hefte gehen
zur Lehrerin zeigen ihr die Hausübungen
beschaffen sich frisches Lehrmaterial
beginnen allein oder zu zweit zu arbeiten
da wird gerechnet dort geschrieben zwei
Mädchen verabschieden sich mit Büchern
im Arm in einen Leseraum außerhalb
der Klasse alles geht selbstverständlich
ruhig und einvernehmlich vonstatten
immer wieder wird s neu Erarbeitete
in Augenschein genommen reflektiert
wie ist es dem Kind mit der Aufgabe
denn so ergangen und was bereitet
warum Kopfzerbrechen Stellen wo das
offenbar der Fall ist ziert eine Lupe
handgezeichnet von Frau Lehrerin
»so weiß ich das muss ich mir nochmals
genau anschauen da stimmt was nicht«
erklärt mir klein Oskar ist wie jedes
Kind_ einzigartig allgemeine Rezepte
gibt es nicht was für das eine passt
mag für ein anderes nicht hilfreich sein
in den ersten Wochen des Schuljahres
wurde mit jedem Kind in der Klasse
erarbeitet wozu es denn überhaupt
in die Schule gehe was es denn einmal
werden will und dazu brauchen wird
viel Zeit in die treffende Formulierung
von Lernzielen und deren Reflexion
zu investieren macht Sinn Kinder wollen
lernen und s Gelernte auch überprüfen
wann_ das entscheiden sie hier selbst
trauen sich Kraft ihrer Sinne mehr zu
wenn das Kind sich sicher fühlt es ihm
gut geht sagt Marielle kommt es zu mir
fragt ob es heute nen Test machen kann
so übertragen sich Stück für Stück
gewisse Kompetenzen ganz von allein
Kinder lieben es gefragt zu sein
übernehmen gerne Verantwortung
speziell im Dienste der Gemeinschaft
sei es als Farbstiftspitzer bis hin
zum Streitschlichter und ja selbst das
wird ständig gemeinsam überdacht
das gibt Halt stärkt s Grundvertrauen
schafft Beziehung und Gemeinschaft
s Musterbeispiel vis a vis ist guter
Hoffnung dass sie nicht die einzige ist
die mit ihrem Lehrberuf ihre Berufung
fand was das Schönste daran ist
wollt ich natürlich auch noch wissen
die Antwort »dass ich mit den Kindern
so sein kann wie ich bin« klang als
wäre sie nem Lehrbuch entsprungen
find s traurig dass dem nicht so ist
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