Zombieland

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gelbsucht
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Zombieland

Beitragvon gelbsucht » 08.08.2002, 01:52

Friedrich Nietzsche
Vom Lesen und Schreiben

Von allem Geschriebenen liebe ich nur das, was einer mit seinem Blute schreibt. Schreibe mit Blut: und du wirst erfahren, daß Blut Geist ist.

Es ist nicht leicht möglich, fremdes Blut zu verstehen: ich hasse die lesenden Müßiggänger.

Wer den Leser kennt, der tut nichts mehr für den Leser. Noch ein Jahrhundert Leser - und der Geist selber wird stinken.

Daß jedermann lesen lernen darf, verdirbt auf die Dauer nicht allein das Schreiben, sondern auch das Denken.

Einst war der Geist Gott, dann wurde er zum Menschen, und jetzt wird er gar noch zum Pöbel.

Wer in Blut und Sprüchen schreibt, der will nicht gelesen, sondern auswendig gelernt werden.

(Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Goldmann Verlag 1999)
"Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung." (Heinrich Heine)

Alexander
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Re: Zombieland

Beitragvon Alexander » 14.08.2002, 14:03

So gesehen leben wir in einer schrecklichen Zeit, oder?
Abertausende schreiben für Millionen. Und viele "Schreiblehrer" pochen darauf, dass der zukünftige Schriftsteller sich einprägen muß, was der Leser will! Er soll auf den Leser eingehen!

... Zombieland ... :-|

"Also sprach Zarathustra" habe ich noch vor mir. Zumindest steht es in meinem Regal.

Irgendwie will ich aber nicht an diese Zeilen glauben, denn dann wäre fast jeder Text unverständlich chaotisch - wenn jeder denkt, man könne schreiben, wie man eben schreibt und der Leser sei angehalten, sich in die Welt des Schreibers zu versetzen, dann stehen uns schreckliche Jahre der Verwirrung bevor!

Der tiefere Sinn der Worte bleibt mir noch verschlossen, vielleicht hilft mir die Zeit, ihn zu finden. Dieser Text hier war eine spontante Reaktion.

Gruss,
Alexander

gelbsucht
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Re: Zombieland

Beitragvon gelbsucht » 29.08.2002, 02:02

Wenn aber jemand mit seinem Blut schreibt, wenn er viel opfert, viel gedacht, viel gelitten hat, für das, was er niederschreibt, darf man dann nicht erwarten, daß der Leser auch etwas aufbringt? Daß er auch etwas leidet?

Ist nicht ein Funken Wahrheit daran, daß Lesen uns oft nur zur Zer-Streuung, zum Müßig-Gang, zur Unter-Haltung dient -- wie das Fernsehen? Und kann es nicht viel mehr sein als das?

Und haben sich die Schreibenden nicht darauf eingestellt? Wieviel leichte Kost wird uns dargereicht, die uns die Zeit vertreibt?
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Re: Zombieland

Beitragvon Alexander » 29.08.2002, 11:57

Moin gelbsucht!

Ich gebe Dir ja Recht, es wird viel krudes Zeug geschrieben. Und es geht in Ordnung, wenn man dem Leser auch etwas zumutet. Ich sah in dem Text allerdings die Aufforderung, nur so zu schreiben, wie man selbst es für richtig hält - egal ob andere das herauslesen könnne, was ich meinte, oder nicht.
Das Problem seh ich in den Interpretationsmöglickeiten eines Textes. Wenn sich der Autor so schwammig hält, dass man alles hineininterpretieren läßt, hat er viele Leser erreicht - jeden auf seine Weise - aber hat er damit das erreicht, was er wollte?

Gruss,
Alexander


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