raumlos

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
ariadna
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raumlos

Beitragvon ariadna » 15.05.2002, 13:26

raumlos

vom aufdringlichen lärm
der dunkelheit
und mondgelüsten
einer strahlenden mitternacht
auf die straße getrieben
gehetzt
von unbestimmten zielen
die nur im anhalten
zu erreichen sind

ich lief also
mit nackten füßen
blind
aber immerhin lebendig
(ganz nur zeit ohne raum)
atemlos
und froh
über den plötzlichen regen
und den fremden tropfen
auf meinem gesicht.

bemerkung: das gedicht ist ziemlich alt, aber ich finde gerade keine neuen gedichte vin mir- wo sind die bloß? :-|
vielleicht kann trotzdem jemand was damit anfangen.
gruß,
ariadna.

gelbsucht
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Re: raumlos

Beitragvon gelbsucht » 15.05.2002, 21:26

Hallo du,

ich werde mal ganz spontan meine ersten Eindrücke vermitteln und vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt ins Detail gehen: die Adjektive sind bisweilen etwas aufdringlich, etwas häufig, das ist das erste, was ich GEDACHT habe.
vom aufdringlichen lärm
der dunkelheit
Das ist toll!
und mondgelüsten
einer strahlenden mitternacht
Sorry, aber das zerstört gleich wieder alles: das ist eine Romantik, die mir dann doch zu kitschig ist. Etwas dezenter, etwas selbstständiger sollte es schon sein.
gehetzt
von unbestimmten zielen
die nur im anhalten
zu erreichen sind
Das hat wieder einen eher philosophischen, nachdenklichen Touch, der sich in dieses Gedicht aber viel besser intergriert als in deinen Erstling. Diese vier Verse gefallen mir ganz besonders gut.

Die zweite Strophe erregt noch meinen Widerwillen: zuviel Adjektive, zuviel gewollte Stimmung, von der ich nicht angesteckt werde.
aber immerhin lebendig
Diesen Vers fand ich lustig, aber fürchte, daß er nicht so gemeint war.

MfG,
gelbsucht
"Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung." (Heinrich Heine)

ariadna
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Re: raumlos

Beitragvon ariadna » 18.05.2002, 20:43

tja. du kannst das so trennen. ich nicht.
für mich ist es wirklich ein bild, eine stimmung, die ich sehr gut kenne.
man kann natürlich nicht erwarten, dass jeder das nachfühlen kann.
die sprache ist ein tückisch´ instrument!!

aber einmal habe ich diese stimmung wiedergefunden. in einem anderen gedicht.
"angoisse"(angst) von stéphane mallarmé.
da er wirklich ein meister der sprache ist, schlage ich dir vor das zu lesen. ich stell´s mal zu den lieblingsgedichten.
kannst du französisch? auf französisch ist es noch viel besser. aber auf deutsch geht´s auch.
;-)
gruß.
ariadna

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Re: raumlos

Beitragvon gelbsucht » 28.05.2002, 00:35

Wie, es soll in deinem Gedicht um Angst gehen? Zumindest schließe ich das aus dem Titel des Gedichtes, welches du zur Erklärung der Stimmung heranziehst.

man kann natürlich nicht erwarten, dass jeder das nachfühlen kann. die sprache ist ein tückisch´ Instrument!!
Vielleicht liegt es ja an deinem Gedicht, daß ich die Stimmung nicht nachvollziehen kann? :-D Vielleicht hast du es ja nicht geschafft, die Stimmung zu vermitteln? Wie du sagst: die Sprache ist ein tükisch Instrument!! Ein Instrument?

Angst? Sorry, aber ich kann die Stimmung wirklich nicht nachvollziehen. Ich dachte erst es geht um Gehetztsein, um die Hektik und Kurzweiligkeit der modernen Gesellschaft. Leider muß ich zugeben, daß mein erster Eindruck immer noch dominiert.
du kannst das so trennen. ich nicht.
Was meinst du damit??? Was kann ich trennen?

kannst du französisch?
Leider nicht, und ich bedauere das sehr, denn zwei meiner absoluten Lieblingsdichter sind/waren Franzosen: Rimbaud und Baudelaire.

MfG,
gelbsucht
"Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung." (Heinrich Heine)


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