Nevermore hat geschrieben:Hay Perry

Danke für den Tipp. Wer ich mir zu Herzen nehmen.
Aber eine Frage habe ich gerade... Meinst du damit, ich sollte das 'Gedicht' etwas positiver machen?
Lg, Nevermore.
zwischen "positiver" und "subtiler" ist ein großer unterschied.
ich denke es ist wichtig, so man schreiben möchte, sich in den bereichen der nuancen ebenso flüssig bewegen zu können wie in den bereichen der extreme.
perry hat etwas wichtiges angesprochen: du hast sehr starke worte sehr sallopp in den raum geworfen, sie finden keine erklärung, keinen aufbau - sie sind einfach da.
das ist sehr offensichtlich und damit wenig elegant.
die masse junger bis sehr junger gedichteschreiber verwendet eine ähnliche form, immer wieder werden die selben zwanzig "großen wörter" mit bindemittel zusammengefugt um sie zu einer neuen wunde zu schreiben.
Um es dir zu verdeutlichen:
Kälte
So schmerzlich
In seinem Herz
Es tut so weh
Trauer.
"kälte"
- es ist kalt hier
"so schmerzlich"
- seine nerven feuern, rumort
"in seinem herz"
- ein schmerz, gleich fern und nah in ihm
schräg unterm herz
- "es tut so weh"
- müßig schließt er das fenster,
sein atem geht schwer dabei
- "trauer"
- trauer wiegt.
--
es ist kalt hier
seine nerven feuern, rumort
ein schmerz, gleich fern und nah in ihm
schräg unterm herz.
müßig schließt er das fenster,
sein atem geht schwer dabei.
trauer wiegt.
---
was ich hier gemacht habe, war nichts weltbewegendes
ich habe den worten einen platz in einem raum zugeordnet, den ich gleichsam versucht habe zu beschreiben.
der raum ist karg, denn er hat fenster und einen mann.
der raum ist nicht groß genug einen schmerz zu fassen, einen schmerz der seinen platz schräg unterm herz hat ("da wo der magen anfängt" - wäre auch ein akzeptabler titel für das gedicht) den ich zum schluss auf die trauer führe, die dieser mann trägt: wie trägt er sie? unter schwerem atmen, unter müßiggang, in der starre von kälte, die er zu vertreiben sucht in dem er das fenster schließt.
das ist natürlich nur eine interpretation von mir - und riemsche hat es treffend gesagt: du findest dein eigenes ding bald.
sieh nicht direkt die worte, die ich dir jetzt vorgeschlagen habe - das sind meine - sieh das zugrunde liegende muster vom "literarischen raum".
einen ort, den du wenn du eine idee hast, bereits "fühlst", den du allerdings über gewisse strukturen im text auch fühlbar machen musst, um deinen ausdruck zu vermitteln, einen eindruck zu schaffen.
dieser balanceakt fällt manchmal leicht, manchmal treibt er einen schier in den wahnsinn.
in jedemfalle wünsche ich dir viel glück bei weiteren textschöpfungen
und wir lesen uns bestimmt auch hier

liebe grüße,
p.