Das Hochwasser Anno 2002

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
gelbsucht
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Das Hochwasser Anno 2002

Beitragvon gelbsucht » 01.09.2002, 03:29

Das Hochwasser Anno 2002

Die Dämme sind gebrochen,
Das Wasser schlingt das Land,
Aus Bächen werden Fluten
Und nichts hält ihnen stand.

Die Dämme sind gebrochen,
Das Wasser schlingt das Land,
Es füllen tausend Helfer
Millionen Säcke Sand.

Die Dämme sind gebrochen,
Das Wasser schlingt das Land,
Der Kriegsschauplatz erscheint,
Wo erst die Flut verschwand.

Die Dämme sind gebrochen,
Das Wasser schlingt das Land,
Die Straßen sind jetzt Gräben
Und Häusern fehlt die Wand.

Die Dämme sind gebrochen,
Das Wasser schlingt das Land,
Es stehen nur die Pfeiler,
Wo einst die Brücke stand.

Die Dämme sind gebrochen,
Das Wasser schlingt das Land,
Es stockt, es stinkt, im Putz
Verbleibt ein dunkler Rand.

Die Dämme sind gebrochen,
Das Wasser schlingt das Land
Und Überleben heißt:
Dir bleibt die leere Hand.
"Ein Kluger bemerkt alles - ein Dummer macht über alles eine Bemerkung." (Heinrich Heine)

Archäopterix
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Re: Das Hochwasser Anno 2002

Beitragvon Archäopterix » 03.09.2002, 20:12

Hallo gelbsucht,

findest du wirklich, dass eine Sammlung von Strophen im Rhythmus von Abzählreimen einer Katastrophe diesen Ausmaßes gerecht wird?

Auch die Verstümmelung des Wortes "verschlingt" zu "schlingt" um des Metrums willen halte ich für nicht sonderlich gelungen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich generell gegen unnatürlich herbeigeführte Reime bin.

LG
Archäopterix

P.S.: Wie du siehst bin ich noch da. Allerdings werde ich zunächst nicht mehr selbst posten (dafür aber mehr Meinung äußern).
In mir schlummert ein Genie - nur wird das Biest nicht wach...

gelbsucht
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Re: Das Hochwasser Anno 2002

Beitragvon gelbsucht » 04.09.2002, 01:16

Hallo Archäopterix,

schön, daß du noch da bist! Daß du keine eigenen Gedichte mehr posten willst, kann ich irgendwie verstehen.
findest du wirklich, dass eine Sammlung von Strophen im Rhythmus von Abzählreimen einer Katastrophe diesen Ausmaßes gerecht wird?
Ich werde diese rhetorische Frage nicht beantworten. Das mußt du schon selbst beurteilen und kritisieren und diese Aufgabe werde ich dir, als Autor, nicht auch noch abnehmen. Außerdem weiß ich nicht recht, was du mit Abzählreimen meinst, da ich darunter etwas anders verstehe: nämlich einen meist 4hebigen Trochäus mit einfachen Paarreimen. Weder das eine noch das andere, trifft auf das obige Gedicht zu.
Auch die Verstümmelung des Wortes "verschlingt" zu "schlingt" um des Metrums willen halte ich für nicht sonderlich gelungen.
Wenn du meinst! Muß ich mich jetzt der Schlechte, der Schlächter, der Wortverstümmler nennen? :-D Verschlungen schlingen Schlangen die kleinen Präfixe in einem hinunter. Fühlen sie denn nicht den Biß der Gevatterin, die sich das heilige orthographische Gewissen nennt?
Ich muss allerdings zugeben, dass ich generell gegen unnatürlich herbeigeführte Reime bin.
Das wiederum verstehe ich nicht. Könntest du das noch etwas näher erläutern? Meinst du damit die häufige Wiederholung des Reimes auf "Land"? Was ist daran "unnatürlich herbeigeführt"?

MfG,
gelbsucht
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Re: Das Hochwasser Anno 2002

Beitragvon Archäopterix » 04.09.2002, 20:31

Hallo gelbsucht,

was genau meinst du wenn du sagst, du könntest verstehen, dass ich vorerst keine eigenen Werke posten will???

An einen Abzählreim erinnert mich bei deinem Gedicht der leiernde Rhythmus, der sich beim lauten lesen einstellt. Ich finde dies wird einer so kraftvollen Naturgewalt wie einer Flut nicht gerecht.

Ein unnatürlicher Reim ist für mich das Herbeiführen eines umgestellten Satzgefüges nur um des Reimes willen. Beim lesen deines Gedichts entstand dieser Eindruck für mich.Und auch nachdem ich festgestellt habe, dass die meisten Sätze grammatikalisch korrekt sind ist der Eindruck dennoch geblieben.

LG
Archäopterix
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Re: Das Hochwasser Anno 2002

Beitragvon gelbsucht » 04.09.2002, 21:32

Na, das sind doch mal ein paar Aussagen, Archäopterix!

Ich laß das einfach mal so stehen, was du bezüglich des Gedichtes denkst und bedanke mich für deine Stellungnahme, dein Urteil, deine Meinung. Vielleicht findet sich noch jemand, der es kommentiert und sich dem, was du gesagt hast, anschließt. Es ist für mich ja wichtig, zu erfahren, welche -- oftmals auch ganz subjektiven -- "Eindrücke" das Gedicht hinterläßt und auch ein negativer ist mir am Ende hilfreicher, als gar keiner.
was genau meinst du wenn du sagst, du könntest verstehen, dass ich vorerst keine eigenen Werke posten will???
Ich glaube, daß dir viele der Äußerungen zu deinem letzten hier veröffentlichten Gedicht nicht gefallen haben. Ich hab sie zwar für sachlich gehalten, aber du hast sie offensichtlich als Angriffe auf deine Person erachtet. Da ich bereits seit geraumer Zeit in anderen Foren veröffentliche, ist mein Fell schon etwas dicker geworden, aber ich erinnere mich auch gut an meine Anfangszeit, in der ich auch immer sehr schnell persönlich beleidigt war, wenn meine Gedichte von den "Kritikern" zerrissen wurden. Es steckt ja immer auch ein Stück von einem selbst in so einem Gedicht mit drin. Insofern kann ich verstehen, daß dein letztes Posting in gewisser Weise eine schmerzhafte Erfahrung für dich war und, daß du daher eine Zeit lang hier nichts mehr veröffentlichen willst. Und wir sind sicher nicht die ersten, denen es so ergangen ist:

Johann Wolfgang von Goethe

Dilettant und Kritiker

Es hatt ein Knab eine Taube zart,
Gar schön von Farben und bunt,
Gar herzlich lieb, nach Knabenart,
Geätzet aus seinem Mund,
Und hatte so Freud am Täubchen sein,
Daß er nicht konnte sich freuen allein.

Da lebte nicht weit ein Alt-Fuchs herum,
Erfahren und lehrreich und schwätzig darum;
Der hatte den Knaben manch Stündlein ergetzt;
Mit Wundern und Lügen verprahlt und verschwätzt.

"Muß meinem Fuchs doch mein Täubelein zeigen!"
Er lief und fand ihn strecken in Sträuchen.
"Sieh, Fuchs, mein lieb Täublein, mein Täubchen so schön!
Hast du dein Tag so ein Täubchen gesehn?"

Zeig her! - Der Knabe reichts. - Geht wohl an;
Aber es fehlt noch manches dran.
Die Federn, zum Exempel, sind zu kurz geraten. -
Da fing er an, rupft' sich den Braten.
Der Knabe schrie. - Du mußt stärkre einsetzen,
Sonst zierts nicht, schwinget nicht. -
Da wars nackt - Mißgeburt! - und in Fetzen.
Dem Knaben das Herze bricht.

Wer sich erkennt im Knaben gut,
Der sei vor Füchsen auf seiner Hut.

MfG,
gelbsucht
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Re: Das Hochwasser Anno 2002

Beitragvon Archäopterix » 04.09.2002, 22:11

Da hast du mich doch jetzt direkt zum lächeln gebracht...

Hallo gelbsucht,

es beruhigt mich sehr, dass ich mich in so guter Gesellschaft befinde was "durchkritikgetroffensein" betrifft.

Und: Ja, ich finde, ihr seid bei der Wahl eurer Worte in den Kritiken manchmal ein kleines bisschen unsensibel und speziell bei dir kommt es auch gelegentlich überheblich rüber. Dies ist ausschließlich mein Empfinden und da ich dich persönlich nicht kenne kein Urteil was deine Person betrifft.
Auch ich habe schon in anderen Foren veröffentlicht. Dort habe ich allerdings überhaupt keine Rückmeldung bekommen und es deshalb auch wieder aufgehört.

Naja, wenn mir das nächste Mal was einfällt werde ich euch eh wieder damit belästigen - also bis bald,

Archäopterix
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