grübeln

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
yoyo
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grübeln

Beitragvon yoyo » 18.09.2002, 22:14

grübeln.
nachdenken.
wühlen in gedanken.
die erde lockern in der wächst
was mich lebt.

gelbsucht
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Re: grübeln

Beitragvon gelbsucht » 19.09.2002, 01:25

Hallo yoyo,

du scheinst einen Hang zu prägnaten, nur auf das Essentielle beschränkten Gedichten zu haben. Das hat was.

Hier gefallen mir persönlich die Ausdrücke "wühlen in gedanken" und "die erde lockern" sehr gut. Das weckt in mir viele Assoziationen, da ich mich selbst auch zu den Grüblern zähle - ich spreche dann oft davon, daß ich die ganze Nacht wieder einmal "Gedanken gewälzt" oder "gerollt" habe, wenn mich mein Gehirn nicht schlafen ließ und lange Ketten von Gedanken sich durch die Nacht zogen. Darum finde ich das Gedicht sehr treffend.

Sprachlich macht hier nur meiner Meinung nach der letzte Satz keinen Sinn: "in der wächst was mich lebt." Vielleicht solltest du das "mich" weglassen oder lieber schreiben "in der wächst was mich belebt". Die Aussage ist mir auch nicht ganz klar, deswegen kann ich dir keinen konkreteren Vorschlag machen, auf jeden Fall klingt es so, wie es ist, ziemlich schief.

Nicht alle deiner prägnanten Gedichte haben mir was gesagt. Aber dieses finde ich richtig gut.

MfG,
gelbsucht
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malino
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Re: grübeln

Beitragvon malino » 19.09.2002, 02:09

"Was mich lebt", ich versteh was du meinst,
es ist wie "es denkt mich" (wer war das gleich, Kleist? Novalis?)
Es lebt mich... ist für mich eher das Körperliche, mein Herzschlag, mein Atem,
der mich einfach weiterleben lässt, ohne mein Zutun...

Was meinst du denn damit?

malino

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Re: grübeln

Beitragvon yoyo » 20.09.2002, 00:58

hallo malino und gelbsucht
vielleicht wäre es so präziser?

grübeln.
nachdenken.
wühlen in gedanken.
die erde lockern in der wächst
was ich lebe.

gruss

yoyo

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Re: grübeln

Beitragvon razorback » 20.09.2002, 10:30

NEIN! Bleib bei was mich lebt!!!! Das war gut! (Du hast es doch so gemeint, oder?)
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gelbsucht
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Re: grübeln

Beitragvon gelbsucht » 20.09.2002, 21:03

Also ich verstehe weder den Sinn des einen noch des anderen. Deswegen kann ich nichts dazu sagen und auch nicht entscheiden, welche Variante besser wäre.

Mich lebt etwas

Ich lebe etwas

Was soll das bedeuten? Für mich würden rein grammatikalisch Sätze wie "Ich lebe" einen Sinn ergeben ... oder Sätze wie "Ich erlebe etwas" oder "Ich durchlebe etwas". Vielleicht sagt man auch: "einen Traum leben" - das würde hier am ehesten an den Sinn der Worte grenzen. Mein Problem ist der Zusammenhang mit den Worten "in der wächst, was ..." und, daß dieses "etwas", dieses "was" offen bleibt. Ich werde mal noch ein bißchen "grübeln", vielleicht werde ich dann dem Gedicht gerecht. ;-)

MfG,
gelbsucht
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Re: grübeln

Beitragvon yoyo » 20.09.2002, 23:57

ich "erhöre" razorback.


"grübeln.
nachdenken.
wühlen in gedanken.
die erde lockern in der wächst..."


das ist der aktive teil des gedichts:

wer wäre ich, ohne meine gedanken?
wie würde mein leben verlaufen wenn ich mich nicht bewusst mit meinem leben beschäftigen würde?
das gedankenwälzen beeinflusst mein leben auf positive weise ("die erde lockern")
und ermöglicht neues (gewachsen aus meinen gedanken)

"was mich lebt."
=passiv. ich denke, also bin ich. ;-)

.....hmm.... grübel.


yoyo

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Re: grübeln

Beitragvon gelbsucht » 21.09.2002, 00:40

Warum dann nicht einfach:

die erde lockern in der wächst
was ich bin

?
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Re: grübeln

Beitragvon cute sushi lunches » 21.09.2002, 00:48

Nein,lass es doch so,wie's ist.
*was mich lebt*,das mag sprachlich gesehen falsch sein,aber wir können es doch als eine neue Wortschöpfung oder was auch immer nennen.Ich kann mir jedenfalls etwas darunter vorstellen.Es klingt passiv und fast ein wenig distanziert.Die Welt um einen herum beeinflusst das Denken...oder so.Ich find's insgesamt jedenfalls sehr schön.

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Re: grübeln

Beitragvon gelbsucht » 21.09.2002, 19:20

Ja, yoyo, am besten läßt du es so, wie es ganz am Anfang war ... laß dich nicht durch Erbsenzähler, wie mich, verunsichern!

MfG,
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Re: grübeln

Beitragvon yoyo » 22.09.2002, 20:05

ich lasse mich gern verunsichern, malino.
das regt zum grübeln an, auch wenn am schluss alles beim alten bleibt...

also: verunsichere weiter. das bringt leben in dieses forum.

("leben ins forum bringen.." wie soll man das denn nun wieder verstehen...grübel)

mfg

yoyo

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Re: grübeln

Beitragvon razorback » 23.09.2002, 17:29

Hey, sie hat mich erhört ;-)

Ich finde die Formulierung deshalb so passend, weil sie den unwillkürlichen Teil dessen, was wir tun und sind, treffend beschreibt. Den, der zwar Teil von uns ist, von dem wir aber nicht wissen, wo er herkommt, was ihn antreibt und was er tut, für den wir aber ständig "die Erde lockern".

Spiderman denkt jetzt vermutlich darüber nach, ob ich nicht vielleicht ein interessantes Thema für seine Doktorarbeit wäre (falls er eine schreiben will). Oder ist klynische Psychologie nicht Deins? :-D
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Re: grübeln

Beitragvon razorback » 23.09.2002, 17:29

Zweimal gepostet... esgeht schon los...
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Re: grübeln

Beitragvon yoyo » 24.09.2002, 23:02

razorback!

Ich finde die Formulierung deshalb so passend, weil sie den unwillkürlichen Teil dessen, was wir tun und sind, treffend beschreibt. Den, der zwar Teil von uns ist, von dem wir aber nicht wissen, wo er herkommt, was ihn antreibt und was er tut, für den wir aber ständig "die Erde lockern".


das hast du sehr treffend und wunderschön gesagt!

was soll ich dazu noch sagen?!

yoyo


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