Persönlichkeit

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mondenschnee
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Persönlichkeit

Beitragvon mondenschnee » 11.10.2005, 23:10

räusper...entschuldigung...entschuldigung bitte, ich würde gerne etwas sein.
danke. es ist so: ich habe lange...hallo? würden sie dann auch...nur fünf minuten bitte.

ich freue mich sehr, heute sein zu dürfen.
lange habe ich auf diesen moment gewartet.
all die entbehrungen habe ich gerne auf mich genommen,
nun da ich ihre früchte sehe.

würde mir morgen einer sagen was ich heute bin,
ich würde es ihm nicht glauben.
denn ich muss genießen,
da bleibt für sowas keine zeit.

das ist ein unglaubliches gefühl
ich werde das hier nie vergessen.
vielen dank für ihre zeit
es ist die mühe wert gewesen.

ich danke ihnen, bitte gehen Sie weiter
mich gibt es hier nicht zu sehen.

vogel
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Re: Persönlichkeit

Beitragvon vogel » 12.10.2005, 11:36

Hi mondenschnee.

Da kommt von mir gleich mal ein Post zurück ;-)

Ich mag den Text irgendwie. Doch möcht ich etwas ausführlicher dazu schreiben ;-)

Persönlichkeit
als Titel. Ich persönlich :-D finde das sehr einengend. Wenn ich genau drüber nachdenke, ist es so, dass der Text für mich vollkommen losgelöst von dem Titel exsitiert. Vielleicht noch mal ändern ?

räusper...entschuldigung...entschuldigung bitte, ich würde gerne etwas sein.
danke. es ist so: ich habe lange...hallo? würden sie dann auch...nur fünf minuten bitte.
Dieser erste Teil ist vollkommen als der zweite Teil. Das LI ist schüchtern, ringt nach Aufmerksamkeit.
Doch wie kommt es plötzlich auf eine Bühne, wie im Zweiten Teil ?
Denn im zweiten Teil erzählt das LI über sein Leben, etc, und da ist es ja schon was gewesen.


An sich, ist der Text ein Reziproke des Lebens oder ? Irgendwie empfinde ich ihn gleichzeitig als eine ehrliche Rede eines LI, dass nun an sein Zeil gelangt ist; anderer Seit aber auch als Spott und Hohn. Man kann nicht immer nur genießen, man kann nicht nur Früchte ernten. Man muss dafür was tun.
Und im Endeffeckt wars fürs Nichts.

Ich finde übrigens auch gut, wie du mit diesen Alltäglichen Wendungen spielst :
ich danke ihnen, bitte gehen Sie weiter
mich gibt es hier nicht zu sehen.
"Bitte gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehn." Beim Unfall. Nur dass das LI nicht mehr da ist, dass es nicht bestaunt werden will, denn anscheinend war es nie da ... Das ewige Spiel, bin da und doch nicht ..



Doch, gefällt.


Greetz, kv
Mein Ich ist ein Pfogel aus Metall, doch Du hast ihn berührt und beschützt.

mög
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Re: Persönlichkeit

Beitragvon mög » 12.10.2005, 14:20

Hm. Für mich ist das eigentlich exemplarisch dafür, wie man die eigene Persönlichkeit hinter Phrasen versteckt; das klingt ja alles schon ein bisschen nach der Standard-Rede bei der großen Ehrung. Ich dachte eigentlich, das sei die Intention des Texte und habe mir so den Titel erklärt.

Aber die Interpretation vom kleinen Vogel geht ja in eine ganz andere Richtung.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)

Hamburger
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Re: Persönlichkeit

Beitragvon Hamburger » 13.10.2005, 01:34

Hallo mondenschnee,

ich mag den Text auch. Obwohl er sehr einfach geschrieben ist und keine besonderen Bilder enthält übt er einen Reiz auf mich aus.

Meine Interpretation:

Das LI möchte "etwas sein", aber das einzige Besondere ist dann während der Rede des LI der Mittelpunkt, in dem es steht. Die Persönlichkeit des LI spielt im gesamten Text keine Rolle.

Es will Aufmerksamkeit, es bekommt sie und schon ist es etwas.

Lange scheint es beim ersten Lesen möglich als karrikiertest du dein nach Aufmerksamkeit lechzendes LI vor, aber allerspätestens durch diesen Schluss...


ich danke ihnen, bitte gehen Sie weiter
mich gibt es hier nicht zu sehen.


lässt du durchscheinen, dass hier das LI
(der Redner) mit seinen Zuhörer spielt.
Im Wissen nicht wirklich was zu sagen zu haben oder gar etwas von seiner Persönlichkeit preis zu geben (insofern ist der Titel ironisch zu verstehen) steht das LI im Rampenlicht - und genießt seine 5 Minuten Ruhm (angelehnt an Andy Wahrhol? ;-) )

Umso interessanter wird der Text, weil das auch ein Schlaglicht aufs ohne Frage intelligente LI wirft - welches solche Spielchen offensichtlich dennoch zum Heben des Selbstwertgefühls nötig hat...

Fazit: Mit wenig Mitteln große Wirkung erzielt - schöne Satire zum Thema "Schein und Sein".

Bitte mehr davon.

Liebe Grüße,

Ham
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)

mondenschnee
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Re: Persönlichkeit

Beitragvon mondenschnee » 14.10.2005, 01:53

Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank für die Kommentare! Interessanterweise finden sich in jedem Kommentar Dinge, die ich beim Schreiben des Textes bezwecken wollte. Selbst dann, wenn sich manche Kommentare auf den ersten Blick nicht sehr ähneln.

Aber das mag ich eigentlich selbst an dem Text - per Unfall vielseitig :-D

Mit dem Titel bin ich allerdings auch noch nicht so ganz zufrieden. Vielleicht fällt mir noch was besseres ein. Er sollte auf jeden Fall die Ironie herausbringen (wie es Hamburger ja auch schon angesprochen hat). Allerdings denke ich, dass das LI keine echte Persönlichkeit hat und somit die berühmten fünf Minuten Ruhm somit zur Farce werden und kein wirklicher Ruhm mehr sind. Aber der er es selbst erkennt...vielleicht macht ihn das ja wieder zu einer viel subtileren Persönlichkeit? :-))

Liebe Grüße

mondenschnee

Hamburger
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Re: Persönlichkeit

Beitragvon Hamburger » 20.10.2005, 15:32

Hallo mondenschnee,

noch zwei nachträgliche Kritikpunkte…

1)


Aber das mag ich eigentlich selbst an dem Text - per Unfall vielseitig :-D


Bist du denn des Wahnsinns das zuzugeben? Die Vielseitigkeit des Textes war natürlich deine volle ABSICHT.

Wie du im oberen Absatz schon schreibst…


Interessanterweise finden sich in jedem Kommentar Dinge, die ich beim Schreiben des Textes bezwecken wollte.


…war das alles genau so gewollt. Es gab mal einen Fussballspieler bei Cottbus, der hat ein Tor erzielt aus 40 Metern Torentfernung – und zwar von der Außenlinie!
Später vom Reporter gefragt ob dies Absicht war gab er frank und frei zu es sei Zufall gewesen. Sein Trainer tobte als er darauf angesprochen wurde und machte deutlich, das der Spieler dieses Tor natürlich mit voller Absicht so und nicht anders erzielen wollte: „So was wird bei uns trainiert…“

Dies als kleine, nicht ganz ernst gemeinte Lehre… ;-)

2)

Und mir ist im Nachhinein noch aufgefallen, dass mich noch etwas an dem Text stört – und zwar das der Handlungskontext, das Setting, sehr unbestimmt ist. Ich weiß als Leser nicht wer da wo zu wem redet – das lässt den Text ein bisschen beliebig werden, finde ich. Okay, ich kann mir eine Bühne vorstellen und jemand der drauf steht und zu den Zuhörern spricht – mehr aber auch nicht. Insofern könnte deine bisherige Geschichte auch gut die Basis zum Schreiben einer längeren Geschichte bilden, in der noch ne` ganze Menge zum Charakter der Situation, der Zuhörenden und des LI subtil fallen gelassen werden könnte. Nur so als Tipp…

1 Gruß an dich,

Ham
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