Die Ohnmacht des Schreibers ist die Macht des Tagebuchs

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Pentzw
Hippokrene
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Die Ohnmacht des Schreibers ist die Macht des Tagebuchs

Beitragvon Pentzw » 28.11.2016, 12:18

Mein kleines, liebes Tagebuch, Dir habe ich es letztlich zu verdanken, dass ich meine Arbeit, meinen Job, meine „bezahlte“ Beschäftigung verloren habe, innerhalb weniger Tage, in nur drei Tagen habe ich eine Kündigung erhalten, „damit endet Ihre Tätigkeit“ bei uns, beim Staat, beim gelobten, demokratischen, leistungsorientierten, rationellen, über alles gelobten Staat und liebes Tagebuch, damit Du Bescheid weißt und damit es alle erfahren, was Du angerichtet hast, das kam so...

Ich hatte eine wirklich eine nette Chefin, bei der ich brav wie ein Schüler vor ihr saß, Hände in dem Schoß gelegt und auf ihre Anweisungen wartete, unterdessen sie ihrem Sohn, mit einer Kollegin und mit der ganzen Welt telefonierte, bis sie sich mir zuzuwenden beliebte. So viel Vertrauen herrschte zwischen uns, bis zu dem Moment, als ich bei einer ihrer Telefonate Dich, mein Tagebuch, herausholte und darin zu schreiben begann. „Daß sie mir nur Gutes über mich schreiben!“ Wandte sich diese mein Gegenüber mir plötzlich zu.
„Ich schreibe nur auf die Zeit, das Datum, den Ort, wie geschlafen, was noch zu tun wäre, wie sich meine derzeitigen persönlichen Beziehungen gestalteten...“ Über sie zu schreiben!? – sie war keine persönliche Bekanntschaft, also warum?
„Sie schreiben bestimmt Schreckliches über mich.“ Horrorgeschichten über einen Vorgesetzten? Gibt es viele. Über eine weibliche könnte ich auch dazu beitragen, aber über diese konnte ich bislang keinen Mosaikstein in dieses Bild fügen – noch.
„Nein, ich habe keinen Anlass dazu. Ich schreibe einfach, was mir in den Sinn kommt...“ Zunächst schrieb ich meist die formalen Daten auf, dann die persönlichen, wenn mir nichts mehr einfiel, wenn ich mich bedroht fühlte auch, das stimmt, dann schrieb ich einfach das auf, was ich wahrnahm, was auf mich einströmte und mir gerade in den Sinn kam. Aber diese sanfte Stimme, feminine Art meiner Vorgesetzten empfand ich zu keinen Zeiten bislang als einschüchternd.
Dieses „noch“ – ich hatte es nur gedacht, es war nur ein Einsprengsel innerhalb eines Satzes, er war mir nicht über die Lippen gekommen – noch.
Angst ist leider eine hoch ansteckende Krankheit, die sich nun von ihr auf mich übertrug.
„Aber Sie schreiben über mich!“ Augen, große Augen sah ich. Aus diesem drang ein Blick von oben herab auf mich, auf mein kleines Tagebuch, meinen Stift und meiner Geste des Schreibens, bei dem man sich ja mit sämtlichen Fasern des Körpers nach unten richtete, auf das Stück Papier, den kleinen, geraden Stift und die gekrümmten Hände.
Ich sagte daraufhin: „Noch kann ich doch nichts Schlechtes über sie schreiben...“
Ich hätte lieber den Satz umdrehen sollen: „Ich kann nur Gutes über sie schreiben.“
Mit einem kleinen Wort verändert sich oftmals eine Beziehung. Wahrscheinlich war die Veränderung schon da, ab dem Moment, als ich den Stift, ab der Handlung, wo ich etwas Belangloses in mein Tagebuch auf- und niederschrieb.

Danach verwandelte sich die nette, liebevolle „Vorgesetzte“, nenne man sie, wie auch immer, in eine Diktatorin, kurzum sie trug mir im Kommenden Dinge auf zu tun, die um ihrer selbst willen zu tun waren, nur nicht im Dienste der Sache der Beschäftigung, des Jobs, des Auftrages, nenne man/frau es, wie auch immer.

(Jetzt kommt der Moment der Geschichte, in der ich die Reihenfolge, die Chronologie nicht mehr einhalten kann. Ich weiß nicht zu sagen, geschah dies vor der Moment, vor der Sitzung, in dem sie Panik vor meinem Tagebuch bekam?)
Sie war lässlich gewesen in der Bezahlung, Vergütung, Entlohnung meiner Dienstleistungen, die, als ich sie drängend einfordern wollte, mit „Sie nerven!“ quittierte. Diese Lässlichkeit war nicht auf dieses Wort zurückzuführen. Schließlich hatte ich mich Monate dazu angestrengt, sie überhaupt sprechen zu dürfen. Außerdem war dieses „Noch“ just in dem Gespräch gefallen, das auf dieses Sie-Nerven! gefolgt war, was hieß, sie nerven mich, ihren gerechten Lohn einzufordern.
(Jetzt kommt die Stelle, in der ich interpretiere, nicht mehr nur Fakten aufschreibe...
Natürlich, sie hatte Angst, in einer hintersten Ecke ihres Gehirns war sie sich über ihre nicht gerechte Handlung, mir meine Vergütung zuzugestehen, bewusst: sie glaubte mir nicht, dass ich Tagebuch schrieb, sie befürchtete, ich führte nun über unser Gespräch Protokoll, das ich gegen sie verwenden konnte. Da halfen keine Beteuerungen mehr...)

Die Hierarchie einer Behörde erlaubt die Konsultation oberer Chargen oder solcher, die politisch gewählt worden sind und zudem verantwortlich sind. Die Konsultierten lobhudelten mich von dem, was ich einforderte, weil tatsächlich erarbeitet, sprich von meinem Anspruch hinweg: „Ihre Arbeit wird sehr geschätzt, aber ich bin dafür leider nicht mehr zuständig, weil ihr Aufgabenbereich einer andren Stelle übertragen worden ist.“
Leider schützte diese Wertschätzung meines Einsatzes, Engagements und Mehr-Tuns, als pro forma vorgeschrieben ist, wobei sich herausstellte, dass selbst vorgeschriebene Arbeitstätigkeiten versäumt worden waren, bezahlt zu werden, mich nicht davor, diese Arbeit als Grund herzunehmen, um mich innerhalb von drei Tagen zu feuern – arbeitsrechtlichen Schutz in einer Behörde eines bundesrepublikanischen Staates mit einer Verfassung, die Artikel hat wie der Nummer 20 oder X, wonach... aber Papier ist geduldig.
Der zuständige Bürgermeister, christlich-sozial dachte wohl: „Jesus hat mehr gelitten...“ und rieb sich wie Paulus die Hände in Unschuld. Was das soziale Attribut anbelangte, das seine Partei zierte, der er angehörte, war er nicht anders als der zweite Politiker, der sozialdemokratische Landrat, der mich nicht einmal mit warmherzigen Worten bedienen musste oder wollte, da nicht erreichbar war, um mich abzuwimmeln, abzuspeisen und wegzuloben, „einzulullen“, sagt man hierorts: er lullt dich ein, indem er dich abschnullt, lutscht, bis er dich satt hat, um dich dann, ausgelutscht, auszuflutschen aus seinem Mund, um es einmal vornehm auszudrücken, zu um- und beschreiben...

(Ja, Tagebuch, Dich klage ich an: Du hast meine Arbeitslosigkeit verursacht, herbeigeführt, herangeschrieben. (Was bleibt mir auch übrig, es anzuklagen. Gegen die Herren und Damen habe ich keine Chance, sie zur Rechenschaft, zum Bekenntnis zu ziehen, geschweige denn mir zu helfen, mit dazu beizutragen, das zu geben, was mir zusteht per... Aber Papier ist geduldig. Nicht wahr, Mein liebes Tagebuch?)

22. November Bamberg 15 Uhr 22 MEZ

Ich erinnere mich jetzt, dass mich auch hier der Staat als Körperschaft öffentlichen Rechtes die Universität Bamberg, insbesondere der Lehrstuhl für Personalführung der Fakultät Wirtschaftswissenschaften in der Ägide eines Herrn Schönfelder mit besonderer Hilfestellung eines vermeintlich Grünen Rechtsanwaltes namens Schott und eines Amtsrichters um mein Salär gebracht hat.


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Sie nerven! -

Beitragvon Pentzw » 16.06.2017, 20:52

„Sie nerven!“
Aber ich wollte mein Geld haben, meinen mir rechtmäßig zustehenden Lohn. Dazu hatte ich mich nun fast drei Monate darum kümmern, Telefonanrufe führen, Bittgesuche auf Anrufbeantworter und Briefpapier erstellen müssen, um von dieser hohen Dame, der Leiterin einer sogenannten Volkshochschule in meiner Stadt, bei der ich zu Hochzeiten der Flüchtlingswelle beschäftigt worden und in die Bresche gesprungen war, um die lerneifrigen Syrer, Iraker usw. mit Deutschkenntnissen zu bedienen, oftmals ohne Auftrag von der nicht auffind- und erreichbaren Leiterin zwar, aber doch mit einer penibel geführten Anwesenheitsliste mit Datum und Unterschrift der Beteiligten.
„Sagen Sie niemanden, dass die Vhs ihre Beschäftigten und Honorarkräfte nicht bezahlen würde.“ (Eigentlich müsste es im Indikativ stehen: „bezahlt“!).
Ich grüble nach und denke jetzt, dass sie eher wohl gesagt hat: „Erzählen sie nicht herum, die Vhs würde ihre Lehrer nicht bezahlen.“
Sie hob den Zeigefinger dabei.
Ja, in meiner Not und wie es meinem Naturell entspricht, habe ich die Wahrheit nicht hinterm Berg gehalten, sie verkündet, wo immer ich ging und stand, auf der Straße, im Bus, im Zug, indem ich den einen oder anderen frank, frei und freimütig von meiner bedrängten Herzen hinweg von meiner mich erfassten ungerechten und unangemessenen Behandlung seitens eines „Zweckverbandes zur Integration von Asylsuchenden“ berichtet, verkündet und erzählt habe.
Da sie es nicht tat, mich bezahlen, und ich derjenige Betroffene war, um den es hier ging, und ich keine Ressourcen besaß, mir eine Rechtschutzversicherung zu leisten, sprich das schöne überall verkündete Recht einzuklagen, da man ja gerne und jederzeit in einem Rechtsstaat das Recht hat einzuklagen, blieb mir nichts anderes übrig, als es zumindest allen, die es hören wollten – allzu viele wollten es gar nicht, zumindest schüttelten ungläubig den Kopf – zu erzählen.
Das war Gerechtigkeit (die Wahrheit sagen zu dürfen, auch wenn sie entlarvt), das war Meinungsfreiheit (nicht die inszinierte in den Medien und in den Parlamenten; dabei ist das nicht einmal die Äußerung einer Meinung, sondern die Verkündigung eines Tatbestandes und Faktes), das war Pluralismus (nicht die vielen Varianten von Blutwürsten in den Vitrinen der prall gefüllten Kaufhäuser), und es ging gegen, entlarvte und entblößte eine jener Personen des öffentlichen Lebens, die genau dies sich auf ihr Fahnen geschrieben haben: „Unsere Stadt ist bunt!“ – das war so ein Slogan, mit dem sie hausieren gingen (wenngleich sie rassische Vielfalt für ein paar Wenige meinten), so ein Schild, welches sie vor ihren Brüsten hingen (wobei sie nur Einzelne Alibi-Flüchtlinge und –Betroffene meinten).
Der Bürgermeister dieser Stadt rieb sich in teilnehmender Beobachtung wie bei einem fremden Kulturspektakulum die Hände in Unschuld des proklamierten Nichtzuständigseins-Rechts – der Landrat des Kreises Roth fand es nicht wert, je auf meine daraufhinweisenden Briefe überhaupt zu antworten (und in seinem Zuständigkeitsbereich war dies nun schon der zweite derartige Fall der Unterschlagung von berechtigten, im anderen Fall meinethalben auf seine Berechtigung zu prüfenden Ansprüche eines Bürgers seines Sprengels).
Was darf man daraus schließen: diese freiheitlich-demokratische Gesellschaft ist nur für eine Minderheit da, die man die „politische Elite“ nennt?

Inwieweit ist der sogenannte freiheitlich-demokratische Staat im Anbetracht des Verhaltens der Exekutive noch als solcher zu bezeichnen?

Anhand meiner Erfahrungen findet für mich eine Umdeutung dieses Begriffes „freiheitlich-demokratischer“ Staat statt.
Hat die Gesellschaft die Legislative des Staates überhaupt noch in freiheitlicher Art und Weise gewählt, wenn die Exekutive sich so korrupt erweist, dass es sich leisten kann, Gerechtigkeit und die Verfassungsgrundsätze zu missachten? Ist der heutige Staat demnach, Exekutive, Judikative und selbst Legislative überhaupt noch Repräsentant der deutschen Bevölkerung? Welche Personen sind die sogenannte „politische Elite“ überhaupt? Mich wundert es nicht, dass der oberste Staatschef und Bundespräsident, also eigentlich ein legislativ gewählter Vertreter, aus der Exekutive kommt.

Der jetzige bundesrepublikanische Staat ist in seiner Art und Weise nach ein Staatskapitalismus: die Exekutive als Unternehmen, wobei diese die arbeitsrechtlichen Vorschriften, wozu die Exekutive per definitionem verpflichtet ist, nicht realisiert und umsetzt, um eben Akkumulation des Kapitals zu forcieren.
Die Judikative des Staates wird der Verwaltung tendenziell meistens zur Seite stehen.
Man nennt so etwas einen korrupten Staat.
Was ist Staatskapitalismus?
Das Pendant Staatskommunismus?
Bei letzterem fördert der Staat, die Verwaltung, das Kollektiveigentum. Bei ersteren fördert der Staat in Gestalt der Verwaltung die Unternehmer. Aber tritt der Staat selbst als Unternehmer auf, kann dann noch von Staatskapitalismus gesprochen werden?
Welcher andere politischen Begriff, wenn es ihn schon gibt, trifft hier zu?
Die Wiedervereinigung Deutschlands musste finanziert werden – der Schuldenberg abgebaut werden – Zauberwort schwarze Null – schön gut, aber mit allen Mittel?

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