Stimmen

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razorback
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Re: Stimmen

Beitragvon razorback » 23.10.2003, 13:34

Nein. Hat die Frage was mit der Geschichte zu tun? Würde mich interessieren.

Soeben kleine Internetrecherche abgeschlossen, somit möchte ich meine Aussage oben ändern:

Nein, leider kenne ich dieses Buch des grossen Sir Peter Ustinov nicht. Hat die Frage was mit der Geschichte zu tun? Würde mich sehr interessieren. ;-)

Und was "Die Verwandlung" angeht - das ist schade, aber ich verstehe es. Immer wieder fordern mich Leute, deren Urteil ich schätze auf, mich nochmal auf "Der Untertan" von Heinrich Mann einzulassen. Ich scheue immer noch davor zurück, bei mir war es ein Deutschlehrer. Es spricht für Goethe, dass derselbe Lehrer mir den "Faust I" nicht verleiden konnte, er hat es redlich versucht.

Deine Zustimmung zu meiner Kritik macht mich schon fast wieder unsicher...
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You

crASHed
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Re: Stimmen

Beitragvon crASHed » 23.10.2003, 14:09

Hallo,

warum macht dich meine Zustimmung zu deiner Kritik unsicher? Ich würde mich schon beschweren, wenn ich etwas anders sehe, das kannst du mir glauben!
Ich habe mir gestern auch noch Gedanken wegen der Schlauch Geschichte gemacht und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass du zwar recht hast, also aus logischen Gründen, müsste sie so etwas spüren, aber ich werde es dennoch nicht machen;
WEIL, ich finde, das verrät alles. Es ist dann so einfach auf den Schluss zu schließen und das will ich nicht,da ist mir dann ein logischer Fehler lieber.
Man könnte ja auch sagen, dass sie das nicht wahrnimmt,weil sie es verdrängen will. Im Grunde müsste sie ja schon auf den Gedanken kommen, WAS da eigentlich mit ihr los ist.
Vor allem, ich will es irgendwie so aussehen lassen, als wäre sie tatäschlich lange GAR NICHT bei Bewußtsein gewesen.

Mir kommt es so vor, als hätte ich sehr lange geschlafen, ohne zu träumen natürlich.....Mit kommt es fast schon wie eine Ewigkeit vor.


Wie auch immer, ich werde "Stimmen" ja nochmals überarbeiten. Mal schauen.

Wegen "Der Alte Mann und Mr Smith", hmm, nein, es hat eigetnlich nichts mit meiner Geschichte zu tun, ist jedoch eins meiner Lieblingsbücher. Es geht um eine gemeinsame Reise, die Gott (der Alte
Mann) und der Teufel (Mr. Smith) gemeinsam
antreten. Sie besuchen die Erde...
Ich weiß nicht so genau warum es mir dieses Buch so angetan hat, aber...es hat es. Wobei ich keine Ahnung habe, ob es dich anspricht....

Wegen dem "Untertan", viele von uns mussten den auch in Deutsch lesen, ich nicht, aber bei allem, was ich erzählt bekommen habe, gedenke ich es dabei zu belassen. :-)

Was ich jedoch immer wieder lesen würde sind die Kurzgeschichten seines Bruders...Vor allem "Der Weg zum Friedhof" und der "Kleine Herr Friedemann".
Naja, bis demnächst :-&

crASHed
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Re: Stimmen

Beitragvon crASHed » 23.10.2003, 20:09

Damit bin ich jetzt eigentlich recht zufrieden. Nur eine Frage, liest es sich noch flüssig oder merkt man, dass dran "rumgedoktort" worden ist?

Stimmen


Um mich herum ist alles dunkel. Ich liege. Weich. Wo? Ich weiß es nicht. Zuerst ist alles still. Dann höre ich ein leises Rauschen, es kommt immer näher, bis aus dem Rauschen schließlich Stimmen werden.
Ich weiß jetzt zwar, dass das Rauschen Stimmen sind, was diese Stimmen jedoch sagen, verstehe ich nicht.
Zusammenhangsloses Zeug.
Jetzt zieht es auch noch! Woher? Ein Luftzug? Wo bin ich nur?
Ich werde müde, vielleicht sollte ich mich einfach noch ein wenig ausruhen. Langsam drifte ich weg. Nichts. Gar nichts.
Als ich wieder wach werde, stelle ich fest, dass ich mich wieder einmal an keinen Traum erinnern kann. Das geht scheinbar schon ewig so. Warum? Ich konnte mich doch auch früher fast immer an meine Träume erinnern.
Doch jetzt? Träume ich etwa nicht mehr? Aber nein, das geht nicht, oder? Schließlich wird man dann doch irgendwann verrückt. Und ich bin nicht verrückt.
Da sind sie wieder. Die Stimmen. Warum nur verstehe ich sie nicht? Ich versuche angestrengter zuzuhören. Irgendwie kommen mir die Stimmen schon bekannt vor.
Und warum, verdammt noch einmal, ist hier alles so dunkel? Wo bin ich? Was ist das Letzte, an das ich mich erinnern kann? Stimmen. Ja, und dann wurde ich müde und bin eingeschlafen. Davor? Ich weiß es nicht. Alles scheint so verschwommen.
Moment. Was war das? Das war doch mein Name, oder? Warum sagen die Stimmen meinen Namen? Bin ich etwa doch verrückt? Nein. Ich habe es doch ganz deutlich gehört: Anna
Da. Eben schon wieder. Wer ist das? Woher kennt mich diese Person und wo ist sie? Wieso kann ich sie nicht sehen? Rufen! Ich könnte versuchen mit dem Stimmen zu reden! Ich will etwas sagen, will meinen Mund öffnen. Nichts. Keine Kontrolle. Keine Bewegung.
Halt. Was war das? Wärme. Eine Berührung? Von wem? Warum? Ist mir so etwas vorher schon einmal aufgefallen? Ich weiß es einfach nicht! Mir kommt es so vor, als hätte ich sehr lange geschlafen, ohne zu träumen natürlich. Und obwohl ich lange geschlafen habe, bin ich fast immer müde und muss deshalb immer wieder schlafen. Kann das Leben nur aus Schlaf bestehen? Vielleicht ist ja Alles nur ein Traum? Aber, kann man so lange träumen? Mit kommt es fast schon wie eine Ewigkeit vor.
Die Stimmen nennen mich wieder beim Namen, greifen nochmals nach mir. Wer ist das und wieso kann ich die Person nicht sehen?
Meine Augen sind offen, aber ich sehe einfach nichts!
Oh, mein Gott, ich bin doch nicht etwa blind, oder? Nein. Warum sollte ich auf einmal blind sein?
Ganz langsam, entspanne dich und versuche dich zu konzentrieren! Die Stimmen werden leiser. Nein, bitte nicht, geht nicht weg! Ich will hier nicht alleine im Dunkeln liegen!
Weg sind sie. Verdammt. So komme ich nicht weiter. Es sind immer mal wieder Stimmen um mich herum, ich kann hören, aber nicht sehen. Ich werde beim Namen genannt, weiß aber nicht von wem. Ich fühle, man berührt mich, es zieht sogar manchmal. Ich versuche zu sprechen, es geht nicht. Als ob ich gar keinen Mund hätte. Was ist aber, wenn man schreien muss. Und keinen Mund hat? Warum das alles? Wo bin, was ist mit mir? Warum kann ich denken, mich aber nicht verständigen? Ist das etwa der Tod? Bleibt die Seele im Körper, nach dem der Mensch gestorben ist? Als Gefangene? Lebendig begraben? Ist es das? Ich fühle eine Panikwelle in mir aufsteigen, will nicht mehr darüber nachdenken. Es tut weh zu denken.
Und nun? Schlafen? Ja. Schlafen. Stille.
Diesmal haben mich die Stimmen geweckt. Wie lange ich wohl geschlafen habe? Natürlich ist es immer noch dunkel und an einen Traum kann ich mich nach wie vor nicht erinnern.
Die Stimmen nennen mich wieder beim Namen. Also wirklich! Jetzt reiß dich zusammen und versuche zu verstehen, wer da mit dir spricht!
Ich verstehe es einfach nicht. Wo bin ich und warum hilft mir niemand?


„Frau M.? Könnten Sie bitte mit in mein Arbeitszimmer kommen?“
Sie springt auf. „Warum, gibt es etwas Neues? Ich lasse Anna doch nur so ungern allein. Könnten wir das nicht auch hier besprechen?“
„Mir wäre es lieber, Sie würden mitkommen“
Zögern. „Also gut.“
Sie folgt ihm. Hoffnung. Mit der Gewissheit verbunden doch wieder enttäuscht zu werden. Wie schon so oft davor.
Sie setzten sich. Schauen einander an. Er sucht nach Worten. Oder kommt es ihr nur so vor?
„Ich möchte ehrlich zu ihnen sein, Frau M., seit dem Unfall von Anna sind nun schon über fünf Monate vergangen und seit diesem Tag ist es zu keiner Verbesserung gekommen. Es sieht auch nicht danach aus, als würde sich an Annas Zustand etwas ändern.
Wie wir schon besprochen haben, Anna hatte sich nie bezüglich ihren Wünschen bei einer derartigen Situation geäußert, schriftlich ist auch nichts festgehalten worden. Somit liegt die Entscheidung, wie wir weiterhin vorgehen sollen, bei ihnen. Ich weiß, einer derartige Entscheidung ist nicht einfach und wir haben auch schon oft alle möglichen Situationen durchgesprochen; mittlerweile sind wir jedoch an einem Punkt angelangt, an dem es immer deutlicher wird, dass Anna nicht wieder das Bewusstsein erlangen wird.“
Stille. Keiner kann dem Anderen wirklich in die Augen sehen. Sie blickt auf den Boden. Was sie verdrängen wollte wird nun also wahr. Nie wollte sie ihn erleben müssen. Diesen Moment.
Sie soll entscheiden. Sie muss entscheiden, was besser ist. Soll ihre Tochter wie bisher „weiterleben“ oder ist es besser dem Ganzen ein Ende zu setzten? Dem Leben ihrer Tochter ein Ende zu setzten. Wie sich das anhört? Sie muss fast lachen.
Aber muss man nicht versuchen so etwas einigermaßen objektiv anzugehen? Sie muss doch berücksichtigen, was für ihre Tochter am Besten ist und sie nicht nur am Leben lassen, weil ihre Mutter sie nicht verlieren will, oder? Ist das egoistisch? Das eigene Kind nicht verlieren zu wollen? Wohl kaum. Aber ist es nicht doch egoistisch, wenn man dafür, dass man sein Kind nicht verliert, dessen Leid in Kauf nimmt? Woher weiß man, ob ein Mensch der im Koma liegt leidet?
Was würde Anna wollen? Doch bestimmt kein Leben an Geräten, Überleben ist nicht gleich Leben, oder? Immer wieder die gleichen Überlegungen, sie dreht sich im Kreis. Sie wird sich immer weiter drehen, wenn sie nicht endlich entscheidet.
Vielleicht ist es wirklich besser loszulassen. Sowohl für sie als auch für ihre Tochter. Wenn es denn wirklich keine Hoffnung mehr gibt.
„Sie haben vermutlich recht.“ Stille. „Stellen Sie die Geräte ab.“


Meine Mutter!? Wieso habe ich das nicht gleich bemerkt? Natürlich. Sie ist bei mir.
Nein, bitte nicht. Die Stimmen werden schon wieder leiser.
Mama, wo gehst du hin?


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