Von Liedern und Omas
Im Laufe der Zeit hat die Menschheit eine Anzahl absolut exquisiter Abscheulichkeiten hervorgebracht, mit denen man Leute quälen kann, so etwa eiserne Jungfrauen, Daumenschrauben, Streckbänke, elektrische Stühle und Familienweihnachtsfeiern. Experten sind sich heute einig, dass letztere – die Familienweihnachtsfeier – mit Abstand die barbarischte Sitte von allen ist.
Während der Heilige Abend gewöhnlich friedvoll im engeren Kreis begangen wird und nicht weiter erwähnenswert ist, versammeln sich alljährlich überall in Österreich am ersten oder zweiten Weihnachtsfeiertag die Stämme, Clans und Familien, bekommen die Großen mit einem Mal Macht: Die Großmütter, Großväter, Großtanten, Großonkel, Großcousinen. Wobei die Großcousinen ja eigentlich eher klein sind, nur nicht klein genug, dass man einmal drauf treten und dann behaupten könnte, man habe sie übersehen. Im Prinzip sind Großcousinen ganz reizend, allerdings wären sie eventuell noch reizender, wenn man sie narkotisieren, in Meerschweinchenkäfige sperren und im Keller einmauern würde. So sind sie nämlich laut, wollen dauernd mit einem spielen und die Fingernägel lackiert bekommen und ihre neue Barbiepuppe bewundert haben oder einen Keks.
Wobei das mit dem Keks wieder eine ganz eigene Sache und ein besonderer Faktor in der Gesamtsumme familiär-weihnachtlicher Scheußlichkeiten ist. Während man nämlich unter „Keks“, zu Hochdeutsch: „Plätzchen“, landläufig kleines, süßes und wohlschmeckendes Gebäck versteht, sind die Weihnachtskekse von Omas regelrechte Geschosse, die von Farbe, Größe und Konsistenz her vage an Eishockeypucks erinnern. Außerdem sind sie so picksüß, dass sie Diabetikern schon gefährlich werden können, wenn sie nur im Nebenzimmer auf dem Tisch liegen. Beim traditionellen Weihnachtskaffee legt die Großmutter ihren Enkeln dann jeweils ein paar dieser Mordwaffen auf die Teller und schaut sie erwartungsvoll an. Dann kann man entweder unter ihrem fordernden Blick zusammenbrechen, kosten und den Rest des Tages im Zuckerdelirium verbringen, oder man versucht sie abzulenken und ein unverfängliches Gesprächsthema zu finden. Wobei „unverfänglich“ völlig illusorisch ist, wenn die Tanten Mitzi, Loisi, Ridi und Peppi sowie zwei Großmütter anwesend sind. Wenn die Schicksalsgötter einem gewogen sind, dann streiten sie nur über’s Erben, wobei es meist um eine Erbschaft geht, die irgendwann in der Frühsteinzeit falsch vererbt, geerbt oder verteilt wurde. Wenn man jedoch Pech hat, dann landet die Unterhaltung bei den Krankengeschichten. Wer jemals anderthalb Stunden lang eine Schilderung von Tante Mitzis Kieferoperation durchgestanden hat, der sitzt beim „Schweigen der Lämmer“ im Kino und fadisiert sich. Während Tante Mitzi die Tischgesellschaft gerade durch das Herumreichen von Vorher-Nachher-Fotos ablenkt und so der großmütterliche Blick von den Tellern der Enkel abgewandert ist, kann man versuchen, die Kekse unterm Tisch verschwinden zu lassen. Allerdings muss man vorsichtig sein, damit sie nicht mit einem leisen boingboingboing-Geräusch davonhüpfen und eine der oben erwähnten Großcousinen erschlagen.
Die Überlebenden des Weihnachtskaffees werden dann zusammen getrieben, Kerzen angezündet und Noten ausgeteilt. Man platziert die Rollstühle und Großtanten strategisch um Christbaum und Großcousinen herum, wahrscheinlich, um letztere an der Flucht zu hindern, wenn die Familie zu singen beginnt. Hier erweist sich regelmäßig, dass Unmusikalität genetisch ist, zumal die zwanzigstimmige Kakophonie noch vom hoffnungslosen Wimmern einer großcousin’schen Blockflöte verstärkt wird. Erstaunlicherweise findet sich auch grundsätzlich ein Onkel oder Opa, der den Text von „Ihr Kinderlein kommet“ zur Melodie von „Lasst uns froh und munter sein“ singt, während alle anderen die Stille Nacht foltern.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt versucht sich die Katze durch die Küchentür zu kratzen, um an die Opas Ohropax zu gelangen.
Alle Jahre wieder...
Alle Jahre wieder...
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
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Re: Alle Jahre wieder...
Halloi Stille,
das ist deine Rede hm?
Wie ist sie denn angekommen?
Ich glaube als Rede ist das lustig, macht laune, also sehr tauglich. Als TExt hmmm.... ist eben sehr feststellungshaft. Klar trotzdem lustig, wenn auch manchmal ein bissl arg übertrieben (zum bsp, die sache mit den hüpfenden Keksen und den Cousinen)
Vermutlich könnte ich meine Meinung so zusammenfassen: Nette Rede, du hast diese Ideen, aber schon in sehr gute Geschichten gefasst, die wirklich Handlung und alles drum und dran hatten.
Trotzdem hübsch, sprachlich keine Einwände. Außer das ist das wort fadisieren nicht kenne...ein neues Wort aus dem operettenstaat
verzeihung...das wort ist so hübsch ....
Lg
Edekire
das ist deine Rede hm?
Wie ist sie denn angekommen?
Ich glaube als Rede ist das lustig, macht laune, also sehr tauglich. Als TExt hmmm.... ist eben sehr feststellungshaft. Klar trotzdem lustig, wenn auch manchmal ein bissl arg übertrieben (zum bsp, die sache mit den hüpfenden Keksen und den Cousinen)
Vermutlich könnte ich meine Meinung so zusammenfassen: Nette Rede, du hast diese Ideen, aber schon in sehr gute Geschichten gefasst, die wirklich Handlung und alles drum und dran hatten.
Trotzdem hübsch, sprachlich keine Einwände. Außer das ist das wort fadisieren nicht kenne...ein neues Wort aus dem operettenstaat
Lg
Edekire
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
sarah kane
sarah kane
Re: Alle Jahre wieder...
Naja - es hat sich dann eh erledigt. Die Lehrerin H. hat die mail, die ich ihr geschickt hab, nicht gelesen und gemeint, ich hätt vergessen, also hat sie sich was anderes gesucht und ich war von der Pflicht befreit. Noch mal Schwein gehabt.
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- Ursula Vernon
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Re: Alle Jahre wieder...
vermutlich war das dann aber nicht so lustig
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
sarah kane
sarah kane
Re: Alle Jahre wieder...
Was es auch sei - dem Text fehlt eine Warnung. Du musst drüber schreiben "Nicht mit Lolli lesen". Ich hatte nämlich gerade einen im Mund und wäre vor Lachen bald erstickt.
Eine sehr, sehr schöne Weihnachtsglosse. "Fadisiert" kenne ich auch nicht, da "fade" (deutsch!) mir aber geläufig ist, kann ich vermuten, was es bedeutet. Die beinahetödliche Stelle war die Boingboingboing-Stelle.
Bravo!
Eine sehr, sehr schöne Weihnachtsglosse. "Fadisiert" kenne ich auch nicht, da "fade" (deutsch!) mir aber geläufig ist, kann ich vermuten, was es bedeutet. Die beinahetödliche Stelle war die Boingboingboing-Stelle.
Bravo!
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Alle Jahre wieder...
Stell dir vor, was Claudia dann der Polizei hätte erklären müssen, wenn sie dich mit einem Schlecker tot vorm Computer gefunden hätte.
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- Ursula Vernon
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Re: Alle Jahre wieder...
...wunderbar....
Die Rede ist/war toll. Leihste mir die für nächstes Jahr?
Dieses Jahr bin ich wohl zu spät dran. ... So ist das - keine Zeit mehr zum Geschichten lesen. Aber nachdem Oma und Opa uns dieses Wochenende die Bude gestürmt haben, sollen sie sich auch um ihr Enkelkind kümmern, und mich in aller Ruhe bei O livro stöbern lassen, gell.
Die Rede ist/war toll. Leihste mir die für nächstes Jahr?
Dieses Jahr bin ich wohl zu spät dran. ... So ist das - keine Zeit mehr zum Geschichten lesen. Aber nachdem Oma und Opa uns dieses Wochenende die Bude gestürmt haben, sollen sie sich auch um ihr Enkelkind kümmern, und mich in aller Ruhe bei O livro stöbern lassen, gell.
Re: Alle Jahre wieder...
Eigentlich wollt ich ja über Mamas Weihnachtsfetisch schreiben - aber sie hat gesagt, wenn ich das öffentlich mach, dann enterbt sie mich. 
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- Ursula Vernon
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