Panikattacken der Liebe II

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Pentzw
Klio
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Panikattacken der Liebe II

Beitragvon Pentzw » 28.03.2017, 21:56

15.01. 2017-

Begegnung in einer Disko, bin auf sie zugegangen, begrüßt habe ich sie an einem Tisch neben jemanden anderem Sitzenden. „Ich muss mal!“, habe ich gesagt, ohne Vortäuschung, und bin auf die Toilette gegangen.
Heraustretend strebte ich unverzüglich zur Tanzfläche, erblickte sie zwar noch immer am Tisch sitzend aus den Augenwinkeln heraus, aber kümmerte mich weiter nicht darum.
Manisch stürzte ich mich ins Tanzen, um meine One-Man-Show abzuziehen. Ich wusste, ich bin eine balletartiger guter Einhorntänzer, sozusagen ein Prima-Ballerinono, Mann, ich war mal professioneller Eiskunstläufer und heute war ich besonders, warum, weiß nicht, vielmehr ahnte ich es, wollte es jedoch nicht wahrhaben, gut drinnen und drauf und jedenfalls habe ich mir einen abgetanzt, während ich aus den Augenwinkeln beobachtete, so schien es mir, wie ich von ihr beobachtet wurde. Darin bestecht der Trick beim exaltierten Tanzen, nichts für wahr zu halten in den vibrierenden Moment des Sich-im-Kreis-Drehens, indem die Endorphine und Adrenalinhormone sich im Schleudergang befinden, so dass ein Goldener Schuss Serotonin unter die Hirnschale schießt und drückt. Gleichzeitig läuft der narzisstische Film weit, weit im Hintergrund ab, Du bist der Shooting-Star, der Mittelpunkt der Revue oder Fokus des Spots, nur dies und dich und dein Treiben wird den ganzen Abend über gefolgt und gebannt beobachtet: von ihr!
Ich wollte und konnte sie nicht sehen. Aber dass sie dort gesessen war, wo ich sie vermutete, bestätigte sich, als sie aus dem Tanzraum herauskam, an meinem Tisch vorbei und ich erstaunt die Augen zu ihr gewendet hatte und sagte: „Ach, Du bist ja noch da! Ich habe gedacht, Du wärst schon weg. Ich habe Dich nicht mehr wahrgenommen.“ Sofort reagierte sie. „Ich war über Weihnachten krank gewesen. Aber jetzt geht es mir wieder besser, rühr Dich halt Mal!“ Dabei bewegte sie sich schon von mir fort, hinterher irgendein Bekannter, den sie zum Hierherfahren angespitzt hatte und der sie nun brav wieder zurückchauffierte.
Hiermit hatte ich meine Rachsucht befriedigt und wir waren wieder gleichauf. Wie hätte ich dem Auf-sie-wieder-zurückkommen widerstehen können, nachdem ich den Sex so intensiv, überwältigend schön und gewaltig empfunden hatte mehr als jemals zuvor, wie ich glaubte, dieser mich noch niemals derartig animalisch gepackt hatte. Nach dieser kleinlichen Revanche war ich also imstande, auf sie zuzugehen und sie anzurufen oder anzusimsen. Sie reagierte unerwartet sofort und rief binnen Stunden zurück.
Ihre Stimme klang oberflächlich.
„Louis!“, immerhin. Ihr zweiter Name, nicht ihr Rufnahme. Ich habe ihn ihr einst vorgeschlagen, diesen Namen zu verwenden, um einen Einschnitt in ihrem Leben zu markieren. Der andere, Hauptname soll ab jetzt für ein anderes Leben stehen, das vergangen ist und sie hinter sich gelassen hat. Mit Louis beginnt das neue, hoffentlich bessere, auf jeden Fall in Zusammenhang mit mir stehende.
Mein Vorsatz ist, ihr jedoch nicht hinterherzurennen. zum einen erscheint sie abweisend und berechenbar, zum anderen raucht sie sehr viel und ich bin auch nikotinsüchtig und würde also in meiner Abhängigkeit durch sie verstärkt werden. Andererseits, ich habe keine Wahl, ist denn eine andere, nichtrauchende Freundin nicht da. Wofür willst du dich entscheiden, wenn es nur eine Wahl gibt – he? Außerdem sagte ich mir, lieber eine verkorkste, stressige, schlauchende Art von was immer Beziehung, als gar keine, nein, dafür hatte ich schon zu viele Durststrecken hinter mir, die zu lange gedauert hatten – ein Schuß Masochismus; gut: scheiß drauf! Niemand sonst wollte mich!
Zu Anfang des Gesprächs haben wir noch einmal die letzten Wochen Revue passieren lassen, ich habe sie zu ihrer LP befragt, sie habe keine Beziehung mehr mit dem LP, hat sie und pflegt sie sowieso längst keine Körperlichkeit mehr, was sofort in mir das Gefühl der Berechtigung aufbaut, stimuliert und mich hoffnungsfroh stimmt, dass die Dinge sich schon in unserem, einem Längeren-Beziehung-Sinne ausrichten werden.
Und mit dem tablettensüchtigen anderen Freund habe sie zudem keinen Kontakt mehr gekappt.
´Sie ist also frei!´, jubiliert eine Stimme in meinem Inneren.
So habe ich Lous nach drei Monaten Unterbrechung bei sich zu Hause besucht. Sie wollte aber nicht hinaus in die Kälte, obwohl sie von der Möglichkeit am Telefon gesprochen hat, herumzulaufen und ich davon nur so geschwärmt habe.
„Komm, lass uns ein bisschen spazieren gehen!“
Es war ein winterlicher Sonnentag mit blauem Himmel. Man hätte zum nahegelegen Burggraben gehen und über das Eis schlittern können.
„Ich muss noch mein Zimmer aufräumen.“ Sie grinste. Ich war Gast und so gab es Kaffee und Plätzchen und bevor ich soweit war, streifte ich mit meinen Strümpfen über den glatten Kachelboden der Küche, als führe ich auf dem Eis Schlittschuh.
Die aus Tüte kommenden Plätzchen bekamen mir nicht. Es war ein Schokoüberguss, mit viel Sahne darin und konnte es nicht essen, weil mein Magen oder Geschmacksnerven dagegen rebellierten – ich stieß auf. Ich sagte aber nichts.

18.02.2017

Wir haben einen Abend verbracht, es wird Zeit zu gehen, in einer Stunde würde der letzte Zug fahren.
Es bricht die übliche Preisgewinnungs-Diskussion los.
„Wenn ich jetzt nach Hause gehe und ich sterbe im Bett. Stell Dir das vor! Was wir da versäumt hätten quasi.“
„Besser als neben mir in meinem Bett zu sterben! Weißt, so ein kalter Körper ist nicht schön, wenn man des Morgens aufwacht und ihn anstupst: „Komm, steh auf! Zeit wird’s!“
Aber es ist zu spät heute Abend, zu spät zum Gehen, diese Stimmung liegt in der Luft
Sie sitzt auf der anderen Seite des Tisches, der zwischen uns steht, auf ihrem neuen, blauen Sofa, auf dem sie deshalb jetzt mit der Hand einladend schlägt.
„Willst Du nicht als erster hierdrauf schlafen? Du weihst es sozusagen ein.“
Sie grinst dabei breit, einladend oder frech.
“Ich soll also das Kanapee benutzen, anstatt an deiner Seite in deinem Bett zu schlafen?“
„Ja! Schon!“
“Aber nein!“, so hart und entschlossen wie ich konnte. „Das kannst Du mir nicht zumuten. Ich schlafe lieber im Bett“.
Wir näherten uns nicht körperlich an, obwohl sie sich von diesem Letzten, diesem Drogistes wegen dessen sexueller Dominanz, Impertinenz und permanenten Forderung nach Sex getrennt hat: obwohl sie negativen Aids-Test-Ergebnis gehabt hat, was ich von ihr gefordert habe; obwohl sie am Telefon meinte, es sei ganz natürlich, dass derjenige, der neben Dir liegt und den du Du liebst, Sex will bzw. für den Mann schwer erträglich ist, keinen mehr zu bekommen; obwohl ich weiß, denke ich, der Vorteil wird sein, dass ich weniger allein sein werde, denn das ist ja eine Freundin; Sex ist dem zuwider - warum aber, verflixt?
Stundenlang lag ich wach und nichtwach neben ihr, litt an ihrer Abstinenz, Kälte, Abwehr und Gleichgültigkeit, bis ich ins Klo nebenan kroch, fünf Meterlang ein Band Papier von der Rolle zerrte und abriss und mich darin „ergoss“, Visionen vor mir, die ich neben ihr hatte, natürlich, wie ich sie nahm, während sie die Beine breitgemacht und hochgestreckt hielt.
Morgens fragte ich sie behutsam: „Und wie hast Du geschlafen?“
Sie saß jetzt wieder auf dem blauen Sofa weit in der Ecke des Zimmer, an der anderen Ecke befand sich das Bett, in dem ich mich gerade anschickte, herauszukriechen.
Aus dieser vier Meter entfernten hintersten Ecke erklang im verschlafenen, hohen Ton wie hohes Glockengeläut: „Danke, sehr gut.“
Ja, so siehst du auch aus, dachte ich neidvoll und bewundernd: leuchtend aus ihren brünett-schwarzen Haaren heraus, die struppelig wie ein Igel-Maggie wegstanden und die blitzenden Augen gegen die hereindringende Vormittagssonne gewandt: charismatisch.
„Und selber?“
„Das hat eine halbe Klorolle gekostet, damit wir gut schlafen konnten.“
„Ich verstehe nicht.“ Mit den Daumen rieb sich die Augen schlaftrunken, verwoben im tiefen tablettenschweren Schlaf, es war noch zu früh für das Kindchen, um diesen Hinweis richtig einzuordnen. Oder sie wollte, kokett, es nicht verstehen.
Stattdessen sog sie an ihrer Zigarette, die sie sich gebaut hatte als aller erstes nach dem Aufstehen. Nicht erst etwas essen, erst rauchen! So kauerte sie in der äußersten Ecke ihres Wohn- und Schlafzimmers sitzend und rauchte und rauchte... Ich spürte, dass mich der Sog der Sucht überwältigte und ich nicht umhinkonnte, auch eine zu rauchen.
So buhlte ich mich aus den Schlaflaken des Bettes, um mich erst einmal anzuziehen.
Aber schon klingelte die Tür unten am Haus, Freunde, die zum Wandern kamen, immer hatte sie diese dringende Verabredungen. Aber dieses Mal freute ich mich darüber, ich würde keine schon so frühzeitig rauchen, ich musste mich sportlich auf Trab halten und von hier verschwinden.

26.02.2017

Gestern bei Louis. Hat mich um 23 Uhr noch zum Bahnhof geschickt, damit ich nach Hause komme. Muss mittags.

27.02.2017-

Ich befürchte stärkstens Louis wird Angela Merkel nummero zwei, (eine ehemalige richtige Freundin, aber nach Jahren von Partnerin zu einer langjährigen Freundschaft mutiert) erneut eine Freundin ohne Sex, also mit der kein körperlicher Austausch und keine Berührung mehr möglich ist – unerträgliche Aussichten!
Ich war bei dieser Freundin zum Essen eingeladen gewesen, hatte das Handy ausgeschaltet gehabt, sah, dass bereits um 20 Uhr ein Anruf von Louis erfolgt war und nun vor wenigen Minuten. Ich erinnerte mich an das letzte Mal, als ich genau vor der selben Situation stand: bei Angela zuhause gewesen und Louis ruft an, mich bittend noch Samstags abends zu ihr eineinhalb Stunden entfernt zu fahren. Aus Vernunftgründen habe ich es abgelehnt, sie hat in ihrer Einsamkeit oder Hektik oder in was immer sie steckte, einen Bekannten angerufen und ist mit ihm ins Bett gegangen. Daraus entstand schließlich eine Beziehung, weswegen ich mich abgehalftert habe, auch wegen der AIDS-Gefahr natürlich.
Das sollte mir kein zweites Mal passieren, ich wollte mich auf den Weg zu ihr machen. Angela war es zufrieden, sie nervte es ohnehin, dass ich bei ihr pflegte zu übernachten und zu lange, halt bis zum Mittag bei ihr blieb, weil ich so lange schlief, weil Sonntag war und ich mir Zeit ließ, weil es bei ihr so schön ruhig war unten im Wohnzimmer.
„Ich gehe aber nicht schon um 23 Uhr, dass das klar ist!“
„Nein, nein. Brauchst Du nicht, ich beherberge Dich schon.“
Das war der erste eindeutige Freibrief dazu, bei ihr übernachten zu dürfen und nicht ständig den Abend über unter dem Damoklesschwert sitzen zu müssen, in die Nacht hinaus und nach heim geschickt zu werden.
Sie hatte lange geschlafen gehabt, wie sie erzählte, bis zwei Uhr nachmittags, war jetzt hellwach, konnte bestimmt nicht vor drei Uhr in der Frühe wieder einschlafen, sie wollte Gesellschaft, mich.
Ich verabschiedete mich von Angela und machte mich auf die Reise zu ihr, U-Bahn, Bahn, ganzes schönes Stücken, aber dies war es mir wert.
So einfach war das aber trotzdem nicht, zu Anfang, als sie ins Bett kletterte, zuvor eine Zigarette geschmaucht, vielleicht hat sie sich Mut gemacht, jedenfalls hat sie dann gesagt Beim-ins-Bettkrabbeln: „Ich weiß gar nicht, ob ich so recht Lust habe“, obwohl wir uns vorher schon ohne ihrem ansonstigen Widersinn und Abwehr eindringlich geküsst haben, eine Handlung, die sie bislang vehement und entschieden abgewiesen hat und es also nur zu flüchtigen Lippenbegegnungen gekommen war.
Aber jetzt – diese zickige Frage kurz vorm ersehnten, absehbar normalen und störungsfreien Miteinanderschlafen!?
„Hast Du den Aids-Test gemacht?“ Ich hatte mich schon zurechtgebettet, sie kniete hinter mir auf dem Bett, um auch ihr Bettzeug auszurichten.
„Nein!“
Damit hatte sie mich kalt erwischt. Ich war es schließlich gewesen, der von ihr gefordert hat, wir sollten einen Aids-Test machen, zumal nach ihrem Fremdgehen mit dem Tabletten-Schwanz-Süchtigen, einem Addikten.
Ich war bei dieser Frage richtig froh, dass sie mir nicht direkt in die Augen und ins Gesicht blicken konnte, denn sie war noch dabei, sich auf dem großen Bett einzurichten und Platz zu nehmen. Ich hatte inzwischen die Bettdecke bis an die Nasespitze gezogen, weil ich stark zitterte, warum, wusste ich auch nicht. Es stand ja der Hauptgewinn auf dem Spiel.
„Man hat es versucht, ein älterer Arzt, mir Blut abzuzapfen, aber es misslang. Die Dame, von der er mir anstelle von ihm die Telenummer gegeben hat, habe ich aber nicht erreicht.“ Man könnte sagen, ich redete mich heraus.
„Dann müssen wir halt ein Präservativ nehmen! Lang mal nach hinten rechts, da liegt eine Packung, da müsste noch ein Kondom drin sein.“ Ich malte mir mal lieber nicht aus, von wem und unter welchen Umständen sie das andere benutzt haben konnte.
Widerwillig griff ich aber nach ihnen, obwohl ich Präservative hasse, ungelogen, keine zweimal in meinem Leben war ich je mit solch einem Ding zu Gange gewesen.
Entsprechend lief der Sex vonstatten: Sie genoss es, gefickt zu werden, ich spürte kaum etwas, konnte jedoch machoartig rammeln wie ein Bock, mit den Fingern ihren Kitzel massierend, die andere Hand ihren Busen walkend, so schlitt sie, zum Schluss Augen schließend, in den Rausch von etwas möglicherweise dem Orgasmus Gleichendem.

28.02.2017-

8 Uhr

Traum, den ich geträumt habe, als ich bei ihr übernachtete.
Ein Bekannter trägt ein Bild von mir zu der Wohnung eines Freundes von ihm. Oje, erschrecke ich, während ich ihn klamm begleite und folge. Was wird aus meinem Bild? Bekomme ich es wieder, wie soll ich wieder daran kommen, wenn ich seinen Freund nicht kenne? Die Wohnung besteht und steht voller Regale mit Bildern, zweireihig hoch bis zur Decke, die dort feinsäuberlich eingereiht sind. Mit einem Schlüssel verschafft sich mein Freund anstandslos Zugang zur Wohnung, die im Paterre sich befindet und von außen gut einsehbar ist, trägt mein Bild an eine Stelle weit hinten im Raum, reiht es in die Regale ein, Gottseidank, ich sehe, er behält den Schlüssel und steckt ihn wieder ein, nachdem er die Wohnung abgeschlossen und verlassen hat. Ich kann mein Werk in Sicherheit wähnen.
Der Traum, erinnere ich mich, habe ich schon einmal geträumt, ich bin aber die Monotonie, Bekanntheit dessen überdrüssig. Die Widerholung dieses Traumes lässt mich aufwachen, total ernüchtert stehe ich auf und in Gedanken stehe ich vor der Wohnung, um in den Raum voller Regale hineinzuschauen. Der Tag ist schon längst angebrochen, Mittag ist es, Menschen laufen schon quietsch-fidel auf den Straßen hin und her, ich muss schnell auch etwas Diesbezügliches tun, etwas Sinnvolles und flüchte aus der Zimmer, in der in der hintersten Ecke, Schlafnische, Louis noch tief versunken schläft.

16 Uhr

Plötzlich wird mir Angst, bin schon die ganze Zeit ziemlich nervös gewesen, jetzt halte ich die Augen geschlossen, die von der Sonne beschienen wird, als ich auf den Zug am Bahnhof auf dem Gleis sitze und warte. Ich schließ fest die Augen, damit ich wieder zur Ruhe gelange.
Es ist Faschingsmontag, schöner Tag, heller Sonnenschein – ich habe bis um 11 geschlafen, bisschen gebügelt, überall herumgekruscht und -gekramt und bin dann mit dem Auto einige Kilometer hierhergefahren. Ich wusste eigentlich nicht, was ich mit diesem Tag anstellen sollte, eine zerstreute Desorientierung übermannte mich, ich habe mich hinter das Autolenkrad gesetzt, das Gaspedal gedrückt, die Kupplung und die Bremsen getreten, nur um etwas zu tun.
Plötzlich finde ich mich hier vor am Bahnhof, wie ich dasitze und mein Herz wie wild rast und schlägt und pumpt.
Um mich herum ist ziemlich lustiges Treiben, zumindest aufgeregteres Leben als gewöhnlich, als an einem Alltag.
Louis macht mich nervös?
Die Ekstase-Erschütterung des Sex?
Die letzte ultrabrutale Kündigung meiner beruflichen Tätigkeit?
Wenn ich’s nur wüsste, könnte ich auch nichts gegen tun!
Herzrasen, so etwas habe ich noch niemals gehabt in meinem Leben.
Ist es die Anspannung in meinem Haus mit den ekligen Nachbarn?
Ist es doch Louis?
Liegt es daran, dass ich mir seit einem Jahr die Zähne mit Klammern ausrichten und begradigen lasse? Nach dem letzten Kiefernorthopäden-Besuch hatte ich derartig starke Schmerzen, dass ich kaum essen konnte. Rebelliert mein Herz dagegen, will mein Körper die Klammer nicht mehr ertragen?
Panikattacken der Liebe!?
Ich stehe vor einem Rätsel.
Ich habe noch niemals so heftiges Herzrasen gehabt.

Pentzw
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Panikattacken der Liebe III

Beitragvon Pentzw » 09.06.2017, 11:03

Dritter Anlauf

02.03.17

Ihr vorzutäuschen, einen Aids-Test gemacht zu haben?
Es geht mir diese Übervorsicht der Angst vor dieser Krankheit am A... vorbei. Müsste sie sich nicht längst angesteckt haben, wenn ich es hätte? Nein, sie sei äidsfrei! Also, das letzte Mal haben wir vor cirka einem halben Jahr frei miteinander geschlafen und sie hat sich nicht angesteckt, was nur heißen kann, dass ich nicht aids-infiziert bin. Wie lange geht die Inkubationszeit von Aids? Zeitraum der Infektions- und Krankheitserscheinung zwischen 5 Tagen und 3 Monaten, in der Regel zwischen zwei und vier Wochen.

Also, ich entschließe mich vorzutäuschen, ich hätte einen Aids-Test gemacht, nur, damit wir wieder so miteinander schlafen, dass sie ein Kind bekommen kann. Sie sagte, sie habe einen gemacht. Ich weiß nicht, dass und ob es stimmt. Ich sage das Gleiche jetzt. Sie sagt, sie sei doch noch fruchtbar. Wenn ich sage, keinen Aids-Test gemacht zu haben, bin ich verpflichtet, das Kondom zu nehmen. Also muss sie sich nicht darum kümmern, kein Kind zu bekommen. Sage ich, ich habe den Test gemacht, muss sie sich selber um die Verhütung kümmern: dann ist die zukünftige Existenz des Kindes in ihren Händen, in ihr Schicksal gelegt.

„Wenn Du erst schwanger bist, heirate ich Dich!“ Nachdem wir wieder nach Monaten miteinander geschlafen haben. Sie lacht. „Ich will nicht schwanger werden!“ Sie steht auf: „Ich muss einmal aufs Klo! Als sie wieder kommt, sage ich: „Das war gerade ohne Scheiß gesagt!“ „Ich bekomme eine Panikattacke! Damit muss ich ruhig sein. Ich verhalte mich entsprechend. Ich muss mich niederlegen, wenn ich so etwas bekomme!“ „Okay! Ich lege mich auch nieder.“ Sie raucht aber noch eine. Als sie ins Bett steigt, sich neben mich niederlegt, streichelt sie mich, sagte liebevoll „Gute Nacht!“ Aber nach einigen Minuten streicht sie erneut über meinen Körper und sagt: „Gute Nacht!“
Es mag Zufall sein, wenn es denn einen gibt, dass sie zu diesem Moment, in diesem Zusammenhang eine Panikattacke bekam. Tatsache ist, sie bekommt auch welche, wenn sie in anderen Umständen sich befindet.

05.03. 2017 Sonntag,

Stimmt es: Du musst lernen zu stehlen, zu lügen und zu töten, während du lächelst? So komme ich mir vor.
Vorgestern am Freitag zu ihr gegangen und dann bis Samstag nachmittags geblieben.
„Wann hattest Du Deinen Aids-Test?“ Ich habe noch keinen Termin. Zwar habe ich angerufen beim Gesundheitsamt, aber an Aschermittwoch, nach der Faschingszeit, da war nur eine Frau am Telefon und versprach zurückzurufen. Bis heute nichts und niemand hat sich gerührt.
„Am Montag!“
„Okay!“
Ich habe mir doch vorgenommen zu sagen: „Ja, der Test hat bereits am Donnerstag stattgefunden, wir müssen nur noch bis Montag warten. Dann wird man uns das Ergebnis mitteilen.“
„Was so schnell? Hast Du nicht von einer Woche gesprochen!“
„Ja, normalerweise. Aber, Du verstehst das, nach Fasching, so hat die Verwaltungsfrau gesagt, da kommen sehr viele zum Aids-Test und da haben sie mehr Befunde und da lohnt es sich, schnell eine Auswertung zu machen. Weil sie brauchen immer eine gewisse Anzahl von Tests, damit sich die Auswertung lohnt. Fällt in kurzer Zeit viel an, können sie schneller auf Auswertung bestehen.“
„Ja, das ist logisch!“
„Aber kannst Du heute nicht einmal so ein chemisches Zeug nehmen anstelle dass ich mir ein Kondom überpellen muss. Das ist näher, intensiver. Das wäre angebrachter. Nach dem wir uns jetzt wieder versöhnt haben, würde ich dich gerne wieder mal ganz nahe spüren.“
Sie nickte verständnisvoll.
Es kam auch zum Koitus, nach langem Drängen von mir, wie immer und sie wollte, aber hatte sich natürlich kein Zäpfchen reingestopft. Vielleicht auch lag es daran, dass wir an diesem Abend wieder einmal Wein getrunken hatten? Sie nimmt Tabletten, da ist Alkohol nicht gut. Aber die Suchtberatung hat ihr es gewährt: Ab und an dürfe sie schon etwas Alkohol zu sich nehmen.
Jedenfalls, ich spürte es gar nicht, habe ich mich in sie ergossen. Ich merkte es so sehr nicht, dass ich danach darauf bestand, noch einmal mit Gummi zu dürfen, weil, wenn ich einschliefe, würde ich bald wieder aufwachen mit einem Ständer und dann konnte ich nicht wieder einschlafen und sie wecken würde ich nicht dürfen und können und wäre auch nicht angebracht. Also, lass es uns sofort hinter uns bringen. Nachdem ich den Gummi übergezogen hatte, stand er mir nicht und nichts wurde daraus. Später, einen Tag später etwa, wurde mir klar, ich musste schon eine Ejakulation in ihr gehabt haben. Aber in diesem Moment spürte ich es nicht, ich spürte ja nur, wie ich nicht mehr konnte und das führte ich auf mein Schuldgefühl, mein immer wieder auftauchendes und allgegenwärtiges Schuldgefühl ihr gegenüber zurück. Dieses hatte mir ja oft schon einen Streich gespielt, oft schon bekam ich einfach keinen hoch, weil sie lamentierte, ach, ich bekomme ein Kind, ach, das wäre zu gefährlich undsoweiter.
„Du bist halt sensibel!“, hatte sie mir beschwichtigend, tröstend und verständnisvoll noch mit der Hand über meinen Körper gestrichen, die Hände nach rückwärts und ihren Körper gegen die Wand gewandt, um einzuschlafen. Das tröstete mich in meiner verwundeten Männlichkeit, keinen richtig mehr hochgekriegt zu haben und andauern einen zu frühzeitig abgehen lassen zu müssen.

02.03.2017

17 Uhr

Schuldgefühle über das was, was ich für richtig halte zu tun, weil ich damit Louis täusche. Aber es ist doch richtig. Es schadet ihr nicht, sondern vermehrt unsere Freude und Lust. Also! (Aber doch!) Du musst tun, was richtig ist! Keine Rücksicht auf übertriebene Befindlichkeiten! Sei Du der Vernünftige! Übernehme die Verantwortung!
Das Kind wird es mir danken?
Wenn es existiert, wird es sich sagen, ich existiere, weil er das gemacht hat, auch wenn der Vater die Mutter getäuscht hat.
Das Leben siegt immer!

19 Uhr

Louis hat wieder abgesagt, wie gestern: „Ich bin noch im Schlafanzug“, sprich nicht es geschafft, mich überhaupt anzuziehen. Gestern, obwohl gesagt worden ist, dass es heute Abend nicht klappt, und obwohl ich gerne zu ihr gekommen wäre, da Aschermittwoch war und die Aschermittwochs-Stammtisch-Reportagen im TV angesehen hätte, der einzige Tag und Abend im Jahr, wo ich Lust habe, fernzusehen, hat sie um 22 Uhr noch einmal angerufen, aber ich saß im Keller, um über Internet (Fernsehgerät besitze ich nicht) dieser Lust zu frönen, nämlich diese Aufzeichnungen zu sehen, und ich habe es klingeln hören, aber mich nicht dazu aufraffen können, das im Keller stehende Telefon abzunehmen. „Ist nicht so schlimm, dass Du nicht da bist!“, hatte sie auf dem AB gesprochen, als ich es um 24 Uhr abhörte, sowie ich in die obere Wohnung hinaufgegangen war, um zu schlafen. Heute also wieder Absage, Aufschub auf morgen, denn tagtäglich das selbe Spiel, Ritual, Prozedere – doch bin ich wohlweislich unterwegs, habe ich mit so etwas doch gerechnet – ich bin halt „krank“. Das ist ihr Freifahrschein, sich alles erlauben zu dürfen! Aber, Du weißt, worauf Du Dich einlässt! Dies sage ich mir. Weißt Du es wirklich?

09.03.2017

AIDS-Test: „Hast Du das Ergebnis des Aids-Tests?“
„Negativ!“
„Gut“, sagte sie befriedigt. „Trotzdem müssen wir uns Gedanken machen darüber, wie wir verhüten. Ich habe keine Lust, noch ein Kind zu kriegen.“ „Aber ich!“ „Erstens bin ich schon zu alt.“ „Fühlst Du Dich.“ „Ich bin 50.“ „Na und?“ „Zweitens, mit meiner Biographie.“ „Biographie?“ (Als wär’s ein Fremdwort.) Drogen, äh, Medikamente, die stärksten Psychopharmaka, die auf dem Markt erhältlich sind.“ „Ja und?“ „Und außerdem, wenn ich das sagen darf, bist Du nicht mehr der Jüngste.“ „Darfst du aber nicht sagen. Ich erlaube es Dir nicht.“ „Schwamm drüber!
Dieser Dialog hat am Telefon stattgefunden. Im Hintergrund habe ich Genia gehört, die wohl alles mitgehört hat.
Das hatte ich geahnt, dass in aller Öffentlichkeit über mich gesprochen wird.
Darin scheint sie mir auch gut zu sein, in dieser sich zu bewegen wie ein Fisch im Wasser.
„Letzthin sind wir zu Siggi ins Krankenhaus gegangen. Sie lag da im Bett und sechs Leute trampelten da in ihr Zimmer hinein, wie ein Überfallkommando, wo sie noch ganz benommen im Bett lag und nicht wusste wie ihr geschah. – Also, das will ich nicht, dass mir auch passiert wenn ich krank bin.“
„Wo hast Du Dich beschwert?“
„Nein, beschwert habe ich mich nicht. Aber ich war mit Mathi im Jugendzentrum nach unserem Krankenbesuch und haben darüber gesprochen.“
„Ich verstehe.“
Sie selbst war eine Beteiligte, aber natürlich, man kann sie ja mit Externen wie ein Spion einer fremden Weltmacht über das ungeheuer schlechte Benehmen der anderen Weltmacht echauffieren. Das macht einen guten Eindruck, wenn auch nur bei der anderen. Mitmischen kann man ja trotzdem, man bekommt ja moralisch von anderen die Absolution erteilt.

Die Entscheidung bezüglich des Aids-Testes fällte das Schicksal.
Es stimmte, dass ich von mir aus zum Gesundheitsamt gegangen bin, um einen Aidstest machen zu lassen. Es stimmt auch, dass der ältere Arzt außerstande war, eine passende Vene zu finden, um Blut abzuzapfen. Man muss wissen, dass ich fast panikartig auf das Betasten meiner Haut, meines Körpers, des Unter-Meine-Haut-fahrens mit einer Spritze bei fremden Menschen reagiere. Ich bin da hypersensibel, krankhaft reagiere ich da.
Also war es für mich schon eine Tortur pur, als er ein paar Mal in meinen Arm hineingestochen hatte, ohne eine Vene zu treffen. Warum durften solche Menschen in einer öffentlichen Gesundheitsamts-Stelle in Körpern anderer Menschen der Öffentlichkeit herumfuhrwerken?
Solche Fragen waren noch die geringsten, die mich plagten! Während dieser Medizinmann immer wieder zu einem Einstich ansetzte. Menschen dürfen von mir aus so lange arbeiten wie sie wollen, aber bei solche sensiblen und neuralgischen Punkten doch nicht. Es muss doch auch andere Arbeiten geben, seinen Fähigkeiten gerechten, verflixt.
„Aua!“ Ich schrie wieder einmal auf.
Endlich hatte er ein Einsehen. Ich schaute ihn dankbar in die Augen, die ich ihm am liebsten ausgekratzt und – geschabt hätte, als er sagte: „Ich verweise sie auf eine jüngere Ärztin, die frisch von der Universität gekommen ist.“ Warum nicht gleich?
„Hier haben Sie Ihre Telenummer. Vereinbaren sie mit ihr einen Termin.“ Dann wandte er sich ab zu seinem Schreibtisch, einem Schreibtisch, der der einzige Ort ist, zu dem er in der Arbeitswelt noch gehören sollte!
Um der Verwirrung noch eins draufzusetzen und den Kohl völlig fett anzureichern, bevor er mich hinausließ, sagte er noch: „Sie können aber auch einen Vereinbarung mit der Sekretärin an der Pforte treffen!“
Ich starrte ihn erstaunt an: Warum hatte er mir das nicht gleich gesagt, warum vorher, ich solle mich mit der jungen Ärztin in Verbindung setzen? Wozu diese Umstandskrämerei? So wäre alles einfacher gewesen.
Nun gut, das Kind war in den Brunnen gefallen, ich machte einen Termin am Ausgang dieser Behörde aus.
Nur habe ich mich später im Datum geirrt. Ausnahmsweise war ich an der dadurch entstandenen Verwirrung schuld, ich gebe es frei und offen zu.
An dem betreffenden Wochentag, nur eine Woche früher, wollte es der Zufall, dass ich einen Arbeitsunfall hatte. Ich schnitt mir in den Finger. War der Wunsch der Vater des Gedanken, meine Oberflächlichkeit, meine Verstreutheit, egal, ich wollte mich natürlich, Aids-Test nebenbei, gleich verarzten lassen, war ich ohnehin schon mal dort. Das erwies sich allein daher schon als dringend, weil in sanitärer Selbstversorgung gänzlich unbelegt, konnte ich mir nur behelfsmäßig einen Verband um den Finger binden: ein trauriges, wackliges Kunstwerk krönte meinen Zeigefinger.
Zudem, verflixt, ich wusste es, hatte aber keine Mittelchen dafür, die Wunde musste schließlich auch infiziert werden, wozu das Gesundheitsamt schon imstande wäre – dachte ich naiv.
Natürlich hatten sie kein angesagtes Infektionsmittelchen, ich geriet fast in Panik, ließ nicht locker, machte die ganze Behörde rebellisch von wegen Das-Gibt-Es-Doch-Nicht oder Kann-und-Darf-Es-Doch-Nicht-Geben, das sei doch die einfachste existierende medizinische Versorgung und so ein sogenanntes „Gesundheitsamt“ muss dazu imstande sein.
Die Verwaltungs-Arzt-Schimmel, über ihren Schreibtischen gebeugt, nickten beschämt, wollten sich gar ungern erheben und konnten schließlich doch irgendwoher ein Spray organisieren.
Meine Hartnäckigkeit! Pflichtschuldigst verbanden sie meinen Finger.
Schließlich kam die Wahrheit ans Tageslicht.
Ich hatte mich um eine Woche getäuscht. Aber noch einmal hierher zu kommen, zu diesem Hort der Inkompetenz, nein, dazu hatte ich keine Lust mehr. Wer wusste zudem, was da alles passierte beim Blutabzapfen?
Als dann der ältere Arzt etwas bemerkte, was mich ärgerte, sagte ich den eigentlichen Termin ab.
„Sie haben jetzt fast alle Ärzte durch!“
Es war schon eigenartig, dass er dies gerade gesagt hatte, da er außerstande war, mir einfach ein bisschen Blut abzuzapfen. War das nicht eine der leichtesten Übungen in diesem Metier?
Ich konterte nicht, bemerkte nichts, schwieg dazu.
„Wollen Sie dann den kommenden Termin überhaupt noch wahrnehmen?“
Die andere, jünger Ärztin fragte mich und gab mir damit die Steilvorlage.
„Nein!“ Passta!
Wie kam sie darauf? Nur weil ich eine Woche früher im Amt erschien aufgrund des Terminverwechselns? Sie musste es gespürt haben, dass mein Vertrauen in ihre Institution am Nullpunkt angelagt war und ihnen eine kleine Wunde zu behandeln, abstritt. Oder sie dachte: ist er ein Chaot; ein verschämter Junkie; ein Freak; ein Querulant! Lass den Mal an seiner tödlichen Krankheit verrecken, der hat es nicht besser verdient, oder wie oder was?
Mir stand es jedenfalls bis zum Hals, diese Frechheit und Inkompetenz in einem, was ja meist Hand in Hand ging, und antwortete kurzerhand, nein danke, und verschwand, Äidstest ade!

Louis und ich haben die größten Schwierigkeiten gehabt, miteinander zu schlafen, sie hat dauernd vor Angst mit den Füßen gestrampelt, dann hat sie mich ins Messer geliefert mit dem, dass sie mit einem anderen ins Bett gesprungen ist, und nun, wo wir so etwas wie ein Gentleman-Aggreement einer Zweierbeziehung abgeschlossen habe, kommen wir zu keinem befriedigenden sexuellen Austausch, weil sie gleichfalls wieder vor Angst strampelt, Äids zu bekommen.
Alle menschlicher Intelligenz nach zu schließen, war bei mir diese Krankheit ausgeschlossen, sofern sie wirklich einen gemacht hatte und dieser negativ gewesen war, weil ich zwischenzeitlich mit niemanden anderen Kontakt hatte. War vorher die Angst vor einem Kind in ihr wie ein Derwisch und Dschinn und Debisch, der sie umtrieb, war es nun aber Angst vor der Ansteckung einer Geschlechtskrankheit... Aber später dazu.
„Wie ist Dein Äids-Test ausgefallen.
„Negativ!“
„Das Ergebnis kam aber schnell.“
Ich schütze mein Gesicht in ihrem Arm.
Nachdem wir geschlafen hatten – ungewöhnlicherweise lag sie bereits im Bett, bevor wir endgültig einschlafen und uns also zur endgültigen Nachtruhe begeben wollen – ich saß im Dunkeln auf einem der Sitze, einen Fuß auf den anderen Stuhl ausgebreitet und rauchte genüsslich eine Zigarette. Es war die blaue Stunde zwischen nachts und frühmorgens, Ruhe herrschte auf der ansonsten stark frequentierten Straße vor dem Haus und ich nahm mir fest vor: „Du holst den Aids-Test noch nach.“ Ich hatte zwischenzeitlich auf einer Webseite in Erfahrung gebracht und gelesen, dass in einer weiten, nicht allzu weiten Kleinstadt angesichts meiner Monatskarte, da kein Aufwand des Erreichens, die Möglichkeit bestand, unangemeldet jeden Donnerstag vormittags beim dortigen Gesundheitsamt im Zimmer X des Stockwerks Y einen kostenlosen, doch nur 10 Euro veranschlagten Aids-Test durchführen zu lassen.
Das wollte ich nachholen, ganz bestimmt!

10.03.2017

Bei ihr übernachtet. Mit Präservativen und Zäpfchen ist Mademoiselle Vorsicht zugange.
Okay, jetzt Kondome und Chemie. Warum? Chemie sei unsicher. Könnte sie aber nicht sich nach ihrem Zyklus richten? Nein, weil, ins Klimakterium gekommen, dieser verrückt spielt und völlig unregelmäßig vonstatten liefe. Somit kann sie beliebig entscheiden, was sie von mir will, wann, wie und soweiter. Ist doch die perfekte Regierung über mich und meinen Bedürfnissen.
(Ich habe gelesen: Der Mann ist der Gefangene seines Schwanzes.)
So stecke ich in der Sackgasse oder Zwickmühle, Mademoiselle Vorsicht hat mich in ihrer Zwinge.
Es hat sich nichts gelockert, seitdem ich den Aids-Test gemacht habe, im Gegenteil, gab es doch vorher schöne, intensive Begegnungen ohne Kondome, die viel nachhaltiger in meiner Erinnerung gespeichert sind und so verklärt wunderbar-schön auftauchen, dass ich mich danach zu sehnen beginne. Jüngste sexuelle Begegnungen dabei hinterlassen kaum Spuren.
Aber jetzt mit Chemie sowie mit Kondom und das ist ätzend, das ist ein Folter für IHN daunten.
(Ist der Mann der Gefangene seines Schwanzes, dann ist er damit aber der Gefangene der Frau! - Keinen Ständer zu haben heißt: vor ihr weichzuwerden, in die Knie gehen, kapitulieren und im wahrsten Sinne des Wortes „Vor ihr den Schwanz einziehen.“ - ER hat sich in die hinterste, dunkelste Ecke seines Gefängnisses vor ihr verkrochen!)
„Ich bin noch nicht bereit für eine Beziehung...“ Das ist das andere. Dabei ist es nicht nur ihr LP, obwohl der stets virulent ist, wie sie sagt: „Beherrscht er immer meine andere Gehirnhälfte, oder mein Herz.“ (Oder Dich.)
„Ich kann, traue mich nicht auf eine Beziehung einlassen, weil ich Angst habe...“
Angst vor..., Phrasen, Sprüche, Floskeln, die der Mann schon tausendmal gehört hat, aber immer wieder frisch sind und neu klingen und sich auftischen lassen muss, um sie zu schlucken und zu speisen. (So dass ihm speiübel wird!)
Außerdem müsse sie sich noch auf sich selbst besinnen, zu sich selber kommen, sie ist doch erst seit einem Jahr von ihrem Partner getrennt, lebt in einer völlig anderen Stadt, obwohl die vorherige nur 30 Kilometer entfernt ist, aber freilich, ich verstehe sie, es ist keine Großstadt, ein kleines, überschaubares, eben mit anderen Werten, Menschen und Bestandteilen durchsetztes neues Umfeld.
Ich kapiere, sie braucht ihren Freiraum. Vorerst einmal. Sie ist noch mit sich selbst zu sehr beschäftigt. Sie ist ja auch psychisch krank, die sind da vielleicht fragiler, sensibler, so flexibel, brauchen längere Zeit, um sich auf eine neue Situation in ihrem Leben einzustellen, das kennt man ja von solchen Menschen, wenn sie umziehen müssen, wenn ein Bekannter in ihrem Freundes- oder Verwandtenkreis stirbt, dass das ihnen mehr als zuträglich und länger als anderen normalen Menschen nachgeht, sie erst alles verarbeiten und damit zurechtkommen müssen.
Aber da steht ein großer Wort über uns. Das muss heruntergehängt und auf den Boden gestellt worden, sonst erschlägt es uns.
„Beziehung! Vermeide das Wort, das ist zu groß!“ – und damit ist alles offen.
Weil dieses Wort wie eine Heiratsurkunde wirkt, mit allen Pflichten, die damit verbunden sind. Offene Beziehung, so ein Modewort aus den Sechzigern, soll es auch nicht sein, das ist mir zuwider, damit verbinde ich, dass man auch einmal mit einem anderen in die Koje springt, das ist mir zu gefährlich. Ich will Monogamie. Ich bin zu eifersüchtig. Sie will es ja auch.


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