Heimsuchung einer Kleinstadt

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Pentzw
Klio
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Heimsuchung einer Kleinstadt

Beitragvon Pentzw » 29.04.2018, 13:40

Gesprächsgesuch mit einem Polizisten

„Ich war gerade beim Türken um die Ecke. Ich habe mir ein Bier und veganen Döner gekauft und als ich herausgetreten bin, habe ich mir eingebildet, ich hätte im Laden meine Geldbörse vergessen und verloren. Da bin ich zurückgegangen in die Kneipe und habe in den kleinen Raum hineingeplärrt: „Gebt mir meine Kohle wieder!“, aber dann habe ich im gleichen Moment festgestellt, dass ich doch den Beutel in meiner Seitentasche hatte. Aber egal, was die sich gedacht haben. Welch ein absonderlicher Auftritt dies wohl in der Dönerspelunke gewesen sein musste.“
Amüsiert darüber schüttelt Gina den Kopf, der gleichzeitig von einem Lachen geschüttelt wird. Sie erzählt weiter.
Danach schob sie ihr Fahrrad schwankend über den Schneematsch. Es hatte geschneit, aber es war nicht kalt genug, so daß der Schnee nicht sofort schmölze. Sie war zu betrunken, um Fahrrad zu fahren. Außerdem waren es nur cirka 20 Meter bis zum Hauseingang, in dem sie wohnte. Das würde sie auch so gehen. Auf ihrem Gepäckständer befand sich ein Döner, vegan. Sie hatte aufgehört Fleisch zu essen, sie war eine Rasta-Frau, wenngleich sie kiffte, wenn es ging, was ja angesichts dessen, daß sie eine Rastafrau war nur natürlich war und Whisky, kleine Flachmänner, verschmähte sie auch keineswegs. Ein Beispiel für die besondere Anziehungskraft des Pots, um nicht zu sagen des magischen Soges insbesondere, kommt, nachdem sie den quadratkubikmetergroßer Stein, ein Relikt aus vergangener Zeit, 50iger, 40iger, wer weiß, ein lustig-anmutendes Unikum, umrundet hat. Nachdem!
Zuvor fällt sie aber hier, wie sie eben um die Ecke in ihre kleine Gasse biegen will, mit dem Fahrrad um, weil sie diesen Stein geschnitten, besser gestriffen hat und kann von Glück reden, dass sie nicht gegen eine rechtwinklige Kante gefallen ist. Das Rad rutscht von dem gebogenen Stein weg und fährt, rutscht und hutscht zurück, so dass sie auf das Trottoir niederfällt, nicht jedoch gegen eine spitze Hausecke. Sie rappelt sich mit mit dem Song „Get up, stand up. Fight for your right!“, wieder auf, ohne daß ihr Gepäck verloren geht. Um die Ecke und in die Gasse hinein gelangt sie schon weiß, feucht und verschmuddelt, um ihr Fahrrad am abblätternden Wandverputzt des alten fränkischen Fachwerkhauses abzustellen, mehr werfend, als fallen lassend und als es daran anzulehnen.
Hier steht auch der Sog ihrer kaschierten Kiffersucht: ein grüne Biotonne. Gestern, als sie mit Louise, das Glück oder Pech wollte es so, einen Batzen Haschisch in Alufolie auf der Straße gefunden haben, haben sie es darin entsorgt, nach einhelligem Einverständnis der Glücks- oder Giftpilze, nichtsdestoweniger beugt sie sich jetzt, Klappe aufgerissen, über den dreckigen Schlund und langt mit ihren langen Armen hinein. Gefunden, was gesucht, steckt sie es freudig in die Seitentasche ihres amerikanischen High-School-Balzes, Danach streift sie den Schneematsch von der flachen Sohle ihrer dünnen, windigen, kaum wintertauglichen chinesischen Sportschuhe an der Türschwelle ab.
Ein Wunder, daß sie den Beutel Döner nicht verloren hat, trotz ihres trunkenen Zustandes war er nicht herausgefallen. Zufrieden greift sie sich das Paket von der Schwelle aus dem Ständer, bewusst darin, dass sie ihn hätte leicht verlieren können. Aber zurzeit klappte einfach alles. Sie hätte es bestimmt nicht gemerkt, denn sie schwebte auf Wolke Sieben. Sie war verliebt.
In die Küche tretend, plärrt der zu laut eingestellte Radio. „Sicherheitskräfte wurden von randalierenden ausländischen Jugendlichen, wahrscheinlich aus Afghanistan, attackiert. Ein Beamter liegt im Krankenhaus mit einer Schädelfraktur, nachdem er, von den herbeigeholten Polizisten wegen Ruhestörung...“, die anonym erfolgt war, wie sonst auch in diesem Land, zu Boden geschubst und dort mit Füßen traktiert worden war.
„Diese verdammten Nigger!“, grölt Gina dazu.
„Was?“ Bin ich etwas von entsetzt. Eine ausländerfeindliche Gina, unmöglich, so etwas hätte ich ihr niemals zugetraut, bei ihrer Biographie: Sozialpädagogik Studium begonnen und zudem war sie in meiner Generation. Aber Gina denkt, was ich noch nicht weiß, an ihren Polizisten, der das Opfer einer solchen Attacke hätte sein können, vielleicht es auch ist und den sie vielleicht noch nicht liebt, aber Hoffnung in ihr entzündet, die sich nicht dämpfen kann. In Wirklichkeit kann sie gar nicht gegen Schwarze sein als Rastafa-Frau hat sie etliche Male mit schwarzhäutigen Gleichgesinnten geschlafen, wenn man es euphemistisch ausdrücken möchte. Sie hätte mehr Anlass gegen die Bullen zu sein, denn ihr geliebter Lebensgefährte Kevin war als Gegenstand und Subjekt der Verfolgung von Konsumenten illegaler Drogen seitens der Staatsmacht über eine Mauer geklettert, an einem Nato-Draht hängen geblieben und sich in unglücklichsten Umständen selbst erhängt, erwürgt und zu Tode gestürzt. Also wäre ihre Wut gegen die Ordnungshüter dieses Landes mit Sicherheit gerechtfertigter! Aber!
Ihre Entgleisungen, für mich solche, sind nur ein Ventil, um sich von ihren Ängsten zu befreien und das Ventil bieten hier die Schwächeren der involvierten Parteien. Sie ist tatsächlich in einen Polizisten verschossen, der jüngst aufgrund einer von der hier wohnenden dritten Person, von Grit, veranstalteten widerspenstigen Aktion in Erscheinung treten musste. Weil die Oberaufseherin, die Sozialpädagogin dieses Vereins nach diesem geschickt hatte, nicht ohne selbst im Hintergrund zu bleiben, nicht mitgekommen ist sie, nur angezeigt hat sie diese Grit, wenn man das im wörtlichen Sinne nimmt, wobei sie sich selbst eben nicht die Hände schmutzig machte, sondern die dafür auserwählten und autorisierten Helden vorangeschickt hatte, um die unliebsame Mitbewohnerin in die Psychiatrie zu befördern, zumindest den Weg dafür freizugeben, Informationen sammeln und das Terrain erkunden zu lassen. Dabei hatte ein Beamter die gleichfalls hierinnen Wohnenden befragt. Gina inspizierte er etwas genauer, Körperfilsitation genannt, welche dieses An-Ihr-Wäsche-Gehens als wohlwollenden, ernstgemeinten und liebevollen Annäherungsversuch gewertet hat. Keinerlei freundschaftliche Bezugspersonen zu haben, musste sich jede Berührung wie ein Heilsversprechen auswirken.
„Wir werden das nicht dulden, werden die Kriminellen, unser Gastrecht mit Füßen tretend, unerbittlich verfolgen und mit aller Härte des Gesetzes bestrafen, bis auch der Letzte begriffen hat, daß Sicherheitskräfte und Beamte des Staates nicht...“, tönte die monotone, modulationslose und dunkle Bassstimme des Innenminister Bayerns. Ich bezweifele, dass das, was hier berichtet wird, stimmt, der Wahrheit entspricht, wirklich geschehen ist und stelle mir vor, wie sich diese rechtstaatlichen Sicherheits-Engel solch Spaß habenden Jugendlichen wohl gegenüber aufführen, daß sich jene herausgefordert fühlen – nachdem, was ich mittlerweile selbst von Staatsvertretern erfahren musste, Einschüchterung, Ignoranz und Weigerung, mein sauerverdientes Honorar zu bezahlen – sicherlich so eine Finte, so eine provokante Lüge in den zwangsverordneten Medien, ähnlich der bereits vor 40 Jahren durch einen Agent Provokateur gelegten Falle – wobei dies natürlich eine andere Dimension als die mittlerweile stark um sich gegriffene Korruption in Amtsstuben und Behördenzimmern darstellt - ist denn von staatlichen Korruption zur inszinierten Aufhetzung und Aufwiegelung mehr als ein kleiner Schritt.
Nun zetert Gina wieder, denn es, womöglich kreislaufbedingt, Fahrradschieben und hierinnen warme Küche, brodelt jetzt der Wodka und das Bier aufgeheizt in ihren Adern darüber, dass sie von einem Polizisten im Verhör am Busen und Po angegrabscht worden ist, als sie sich auch noch ins Polizeipräsidium begeben hatte, angelockt durch die Aussicht auf Geschenke wie Handy und Kleidung. „Das geht (doch) nicht, dass der mir gleich an die Wäsche geht!“, stammelt und brummelt sie hilflos.
„Genau. So schnell schießen diè Preußen auch wieder nicht“, entgegnet Louise.
„Ich habe ihm gesagt, er solle das Handy zurücknehmen, es sich bei mir abholen oder ich bringe es ihm ins Präsidium vorbei. Jedenfalls geht das so nicht.“ Sie ist stark betrunken, schwankt auf dem Stuhl bedrohlich als würde sie sogleich davon herunterfallen und abstürzen. Zudem ist sie dieser abhängigen Situation des Staatsgewaltigen gegenüber völlig hilflos ausgesetzt.
[Der Polizist, eine Ausnahmeerscheinung? Das sagen diejenigen, die zu dieser anderen Mafia, der Mafia-Bande Staat selbst gehören. Genau das gleiche haben sie gesagt, als sie jüngst einen Krankenpfleger mit bis über 100 ermordeten Patienten entlarvt haben, der von einer Krankenpflegerstelle mit besten Empfehlung zur anderen gelobt und ausgelobt worden war. Dies komme und käme und könnte wahrscheinlich nicht wieder vor, weil es sich um ein singuläres, einmaliges, unwiederholbares Ereignis handele. Dass es vielleicht im System, an der Bewertung, an der Staatsstruktur liegen könnte, kommt denjenigen, die mit ihrem Teil, Aufgabe, Funktion daran mitwirken nicht in den Sinn. Klar, müssten sich ja selbst in Frage stellen, sich selbst kritisch hinterfragen, womöglich Konsequenzen ziehen, die an ihrem fetten Schmerbauch zerren würden.]
„Wie konntest Du bloß glauben, da entstünde etwas, wenn Du ins Geschäft von dem gehst? Er hätte Dich ins Restaurant oder so etwas einladen sollen, aber nicht ins Revier. Das hätte Dir gleich verdächtig vorkommen und sagen müssen, dass da nichts Gescheites entstehen könne“, resümiert Louise ganz vernünftig.
„Naja, vielleicht ja doch, habe ich gedacht. Man weiß es ja nicht. Möglicherweise ist er ja ganz nett, habe ich gedacht“, labert Genia entgegen. Sie wiederholt sich in der Folgezeit öfter, ist sternhagelvoll und weiß nicht, ob sie ihren vorhin gekauften Döner nun schon in ihr Zimmer nach oben abgelegt hat oder nach unten in der Küche irgendwohin.
„Ist das vielleicht derselbe Polizist, der letzthin Wilhelmine, du weißt, die Behinderte im Rollstuhl, besucht hat. Sie hat erzählt, dass ein Polizist oder ein in einer Polizei-Uniform Verkleideter zu ihr in die Wohnung gekommen sei und wegen irgendeiner Ermittlungssache hinsichtlich einem nur fern Bekannten ausgefragt worden ist. Dabei sei dieser Uniformierte übergriffig geworden, ihr ständig an die Wäsche gegangen, hat sie erzählt. Aber sie hat nicht geglaubt, dass das wirklich ein waschechter Polizist gewesen ist.“
„Ja, klingt nicht so, als ob es einer war“, sage ich, denke aber angesichts Genias Erlebnisse das Gegenteil. Das ist bestimmt der gleiche gewesen. Mann, ein Polizist, der abhängige Zivilpersonen sexuell belästigt. Na Prost, Gemeinde!
Louise sagt schnell hinter dem Rücken von Genia zu mir gerichtet: „Vielleicht steht er auf gewisse Praktiken im Verhörraum, sexueller Art, meine ich.“ Dabei zeigt sie ihre porös lachenden Zähne.
Ich lache verhalten zurück: „Das kann schon sein.“ Ich knöpfe mir den obersten Knopf meines Hemdes auf, denn mir ist sehr heiß geworden.
Schön, dass wir jetzt Luft schnappen gehen und uns nach draußen begeben, um sich auf die Schwelle des alten fränkischen Fachwerkhauses zu setzen. Es riecht aus den daneben stehenden Abfalleimern, grüne, weiße und braune Tonne, weil seit Jahren nicht mehr gründlich ausgeputzt worden. Wir schauen durch die schmale Gasse auf die Innenstadt-Straße, durch die immer wieder am steuersitzende Backfische Ralley-Rennen veranstalten. Vielleicht aber auch sind es Polizei-Aspiranten, ist doch dieser Beruf bei Jugendlichen sehr beliebt geworden, die sich bereits auf ihren Diensteinsatz vorbereiten. Wundert es jemanden, dass hier keine Geschwindigkeits-Meßgeräte aufgestellt werden? Aber wir leben in einem Land, auf dem Gesetze auf Papier stehen, gebracht und verschwendet werden, die die Tinte nicht wert sind, womit sie geschrieben worden sind.
Gina verfällt nun wieder in heulendes Elend, diesmal über ihre Vergangenheit. Sie müsse mit einem noch Lebenden unter ihren Freundeskreis unbedingt heute noch Kontakt aufnehmen, um mit dem über ihren verstorbenen Rastafa-Freund Kevin zur reden, sie brauche dies, sie müsse dies unbedingt spätest am WE machen.
„Und dabei“, Genia verfällt wieder in weinerlichen Tonfall, was immer dann geschieht, wie ich vermute, ihre weinerliche Nostalgie und Erinnerungsseeligkeit rührt bestimmt von daher, dass sie an diese Situationen mit dem behördlichen Aufdringling denkt.
„Dabei hatte er so lange Rastafa-Locken.“ Sie meint wieder ihren verstorbenen Freund. Sie macht ein Andeutung mit der Hand bis zur Taille. „So schön.“ Ob er schön war oder wegen seiner Erscheinung, der bis zum Hinternansatz herfallenden Dreadlocks, bleibt offen.
Wenn sie, so besessen von der Erinnerung, lacht, zeigt sie ihre weißen Hackerchen. Dieser Ausdruck trifft nur insofern zu, als sie keine gleichmäßig aufgereihten 32 Zähne mehr hat, zwar noch die großen Schneidezähne vorne, aber einige Backenzähne sind bereits herausgefallen, so dass eine schwarze Lücke in ihrem offenen Mund klafft. Wenn sie lacht und ihre betont kehliges Grunzen ausstößt, frankiert von dieser Lücke, erscheint sie als entweder faszinierendes oder abstoßendes Original, Unikum und Hexe. Das Gesicht, beim Lachen krass ins Auge springend, höhnt gleichsam.
Uns ist kalt geworden, wir sind wieder in die Küche zurückgegangen. „Mensch, habe ich einen Durst!“, grunzt sie dabei in einem einem Schwein ähnlich schnarrenden, nasalen Ton, als sie hiermit Gelegenheit hat, in Schränke, Ablagen und Kühlschränken die Objekte ihrer Wünsche zu vermuten. Und sie schaut sich in der Küche um, indem sie sich beinahe um sich selbst dreht, um etwas Drinkbares zu entdecken und zu ergattern.
Als sie nichts findet, lässt sie die Hände in den Schoß fallen, als bete sie und erzählt satanisch, was ihr alles in der Vergangenheit mit dem Kevin so Schönes zugestoßen ist, sie erlebt hat und erleben durfte - ach!
Bald kommt sie aber auf Dringenderes: der belästigende Polizist.
Louise meint, Sibylle meint dazu: „So etwas geht nicht!“ - Sibylle ist ihre neue Suchberaterin - womit sie recht hat, ich stimme entschieden zu. Dies geht natürlich nicht, dass ein Polizist Abhängige mit kleinen Geschenken zu sexuellen Abschweifungen nötigt und treibt. Aber das sagt gerade die Sucht-Therapie-Mieze! Denn es geht auch nicht, dass eine Sucht-Therapeutin Patienten, die die allerhärtesten und stärksten Medikamente verschrieben bekommen, etwas von „kontrolliertem Alkoholtrinken“ vorschwärmt oder nahelegt und überhaupt so einen Gedanken in deren Köpfe pflanzt.
Mühselig, dumm und überflüssig darüber nachzudenken, was am Schlimmsten ist bei all den Überdruss Hervorrufendem...

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Ginas Heimsuchung

Beitragvon Pentzw » 29.04.2018, 14:51

Manche Menschen haben Pech. Ginas Eltern kamen als Flüchtlinge nach dem Krieg nach Deutschland, aus Schlesien, aus Pommern, wer weiß es. Sie erwarben eine kleines Haus, das in einem Überschwemmungsgebiet lag. Die Feuchtigkeit kroch Jahr für Jahr höher die Mauern hinauf, bis zum Dachstuhl, in dem es bald hereinregnete, weil die Familie keine Mittel, Energie und Ausdauer mehr hatte, jedes Jahr erneut die Löcher zu stopfen oder zumindest alle Dekaden einmal das Dach zu erneuern.
Als der Zustand der war, dass Mauersteine und Quadratmeter große Verputzstücke herunterbröckelten und die Nässe selbst im heißesten Sommer die Zimmeratmosphäre derart anreicherte, dass man erst spät nachts, wenn auch die Luftfeuchtigkeit zu einem erträglichem Maß herabgesunken war, ans Einschlafen denken konnte, wurde das Haus für einen Scherbelpreis an die Gemeinde weiterverkauft, damit die es plattmachen konnten. Die Kosten der Planierung waren so hoch und der Wert des Hauses samt Grundstückspreis derartig niedrig, dass die Besitzer mit 1500 Euro aus dem Dilemma herauskamen.

Es war Abend und wir waren in der Küche. Louise spülte ab, nachdem wir gegessen hatten. Gina stieß dazu und setzte sich nach dem allgemeinen „Schönen Guten Abend“ zu mir an den Tisch. Louise stand an der Küchenfront, könnte man sagen und war dabei abzuspülen.
Es war unübersehbar, dass Gina trunken war, sie konnte sich schwerlich auf den Beinen halten, so dass sie sich stöhnend und erschöpft erst einmal an den Tisch zu mir setzte: „Aber morgen höre ich auf.“ Das stammelte sie dann immer wieder vor sich hin,
Louise ging dieser Spruch mittlerweile derart auf die Nerven, dass sie dazwischen funken musste: „Du bist für Dich selbst verantwortlich. Du musst es wollen, sonst geht gar nichts.“ Ich staunte Bauklötze, denn die Botschaft war so untypisch für Louise, die sich ständig an andere Menschen andockte, um Herr ihrer Probleme zu werden oder davon loszukommen und darin auch die Ursache derselben zu sehen beliebte. Zitat: „Ich bin umgeben von Trinkern. Wie soll ich da stark sein?“
Nach diesem Sermon von Louise haben sich beide Frauen einträchtig zusammen auf die Schwelle der Tür zur Gasse hinausgesetzt, um eine Friedenspfeife zu rauchen, wohingegen ich in der Küche blieb.
Klar, warum Gina gerne moralisch Ergüsse von so religiösen Sendern über sich ergehen lässt. Entweder Horrorfilme, thrillerartige Krimis zog sie sich vorm TV rein. Oder Predigten von amerikanischen, evangelischen Befreiungstheologen. Quasi live hatte Louis diese Sendereihe in der Küche in Anwesenheit der reumütig sich gebärdenden Sünderin Gina weitergeführt. Nur wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sie nur Entertainerin war und keine Wirkung erzielte. Bis dahin würde es auch ein sehr weiter Weg sein. Mit vielen Stolpersteinen –und über einen fiel sie gerade auf die Nase.
Nach einer Weile kam Louise zurück in die Küche, schlug das Geschirr-Schrank-Fenster ziemlich heftig zu, so dass ich das Schlimmste ahnte: „Nach der Zigarette ist Gina aufgestanden und über die Straße zur gegenüberliegenden Sisha-Bar gewankt. Abgesehen davon - die Straße ist sehr belebt, dass ich Todesängste ausgestanden habe - war ich zunächst perplex, dass auf ihre Reue hin keinerlei Taten folgen. Jetzt bin ich nur noch wütend. Die verarscht mich.“
Das-Ins-Gebet-Nehmen von Gina war wie für die Katze gewesen, denn von der Schwelle des Hausausgangs weg war sie den neonleuchtenden Lockungen der übrigens nicht einzigen Sisah Bar der kleinen unterlegen und blindlings über die Straße zur verheißungsvollen Kneipe hinübergestolpert und –gewankt in der diffusen Absicht, sich dort restlos die Kante zu geben.
Louis schob einen Hals!

Jedenfalls war sie frustriert ob der Bemühungen um Ginas Alkoholkonsum-Verhalten. Ihr Engagement entpuppte sich mittlerweile doch als bloße Rohrkrepiererei. Wer würde da nicht langsam verzweifeln? Zumal sie selbst ja unter diesem Damoklesschwert des Alkoholabsturzes stand. Es war bestimmt eine emotionale Befreiung, Nüchternheit zu predigen, wenn man selbst es wollte und so war dieses Predigen wie eine Selbsteinflüsterung –und Beschwörung.
Enttäuscht, gedrückt und bedrückt gingen wir ins Zimmer von Louise in den ersten Stock hinauf, von dem aus man direkt auf die andere Straßenseite auf die Sisha-Bar schauen konnte: durch die Fenster blinkte der Geldspiel-Automat bunt-farben, krebsartig leuchtete die chromverzinkte Bar in ihrem roten Neonlicht daneben, den Eingang selbst flankierten und schmückten zwei schwarz-goldene Nofreteten-Statuen sowie die Mauern entlang feldbetten-artige Lehnsesseln aus der Rumpelkammer der 50-Jahre, in denen sitzend oder liegend vor überdimensionalen Wasserpfeifen sich Dampflok-Schlot-Dicke Qualmwolken vor den Gesichtern der Jugendlichen aufbauten, die sich damit bis zum Platzen die Lunge vollpumpten. Praktisch, würden sie einen Kreislaufkollaps bekommen, lägen sie aber bereits auf einer transportablen Tragbahre.
Ich saß allerdings mit dem Rücken zu diesem herrlich dekadenten Ausblick, aber Louis beobachtete von ihrem Sessel aus jede Bewegung von Gina, indem sie immer wieder den Hals lang machte wie ein Schwan, sprang schließlich auf, als sie diese in den Eingang hineinschwanken sah, lief zum Fenster, um ihre Beobachtung durch näheren Augenschein zu verifizieren und drehte sich schlagartig zu mir um: „Soll ich sie holen?“
„Hm!“ Das hieß Ja-Nein.
„Hm, nein. Das ist nicht meine Aufgabe.“ Louis setzte sich wieder.
Das Argument fand ich schwach. „Nein, aber geh und hol sie trotzdem dort heraus!“
„Okay! –Aber ich rauche erst einmal eine Zigarette.“
Dieses Ritual fand stets statt: bevor man etwas anpackte, wurde eine Zigarettenpause eingelegt.
In der Zwischenzeit fielen einem dann immer Gegenargumente ein zu dem vorhin gefällten Entschluß.
„Bin ich eigentlich ihr Aufpasser? –Ist sie nicht alt genug? - Die muss doch inzwischen wissen, was sie tut.“ Sie blieb also erst einmal in ihrem Sessel.
„Aber wenn die dann betrunken über die Straße läuft und ein Auto erfasst sie, was dann?“
Ein gutes Argument. Denn auf dieser Straße beliebten die Jugendlichen ihre Formel-I-Rennwettbewerbe abzuhalten. Oft musste man nachfragen, was der andere Gesprächspartner hier im Zimmer gesagt hatte, wenn so eine Renner draußen gerade vorüberdüste.
So schaffte ich es, Louise nach wenigen Minuten wieder besorgt zu machen, so dass sie sich anschickte loszugehen.
Nachdem Louise Gina in die Sisha-Bar hat hinein schwanken und wanken gesehen, selbst geschwankt hat zwischen Zusehen und Hilfe, um sie vor weiteren Anschlägen zu retten, rennt sie jetzt über die Straße zu dieser und von der Tür her rufen ihr bereits ein paar Mädchen zu: „Sie suchen bestimmt die Alte? Sie ist dahinten in der Kneipe.“
Würde sie zu spät kommen; wie viel hätte Gina sich schon hinter die Binsen gegurgelt?
In der Bar wird sie aber von zwei lachenden Bar-Keepern begrüßt: „Sie suchen diese alte Frau?“ und sie deuten in die äußerste Ecke des Tresens weit hinten im Raum, wo sich auf einem hohen roten Barhocker eine enttäuschte Gina glücklicherweise nicht von Schnaps, Likör oder Bier eingedeckt und bedient befindet, sondern mir einem klaren Glas Mineralwasser vor sich.
Fast kommt sich Louise überflüssig vor, aber zu ihrem Entsetzen sieht neben der nüchtern Heiligen nun einen zarter Jüngling sitzen, auf den Gina unverhalten einredet –hinsichtlich was wohl?
Louise muss sich als Sitte gebärden, was ihr selbst peinlich ist, aber leider doch hat sie nun verschämt ihre widerspenstige Mitbewohnerin aus der Jugendlichen und Heranwachsenden besuchten Bar hinauszukomplimentieren und -abzuführen, wobei sie den stand- und heldenhaft kategorisch das gefährliche Gift der Gefährdeten verweigert Habenden beim Herausgehen dankend zunickt: gut gemacht Jungs, sternhagelvolle, ältere Besucherin darf kein Tropfen Alkohol ausgeschenkt werden, sagt der „Altenschutz“ oder so. Gina ist mittlerweile wirklich bekannt wie ein bunter Hund.

Allerdings beging ihre Retterin in ihrer Über-Fürsorge einen schwerwiegenden, folgendschweren Fehler, indem sie die Sprüche der jungen Mädchen von vorhin der Betroffenen selbst wiedergab: „Suchen Sie die Alte? Die sitzt hinten in der Bar und macht einen jungen Mann an!“ „Was, das haben die wirklich gesagt!?“ „Ja, leider, Gina. Genauso haben sie sich ausgedrückt.“ „Hm!“ Was geht da nur in Ginas Kopf vor? Zwei Tage später weiß Louise Bescheid.

Aber zunächst ergehen wir uns erst einmal in Empörung. Empörung, über das Verhalten Ginas.
Mit ihren fortgeschrittenem Alter, ihrem Ehrgeiz oder ihrer unstillbaren sexuellen Lust, wer weiß es schon genau, unternahm Gisi alles; auch einen jungen Mann abzuschleppen und in die Kiste zu kriegen. Na klar, die annähernd Gleichaltrigen waren verheiratet, diejenigen Versprengten, denen man hie und da über den Weg lief, bockten auch nicht mehr. Frisches Blut und junges Gemüse zog frau vor!
Louise echauffiert sich, im Sinne, dass dies doch gegen den Jugendschutz verstoße.
Und ich denke mir: „Wenn es dabei nur bliebe, ging’s ja.“
Stell Dir vor, da sitzt so ein junger Kerl in dieser Spelunke, nichtsahnend, lebt in einer heiler Welt und intakten Familie mit einem völlig anderen Kulturkreis und plötzlich wird er von einer Älteren mit anzüglichen Komplimenten, Einladungen und Aufforderungen angemacht - so ein junger (armer) Kerl, der ohnehin ein gespanntes Verhältnis zum anderen Geschleckt mitgekriegt und vermittelt kriegt. Für den ist das doch Schock!“
„Wenn nicht ein Trauma...“, füge ich bei und denke für mich, dass früher es umgekehrt war: erwachsene Männer belästigten und wollten doch die die jungen Dinger verführen. Aber dank Zeitenwende verhält es sich heutzutage anders. Ältere Frauen fallen über jüngere Heranwachsende her.
Und ich denke noch: „Zudem, wie steht es mit dem Schutzrecht von Minderheiten in unserer Gesellschaft? Wahrscheinlich gefährdet ihr Verhalten auch die Schutzbedürftigkeit hochartifizieller, vom Aussterben bedrohter Minoritäten unserer Massengesellschaft. Unausdenkbar!.“
„Wie letzthin schon einer. Der war aber schon erwachsen!“
„Verheiratet zudem!“
„Ja, aber stell Dir vor, sie lockt, wie sie es letzthin genau mit diesem Ali von der Dönerbude versucht hat, und der ist immerhin erwachsen, so einen Jugendlichen hierein ins Haus, - wie der Ali dann panikartig wieder abgehauen ist, als er, wie er gerade die Wendeltreppe hochkrabbeln wollte, angelockt von Gises Sirenen-Sing-Sang: „Ali, komm, Ali komm nur“, schlagartig mit einer anderen Frau im Flur konfrontiert worden ist. Der muß aus allen Wolken gefallen sein, gedacht, diese Abschlepp-Frau wohnt nicht alleine in einer Wohnung. Ist wahrscheinlich ein Harem, wo mindestens zwei Frauen in einer Wohnung leben. Hier haust bestimmt ein reicher Mann, wenn er sich zwei von der Sorte leisten kann. Wenn der Meister mich nun entdeckt und erwischt, schneidet er mir Gott weiß was ab!“
Louise lacht: „Wie der vor Angst und Schrecken geflohen ist, so schnell habe ich gar nicht geschaut...“

Spät nachts um 1 Uhr klopfte Gina bei der schlafenden Louise an die Tür.
Verschlafen lugte Louis zwischen einem Türspalt in den Gang, in der glücklich und beseelt eine himmlisch wiegende Gina stand oder vielmehr wankte, die wie eine Gottesbotschaft quasi das scheinbar Unmögliche, wie damals der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria, eine frohe Botschaft verkündete: „Ich bin gerade von einem jungen Türken gevögelt worden: So alt bin ich auch wieder nicht. Mensch, bin ich glücklich.“
Gina ist hartnäckig, Sie hat ihr Ziel erreicht.
Und das mit einer filmreifen Szene!
Ein junger, stämmiger, bärtiger, dichtbehaarter Türke um die Ecke vögelt eine weiße, engelsgleiche, herausgestylte alte Tussi in der Döner-Laden-Rumpel-Kammer, in dem vergammelnde Fleisch-Spieße hängen und Fleischfliegen herumschwirren, ihr breiter Hintern auf riesige, flache, knusprige Pizzakladden geklatscht, umhangen und umgarnt wie Weihnachtslammeta den Tannenbaum von Gemüsebeuteln, diversen Geschnetzelten aller Art, sowie flachen Fladenbroten –als läge ein besonderes Lamm Gottes auf einem okkulten, archaischen Altar –ein samtig-weißes, blond-gefärbtes und engelsgleiches Opfertier, das nach Strich und Faden gevögelt wird: auf Teufel komm heraus!

Am nächsten Tag, ernüchtert oder im nüchternen Zustand, je nach dem, wie man es sehen mag, war der Jubel dem Jammer gewichen: „Ich fühle mich so elend!“ Scham, Liebe oder die Gemengelage obskurem Verschnitts davon hatte sich ihrer bemächtigt, da sie in der kleinen Stadt an jeder Ecke das Bartgesicht des edlen Vöglers, Rammlers und Sex-Derwischen wahrnahm und es half auch nichts, dass sie es vermied, die Hauptverkehrsstraße zu passieren, wo sie an dem heruntergekommenen Dönerladen vorbeidefilieren musste, aus deren Schaufensterauslagen inzwischen bereits eine ganze Meute sexhungriger body-gestylter Ausländer welcher Herkunft auch immer gierten.
Sie hätte es nicht ertragen können –wohlgemerkt, den Geliebten sehen zu müssen.
So fuhr sie statt der breiten, hell erleuchteten Einkaufsstraße durch die verwinkelten, engen, kantig-sperrigen Kleinstadtstraßen –für eine oft angeheiterte Fahrradfahrerin eine nahezu zirkusreife Nummer.
Louise war außer sich: „Ich würde mich schon fragen, wenn ich besoffenen Zustandes nachts in einem Hinterzimmer einer Fleischbude von einem jungen Mann (+ Ehemann) genagelt worden wäre, wo ich jetzt stehe; wer ich bin; ob ich mich nicht unbedingt ändern müsse.“
Sie hielt sich dabei fest oder stützte sich auf mit der Hand auf der Konsole des dunklen Bauernschrankes, während sie förmlich nach Luft schnappte.
„Damit wäre der Tiefpunkt meines Lebens erreicht worden.“
Aber wie immer, da war ich mir gewiß, was auch passierte, zumindest so etwas, es würde sich nichts ändern bei der Betroffenen, weil anzunehmen und davon auszugehen war, dass dazu längst nicht mehr der Wille und die Kraft reichte.
Aber Louise hatte gut reden, denn sie war zurecht stolz darauf, es eineinhalb Monate ohne Alkohol durchgestanden zu haben!

@pentzwerner

Pentzw
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Re: Heimsuchung einer Kleinstadt

Beitragvon Pentzw » 19.11.2018, 15:16

„Get up, stand up! Fight for Your right!”, lullte und putschte Bob Marley and the Wailer die Jamaika-Reisende Gina auf. Gina kriegte die Krise, es war nur ein dumpfes Gefühl, irgend eine Anwandlung, egal welcher Absicht, nur ein dumpfes Drängen verspürte sie, mit ihm zu reden, mit ihm, der sie... na, ist bekannt. Und der Raggae lässt sie erheben, einen kleinen, klitzekleinen, mutmachenden Schluck aus dem vollen Flachmann machen, sich anziehen, die Wendeltreppe hinuntergleiten, das Fahrrad aus dem Gang durch die Haustür ins Freie schieben und aufsetzen.
Der Scheinwerfer des Fahrradlichtes tänzelte an den Hauswänden hin und her, rauf und runter, dass es eine Wucht war. Da und dort hatten die Haustüren überdies Lämpchen über den Rahmen, selbst in den Fenster glitzerten welche, wie süß!
Gina hat ihren Fahrradkorb hinten aufgespannt, der mit einem weinroten Tuch überspannt ist, ein Korb, der in seiner Verzierung dem Rotkäppchen-Weidenkorb ähnelt, in dem sich für Großmutter eine Weinflasche befindet, vulgo hier ein Flachmann aus dem Discounter, aus dem sie sich schließlich noch, auf der Schwelle vorm Eingang zum Paradies, zur Hölle, zum Fleischerladen in Form eines klitzekleinen Schlückchens Mut antrinkt.
Gina, die Sozialpädagogik studiert hat, wenn auch ohne Abschluss, sucht das Gespräch, muss es suchen oder es sucht sie, wie man will, weil bekanntermaßen in diesem Beruf das Schwätzen lernt, über Probleme reden, über vermeintliche Probleme quasseln, über Nichtprobleme. Punktum. (Schreibt der Autor, der dies selbst studiert hat.) Gina, kann eigentlich nichts anderes als reden, reden ohne Konsequenz, ohne einer Handlung und Tag infolge, weswegen sie trinkt. Oder umgekehrt ist es die des Trinkens!?
Sie lässt sich nieder in eines der abgeschabten braunen Leder-Sitzen, nicht unähnlich denen von Hinterbänken in kleinen Busen, hinten, in der äußersten diagonalen Ecke des kleinen Dönerlokals, zu ruhigerer Geschäftszeit und wartet eine günstige Gelegenheit ab, mit ihm darüber zu reden, ins Gespräch zu kommen, das geht doch so nicht, dass man das jetzt auf sich beruhen lässt, nachdem, was da passiert ist, da gibt es doch natürlichen Redebedarf –aber, wie sich bald herausstellt, leider nur von ihrer Seite aus.
.„Ich muss mit Dir reden... Ähm, also, diese Nacht... Ich war total betrunken, aber... Nun, du bist verheiratet, ich weiß das ja...“ Er sieht wohl kaum einen Sinn darin. Was wunder auch, da sie herumstammelt, als wäre sie kaum der deutschen Sprache mächtig
Hätte Gina schon wissen sollen, dass dies eine Rolle spielte.
Nun, zwar, immerhin denkt der türkische Partner doch ein bisschen darüber nach, als er von Gina zum Darüberreden aufgefordert wird: Soll ich diese Frau zu meiner zweiten machen, theoretisch möglich, per Gesetz seiner Religion, der er sich verpflichtet fühlen kann, wenn er will. Er denkt an einen sehr weit Verwandten in einem anderen Land, Syrien oder Irak, der es immerhin zu zwei Frauen und 16 Kindern gebracht hat – der geheime Stolz des ganzen Clans! Oder soll er es schlicht bei seinem guten Ruf unter den Jüngeren der Gemeinde belassen, mit seinem Treffer im fremden Revier gewildert zu haben und mit der Aussicht, dass dies erst der Anfang gewesen ist – ich habe deutsche Frau gefickt, klingt gut.
So etwas orientalisch verträumt in die Zukunft blickend, fährt aber jäh ein schrecklich-schlimmer Blitz zwischen das Glück der beiden, hier Glück ob ihrer Hoffnungsträchtigkeit, er glücklich ob einer goldenen Zukunft, so oder so.
Denn während Gina verschämt lächelt bei ihrem Ansuchen und der glückseligen Erinnerung, über den nächtlichen Holterdipolter- Fuck im Nebenzimmer zu sozialpädagogisieren, zeigt sie dabei ihre Zähne, die im ersten Backenzahn neben den Schneidezähnen eine Lücke aufweist, also schon an sehr exponierter, forterster Front, so dass der Angesprochene etwas zurückschreckt, aber um so entschiedener hinwiderum denkt: nee, nö, nein, nein - das ist vielleicht doch nichts. Wenn seine Freunde, Bekannten und Anverwandten zum Fleischbeschau kämen, würde seine Renomee doch in den Keller rutschen angesichts dieser Braut.
Außerdem versteht er sowieso kaum mehr als Bahnhof. Und so ist ihm dieses Gespräch zu „blöd“, wenn es auch vom Ginas sozialwissenschaftlichen Standpunkt aus auf einem hohen Niveau, von einem anderen in einem höheren Blödsinn geführt wird, umkehrt proportional ist es dem Türken noch „blöder“, wie die Deutschen sagen würden, wenn sie ungehalten werden und über etwas nicht mehr reden wollen: „Das ist mir zu blöd!“. Beim Denken bleibt es glücklicherweise auch, auch wenn es dem Betroffenen schon fast über die Lippen gekommen wäre, denn nun, Gina, du kannst froh darüber sein, öffnet sich zum Leidwesen Ginas die Tür und hereintritt ein Kunde, um sich vor den leeren Tresen des Fast-Food-Ladens aufzubauen.
Gerade noch kann der Verkäufer der Kundin im sonst leeren Laden zuraunen, ungeachtet dessen, ob es sich um den Neuling um einen Deutschen oder Türken oder oder handelt: „Ich nicht verstehen, nem anladim.“
Genia will aber nicht locker lassen, erreicht den Adressaten ihrer wichtigen Botschaft nicht mehr, welcher ihr inzwischen den Rücken zugekehrt und sich dem Fleischkegel zugewendet hat, um in einer Verlegenheitsgeste daran herumzuschnetzeln, das vom heißen Backblech krude gewordene Fleisch abzuschaben –ein Signal, das heißen will: für mich ist die Sache erledigt - aber noch lange nicht für Gina.
Sie hakt nach. Sie spricht laut, sehr laut: „Du, mir ist die Sache zu wichtig, als dass...“
Zwar wendet sich der Türke wieder darob um, aber er versteht von diesem Psycho-Gespräch überhaupt nichts, es kommt ihn wie sinnloses Gelaber vor, so dass er sich in seiner Ohnmacht gegenüber diesem quasi hochgestochenem Deutsch nur noch in ein halbherziges Stammeln verliert und in seinen buschigen Bart hineinraunt: „Ich nicht weiß Deutsch!“, bis endlich der Käufer, bislang noch überlegend und höflicherweise das Gespräch anderer Leute nicht unterbrechen wollend, endlich seine Bestellung aufgibt, um dieses unwürdige, beschämende und ausweglose Schauspiel, diesen einseitigen Dialog, diese Einbahnstraße menschlicher Kommunikation zu blockieren, zu unterbrechen, zu beenden, sprich zu erlösen, das immerhin eine Dauer erreicht hat, dass es der dümmste Gesprächspartner überdrüssig wird und mitunter auch die partiell nüchterne Gina kapiert, dass hier Ende der Durchsage energieschonend und sinnvoll zum Ausdruck gebracht worden ist.
Je länger sie über den Ausgang oder Fortgang oder Irrgang dieser notwendigen Aussprache der einseitigen Art nachdenkt, desto mehr Blut schießt ihr in den Kopf und treibt sie voran. Die Flasche stellt sie in ihrer Verzweiflung einfach auf den Tisch, sieht, was sie getan hat, ergreift sofort dieselbe wieder und steckt sie in den Weidenkorb zurück und nimmt sich ihre Habseligkeiten zur Brust, um aus dem Raum zu stechen.
Außen kippt sie sich nun den Rest des Flachmannes abrupt hinter die Binsen, aber bis zum letzten Tropfen. Die leere Flasche wirft sie mit einer Geste der Verächtlichkeit in den Rinnstein vor dem Lokal.
Dann besteigt sie ihr Fahrrad in abenteuerlich artistischer Weise, muss aber sofort wieder absteigen, da sie zu sehr schwankt darauf und Angst kriegt, auf die Nase zu fallen. So schiebt sie es kurzerhand. Aber weit kommt sie nicht.
Denn sie bekommt Durst, sehr großen Durst. Zurückzugehen und sich vor diesem Schnösel schwankend aufzubauen und um Bier zu bitteln, gönnt sie dem nicht. also, dort der Italiener. Dieser wittert seine Chance. „Bonjourno, junge Frau. Wein wollen Sie? Wir aber nur guten haben.“ Gina fühlt sich natürlich provoziert. „Natürlich will ich nur einen guten, was glauben Sie denn?“ „Va Bene, dann hol ich mal einen, Senorita!“ „Machen Sie das!“, antwortet Gisa großspurig, nun angestachelt und aus ihrem Nest herausgelockt. „Ist der der Senorita genehm?“ Er umfasst liebevoll mit seinen Händen einen billigen Hauswein, aber mit einem wahrhaften gespickten Preis. „Ich nehme ihn!“, sagt Gina, indem sie damit in die Falle geht, da sie vorher nach dem Preis hätte fragen sollen. Nun aber ist es natürlich zu spät! „Soll ich ihn der Senorita einpacken!“ „Nicht nötig!“, während sie ihre Geldbörse schon öffnet. „20 Euro!“ Sie schluckt, kann jetzt aber nicht mehr zurück. Noch wütender, ohne sich etwas anmerken zu lassen, blättert sie ihren letzten blauen Schein hin, nimmt schnell den Wein wie ein kleines Baby zwischen Arme und Bauch, als wollte sie es schnell in Sicherheit bringen, wobei es eigentlich sie ist, die sich verstecken will.
Sie fühlt sich natürlich zurecht gefleddert, ausgebeutet und verarscht! Aber was soll’s! Jetzt kam es auch darauf nicht mehr an. Hastig setzt sie ihren Weg fort, den Wein feinsäuberlich zwischen den Lebensmitteln im Weidenkorb gesteckt, damit er auch wirklich keinen Schaden erleidet, was nunmehr einfach zu bitterlich und schade gewesen wäre.
Na, mal los! Ab in die warme Stube und dann sich die Kante geben. Uff! Sie ist nunmehr, zu allem Übel, einerseits unerwiderte Liebe, andererseits geprellte blöde Tussi, den Tränen nahe, sehr nahe. Los!
Es ist Anfang Herbst und nach 20 Uhr bereits düster. Der Wind, obwohl nur leicht, fühlt sich schon schnöde auf der Gesichtshaut Gises an, die kurz vorm Tränenausbruch steht. Das wäre ein guter Grund! Auf dem Trottoir liegt klebriges, nasses Laub, über das man leicht ausrutschen könnte –ein weiterer Grund, um zu weinen und zu lamentieren. Sie sieht kaum 10 Meter weit und die gelben Lampen sind von Nebelwolken umhüllt und bilden ein schummrig-spühliges Abwaschlicht von weitem. Die Feuchtigkeit in der Luft lässt das Atmen schwer fallen und die Kälte frisst sich schon immer mehr durch die Kleider. „Es wird Zeit, in den rettenden Hafen einzulaufen!“, sagt sie sich in ihrem leicht schnatternden Ententon, aber schon wieder leicht vergnügt. Der Alkohol wirkt eben, wenn es den nicht gäbe, na denn Prost Mahlzeit!
Im Rinnstein staut sich neben dem Laub das Wasser, aber nicht ausrutschen, um da hineinzutatschen. Schon sieht sie von weitem die Ecke zu ihrer Seitenstraße, die von einem großen, einen Meter hohen Stein markiert wird. Wozu man den ehemals aufgestellt hat?
Bei Anblick dieses Steines an der Ecke, wie könnte es anders sein, kommen ihr Bilder von Hunden hoch, aber solche, die sie in Jamaika gesehen hat, wo man sie auf der Straße öfter herumstreunen sieht. Hunde würden, wenn sie an diesen Druidenstein vorbeikämen, zwanghaft darauf pissen müssen, das steht fest.
Sie liebte Katzen, sie hasste Hunde.
Zum Glück würde ihr das nicht passieren, in diesem Land hier einem solchen Köter jetzt zu später düsterer Stunde über den Weg zu laufen, es gibt sie kaum, herrenlose Köter. Hunde in Jamaika, friedfertig, hier zulande weniger. „Kein Wunder!“, sagt sich Gisa. Bei diesem Wetter würde jede Kreatur widerborstig und übellaunig, musste so sein und seufzte: „Ach!“, wenn ich doch nur in den Tropen sein könnte, in Jamaika!“
Schneller schob sie das Rad.
Eine Hitze durchfuhr ihre Adern, Kontrastprogramm zur kühlen Außenwelt –sie fühlte sich so warm eingelullt jetzt wie eine amphibische Schnecke im labyrinthischen Schneckenhaus –was gab es Besseres als solche Momente? Oh, jetzt ließ der Alkohol ihre Fingerspitzen kribbeln –volá.
Nur noch die Ecke, dort, wo dieser lustige große, abgerundete Stein steht, dann ins warme Nest. Doch plötzlich ist sie zu nahe dem Zauberstein gekommen, oder war der daherum eine Rosette bildende Urin bereits gefroren oder einfach bloß klitschig, Gina rutschte aus, es hob sie von den Beinen, so dass sie, das Fahrrad segelte auf die Fahrbahn, hinflog auf ihren Hintern, laut schrie und so sitzend am Ende ihr die Tränen kamen und sie –von weitem –sich wie ein herrenloser Hund vor sich hinschüttelte, hin- und herschaukelnd wie ein vernachlässigtes Kind, dann versuchend, auf die Beine zu kommen, wobei sie ein paar Mal ausrutschte, gleichviel ob vom Urin oder Alkohol, sie landete immer wieder auf ihren Hintern. Niemand achtete auf sie, so weit man sehen konnte, weil bedauerlicherweise niemand auf der Straße war und so beobachtete sie niemand, niemand, diese quasi herrenlose Hündin, wie sie auf allen Vieren krabbelte und versuchte in die aufrechte Haltung, auf zwei stehenden Füßen zu kommen, wie es menschlich ist.

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Engel der Versuchung

Beitragvon Pentzw » 06.02.2019, 23:40

Vorletzter Teil I – Im Klo mit Mundschutz

Noch in der selben Nacht wachte ich auf – mit einem riesigen Ständer, was wunder! Natürlich, meine Freundin hatte sich an diesem Abend wieder verweigert, der Grund war einerlei, diesmal wegen Rückenschmerzen und jetzt lag sie im Schlaf grunzend wie .... neben mir – alles für die Katze...
Wehmütig dachte ich an meine letzte Freundin, einer Bauernstochter, da wusstest du, was du an ihr hattest: allzeit, außer halt während ihrer Tage, bereit, Nägel mit Köpfen zu machen; das Heu vor Einbruch des Winters vom Feld zu holen; wenn der Mann reif war, musste er geerntet werden sozusagen; war die Eierblase prall gefüllt von quirligen Spermien, die sich schon ihr Köpfe gegen die Haut einrannten, musste die Schleuse geöffnet werden und zwar in die sich öffnende Vagina hinein– aber bei diesen Städterinnen wie Louise eine war, blaßiert, künstlich und gänzlich der Natur entfremdet, ha – und zudem, der „Abschuss“, noch Polizistengezücht, da war die Devise Ordnung, Kuschen und Anpassung, da fand der Sexualverkehr nur dunkel hinter vorgezogenen Gardinen statt, dass nicht etwa die Nachbarn durch ein Fleckchen helle, blasse, nackte Haut verschreckt aus ihren Betten gehopst und aufgeschreckt aus ihrer biederen Bahn geworfen und in ihrer Keuschheit verletzt werden würden.
Ich spürte IHN wieder, wie er vibrierte, ausschlug, sich reckte und rang, als wollte er durch den Wolkenhimmel stoßen.
Es war eine Plage. Onanieren, entweder sofort hier im Bett neben der tief wie ein Murmeltier schlafenden Geliebten oder mich aufrichten, um im Klo es zu machen, zudem mit der vagen Hoffnung, Gina, die Mitbewohnerin dort vorzufinden, wenn sie sich über das Waschbecken beugte, um sich zu waschen und mich dann von hinten an sie heranzumachen, vielleicht zufällig, vortäuschend, ich sei gestolpert oder beim plötzlichen Hereinplatzen auf sie geprallt, irgendetwas in der Richtung, es würde sich schon etwas ergeben.
Jetzt musste ich aufs Klo, ein starker Funken Hoffnung trieb mich an.
Als ich die Klotür öffnete, merkte ich, dass kein Licht brannte, hätte denn eines gebrannt, wäre Gina darin gewesen, denn die Mädchen hatten vereinbart, die Tür offen zu lassen, damit auch eine Mitbewohnerin hineinkonnte, wenn sich zum Beispiel eine andere gerade duschte.
Mir tropfte das Sperma heraus und die Enttäuschung war entsprechend groß, dass der Frust nicht minder war. Ich stellte mich unter die Dusche, ließ das warme Wasser über meine Schultern rieseln, das kalte über Ihn. Seine Beharrlichkeit war erstaunlich. Er wich keinen Zentimeter zurück. Dagegen wich ich aber bei einem Gedanken zurück, der mir plötzlich kam: Aufs Ganze musste ich gehen, es war so entwürdigend, es einfach wagen und hoch in Ginas Zimmer schleichen, mich in ihr Bett legen, vorgebend, ich hätte mich geirrt, eine kleine Ausrede, die mir dann die Gelegenheit bot, nichtsdestotrotz sich über sie herzumachen, wogegen sie im Grunde ja nichts hatte.
Ja, es musste jetzt geschehen! Denn die Zeit lief mir auch davon! Louise erwähnte immer öfter, Gina setzte mittlerweile ein paar Tage aus mit dem Trinken. Würde sie nüchtern werden, Mensch, dann wäre der General-Entschuldiger, alles liege nur am Alkohol, vom Tisch, vom Bett, vom Tablett.
Ich sah schon die Felle davonschwammen, Mann!
Mein Wunsch nahm plötzlich konkrete Formen an mit der genialen Idee, die ich hatte, als ich zwischen dem Regal die Massen Anti-Aging-Flaschen voll von Cremes, Puder, Heilwässerchen und Shampoos für Frauen einen Mundschutz entdeckte, wie ihn Ärzte und Krankenschwestern in Operationssälen verwendeten, um nicht angesteckt oder von unangenehmen Ausdünstungen beeinträchtigt zu werden.
Ich schnallte mir solch einen Mundschutz um den Kopf. Falls es mir nicht gelänge, wie beabsichtigt, sie von hinten zu nehmen, lief ich andernfalls Gefahr, während ich im vollen Eifer des Gefechtes über ihr die konvulsivische Bewegungen vollführte, anästhetisiert in Ohnmacht zu fallen und auf sie zu sacken mit dem paralysierten, starren, steifen und schweren Körper, so dass Gina gezwungen werden würde, zu denken, den Mann hat gerade der Schlag getroffen und den Notfall-Dienst anrufen, womit natürlich dann alles aufflog.
Ich sah mich im Spiegel und schreckte vor diesem Dieb, Eindringling, Verbrecher wieder zurück.
Aber in der Dunkelheit in das Boudoir Ginas mit Mundschutz einzudringen, wäre das kein Hinderungsgrund. Sie würde mich gar nicht damit wahrnehmen, um zu fürchten, sie würde gerade von einem Einbrecher überfallen werden.
Also los!

Plötzlich spürte ich den Schatten meines guten, alten Freundes und Kupferstecher über mir, Andrew, der zu den Amis-Brüdern ging nach Bolivien mit seiner Frau. Amis war eine fundamentalistische Christengemeinschaft, die naturverbunden und gänzlich ohne Elektronik lebten. Sie machten so viele Kinder als es nur ging, weil sie natürlich auch Verhütungsmittel ablehnten, nach dem Motto „Der Mensch denkt, Gott lenkt!“
Starr vor Scham und Angst traute ich mich nicht umdrehen, dennoch stand eindringlich sein Gesicht vor mir, stark beleuchtet und flureszierend, überlebensgroß wie auf einer großen Kinoleinwand, aber mit einer Bittermine, die seine Ungehaltenheit über mein Verhalten nicht eindringlicher hätte ausdrücken können.
Eine Freundin, die von den Amis-Brüdern nach Hause zurückgekehrt war, nachdem sie ihre Schwester, Andrews Frau und den glücklichen, mehrfachen Familienvater Andrew bei ihren Religionsbrüdern besucht hatte, hatte erzählt, dass, wenn seine Frau ihre Monatsblutung hatte, er sie, die Schwester begehren durfte. Dafür bekam sie die Einwilligung der ehelichen Schwester.
Ich wehrte ab: „Tja, großer Bruder, ich bin nicht so wie Du: archaisch, ungestüm, rücksichtslos oder zielbewusst, was weiß ich?“
Ich geriet in Zorn, in Missmut, in empörter Resignation.
„Man wollte nun einmal aus mir einen Pfarrer machen. Ich habe eine bestimmte Erziehung erdulden müssen. Deshalb geht es nicht!“ Ich streckte beide Hände nach vorne wie zur Abwehr.
Verflixt, warum sollte nicht auch Gott meine Geschicke lenken, gehörte ich nicht auch zu seinen Kindern?
Eine Freundin, die von den Amis-Brüdern nach Hause zurückgekehrt war, nachdem sie ihre Schwester, Andrews Frau und den glücklichen, mehrfachen Familienvater Andrew bei ihren Religionsbrüdern besucht hatte, hatte erzählt, dass, wenn seine Frau ihre Monatsblutung hatte, er sie, die Schwester begehren durfte. Dafür bekam sie die Einwilligung der ehelichen Schwester.
Das war doch ganz natürlich!
Mensch, und ich, ich könnte doch jetzt, da Louise ihre Anwandlungen von a-Sexualität hatte, als Ersatz Gina bekommen? Das ist doch auch ganz natürlich?!
Okay, nicht ohne direkte Einwilligung von Louise...
Der Herr entscheidet letztlich...!
Der Herr hatte mich bisslang nicht unterstützt, aber irgendwie würde er nun nicht umhinkommen, mich zu gewähren. Jetzt sprach er schon zu laut durch Mutter Natur.

ANDREWS Stimme: Mann, Junge. Wie willst Du das den anderen verklickern, he? Rührst selbst keinen Tropfen Alkohol an.
Lächeln erschien auf meinem Mund: Mensch, Andrew. Denk mal nach! Alles was Gina sagen wird danach, von wegen, ich sei über sie herab- und aufgestiegen, was ist das Wert aus dem Munde einer Alkoholikerin? Darum geht es. Selbst wenn ich jetzt zu Ginas Zimmer hochklettern würde, wir in ihrem Bett ertappt werden würden, könnte ich ein Märchen erzählen, von wegen sie hat mich aus dem Klo nach oben verschleppt oder was der Teufel etwas. Sie würde es selbst gar nicht mehr wissen.
ANDREW. Ich muss doch sehr bitten!
Ich: Na, ihr habt’s gut, ihr Religiösen, ihr könnt alles begründen mit eurem Glauben, wir aber.
ANDREW. Ihr habt Euren Alkohol!
ICH: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. – Aber jetzt lass mich in Frieden.

Aber natürlich, die Frage ist berechtigt, wie konnte es nur so weit kommen, dass ein Gast in diesem Haus sich wie ein Einbrecher verkleidete und über einer der Mitbewohnerin wie ein Vergewaltiger in ihrem eigenen Zimmer herfallen musste?


Teil II – A-Sexualität und Eier zum Frühstück

„Siehst, was ich so im Fernsehen sehe“, im Sinne: „Nicht, was ich alles sehe“ und dann „mache“. Knuddeln, Streicheln war erlaubt, ohne Erotik und Sexualität!
Keine Sexualität!
Der Fernseher war der Sexkiller der Nation! Er dirigierte das Geschehen der Ereignisse seiner Paare im Bett des ganzen Landes. Dagegen war kein Kraut gewachsen, höchstens Ausschalten. Aber mach das mal deiner Frau, Freundin, Gespielin verständlich?
Die Wirkung des Fernsehens war auf Frauen war fatal, nachhaltig und eindringlich.
Denn das ging so...
Es gebe a-sexuelle Gruppen. Der Leiter überwacht eine bis zu 25 Personen-Gruppe daraufhin, dass die Streichel-, Knuddel- und Massage-Gruppen-Dynamik nicht in den Tabu-Bezirk der Sexualität abdriftet.
„Ich bin auch schon a-sexuell, merkst Du es?“
„Ja, ich merkte es!“
„Ich hasse Sex!“
Mit diesen Worten stieß sich mich von sich herunter.
Erschöpft, wenngleich nicht wirklich, aber abgearbeitet bei dem Versuch, sie zu überzeugen und herumzukriegen, fügte ich mich in mein Schicksal und schlief ein.
Alle Verdrängung rächt sich früher oder später, bei mir gleich noch in der selben Nacht.
Ich erwachte, ich rieb mir die Augen, ich kratzte mir den Hals, die Kopfhaut, mich juckte es überall, ich schmeckte einen bitterer Geschmack auf den Lippen, als wäre ich mit giftigen Substanzen in Berührung gekommen. Wahrscheinlich war es nur die Rücklage von etwas Speichel.
Schnell aufs Klo.
Ich saß dort auf der Kloschüssel, Augen geschlossen, zwischen Noch-Schlaf und Schon-Wach und jemand klopft an die Klotür.
„Ich muss auch einmal.“ „Kein Problem!“
Ich erhob mich, öffnete die Klotür.
„Entschuldigung!“ Gina war schon dabei, die Wendeltreppe in den ersten Stock hinunterzugehen, aufs Klo unten im Parterre, sie war gar nicht mehr sichtbar, aber ich hatte sie gehört und, es war nachts, aber was soll’s, rief ihr nach: „Das Klo ist frei!“ Sie hatte mich noch rechtzeitig gehört, da sie mit dem Kopf, zu einem Dutt hochgesteckte Haar über den ersten Treppenschwellen hochkam, fast schwebend, schien es mir, denn es tauchte ein Engel in dünnseidiges, rosafarbenes Nachthemd auf. Ich meinte, gar Flügel hinter ihr zu sehen. „Ist gut!“, hauchte es in hohen Tönen zu mir her, der ich geblendet stehen geblieben war und sich nicht rührte, in sein Zimmer zu verschwinden, wenngleich er schon die Türklinge nach unten gedrückt hatte. „Blöde Situation, gell!“ Dies war das Blöde, was mir über die Lippen kam, als ich mich an wohlproportionierten Körperpartien, - wölbungen und den überirdischen Busen sattsehen musste. „Ja, leider, aber geht schon!“ Engel sehen immer das Positive an einer noch so ungünstigen Situation, nicht wahr! „Macht nichts!“ Und als sie an mir vorbeizog, schlich keine Schlange, sondern eine lange Scherbe des Nachthemds über meinen bloßen Fuß. Ich war berührt und ging nachdenklich langsam ins Bett zurück.


Meine Freundin schlief bis in die Puppen, als hätten wir in der Nacht stundenlang Sex gehabt.
Ich begab mich zum Frühstück in die Küche hinunter, wo bereits Gina zu Gange war und jeder bereitete seine Dinge für den Morgentisch zu. Ich machte mir ein gekochtes, wie ich es liebte ein Drei-Minuten-Ei.
„Oh, das Ei ist zu schlapprig. Ich mache Dir ein richtiges!“
„Aber ich liebe es gerade so.“
„Ja, dann ist es gut.“
„Ja, optimal!“
Ich fuhr fort: „Ich habe heute nacht einen Engel im Negligé durch den Flur schweben sehen.“
„Danke für die Blumen.“
Mist, sie hatte es als Kompliment aufgefasst, nämlich als Schmeichelei. Dabei war es anders gedacht.
Vorhin, als ich aufgewacht war, hatte ich gedacht, ob du dich mal gehen lassen könntest, weil du unter solch sexuellem Druck stehst mit Louis Spleen von wegen a-sexueller Körperbegegnung und zaghafte Annäherungsversuche bei Gina starten. Wage es, dein Leid offen zu klagen!
Ich betrachtete sie offenen Mundes, die da stand wie ein Engel der Versuchung, den Rücken mir zugewandt, am Herd herumwerkelnd und im Nachtgewand!
Sie wandte sich um, hatte ein Ei in einen Eierbecher getan, das auf einem Teller stand und kam auf mich zu, um sich an den Tisch zu setzen. Zuerst legte sie aber den Teller ab, ich sah deutlich, wie der Teller zitterte. Gina hatte noch nicht ihren ersten Schluck gemacht, deswegen war sie noch wacklig auf den Beinen, vermutete ich, sagte man: Alkoholiker zittern in der Frühe, bis sie sich mit dem ersten Schluck wieder beruhigen können. Aber was wusste ich schon von Alkoholismus?
Ich stocherte mit einem kleinen Löffel in meinen weichen Ei herum, wohingegen sie mit einem Schnitt den Kopf des Eies abhieb. Diese Prozedur beeindruckte mich. Sie war in der Früh wahrhaftig richtig auf dem Dampfer.
Und damit auch für Ernste Dinge ansprechbar. Deswegen hatte ich am liebsten gesagt: “Mensch, Louise hält mich so kurz, lässt mich kaum ran – was soll ich nur machen?“
Aber sie verzehrte ihr Ei mit höchstem Genuss und ich brachte kein Wort heraus, nur freundliche, unverbindliche Konversations-Floskeln. „Gehst du noch in das Tierheim?“ „Ja, aber ich bin derzeit zu krank.“ Sie hustete. „Ich habe Temperatur.“ „Wie viel?“ „38,8 Grad Celsius.“ Ich dachte, das kann doch so schlimm nicht sein. „Übrigens, heute nacht habe ich das Thermostat voll Entsetzen angeschaut, als es 40 Grad angezeigt hat. Das muss man doch vor Gebrauch schütteln, nicht?“ „Ja!“ „Ach, deshalb. Ich fiel fast aus dem Bett vor Angst.“
Sie keuchte, hustete und schniefte, so dass mir die Lust verging, darüber zu reden, worüber ich reden musste.
Alle Krankheit ist Schrei nach Liebe und mein Mitleid hätte sich gut mit meinem Begehren gepaart, nichtsdestotrotz musste ich mich fragen: „Denk mal nach. Wie kommst Du an sie am besten ran? Dein Fehler ist, Du denkst stets an oralen Kontakt. Wenn sie verschnupft ist, ist sie deshalb wenig attraktiv und stößt Dich ab. Ergo: Du darfst in diesem Zusammenhang nur an eine primäre Begegnung denken, wie bei den Massai in Kenia, Afrika, wo der Mann das Küssen, Streicheln, Knuddeln verabscheut – größere Distanz aufbauen also und wenn, dann nimm diese Frau von hinten.“
Ich ärgerte mich im Nachhinein über dieses Waterloo der unterlassenen Aussage über die sexuelle Vernachlässigung meiner Person. Sicherlich, dass dann die Frage im Raum stand, ob sie mich mal ließe, würde nicht beantwortet werden höchst wahrscheinlich. Sie würde als Frau schmachtend warten auf meinen ersten Schritt, auch wenn sie noch so ungewöhnlich keck und direkt war.
Dem stand im Wege der Fakt, dass ich, wenn ich mir so etwas vornehme, etwas ohne Zuneigung, keinen richtig hochkriege oder, falls er schon erigiert ist, er sofort abflacht.
Der Blick auf ein obskures Objekt der Begierde reichte nicht aus. Sollte es aber, Mann!
Gut, erschwerend ist hinzugekommen, dass sie verschnupft war!
Ärgerlich, ich wiederhole mich!
Aber wie oft schon habe ich es auch schon (bei Älteren) vergeblich versucht, die sich so willig anboten, wie auch hier. Plötzlich aber stehe ich stets vor einer unüberwindlichen Mauer. Es geht nicht, es geht nicht, nehme ich noch so viel Ansatz, renne von zwanzig Meter auf das Hindernis zu, ich schaffe es nicht einmal bis zum Absprung. Wie auch hier.
Der Mut sinkt mir schließlich bis in den Keller.


Teil III – verfehlter Gruppensex

Aber dann geschah etwas, womit ich am wenigsten gerechnet habe, eine Situation trat ein, wo Louise bereit war und Gina auch und das gleichzeitig! Einige werden sagen, was willst Du mehr, zwei Fliegen mit einer Klappe, da kommst Du doppelt auf Deine Kosten, Mann, einmalige Chance, es war wie das große Los im Lotto.
Louise hatte mich zu sich gerufen. Es war zu kalt gewesen, um außer Haus zu essen, weil sie am Telefon noch gemeint hatte, sie wolle dies tun. Aber sie fühlte sich jetzt, wo ich vor ihr stand, mit einem mal unwohl und wollte sich früh niederlegen. Damit hatte ich nicht gerechnet.
Wieder so eine miserable Situation: sie ruft mich zu sich und sowie ich komme, ist sie praktisch wieder müde, lustlos und schlafensgeneigt.
Zudem, ihr Rücken täte ihr ach so weh!
Sie zog sich aus und kletterte auf ihr Bett. Der Abend war gelaufen, wieder einmal eine vage Hoffnung den Bach hinuntergegangen, ich würde auch heute nicht zum Abschuss kommen. Es war eine Plage!
Aber da klopfte es plötzlich an der Tür. Gina schwankte rein. Louise lieh Gina immer ein Ohr, wenn sie betrunken war und klagte, ach, ich weiß, ich weiß, ich habe wieder gesündigt, aber morgen, morgen, nur nicht heute werde ich kämpfen.
Die übliche Litanei.
Ich kann dem ganzen Gelaber kaum folgen, greife zur Gitarre und spiele etwas.
Gina beginnt plötzlich zu singen und ich begleite sie: „We shall overcome“ und andere gefühlsduselige Lieder aus den Sechzigern.
„Abendstille senkt sich nieder, wie ein weißer Baldachin“, immerhin so etwas wie ein eigener Text, jedenfalls mir unbekannt.
Das war noch ganz nett.
Aber dann kam folgender Text: „Die Weißen kamen und töteten die roten Männer usw.“
Die Mitleid-Story der zu Bemitleidenden für zu Bemitleidende!
Ich gehe vors Haus, um frustriert eine zu rauchen.
Als ich zurückkomme, ist Gina im Bett Louises gesessen und gekniet, betrunken zwar, aber Louise den Rücken massierend, die sich vor Wohlbehaben über die Behandlung in den Federn wand und räkelte.
Ich legte mich auf die Couch, um einen Roman zu lesen.
„Leg Dich doch zu uns?“ Das hat Gina gesagt, Louise hat nur gegrinst und nicht widersprochen. Ich wollte nicht. Ich konnte nicht. Trotz dem machte mich das Schmatzen, das vom Bett herrührte, nervös und meinen Magen flau. Lesen konnte ich bald auch nicht mehr und musterte stattdessen, den Kopf flach gelegen, die weißgetünchte Decke. Dann fiel mein Blick auf meine Zehen, von denen einige immer wieder zuckten und sich bewegten. Das war ein Zeichen. Ich richtete mich auf, saß an der Kante der Couch, als Alibi das Buch vor meiner Nase. Recht schweigsam, diese Szenerie. Nur Schmatzen von unter der Bettdecke her.
Andererseits, mit Alkohol lässt sich so vieles entschuldigen!
Auch wenn die Vorstellung zu Dritt im Bett zu liegen, ansprechend war - fast jeder nicht verklemmte Mensch träumt davon – ging es nicht. Beide Frauen befanden sich wahrscheinlich in engster Umarmung dort unter der Bettdecke und du sitzt hier und drehst Däumchen.
Gina roch zu sehr nach Alkohol, als ich mich hätte zu ihnen ins Bett legen und gesellen können. Hatte sich Louise mittlerweile an den starken Alkoholgeruch von Gina gewöhnt? Zu Anfang, als sie hier eingezogen war, hatte sie sich doch noch über den beizenden Dunst im Klo beschwert. Der Geruch zog bis hierher in meine Nase. Hatte ich einen zu ausgeprägten Geruchssinn, oder hatte Louise ihren mittlerweile verloren?
Wahrscheinlich gewöhnt man sich daran.
Ich stand auf, was sollte ich machen, ging runter, setzte mich auf die Schwelle vors Haus und rauchte meine zweite Zigarette in der Dunkelheit. Es war wirklich sehr düster in dieser Nacht, obwohl die öffentliche Beleuchtung die gleiche war wie jeden Tag. Hin und wieder fuhren Autos auf der Straße vorbei, allerdings ließen sich nur die gelben Scheinwerfer erkennen. Der Nebel stand so dicht und der Mond war so verdeckt, dass man kaum 5 Meter weit sehen konnte, so daß die Autos wie flitzende Gespenster durch die graue Wand der Nacht rasten.
Als ich wieder nach oben ging, gerade hineintrat ins Zimmer mit der Hoffnung, dass in diesen Räumen hier oben wenigstens der Spuk beendet war, luden mich beide zu meiner Erschrockenheit erneut ein, sich zu ihnen zu gesellen und zu legen.
Ich winkte ab und lachte sehr laut, eindeutiges Zeichen, und setzte mich wieder aufs Sofa, um so zu tun, als würde ich weiterlesen. Allerdings konnte ich es nicht und wartete nur inständig darauf, dass Gina endlich das Bett und das Zimmer verlassen würde. Tatsächlich stand sie auf, um auf ihr Zimmer zu gehen, wie sie verkündete, aber sie tat das nur unter einem umständlichen Ritual. Sie umarmte mich noch mal, beküsste mich auf die beiden Schulterseiten, fuhr mit ihren Händen liebevoll über diese und meinte: „Borstig wie ein Wildschwein.“
„Gefällt Dir?“
„Ohja, ich liebe Wildschweine.“
(Zu Erklärung: Wildschweine stehen in unserem Kulturkreis für quasi hemmungslose Tiere, zu allem bereit und schamlos und geil undsoweiter.)
Direkter konnte man es kaum sagen!
Aber ich war nicht bereit, ich konnte nicht, war zu verschämt, sie neben Louise im Bett liegend zu nehmen - nein, ich hoffte auf einen Zwischenfall im Klo, oder nachts im Flur.
Sie war endlich aus dem Raum verschwunden. Ich legte mich zu Louise zum Schlafen nieder. Aber müde war ich noch lange nicht.
Ich stemmte mich in Rückenlage auf meine Ellenbogen und schaute zu Louise. Diese lag mir zugewandt da.
„Was soll ich machen, wenn sich Gina einfach in mein Bett legt?“ Immerhin fühlte sie sich zur Rechtfertigung geneigt
So unschuldig wie sie tat, war Louise nicht, schließlich hatte sie Rückenschmerzen geäußert und somit Gina zu ihr ins Bett gelockt, die sie daraufhin massierte. Aber in diesem Moment wäre ich nicht auf die Idee gekommen, ihr das vorzuhalten. Ihr sanfter Blick und ihre weiche Baby-Stimme seifte mich einfach ein.
Überdies setzte sie noch einen drauf. „Das war gut gewesen.“ „Riechst Du ihre Alkoholausdünstung nicht mehr? Ich finde das widerlich.“
„Nein, das macht mir gar nicht mehr so viel aus.“ Offensichtlich war sie von dem Geruch schon völlig abgestumpft, Außenstehende wie ich aber durchaus nicht.
„Kann eigentlich Gina so gut massieren, Besser als ich?“
„Gina kann einfach gut massieren“. Den direkten Vergleich scheute sie.
„Bist du womöglich ein bisschen lesbisch?“
„I wo!“ Diesen Vorwurf ließ sie selbstsicher abprallen.
Was sollte ich machen? Schlafen natürlich erst mal.
Aber das ging so leicht nicht, denn dann stellte ich mir Fragen.
„Du bekommst das Gewünschte auf dem Silbertablett serviert und was machst du? Du hättest die Gelegenheit ergreifen sollen, zumal Alkohol im Spiel war, zumindest bei Gina und da hätte Louise dir später nicht wirklich Vorwürfe machen können, zumal sie dich schier auch ins Bett hereingewunken, zumindest keinen Widerspruch geäußert hat. - Mit Alkohol lässt sich so viel entschuldigen! Aber ohne?
Diese ihre Alkoholausdünstung stößt dich so ab! Hm. - Doch musst du darüber hinwegsehen können, lernen es zu können, um an dein Ziel zu gelangen. Die sexuelle Unbefriedigkeit, die eine solche Qual darstellt, galt es zu überwinden!
Arbeite an Dir, verflixt!“


IV - Eindrang

Das Flurlicht machte ich aus, so dass es gar nicht so leicht wurde, bis zur Schwelle der Treppe zu Ginas Zimmer zu gelangen, um die zwei Meter hohe Holz-Stiege hinaufzukrabbeln. Ja krabbeln, nicht gehen, so aufgeregt war ich und machte leise die Tür auf, sah, das kein Licht brannte in ihrem Gemach, stattdessen völlige Dunkelheit. Konnte nicht der blöde Mond durchs Fenster scheinen? Stattdessen versteckte er sich hinter einem Wolkenvorhang, nur nicht hinter Ginas dicken, undurchsichtigen Gardinen. Schritt für Schritt tapste ich geisterhaft durchs Zimmer.
Mir war es nicht bekannt, war Neuland, ich wusste hierdrinnen nicht Bescheid, aber das Bett befand sich vermutlich in einer Ecke des Raumes, so dass ich nur in es hineinfallen musste, hoffentlich nicht zuvor etwas umschmiss, ein Nachttischschränkchen etwas, so dass ich mein Ziel verfehlte und bevor ich meine Entschuldigung würde murmeln können. „Sorry, ich glaube, ich habe mich verirrt.“ „Aber macht doch nichts!“, würde sie sagen. Und dann eben...
Und es klappte zunächst, ich stieß gegen keinen Gegenstand, außer dem des Bettes. Ich ging in die Knie, ich betastete zunächst das Bettlaken, es war noch Platz da, Gina musste weiter hinten kauern, es war ein Doppelbett. Ich stieg darauf, mit den Knien voran und rückte nach hinten vor.
Zunächst bekam ich einen ziemlich großen Körper zu umfassen, aber einer, der weich und nachgiebig war.
Gina hatte einen Riesenbusen, Rollmöpse gleich, bestimmt dicke Fettpölsterchen um den Bauch, aber nein, dies hier war nur ein Monster von Stofftier. Angewidert stopfte ich es unter meine Knie und stieg darüber hinweg, mit den Knien hutschend, bis ich anstatt Ginas Schrei zu hören und auf einen warmen, empfangsbereiten Körper zu stoßen, mit der Stirn gegen die Wand stieß - auweh, ein dumpfer Schmerz und dann die leere Kahlheit einer Wand.
Schnell kam ich zur Besinnung.
Gina war nicht hier!
Wo war sie?
Natürlich hatte sie Hunger gekriegt gehabt, sich Essen gemacht und saß nun die halbe Nacht unten in der Küche, um einen Flachmann flach machen.
In diesem Moment fiel Lichtschein durch die Spalte des Zimmers, von unten her, aus der Küche, deren Tür unten gerade aufgemacht und das Flurlicht eingeschaltet worden.
Schnell losrennen nach unten, aber würde ich beim Stiege-Hinuntergehen oder gar hier erwischt werden, bedeutete das, dass ich ein Problem hätte. Jegliche Erklärung würde dünn klingen und unglaubhaft, mehr als irgend etwas im Eifer des Gefechtes Gestammeltes, war doch da das Kind schon in den Brunnen gefallen, da wäre die Echtheit meiner Aussage gar nicht mehr hinterfragt worden.
Aber so?
Hier!
Mensch, Mann, du musst sofort wieder zurück! Aber das konnte ich nicht mehr, gleich würde Gina die Treppe heraufkommen, um in ihr Zimmer zu gehen und mich in ihrem Bett vorfinden.
Aus Angst nahm ich jetzt den dicken, gepolsterten Bär, Hasen oder was immer das war in die Arme und drückte ihn mir gegen die Brust.
Unters Bett mich verstecken, die banalste, klischeehafteste Art des Versteckens, neben dem Schrank - wie tief war ich gesunken!
Entsprechend kam ich mir wie eine Witzfigur vor.
Ich zerrte vor Wut an den dicken überdimensionalen Kopf des Stofftieres.
Da es weder einen Schrank noch einen Freiraum unterm Bett gab, musste ich halt mit dem kleinen Tisch Vorlieb nehmen, dem des Wohnzimmers sozusagen, bei einem Zimmer, in dem man hauste und gleichzeitig schlief.
In meiner Angespanntheit zerrte ich so sehr am Stofftierkopf, dass er jetzt einen Riss bekam und Schaumstoff-Teile herausquollen. Vor weiterer Wut riss ich nun den Kopf ganz ab und warf die zwei Teile in die Ecke des Bettes und Zimmers.
Ich sprang auf, hopste aus dem Bett und machte einen Spring zum Sessel, die Dimensionen waren bescheiden, und setzte mich in den Sessel.
Was aber machte ich im diesem, wie sollte ich Gina dies erklären? Auf dem Tisch stand ein voller Flachmann. Genau, die Lösung! Ich nahm ihn mir, drehte den Schraubenverschluss auf und nahm mir einen großen Schluck hinter die Binsen. Voilá! Wie heißt es so schön: Alkohol ist der Generalschlüssel für alle Probleme. Vor allem Witzfiguren hatten ihn nötig!!!
„Weißt, Gina, ich habe plötzlich so einen Druck verspürt und da habe ich gedacht, ich versuch’s mal bei Dir oben, ob Du mich mal einen trinken lässt.“
„Aber ich wusste gar nicht, dass Du trinkst?“
„Ja, leider doch. Bislang habe ich es verheimlichen können, aber jetzt ist es wohl ans Tageslicht gekommen...“
Auch auf die Ebene von Lug und Trug bin ich herabgesunken!
Und ich machte erneut einen großen Schluck.
Ob Gina diese fadenscheinige Erklärung schlucken würde? Ach was, die schluckte alles, hundertprozentig.
Ein weiterer Schluck.
Allmählich kriegte ich doch Angst und Panik.
Sie hätte doch schon hier oben sein müssen.
Vielleicht suchte sie gerade das Klo auf, so dass ich jetzt hinuntergehen konnte, zur Küche, warten, bis sie in ihrem Zimmer war und dann hochgehen in meins.
Ich nahm noch einmal einen Schluck, vielmehr trank das bisschen kümmerlichen Rest aus. Bald würde mir nicht mal mehr ein Flachmann reichen, den ich in sage und schreibe einer Minuten geleert hatte. Würde ich bald auch auf einen halben Liter Hochprozentigen pro Tag kommen wie Gina? Das sind cirka 7 bis acht Flaschen Bier pro Tag. Quantitativ eine enorme Leistung – nur in die falsche Richtung.
Mir dämmerte, worin die Wahrheit liegt, die durch folgendes Wort ausgedrückt ist: Frauen und Alkohol, das gehört zusammen wie Pech und Schwefel.
Nein, Gina würde nicht so schnell heraufkommen.
Nun hatte ich aber ein weiteres Problem, ein hausgemachtes, ein überflüssiges, selbst verschuldetes. Das halbierte Stofftier. Was sollte ich mit ihm tun? Liegen lassen konnte ich es nicht. Gina würde ein Total-Schreck, ein Herzschlag, ein Rundum-Schock ereilen, wenn sie ihr geliebtes Kuscheltier zerfetzt, geköpft und verunstaltet in ihrem Bett vorfand.
Nein, das konnte, das durfte man keiner Frau, keiner Alkoholikerin vor mir aus, keiner labilen Person zumuten. Wahrscheinlich würde dies zu Folgestörungen ungeahnten Ausmaßes führen. Das war eindeutig gegen die Würde des Menschen gerichtet, solch eine Tat.
Nun, das Kuschelmonster war nun einmal schon verunstaltet, wenn es man so sagen durfte, weil es von vornherein wohl schon abartig anders gewesen war wie jedes normale Tierchen auf dieser Erde. Darauf wettete ich. Bestimmt ein Phantasie-Wesen, vermutete ich mal, weil gesehen hatte ich es nicht. War wohl besser.
Doch ich musste es entsorgen.
Mir kam die rettende Idee.
Zuerst machte ich den Rolleau, die auf- und abziehbare Hänge-Matte am Fenster hoch, öffnete das Fenster, schritt zum Bett – etwas mehr Licht drang schon hier herein – nahm die beiden Teile des Stoff-Monsters in die Hand, drehte mich um und stieß mit dem Schritt zum Fenster beide Teile hinaus aus dem Haus. Sie fielen dort unten aufs Trottoir, kein Passant war auf der Straße um diese Urzeit, der Wind oder der Fahrwind der schnell vorbeirasenden Autos würde das Tier sonst wohin befördern, das sollte mir kein Problem sein.
Ich schloss das Fenster, zog die Hängematte herunter.
Nun, war es wieder düster hierdrinnen,
Sei’s drum, es wurde Zeit, den Rückweg zu beginnen und ich bewegte mich durchs Zimmer gen Tür zu, die Hände voran, sicherheitshalber. Denn ich sah wenig, da es noch immer düster und schummrig war. Vom Gang hoch fiel nur spärlich Licht hier herein. Ich tanzte quasi wie eine Ballerina auf Zehenspitzen, achtsam, nicht jetzt gegen etwas zu stoßen, das mein Eindringen ins Zimmer hätte verraten, wenn etwas zu Bruch gegangen oder nur umgefallen wäre!? Übertrieben? Eindeutig! Aber gerade jetzt wollte ich keinen Aufruhr riskieren.
Ich öffnete den Spaltbreit Tür noch um wenige Zentimeter und lauschte den Treppe hinunter und fuhr zurück, da ich in diesem Moment unten Türenquietschen hörte. Aha, Gina war im unteren Parterre-Klo gewesen und kam nun zurück. Nur, dass sie bitte noch einmal in die Küche ging, damit ich Zeit und Raum hatte, in meiner Freundin Zimmer unterzutauchen.
Tatsächlich, das Licht im Flur ging aus. Jetzt deine letzte Chance!
Ich rutschte bedachtsam auf dem Hosenboden die Holzschwellen hinunter, gehen können hätte ich vielleicht auch, aber es war überall stockdunkel und ich wollte unter keinen Umständen fallen, ausrutschen und die Schwellen hinunter schliddern. Mein Quälgeist hatte seine Aufrichtigkeit längst aufgegeben, was gut war zum einen, weil er mich nicht bei meinem Unterfangen, die Stufen hinunterzuhutschen, Schwelle für Schwelle, nicht behinderte und zum anderen, weil ich mit diesem entwürdigenden, sehr seltsamen Verhalten nun tatsächlich erwischt wurde – von meiner Freundin.
Hätte ich denn noch eine Beule im Schlafanzug gehabt, dann wäre sowohl Ginas gegenüber ein vage Ausflucht und fadenscheinige Ausrede nur entlarvend, peinlich und entwaffnend gewesen, Metapher „begossener Pudel“ – schwer auszuhalten, unerträglich und sehr peinlich diese Vorstellung als auch meiner Freundin gegenüber, was noch schwerer gewogen hätte.
Zunächst dachte ich noch beim Heru8tnerhutschen, was machst du dir noch für einen Kopf, die Gefahr war vorüber, du musst nichts vortäuschen, Gina war nicht im Flur des Ersten Stockes erschienen und saß stattdessen wie der Trinker von „Der kleine Prinz“ in der Küche vor ihrem Getränk, und du hast freie Bahn, musst nur noch in das Klo über den Flur gelangen.
Am Fuße des Geländers angekommen, sah ich von unten nach oben in das verschlafende, verstörte und sich fragende Gesicht meiner Freundin.
„Was machst Du hier?“
Ich überlegte gar nicht weiter, worauf ich stolz bin im Nachhinein, sondern handelte sofort, unüberlegt, aber richtig.
„Äh, sag ich Dir morgen. Ich muss unbedingt ins Klo! Geh schlafen!“, und ich drängte sie quasi körperlich in ihr Zimmer zurück, na ja, meine Hände auf ihre Schultern gelegt, keine Ruhmestat, kein Fair-Play, aber effektiv, da sich die Klotür genau gegenüber ihrer Zimmertür und nur in einem Abstand von eineinhalb Metern befand.
Ich sperrte mich sofort ein, da für Männerbesuche galt, wenn sie dort ihr Geschäft verrichteten, dass die Türe zu verschließen war. Dort konnte ich mich von dem lästigen Mundschutz befreien.
Ich öffnete die Klotür und ging auf Zehenspitzen hinüber in Louises Gemach.
Schwer atmend legte ich mich ins Bett und lag dort noch eine ganze Weile, mir einzugestehen, dass ich nicht zu einer natürlichen Erleichterung gekommen bin, was aber jetzt keine Rolle mehr spielte, da ich andererseits erleichtert war, Hauptsache nicht erwischt worden zu sein - bis ich mich umdrehte, um einzuschlafen. Ich hatte ein jämmerliches Bild abgegeben, bedachte man, was ich beabsichtigte und was letztlich und im Endeffekt dabei herausgekommen war...
An eine plausible Erklärung, was ich in Ginas Bereich oben gesucht hatte, dachte ich momentan gar nicht. Würde schon werden, wird mir schon eine zündende Idee einfallen, dachte ich wahrscheinlich, während ich einschlief.


Teil V – Die Entführung des Stofftiers

Ich saß ziemlich belämmert da, sah alt aus und war ratlos. Was sollte ich meiner Freundin verklickern, von wegen, dass ich von der Treppe von Ginas Zimmer heruntergehutscht war? Was hatte ich dort überhaupt gewollt, in Ginas Zimmer?
Der Umstand, dass meine Freundin ein Morgenmuffel war, kam mir zugute und räumte mir Zeit ein, eine Entschuldigung, eine Erklärung zu finden. Zum zweiten kam mir dann Ginas exaltierte Hysterie über diesen Zwischenfall zu Hilfe und brachte mich auf die Lösung.
Es war wirklich die Hölle los. Gina weinte und weinte.
Wir saßen schweigend in der Küche, meine Freundin und ich, als sie hereingestürzt kam. Wie gesagt, Louise ist der verbohrteste Morgenmuffel, den man sich denken konnte. Mir sollte es, zumindest in dieser Situation, nur recht sein. Ich merkte, dass ich schon ziemlich verbissen mit meinen Zähnen auf die Lippen biss. Ich strengte mich wahrhaft an.
Gina vermisste ihr geliebtes Stofftier über alles, dass es das Wichtigste auf der Welt sei. Ihr Lieblingsstoff-Tier war natürlich pure Übertreibung und nur darauf zurückzuführen, dass es jetzt weg war. Drama, Melo-Drama, Soap-Opera go on!
„Mein Benno, mein Lieblingsstoff-Tier, ist verschwunden.“
„Was? Du sagst, dein Lieblingsstoff-Tier sei verschwunden. Meinst du, es hat sich auf die Beine gemacht und ist losgezogen oder was?“ Ich befürchtete einen Moment, sie würden dies als bösartigen Scherz auffassen und über mich herfallen. Aber meine Freundin rieb sich noch den Schlaf aus den Augen und Gina nahm dies fast für bare Münze.
„Mir ist nicht zum Lachen zumute. Da ist jemand in mein Zimmer eingedrungen und hat den Benno entführt.“
„Mach mal einen Punkt. Ein Einbrecher hat es doch eher auf Wertgegenstände wie Schmuck, Bargeld undsoweiter abgesehen, aber nicht auf so ein Stofftier.“
Meine Freundin meinte dazu. „Vielleicht ist der Einbrecher zunächst wirklich mit dieser Absicht in Ginas Zimmer eingedrungen, als er nichts fand, hat er aus Rache den Bären mitgenommen.“
Also, doch ein Bär und kein Hase.
„Das finde ich etwas überphantasiert.“
„Aber möglich ist es doch!“
„Ja, möglich ist fast alles auf dieser Welt. Aber nicht besonders wahrscheinlich.“
„Na, vielleicht hat er selbst ein Kind zuhause und hat gedacht, wenn ich schon nicht auf Verwertbares, Geldmäßiges gestoßen bin, dann könnte vielleicht doch als Trost so ein Stofftier gute Dienste leisten und ich es meinem Mädchen geben. Ob ich es nun kaufe oder es gleich an mich nehme, es kommt schließlich aufs Gleiche heraus.“
„Der Fuchs und die saueren Trauben!“
„So ungefähr!“, meinte meine phantasievolle Freundin.
Gina verlor darüber jetzt völlig die Nerven.
“Ich rufe die Polizei an. Der soll den Fall aufklären.“ Sie wandte sich bereits um, um zum Telefon zu gehen.
Das musste verhindert werden! Stellte ich mir vor, Gina würde diese anrufen: „Ich muß eine Entführung melden. Mein Stofftier wurde geraubt.“ Was würde die Polizei denken? Sie würden sie sofort in die Geschlossene abtransportieren. Jeder Psychiater würde angesichts Ginas Alkoholismus delirum dremens diagnostizieren, oder wie das hieß. Verfolgungswahn aufgrund Alkoholismus.
„Was willst Du ihm sagen: Jemand hat mein Stofftier entführt?“
„Ähm, ja! Stimmt, ja wahrscheinlich!“
„Dann warte lieber Mal, bis die Entführer mit der Lösegeldforderung auf Dich zukommen.“
„Mein Benno, ich fasse es nicht!“ Und sie brach wieder in Tränen aus.
Nun schien meine Stunde gekommen zu sein. „Aber jemand war da. Ich habe nämlich Geräusche gehört heute nacht, deshalb bin ich aufgestanden, die Treppe zu deinem Zimmer hochgekrabbelt und habe in deinem Zimmer nachgesehen.“
Ein Aha von Gina erfolgte.
„Aber da war niemand drinnen. Komisch was?“
Meine Freundin schaute mich gleichfalls konsterniert an. Na, ich war wenigstens mit dieser Erklärung aus dem Schneider. Mich hatte ein Eindringling in das Gemäch von Gina gelockt, als ich wieder herunterkam, hat mich meine Freundin gesehen und entdeckt. Das bewies, dass jemand in Ginas Zimmer gewesen war.
„Aber wie ist er wieder herausgelangt?“
Oje, die Fenster hatte ich ja wieder zugemacht und die Innen-Jalousie heruntergelassen.
„Nun, bestimmt so wie er hineingekommen ist. Durch die Haustür, die Treppe zum ersten Stock hinauf, einen weiteren zu Ginas Zimmer hoch und das wieder retour. Mann, der hatte aber Glück gehabt, dass er nicht ertappt worden ist.“
Das schien meine beiden Freundinnen nicht gerade zu überzeugen, dünkte mir.
Deswegen drückte ich mal auf die Hormondrüse.
„Hast zudem Glück gehabt, dass Du gerade in der Küche gesessen warst, als er einbrach, nicht Gina? Stell Dir vor, der wäre in Dein Zimmer hineingekommen, als Du im Bett gelegen wärst.“
Ginas Mund stand offen. „Nicht auszudenken!“
Eben, das müsste die Sache dämpfen, den Verdacht auf mich ablenken: die Freude darüber, einer sehr, sehr gefährlichen Situation noch einmal entronnen zu sein.
Dass ein Bekannter, der Freund einer Mitbewohnerin in die Gemächer einer anderen Mitbewohnerinnen nachts eindrang, war doch zu hanebüchen, unvorstellbar und unverfroren, nicht wahr?

copyright werner pentz


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