lyrChai

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riemsche
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Re: lyrChai

Beitragvon riemsche » 01.06.2022, 22:28

_Error 404_

ohne Worte aber dafür
mit Klängen Geräuschen und Musik
lenkt Wagner Gallo die Augen und
Aufmerksamkeit aller Anwesenden
im Saal aufs Figurentheater

die Nase am Bildschirm
die Uhr tickt elektronische
Geräte melden sich zu Wort
>>welcome back to my channel<<
der kleine Steve vertieft
in Computer Konsolenspiele
Tablet und Smartphone wird quasi
von Hard & Software absorbiert

obwohl sich das Stück
sehr kritisch mit der Sucht
nach digitalem Konsum beschäftigt
überspitzt den Alltag widerspiegelt
trifft die kreative Inszenierung
den Humor des jungen Publikums
involviert Sound und Videospiele
die auf ihre Art genau der Realität
entsprechen mit der sich Kinder
und Jugendliche die Zeit vertreiben
holt sie trotz ernster Thematik
mit einem Zwinkern lächelnd ab

nach einem Albtraum erwacht
Steve nachts in seinem Zimmer
bewegt sich zwischen seinem
Hitech-Equipment wird mit diversen
Problemen konfrontiert um ihn spielen
sich ungewöhnliche Ereignisse ab
Haustiere werden Roboter
sogar s Klo wird nähe TV-Gerät platziert
um ja nichts vom Film zu verpassen
führt gewollt plakativ vor Augen
wie absurd unsere Welt geworden ist

das detailliert und liebevoll gestaltet
Bühnenbild wird mithilfe einer
in d Inszenierung integrierten Drohne
gefilmt vergrößert diverse Gegenstände
im Zimmer verkörpern die Welt
eines in der Digitalen lebenden Kindes
Puppenspieler und Regie verbildlichen
modern und fantasievoll den Stellenwert
neuer Technologien im Leben
davon dominierter junger Menschen
wobei s Alter an sich keine Rolle spielt
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http://angelesdetrapo.com/historial.html
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riemsche
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Re: lyrChai

Beitragvon riemsche » 26.06.2022, 21:57

Was uns indische Forscher in ihrem Demo zeigen, ist das Ergebnis einer cleveren künstlichen Intelligenz. Sie haben mithilfe ihrer Software den Computer dazu gebracht, Videos so zu manipulieren, dass sich Lippen perfekt synchron zu allem bewegen, was man einer Person auch an Sprache und Wortlaut in den Mund legt.

Das Ergebnis der Gruppe um Prajwal Renukanand und Rudrabha Mukhopadhyay vom International Institute of Information Technology kann sich sehen lassen. Möglich macht dies eine Kombination künstlicher neuronaler Netzwerke. Eines begutachtet, ob Aussage und Mundbewegungen identisch_ das zweite, ob Videobilder echt oder manipuliert sind. Anschließend trainierten die Forscher ein drittes Netzwerk darauf, die beiden hinters Licht zu führen_ sprich Videos passend zu einer Sprachaufnahme so lange zu manipulieren, bis sie seine Version der Dinge für echt hielten.

Die Forscher haben neben der perfekten Synchronisierung von Filmen und Dokumentationen noch eine weitere Anwendung im Auge. Da die Manipulation in Echtzeit erfolgen kann, schlagen sie vor, Störungen bei der Videotelefonie mit Hilfe der KI zu glätten. Kann also während eines Gesprächs zeitweise kein Bild übertragen werden, sondern nur noch der Ton, wäre man in der Lage, aus bereits empfangenen Passagen, Backstockmaterial und dem Live-Ton ein synthetisches Video zu kreieren, in dem der jeweilige Gesprächspartner als ob nichts wäre einfach weiter plaudert.

Natürlich stehen durch Techniken wie dieser auch manipulativen Machenschaften böswilliger Art Tür und Tor offen. Im Unterschied zu bisher verwirklichten Ansätzen müssen dem neuen System laut Veröffentlichung der Wissenschaftler nicht einmal mehr längere Videos der Zielperson vorab zur Verfügung gestellt werden_ ein Foto reicht. Der Code ist frei downloadbar, eine Website erläutert alles weitere. Bislang sei kein Fall bekannt, bei dem besagtes Deep Fake tatsächlich zur arglistig Täuschung eines größeren Publikums eingesetzt wurde. Tja_ dann war oder ist es wohl bereits soweit.

https://cvit.iiit.ac.in/research/projec ... n-the-wild
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Re: lyrChai

Beitragvon riemsche » 08.10.2022, 01:01

Rachid ist ein IT-Typ, Mitte 20, Bart, Mütze, Typus Hipster. Er jobbt in Marrakesch_ sie woanders. Beide werden sich gleich eine Minute lang erzählen, woran sie tüfteln, dann schweigend eine knappe Stunde vor dem Rechner sitzen, per Videoschaltung verbunden sein und danach wahrscheinlich nie wieder etwas voneinander hören. Klingt seltsam, ist es auch, hilft aber sich effektiver zu beschäftigen.

Silent Coworking heißt ne Methode, die schon vor der Pandemie Heimarbeiter und Studierende zu mehr Leistung veranlasste. Im Grunde gibt es sie seit Jahrhunderten_ brav Studierende sitzen schweigend in Bibliotheken, Internatsschüler im Silentium nebeneinander_ leisten Stillarbeit. Am Silent Coworking ist s »Co« entscheidend – und die Digitalisierung. Man kann sich via Internet verabreden, dann schalten beide ihre Kameras ein, erzählen einander in weniger als einer Minute, was sie jeweils erledigen wollen und bleiben im Anschluss ne knappe Stunde einfach sitzen und arbeiten. Ohne Ablenkung, ohne billig Ausreden zu suchen.

Rachid ist jetzt nur noch s kleine Fenster unten rechts auf ihrem Monitor. Aber das reicht schon, um sich auf das zu konzentrieren was zu tun ist, und nicht ab und an aufzustehen, zu telefonieren oder sonst wie ablenken zu lassen. Ist die Zeit um_ Rückfrage. Und? Hat s geklappt? Wenn ja_ Gratuliere! Falls nicht_ Bis bald.

Die soziale Kontrolle durch Fremde in Sachen To get shit done _wie es unter Prokrastinierern heißt_ funktioniert soweit gut. 2015 hatte der New Yorker Taylor Jacobson sein persönliches Schlüsselerlebnis, als er sich mit nem Freund via Skype darüber austauschte, wie sie s auf die lange Bank schieben in den Griff bekommen könnten und feststellten_ am besten lässt man die Kamera an, kontrolliert sich einfach gegenseitig. Und simsalabim »wir kamen beide sofort in die Zone und blieben die ganze Zeit in einem produktiven Flow« streute Jacobson später in seinem Blog dieser angenehm Erkenntnis Rosen.

Daraufhin entwickelte er die App Focusmate, welche Interessierte miteinander vernetzt. Man kann in einem offenen Kalender eine Session buchen, die jemand anders eingetragen hat, oder selbst eine eintragen – und ist dann fix zum Arbeiten verabredet. Drei Sitzungen pro Woche sind gratis, wer mehr will, zahlt fünf US-Dollar im Monat. Laut Erfinder hat die App mittlerweile User in mehr als 193 Ländern, während der Pandemie an die 1,7 Millionen Sitzungen verzeichnet und ist drauf und dran s Credo // Purpose: To empower people and groups to achieve their goals by unlocking the power of psychology, technology and the human spirit // Vision: To improve the way 100 million people work and learn by 2028 // in die Tat umzusetzen. Auch Rachid steht bereits satt dreistellig als Nutzer zu Buche_ ausführliche Gespräche darüber, was er sonst so treibt und wie er auf die App gestoßen ist, verbietet die Etikette. Beiderseits erlaubter Dialog beinhaltet zu Beginn eine kurze Beschreibung des eigenen Arbeitsziels und nach knapp einer Stunde die entsprechend Nachfrage, ob man denn erfolgreich war. Persönliche Annäherung ist verpönt, man lernt außer sich selbst besser _niemanden kennen.

Natürlich geht gemeinsame Stillarbeit auch ohne App, dafür nicht anonym. Eine Freundin, der sie von ihren Erfahrungen erzählt hatte, trifft sich seit einigen Wochen immer montags mit einem Freelancer zum stillen Videochat. Drinks besorgen sie sich vorher, das Handy bleibt strikt ausgeschaltet. Die grundlegenden Regeln wurden 1:1 übernommen_ kein einleitend Blabla_ sich kurz sagen, was man plant und los geht s_ nach fast einer Stunde Erfolgskontrolle. Sind beide verblüfft, was sie in dieser Zeit wie geschmiert auf die Reihe bekommen, besteht die zusätzliche Belohnung darin, hinterher maximal fünf Minuten miteinander zu plaudern_ und danke tschüss.

Beide wussten vorher nur in etwa Bescheid, was man in fünfzig Minuten an Output schaffen kann. Waren an sich jemand, der morgens nicht zwingend wissen will, mit was man sich den ganzen Tag über zu beschäftigen hat. Das hat seinen Reiz, erschwert jedoch zuweilen Planung und Struktur. Die Arbeitszeit in 25Minuten-Abschnitte plus Pausen zu unterteilen =Pomodoro-Technique hat so seine Tücken. Sich systematisch den Kurzzeitwecker stellen muss man mögen. Eine gemeinsame Session ähnelt einer Schulstunde. Man befasst sich eingehend mit dem Thema_ komme, was da wolle.

Durch s Coworking ist man zudem gezwungen, in zwei oder drei Sätzen auszuformulieren, was man eigentlich schaffen will. Klingt trivial, ist es aber nicht. Vorteil_ sobald man merkt, dass eine Aufgabe nicht wie gewünscht formuliert werden kann, kommst Mankos deiner individuellen Planung schneller auf die Schliche.

Momentan reibt sich in Marrakesch ein bebrillt Student mit zerzaust Frisur vor m Laptop müde die Augen, trinkt nach eigenen Angaben literweise Kaffee und hat schon 343 Sitzungen absolviert, sie ist seine 344. und wird wohl nie erfahren, was aus ihm und seinem Projekt geworden ist oder welche Aussicht sich ihm bietet, wenn er bei ihm aus dem Fenster schaut_ schade. Hab die Konversation nur zum Teil verstanden, denn s broken English war in etwa so desolat wie die Audioverbindung. Ihm geht s in der Hinsicht wahrscheinlich ähnlich. Somit bleibt s am Ende bei der Focusmate-Standard-Floskel »Awesome. Good luck!« Was wir wohl alle dringend nötig haben.
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https://www.focusmate.com/about
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Re: lyrChai

Beitragvon riemsche » 24.10.2022, 20:35

1952 brachte ein Schweizer Arzt aus der kongolesischen Provinz Ituri sieben damals so genannte Pygmäen-Skelette mit nach Hause, die bis heute in den Archiven der Universität Genf lagern. Anders als bei anderen sterblichen Überresten von Menschen aus Afrika, die in Katakomben europäischer Museen schlummern, lassen sich diesen Gebeinen Namen, ungefähre Herkunft, sowie Todesdaten und dessen jeweilige Ursache zuordnen.

Mitglieder der Kollektivs Group 50:50 begaben sich auf die Suche, versuchten herauszufinden, ob Nachfahren der sieben Verstorbenen die Skelette ihrer Ahnen zurückhaben möchten. Schließlich kehren nach dem Glauben der Mbuti _dem nomadischen Volk, dem sie einst angehörten und das bis heute wegen illegalem Raubbau an der Natur verfolgt und vertrieben wird_ mit Masken, Schädeln und Knochen die Geister der Toten zurück in die Wälder des Kongo.

Aus den Erfahrungen und entsprechendem Bild-und Tonmaterial, das man auf dieser Reise sammelte, entstand eine musikalisch-szenische Totenfeier, die sich dezidiert mit der Heimkehr aus dem Geisterreich auseinandersetzt. Die multimediale Performance mit Künstler:innen aus dem Kongo und Europa ist derzeit auf Tournee, leistet auf diese Art und Weise ihren Beitrag zur Kontroverse über die Restitution geraubter Kulturgüter und jene, die sich unterwegs mangels später Vorzeigbarem einfach alles unter den Nagel reißen.
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https://www.group5050.net/
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