„Wenn Schweine fliegen können, dann besteht der Mond aus grünem Käse. Fliegende Schweine sind in dieser Welt subjunktionstechnisch, unter der bereits erwähnten Antezedens-Voraussetzung, immer und absolut gedeckt.“
Julia und ich sahen erstaunt aus dem Fenster. Es nieselte Bindfäden. Hamburger Wetter eben. Niklas bemerkte unsere Irritation und ging umgehend darauf ein: “Irgendwas unklar?“, fragte er rhetorisch mit dem lässigen Unterton eines Wissenden.
Julia wandte sich ihm zu und brachte ein unsicheres „Ja“ hervor.
„Na dann frag, frag, frag. Immer gleich fragen. Nicht staunen, wissen.“
Diese forsche Aufforderung, durchaus nicht Usus bei den meisten Tutoren dieser Universität, sorgte endgültig für Julias Schweigen. Einige Arme um mich herum hoben und senkten sich zuckend, der alten Schülerunsitte folgend sich immer dann zu melden, wenn der Blick des Lehrers nicht auf ihnen ruhte, die Meldung jedoch bei Blickkontakt im Verzug blitzschnell zurückzuziehen und ein nachdenkliches Gesicht zu machen – ein Gesicht, dass signalisiert: Ich überlege noch. Es liegt mir so was von auf der Zunge, das ist eigentlich schon ein + im Notizbuch wert…
Ich sprang mit dem entschlossenen Mut eines Studenten, der um seine Unvollkommenheit weiß, ein: „Fliegende Schweine? Aber Schweine können nicht fliegen. Wie kann der Satz dann wahr sein?“
Julia nickte unmerklich während Niklas mich eindringlich musterte: “Mirko, was liegt hier vor?“
„Ein Aussagesatz.“
„Gut, was noch?“
„Eine…hm…eine Subjunktion?“
„Eben. Und wann wird eine Subjunktion immer wahr?“
Ein kurzes "Ahhh" erfüllte den kleinen Tutoriumsraum 1072. Freitag, 12 Uhr 35, Anfang November 2004 – und die Welt wieder um ein paar verständige Menschen reicher.
Niklas grinste kurz und sagte betont locker: “Alles schon mal gelernt. Alles schon mal gehabt. Denkt dran: So was
(abwertende Handbewegung) muss sitzen…“
Während wir uns danach ehrfürchtig an die ersten Theoreme wagten warf ich ein paar verstohlene Blicke zu Julia. Sie war circa 160 cm groß und trug ein schwarzes Lederhalsband mit Nieten und einem deutlich vorstehenden Ring, dazu Piercings auf der Zunge, auf den Lippen und an beiden Augenbrauen. Ihre Nägel waren mehr gepunktet denn lackiert und ihre Haare ein einziges Gewuschel. Was ihre Kleidung anging, so trug sie meistens Plateau-Schuhe, eine durchsichtige oder eine in Rechtecksmustern durchlöcherte Strumpfhose sowie einen kurzen Lederrock und eine Lederjacke (beides schwarz), die ihr bis knapp über ihre Brüste abgeschnittenes T-Shirt samt dazugehörigen angenähten Schulterhaltern bedeckte. Die Lederjacke war mit einer Unmenge von mit Edding aufgemalten Sprüchen bedeckt. „Nazis raus“ war eindeutig dominierend.
Ich ertappte mich dabei meine Frage an sie diesmal nach der Sitzung nicht mehr zurückhalten zu können. Ich wusste natürlich darum welch schwaches Licht diese Frage auf mich werfen würde. Nachdem wir einige angenehme Theoreme gebildet, formalisiert und abgeleitet hatten
(“Dieser Tisch ist eine Tür oder ich bin Gott und wenn dieser Tisch keine Tür ist dann bin ich Gott.") war es dann soweit. Die Gelegenheit ergab sich am Aufzug: “Sag mal“, sagte ich und bemühte mich sehr um einen beiläufigen Tonfall, „warum studiert jemand wie du eigentlich Logik?“
Sie schaute mich verwundert an: “Brauch halt den Schein.“
„Hm, aber du studierst doch Hauptfach, oder? Da brauchst du doch nicht gerade diesen Einführungsschein.“
„Stimmt. Aber ich will ihn.“
„Warum?“
„Ich war immer schlecht in Mathe“, sagte sie mit dem beiläufigen Tonfall den ich nicht gefunden hatte und stieg in den Aufzug.
In den folgenden Wochen dachte ich kaum noch über Julia nach. Sie verhielt sich vor und in den Tutoriumssitzungen ruhig und in sich gekehrt. Manchmal las sie, meistens schaute sie mit unbewegter Miene Löcher in die Luft, während mich, der ich auch immer schlecht in Mathe gewesen war, die Faszination der Logik packte. Auch den meisten anderen Studenten ging das so. Wir erzählten uns oft vor den Sitzungen glucksend und kichernd wie kleine Kinder, wie wir langsam aber sicher begannen unser Denken umzustellen und unseren Alltag logischer zu gestalten. Fast alle machten munter mit, und wer nicht mitmachte hörte wenigstens in offizieller Haltung zu und lachte offiziell, wenngleich mit der verschüchterten Beimischung des Ausgeschlossenen.
So hatte Mirjam-Maria neulich eine Bundestagsrede verfolgt und sich einen Spass daraus gemacht diese, wie sie es nannte, zu „entkernen“,: „Stellt euch vor, wischt man den ganzen rhetorischen Kleister weg, so bleiben einem nach 12 Minuten Redezeit ganze 6 Argument-Schema übrig. Davon drei valide, also wahr auf Grund falscher Prämissen, zwei definitiv falsch und eines richtig, aber Allgemeingut.“
Tobias hatte es sich dagegen zur Angewohnheit gemacht in den entscheidenden Phasen von Diskussionen, und er war ein sehr diskussionswilliger, geradezu ein diskussionswütiger Mensch, dem Konterpart kühl in die Augen zu blicken und sich der Tatsache, aus einer Kontradiktion formal alles folgern zu können, zu erinnern. Er deklamierte dann altersweise und hintergründig: “Schon die alten Griechen wussten, wie es so ist im Leben: Du läufst und du läufst auch doch wieder nicht, und (starke Betonung) EBEN DESHALB liegst du falsch mit deiner Ansicht, dass X...denk mal drüber nach.“
Auch ich hatte meinen Weg gefunden, mein kleines Baby hieß RAA (Reductio ad absurdum). Dabei handelt es sich um eine Annahme, die das exakte Gegenteil dessen ist, was man letztgültig schlussfolgern will. Gelingt es, aus anderen Annahmen und Schlussfolgerungen eine Kontradiktion abzuleiten, die in Abhängigkeit zur zu Beginn gemachten RAA-Annahme steht, so kann ich diese negieren – schon habe ich den Beweis geführt den ich führen wollte. Kühl kalkuliert begann ich also, seit das kleine, zuckersüße RAA in mein Leben trat, Diskussionen grundsätzlich damit, meinem Gegenüber erstmal ausführlich zu versichern wie unzweifelhaft korrekt seine Sicht der Dinge doch sei. Aber es gäbe da eben leider einen kleinen Haken…
Schliesslich kam der Tag der Klausur. Ich saß im oberen Drittel der Bankreihen im Philhörsaal D und beobachtete Julia. Noch 10 Minuten bis zur Klausur und sie wirkte still und konzentriert.
Ich war immer schlecht in Mathe schoss es mir plötzlich durch den Kopf. Aber wenn sie den Schein als Bestätigung für ihr Ego brauchte, warum hatte sie dann den Kurs bis hierhin so schwer genommen? Sie war nach Anfangsschwierigkeiten offensichtlich gut mitgekommen. Besser als ich. An ihren Hausaufgaben hatte Niklas kaum je etwas zu kritisieren gehabt. Gerade der Spaß eine Welt, vor der man sich jahrelang ekelte, deren Kontakt man mied und der man sich nicht gewachsen fühlte nach und nach zu begreifen musste doch beflügeln. Und daraus ließ sich doch ein Kreislauf machen: Spaß am Begreifen = Motivation mehr zu lernen = Spaß daran noch mehr zu begreifen…
Naturell, dachte ich, einige können ihre Faszination nicht einfach so zeigen…
„Willst du nicht anfangen?“, flüsterte mein Banknachbar kaum hörbar und gab mir einen Knuff. Ich drehte mich panisch um. 14 Uhr 20. Nun gut, ich hatte nur 5 Minuten verloren. Ich begann die 21 Fragen zu bearbeiten.
Die Klausur lief gut und mit der festen Überzeugung glanzvoll bestanden zu haben fuhr ich heim. In gelöster Stimmung machte ich mir witzige Gedanken. Gerhard Schröder mutierte zu einem außerirdischen Blumenkübel oder er war der Bundeskanzler dieser Republik. Nur eine von beiden Aussagen in dieser Disjunktion musste stimmen. Ich wog die Vor- und Nachteile ab, entschied mich dann aber letztlich eine Haltestelle vor meinem Zuhause doch für Ersteres und deckte die Behauptung durch die fliegenden Schweine.
Daheim angekommen beschloss ich meine Mutter zu informieren wie die Klausur gelaufen war. Als ich den Hörer abnahm und zu wählen beginnen wollte fiel mein Blick auf die Pinnwand direkt über dem Telefon. Da hang die Mailing/Telefon-Liste unseres Phil-Tutoriums. Ich zögerte kurz, dann wählte ich entschlossen Julias Nummer.
Es tutete irre lange (bestimmt achtmal), dann hörte ich ein mir wohlbekanntes „Ja“.
„Hallo…äh…Julia..hier ist Mirko.“
„Hi.“
„Ich wollte, also, eigentlich nur wissen wie die Klausur bei dir gelaufen ist. Wir sehen uns ja jetzt nicht mehr, glaub ich und, na ja, wollte ich daher…“
„Danke gut.“
Schweigen. Langes Schweigen.
Dann plötzlich Julias Stimme: “Mirko, was gibt’s noch? Ist es das was ich denke?“
„Was denkst du dir denn?“
„Dass du etwas wissen möchtest.“
„Das stimmt.“
„Logisch sein heißt nicht im Recht zu sein.“, sagte sie tonlos und hängte auf.
Damit war alles gesagt.
Wittgensteins legitime Erbin
Wittgensteins legitime Erbin
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)
Re: Wittgensteins legitime Erbin
Lieber Hamburger,
ich habe mal recht wild im Text herumgewütet. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm, aber vielleicht hilft es dir, diesen Text mal zu hinterfragen.
Bei meinen Anmerkungen gings mir weniger darum, was der Inhalt ist, als die Art des Erzählens.
Es ist umständlich.
Ich würde dir raten, viel herauszunehmen. Oder gar den Text nocheinmal zu schreiben, diesmal für den Leser, und nicht vorwiegend für dich selbst.
Hoffe, das klingt jetzt nicht zu hart - ist nur konstruktiv gemeint. Und außerdem find ichs auch toll, wenn jemand meine Texte mal so richtig gegen den Strich bürstet (geschieht nur leider nicht so oft ...)
Beste Grüße
Tolya
... “Irgendwas unklar?“, fragte er (rhetorisch mit dem lässigen Unterton eines Wissenden) lässig.
Julia (wandte sich ihm zu und) brachte ein unsicheres „Ja“ hervor.
„Na dann frag, frag, frag. Immer gleich fragen. Nicht staunen, wissen.“
Diese forsche Aufforderung, durchaus nicht Usus bei den (meisten) Tutoren dieser Universität, sorgte endgültig für Julias Schweigen. Einige Arme (um mich herum) hoben und senkten sich zuckend, der alten Schülerunsitte folgend sich immer dann zu melden, wenn der Blick des Lehrers nicht auf ihnen ruhte, die Meldung jedoch bei Blickkontakt im Verzug blitzschnell zurückzuziehen und ein nachdenkliches Gesicht zu machen – ein Gesicht, dass signalisiert: Ich überlege noch. Es liegt mir so was von auf der Zunge, das ist eigentlich schon ein + im Notizbuch wert…
(dieser ganze Passus vom Melden-oder-Nichtmelden ist für mich gebläht, und ich frage mich beim Lesen, wo das wohl hinführt)
Ich sprang mit dem entschlossenen Mut eines Studenten, der um seine Unvollkommenheit weiß, ein: „Fliegende Schweine? Aber Schweine können nicht fliegen. Wie kann der Satz dann wahr sein?“
Julia nickte unmerklich KOMMA während Niklas mich eindringlich musterte: “Mirko, was liegt hier vor?“
„Ein Aussagesatz.“
„Gut, was noch?“
„Eine…hm…eine Subjunktion?“
„Eben. Und wann wird eine Subjunktion immer wahr?“
Ein kurzes "Ahhh" erfüllte den kleinen Tutoriumsraum 1072. Freitag, 12 Uhr 35, Anfang November 2004 – und die Welt wieder um ein paar verständige Menschen reicher.
Niklas grinste (kurz) und sagte (betont) locker: “Alles schon mal gelernt. Alles schon mal gehabt. Denkt dran: So was
(abwertende Handbewegung) muss sitzen…“
Während wir uns danach ehrfürchtig an die ersten Theoreme wagten KOMMA warf ich ein paar verstohlene Blicke zu Julia
(so so. Das Ich warf Blicke zu Julia. Warum eigentlich diese kopfbetonte Schilderung? Ich finde das an manchen Stellen bei dir überformuliert. Ich blickte verstohlen zu Julia ... das täte es doch auch.)
Sie war circa 160 cm groß (circa? das ist eine genau-ungenaue Angabe ...) und trug ein schwarzes Lederhalsband mit Nieten und einem deutlich vorstehenden Ring, dazu Piercings auf der Zunge (in der Zunge?), auf den Lippen (in den Lippen?) und an beiden Augenbrauen. Ihre Nägel waren mehr gepunktet denn lackiert und ihre Haare ein einziges Gewuschel. Was ihre Kleidung anging, so trug sie meistens Plateau-Schuhe, eine durchsichtige oder eine in Rechtecksmustern durchlöcherte Strumpfhose sowie einen kurzen Lederrock und eine Lederjacke (beides schwarz), die ihr bis knapp über ihre Brüste abgeschnittenes T-Shirt samt dazugehörigen angenähten Schulterhaltern bedeckte
(dieser Satz ist umständlich; und ist das Shirt ÜBER oder UNTER den Brüsten abgeschnitten? Oben drüber wäre es ein Dekollete ... ) . Die Lederjacke war mit einer Unmenge von (mit Edding aufgemalten) Sprüchen bedeckt. „Nazis raus“ (war eindeutig dominierend) dominierte.
Ich ertappte mich dabei KOMMA meine Frage an sie diesmal nach der Sitzung nicht mehr zurückhalten zu können.
(entschuldige, aber das ist wohl Konjunktivissimus Futurum 37b?
Das könntest du doch auch einfacher schreiben, oder nicht? Fände ich wirklich besser)
Ich wusste natürlich darum |KOMMA| welch (schwaches) Licht diese Frage auf mich werfen würde. Nachdem wir einige angenehme Theoreme gebildet, formalisiert und abgeleitet hatten
(“Dieser Tisch ist eine Tür oder ich bin Gott und wenn dieser Tisch keine Tür ist dann bin ich Gott.") war es dann soweit. Die Gelegenheit ergab sich am Aufzug: “Sag mal“, sagte ich und bemühte mich (sehr) um einen beiläufigen Tonfall, „warum studiert jemand wie du eigentlich Logik?“
(Man merkt, dass die Ichfigur total unsicher ist, dass sie ständig kontrolliert, was sie selbst tut. Wenn das die Intention des Textes ist/wäre, also zu zeigen, dass hier ein unsicherer Mensch durch sein Studentenleben irrt, dann wäre es verständlich. Ich habe aber das Gefühl, der Leser soll sich recht nahe zum Ich positionieren oder gar mit ihm eine Identifikation eingehen. Aber dann stößt dieses "bemühte sich", "ertappte sich" einen doch ab. Unsicherheit, Vorsicht, Umsicht lässt sich doch leichter schildern?
Du könntest in einem Absatz erwähnen, dass dieses Ich ein Mädchen ganz toll findet, aus dem und dem Grund, dass er tausendmal versucht hat, ihr nahe zu kommen, aber sich nicht traute ... aber so versuchst du es hinten herum, streust es zwischen die Dialoge ...
Sie schaute mich verwundert an: “Brauch halt den Schein.“
„Hm, aber du studierst doch Hauptfach, oder? Da brauchst du doch nicht gerade diesen Einführungsschein.“
„Stimmt. Aber ich will ihn.“
„Warum?“
„Ich war immer schlecht in Mathe“, sagte sie mit (in) dem beiläufigen Tonfall |KOMMA| den ich nicht gefunden hatte |komma| und stieg in den Aufzug.
In den folgenden Wochen dachte ich kaum noch über Julia nach. (Da also "denkt" er schon wieder ...) Sie verhielt sich vor und in den Tutoriumssitzungen ruhig und in sich gekehrt (kann man sich "in sich gekehrt - verhalten"?). Manchmal las sie, meistens schaute sie mit unbewegter Miene Löcher in die Luft, während mich (, der ich auch immer schlecht in Mathe gewesen war,) (mich Mathenull, mich Matheversager) die Faszination der Logik packte. Auch den meisten anderen Studenten ging das so. Wir erzählten uns oft vor den Sitzungen glucksend und kichernd wie kleine Kinder, wie wir (langsam aber sicher begannen) unser Denken umzustellen (umstellten) und unseren Alltag logischer zu gestalten (gestalteten). Fast alle machten munter mit, und wer nicht mitmachte hörte wenigstens in offizieller Haltung zu und lachte offiziell, wenngleich mit der verschüchterten Beimischung des Ausgeschlossenen. (der Satz ist mir auch zu umständlich)
So hatte Mirjam-Maria neulich eine Bundestagsrede verfolgt und sich einen Spass daraus gemacht |KOMMA| diese (, wie sie es nannte,) zu „entkernen“,: „Stellt euch vor, wischt man den ganzen rhetorischen Kleister weg, so bleiben einem nach 12 Minuten Redezeit ganze 6 Argument-Schema übrig. Davon drei valide, also wahr auf Grund falscher Prämissen, zwei definitiv falsch und eines richtig, aber Allgemeingut.“
ich habe mal recht wild im Text herumgewütet. Ich hoffe, du nimmst mir das nicht krumm, aber vielleicht hilft es dir, diesen Text mal zu hinterfragen.
Bei meinen Anmerkungen gings mir weniger darum, was der Inhalt ist, als die Art des Erzählens.
Es ist umständlich.
Ich würde dir raten, viel herauszunehmen. Oder gar den Text nocheinmal zu schreiben, diesmal für den Leser, und nicht vorwiegend für dich selbst.
Hoffe, das klingt jetzt nicht zu hart - ist nur konstruktiv gemeint. Und außerdem find ichs auch toll, wenn jemand meine Texte mal so richtig gegen den Strich bürstet (geschieht nur leider nicht so oft ...)
Beste Grüße
Tolya
... “Irgendwas unklar?“, fragte er (rhetorisch mit dem lässigen Unterton eines Wissenden) lässig.
Julia (wandte sich ihm zu und) brachte ein unsicheres „Ja“ hervor.
„Na dann frag, frag, frag. Immer gleich fragen. Nicht staunen, wissen.“
Diese forsche Aufforderung, durchaus nicht Usus bei den (meisten) Tutoren dieser Universität, sorgte endgültig für Julias Schweigen. Einige Arme (um mich herum) hoben und senkten sich zuckend, der alten Schülerunsitte folgend sich immer dann zu melden, wenn der Blick des Lehrers nicht auf ihnen ruhte, die Meldung jedoch bei Blickkontakt im Verzug blitzschnell zurückzuziehen und ein nachdenkliches Gesicht zu machen – ein Gesicht, dass signalisiert: Ich überlege noch. Es liegt mir so was von auf der Zunge, das ist eigentlich schon ein + im Notizbuch wert…
(dieser ganze Passus vom Melden-oder-Nichtmelden ist für mich gebläht, und ich frage mich beim Lesen, wo das wohl hinführt)
Ich sprang mit dem entschlossenen Mut eines Studenten, der um seine Unvollkommenheit weiß, ein: „Fliegende Schweine? Aber Schweine können nicht fliegen. Wie kann der Satz dann wahr sein?“
Julia nickte unmerklich KOMMA während Niklas mich eindringlich musterte: “Mirko, was liegt hier vor?“
„Ein Aussagesatz.“
„Gut, was noch?“
„Eine…hm…eine Subjunktion?“
„Eben. Und wann wird eine Subjunktion immer wahr?“
Ein kurzes "Ahhh" erfüllte den kleinen Tutoriumsraum 1072. Freitag, 12 Uhr 35, Anfang November 2004 – und die Welt wieder um ein paar verständige Menschen reicher.
Niklas grinste (kurz) und sagte (betont) locker: “Alles schon mal gelernt. Alles schon mal gehabt. Denkt dran: So was
(abwertende Handbewegung) muss sitzen…“
Während wir uns danach ehrfürchtig an die ersten Theoreme wagten KOMMA warf ich ein paar verstohlene Blicke zu Julia
(so so. Das Ich warf Blicke zu Julia. Warum eigentlich diese kopfbetonte Schilderung? Ich finde das an manchen Stellen bei dir überformuliert. Ich blickte verstohlen zu Julia ... das täte es doch auch.)
Sie war circa 160 cm groß (circa? das ist eine genau-ungenaue Angabe ...) und trug ein schwarzes Lederhalsband mit Nieten und einem deutlich vorstehenden Ring, dazu Piercings auf der Zunge (in der Zunge?), auf den Lippen (in den Lippen?) und an beiden Augenbrauen. Ihre Nägel waren mehr gepunktet denn lackiert und ihre Haare ein einziges Gewuschel. Was ihre Kleidung anging, so trug sie meistens Plateau-Schuhe, eine durchsichtige oder eine in Rechtecksmustern durchlöcherte Strumpfhose sowie einen kurzen Lederrock und eine Lederjacke (beides schwarz), die ihr bis knapp über ihre Brüste abgeschnittenes T-Shirt samt dazugehörigen angenähten Schulterhaltern bedeckte
(dieser Satz ist umständlich; und ist das Shirt ÜBER oder UNTER den Brüsten abgeschnitten? Oben drüber wäre es ein Dekollete ... ) . Die Lederjacke war mit einer Unmenge von (mit Edding aufgemalten) Sprüchen bedeckt. „Nazis raus“ (war eindeutig dominierend) dominierte.
Ich ertappte mich dabei KOMMA meine Frage an sie diesmal nach der Sitzung nicht mehr zurückhalten zu können.
(entschuldige, aber das ist wohl Konjunktivissimus Futurum 37b?
Ich wusste natürlich darum |KOMMA| welch (schwaches) Licht diese Frage auf mich werfen würde. Nachdem wir einige angenehme Theoreme gebildet, formalisiert und abgeleitet hatten
(“Dieser Tisch ist eine Tür oder ich bin Gott und wenn dieser Tisch keine Tür ist dann bin ich Gott.") war es dann soweit. Die Gelegenheit ergab sich am Aufzug: “Sag mal“, sagte ich und bemühte mich (sehr) um einen beiläufigen Tonfall, „warum studiert jemand wie du eigentlich Logik?“
(Man merkt, dass die Ichfigur total unsicher ist, dass sie ständig kontrolliert, was sie selbst tut. Wenn das die Intention des Textes ist/wäre, also zu zeigen, dass hier ein unsicherer Mensch durch sein Studentenleben irrt, dann wäre es verständlich. Ich habe aber das Gefühl, der Leser soll sich recht nahe zum Ich positionieren oder gar mit ihm eine Identifikation eingehen. Aber dann stößt dieses "bemühte sich", "ertappte sich" einen doch ab. Unsicherheit, Vorsicht, Umsicht lässt sich doch leichter schildern?
Du könntest in einem Absatz erwähnen, dass dieses Ich ein Mädchen ganz toll findet, aus dem und dem Grund, dass er tausendmal versucht hat, ihr nahe zu kommen, aber sich nicht traute ... aber so versuchst du es hinten herum, streust es zwischen die Dialoge ...
Sie schaute mich verwundert an: “Brauch halt den Schein.“
„Hm, aber du studierst doch Hauptfach, oder? Da brauchst du doch nicht gerade diesen Einführungsschein.“
„Stimmt. Aber ich will ihn.“
„Warum?“
„Ich war immer schlecht in Mathe“, sagte sie mit (in) dem beiläufigen Tonfall |KOMMA| den ich nicht gefunden hatte |komma| und stieg in den Aufzug.
In den folgenden Wochen dachte ich kaum noch über Julia nach. (Da also "denkt" er schon wieder ...) Sie verhielt sich vor und in den Tutoriumssitzungen ruhig und in sich gekehrt (kann man sich "in sich gekehrt - verhalten"?). Manchmal las sie, meistens schaute sie mit unbewegter Miene Löcher in die Luft, während mich (, der ich auch immer schlecht in Mathe gewesen war,) (mich Mathenull, mich Matheversager) die Faszination der Logik packte. Auch den meisten anderen Studenten ging das so. Wir erzählten uns oft vor den Sitzungen glucksend und kichernd wie kleine Kinder, wie wir (langsam aber sicher begannen) unser Denken umzustellen (umstellten) und unseren Alltag logischer zu gestalten (gestalteten). Fast alle machten munter mit, und wer nicht mitmachte hörte wenigstens in offizieller Haltung zu und lachte offiziell, wenngleich mit der verschüchterten Beimischung des Ausgeschlossenen. (der Satz ist mir auch zu umständlich)
So hatte Mirjam-Maria neulich eine Bundestagsrede verfolgt und sich einen Spass daraus gemacht |KOMMA| diese (, wie sie es nannte,) zu „entkernen“,: „Stellt euch vor, wischt man den ganzen rhetorischen Kleister weg, so bleiben einem nach 12 Minuten Redezeit ganze 6 Argument-Schema übrig. Davon drei valide, also wahr auf Grund falscher Prämissen, zwei definitiv falsch und eines richtig, aber Allgemeingut.“
Re: Wittgensteins legitime Erbin
Hallo Mirko,
ich gratuliere dir zu dieser Geschichte und ich gratuliere mir, dass ich dich sooooooooo laaaaaaaaaaaaaange genervt habe, sie zu schreiben!
Für mich ist sie wiederum der Beweis (was ich schon immer gewusst habe), nämlich, dass du schreiben kannst. Wenn du willst. Dass du es nicht verlernt hast, dass das Talent, das so lange brach lag, immer noch da ist, auch wenn du es selbst nicht glauben willst. Und vor allem: seit deinen letzten ernst zu nehmenden Schreibversuchen ist einige Zeit verstrichen - du hast dich weiterentwickelt, hast viel erlebt, neue Menschen kennengelernt, hast den größten Teil deines Studiums absolviert, hast in diesem Forum Gelegenheit gehabt, andere Texte zu kritisieren und so deinen eigenen Geschmack und Kunstverstand auszuprägen. Ich glaube, du hast etwas zu erzählen. Ich glaube, du kannst erzählen. Und ich glaube auch, dass es dir immer noch wahnsinnig Spass macht, zu erzählen (das merkt man), auch wenn der schüchterne Teil deines Selbstbewussteins jetzt den Kopf einzieht.
Ich als Leser kann Glaukos nur teilweise zustimmen. Du solltest deine Geschichte vielleicht noch mal auf Rechtschreibung und Zeichensetzung hin kontrollieren ... aber stilistisch und erzähltechnisch finde ich sie ziemlich gelungen, vor allem die Pointe. Sie ist abwechslungsreich und unterhaltsam ... und du schaffst es vor allem, dem Leser ein "trockenes" Thema, locker und einfach erklärt näherzubringen. Das kann nicht jeder.
Mein Kompliment. :ja:
Ich will mehr.
[) i r k
ich gratuliere dir zu dieser Geschichte und ich gratuliere mir, dass ich dich sooooooooo laaaaaaaaaaaaaange genervt habe, sie zu schreiben!
Für mich ist sie wiederum der Beweis (was ich schon immer gewusst habe), nämlich, dass du schreiben kannst. Wenn du willst. Dass du es nicht verlernt hast, dass das Talent, das so lange brach lag, immer noch da ist, auch wenn du es selbst nicht glauben willst. Und vor allem: seit deinen letzten ernst zu nehmenden Schreibversuchen ist einige Zeit verstrichen - du hast dich weiterentwickelt, hast viel erlebt, neue Menschen kennengelernt, hast den größten Teil deines Studiums absolviert, hast in diesem Forum Gelegenheit gehabt, andere Texte zu kritisieren und so deinen eigenen Geschmack und Kunstverstand auszuprägen. Ich glaube, du hast etwas zu erzählen. Ich glaube, du kannst erzählen. Und ich glaube auch, dass es dir immer noch wahnsinnig Spass macht, zu erzählen (das merkt man), auch wenn der schüchterne Teil deines Selbstbewussteins jetzt den Kopf einzieht.
Ich als Leser kann Glaukos nur teilweise zustimmen. Du solltest deine Geschichte vielleicht noch mal auf Rechtschreibung und Zeichensetzung hin kontrollieren ... aber stilistisch und erzähltechnisch finde ich sie ziemlich gelungen, vor allem die Pointe. Sie ist abwechslungsreich und unterhaltsam ... und du schaffst es vor allem, dem Leser ein "trockenes" Thema, locker und einfach erklärt näherzubringen. Das kann nicht jeder.
Mein Kompliment. :ja:
Ich will mehr.
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Wittgensteins legitime Erbin
Hi Hamburger,
was die Schreibweise, -perspektive oder wie auch immer angeht, da will ich dem werten Herrn Glaukos aus Berlin widersprechen, die finde ich naemlich ausgesprochen gelungen.
Hie und da kuerzen, das kann man ja bei jedem Text, das soll also nicht mein Laesterbeil sein.
Vielmehr, ich finde die Pointe gut herausgearbeitet. Leider ist nicht ganz klar, worauf dieses /im Recht sein/ anspielen soll. Sicherlich, es bezieht sich auf die versuchte Annaehrung des LI an Julia, und trotzdem bleibt unklar, worauf dieses /im Recht sein/ hinaus will. Schliesslich gibt es ja keine - wenn man so will - /Rechtsgrundlage/ in sich anbahnenden, quasi noch auf dem Weg seienden Beziehungen, auf die der Leser zurueckgreifen koennte. Ich haette demnach mehr ein /Anspruch haben/ oder /das Richtige sagen/ vermutet, im Sinne von /Logisch zu sein, bedeutet nicht, einen Anspruch zu haben/, oder aehnlich.
Und trotzdem, was schoen ist, das ist die glaubhaft vermittelte Wirklichkeitsnaehe, die dem Text einen geradezu charakterstudienaehnlichen Lippenstift ansetzt. Jedenfalls ist es mir so ergangen. Und ganz beilaeufig vermag dieser Text, logischen Begriffen den Beigeschmack des technisch Abgehobenen zu nehmen. Hier wirkt ein RAA ploetzlich ganz niedlich. Das hast du wirklich toll gemacht. Ein ganz grosses Lob an dich. Da ich selten lese, was du schreibst, kann ich nicht sagen, ob dieser Text einen Fortschritt in deiner schriftstellerischen Schaffenshistoriographie darstellt. Aber, neugierig auf mehr macht er auf jeden Fall!
SMID
was die Schreibweise, -perspektive oder wie auch immer angeht, da will ich dem werten Herrn Glaukos aus Berlin widersprechen, die finde ich naemlich ausgesprochen gelungen.
Hie und da kuerzen, das kann man ja bei jedem Text, das soll also nicht mein Laesterbeil sein.
Vielmehr, ich finde die Pointe gut herausgearbeitet. Leider ist nicht ganz klar, worauf dieses /im Recht sein/ anspielen soll. Sicherlich, es bezieht sich auf die versuchte Annaehrung des LI an Julia, und trotzdem bleibt unklar, worauf dieses /im Recht sein/ hinaus will. Schliesslich gibt es ja keine - wenn man so will - /Rechtsgrundlage/ in sich anbahnenden, quasi noch auf dem Weg seienden Beziehungen, auf die der Leser zurueckgreifen koennte. Ich haette demnach mehr ein /Anspruch haben/ oder /das Richtige sagen/ vermutet, im Sinne von /Logisch zu sein, bedeutet nicht, einen Anspruch zu haben/, oder aehnlich.
Und trotzdem, was schoen ist, das ist die glaubhaft vermittelte Wirklichkeitsnaehe, die dem Text einen geradezu charakterstudienaehnlichen Lippenstift ansetzt. Jedenfalls ist es mir so ergangen. Und ganz beilaeufig vermag dieser Text, logischen Begriffen den Beigeschmack des technisch Abgehobenen zu nehmen. Hier wirkt ein RAA ploetzlich ganz niedlich. Das hast du wirklich toll gemacht. Ein ganz grosses Lob an dich. Da ich selten lese, was du schreibst, kann ich nicht sagen, ob dieser Text einen Fortschritt in deiner schriftstellerischen Schaffenshistoriographie darstellt. Aber, neugierig auf mehr macht er auf jeden Fall!
SMID
Re: Wittgensteins legitime Erbin
Ham! Wie schön, hier endlich mal einen Text von Dir zu finden!
Die Geschichte bekommt von mir ein klares "ja - aber". Zunächst zum "Ja":
Ein sehr guter, reifer und flüssiger Stil. Im Gegensatz zu Glaukos stört mich die "kopfbetonte" Stilistik nicht. Zum einen finde ich sie so schrecklich kopfbetont gar nicht und das Setting zwingt Dir eine gewisse Kopfbetonung auf, dafür ist die Geschichte sogar außerordentlich leicht und lesbar geschrieben.
Ich mag außerdem die Art von Humor, die Du hier durchklingen läßt und wie Du den Humor einwebst. Ein Teilaspekt des Stils, sicher, aber einer, an dem sich so manch anderer vergeblich versuchen würde.
Die Pointe ist natürlich großartig.
Jetzt zum "Aber":
Dass Du mit dem Einstieg eine Menge Leser - auch gebildete, aber eben anders gebildete - sofort verschreckst, ist Dir vermutlich klar. In mir hast Du aber zufällig jemanden mit einer passenden Bildungskombination gefunden. Und was ist jetzt? Neben mir liegt ein philosophisches Wörterbuch, hinter mir eine kleine, interessante Diskussion mir meiner (zufällig noch passender gebildeten) Frau und ein wenig wehmütiges Erinnern an die Freuden der puren Logik. Schöne Erlebnisse für mich, schlecht für Deine Geschichte, die ich dafür gleich zu Beginn für mehr als eine halbe Stunde verlassen habe. Und so geht das weiter - immer wieder anregendes Gedankenfutter, das aber von der Geschichte selbst ablenkt. Und wie gesagt - in mir hast Du einen wohlwollenden Leser, weil ich offenbar an ähnlichen Spielen Spaß habe, wie Du. Wie das mit einem Freund der mittelalterlichen französischen Liebeslyrik funktioniert, dem formale Logik am Arsch vorbei geht, wage ich nicht zu ermessen. Bestenfalls arbeitet er sich zunehmend genervt zum Ende durch, um dann in ein anerkennendes "Ach so!" auszubrechen. Denn die Pointe... siehe oben.
Und dafür sollte Dir diese schöne Geschichte - stilistisch einwandfrei, fein humorvoll, mit einem tollen Schlußpunkt - eigentlich zu schade sein. Du spielst hier zuviel, und alles Erklären der Spielregeln hilft nicht. Wer das Spiel nicht kennt oder mag, kann dennoch nicht mitspielen, wer es kennt und mag, erinnert sich lieber an eigene Spiele, als Dir bei Deinen zuzusehen. Beispiele dafür, wie es viel besser geht, bringst Du selbst:
Das ist Handlungselement!
Das auch.
Das aber ist Spiel!
Demgegenüber ist mir Julia viel zu schwach. Du schilderst - sorry - ein Klischee:
Schon klar - die sehen in Wirklichkeit so aus. Und viele wollen sogar wie ein Klischee aussehen. Aber laß meiner Phantasie doch irgendeinen Ausweg, ich will ein wenig Julia selbst erschaffen können, sonst habe ich keinen Spaß an ihr. Lass mir wenigstens die Freiheit, mir ihre Frisur so vorzustellen, wie ich das will, und vielleicht habe ich lieber mehr Anarchy-As, als "Nazis raus"
. Was ich meine ist: Da Du ein Klischeebild bis ins Detail beschreibst, riskierst Du, dass Julia auch gleich mit den zum Klischee passenden Eigenschaften belegt wird. Du bist zwar gottlob keiner von diesen Leuten, die mir sofort eine komplette Charakterbeschreibung einer Person aufzwingen (sowas - meine ich immer - soll die Geschichte selbst tun), aber da Du so gnadenlos ein Stereotyp aufbaust, tust Du es - vermutlich unbeabsichtigt - doch. Der kurze Dialog ändert daran nichts.
Alle anderen Figuren bleiben noch viel blasser, ausgenommen das LI. Das gefällt mir ausgesprochen gut, ich glaube es Dir jede Sekunde und habe hier viel Freiheit, es mir so zu bauen, wie ich das möchte - ohne aus den Grenzen, die Du setzt ausbrechen zu wollen. Und das, obwohl ich Dich kenne, und also zwangsläufig dazu tendiere, es äußerlich Dir anzupassen.
So - jetzt habe ich rein Quantitativ ein wenig gelobt und massenhaft kritisiert. Versteh mich nicht falsch: Das "Ja!" überwiegt deutlich das "aber...". Wenn ich Dir raten darf: Trenne Dich von ein paar Logikspielereien, so geistreich sie sind - geistreich und lesbar, das Spiel-Beispiel oben zeigt das durchaus. Dünn sie zumindest aus, gib den Figuren etwas mehr Gewicht. Denn sie überdecken die Geschichte, und dafür ist sie zu schade. Sie ist nämlich noch geistreicher und lesbarer.
Die Geschichte bekommt von mir ein klares "ja - aber". Zunächst zum "Ja":
Ein sehr guter, reifer und flüssiger Stil. Im Gegensatz zu Glaukos stört mich die "kopfbetonte" Stilistik nicht. Zum einen finde ich sie so schrecklich kopfbetont gar nicht und das Setting zwingt Dir eine gewisse Kopfbetonung auf, dafür ist die Geschichte sogar außerordentlich leicht und lesbar geschrieben.
Ich mag außerdem die Art von Humor, die Du hier durchklingen läßt und wie Du den Humor einwebst. Ein Teilaspekt des Stils, sicher, aber einer, an dem sich so manch anderer vergeblich versuchen würde.
Die Pointe ist natürlich großartig.
Jetzt zum "Aber":
Dass Du mit dem Einstieg eine Menge Leser - auch gebildete, aber eben anders gebildete - sofort verschreckst, ist Dir vermutlich klar. In mir hast Du aber zufällig jemanden mit einer passenden Bildungskombination gefunden. Und was ist jetzt? Neben mir liegt ein philosophisches Wörterbuch, hinter mir eine kleine, interessante Diskussion mir meiner (zufällig noch passender gebildeten) Frau und ein wenig wehmütiges Erinnern an die Freuden der puren Logik. Schöne Erlebnisse für mich, schlecht für Deine Geschichte, die ich dafür gleich zu Beginn für mehr als eine halbe Stunde verlassen habe. Und so geht das weiter - immer wieder anregendes Gedankenfutter, das aber von der Geschichte selbst ablenkt. Und wie gesagt - in mir hast Du einen wohlwollenden Leser, weil ich offenbar an ähnlichen Spielen Spaß habe, wie Du. Wie das mit einem Freund der mittelalterlichen französischen Liebeslyrik funktioniert, dem formale Logik am Arsch vorbei geht, wage ich nicht zu ermessen. Bestenfalls arbeitet er sich zunehmend genervt zum Ende durch, um dann in ein anerkennendes "Ach so!" auszubrechen. Denn die Pointe... siehe oben.
Und dafür sollte Dir diese schöne Geschichte - stilistisch einwandfrei, fein humorvoll, mit einem tollen Schlußpunkt - eigentlich zu schade sein. Du spielst hier zuviel, und alles Erklären der Spielregeln hilft nicht. Wer das Spiel nicht kennt oder mag, kann dennoch nicht mitspielen, wer es kennt und mag, erinnert sich lieber an eigene Spiele, als Dir bei Deinen zuzusehen. Beispiele dafür, wie es viel besser geht, bringst Du selbst:
So hatte Mirjam-Maria neulich eine Bundestagsrede verfolgt und sich einen Spass daraus gemacht diese, wie sie es nannte, zu „entkernen“,: „Stellt euch vor, wischt man den ganzen rhetorischen Kleister weg, so bleiben einem nach 12 Minuten Redezeit ganze 6 Argument-Schema übrig. Davon drei valide, also wahr auf Grund falscher Prämissen, zwei definitiv falsch und eines richtig, aber Allgemeingut.“
Das ist Handlungselement!
Die Klausur lief gut und mit der festen Überzeugung glanzvoll bestanden zu haben fuhr ich heim. In gelöster Stimmung machte ich mir witzige Gedanken. Gerhard Schröder mutierte zu einem außerirdischen Blumenkübel oder er war der Bundeskanzler dieser Republik. Nur eine von beiden Aussagen in dieser Disjunktion musste stimmen. Ich wog die Vor- und Nachteile ab, entschied mich dann aber letztlich eine Haltestelle vor meinem Zuhause doch für Ersteres und deckte die Behauptung durch die fliegenden Schweine.
Das auch.
Auch ich hatte meinen Weg gefunden, mein kleines Baby hieß RAA (Reductio ad absurdum). Dabei handelt es sich um eine Annahme, die das exakte Gegenteil dessen ist, was man letztgültig schlussfolgern will. Gelingt es, aus anderen Annahmen und Schlussfolgerungen eine Kontradiktion abzuleiten, die in Abhängigkeit zur zu Beginn gemachten RAA-Annahme steht, so kann ich diese negieren – schon habe ich den Beweis geführt den ich führen wollte. Kühl kalkuliert begann ich also, seit das kleine, zuckersüße RAA in mein Leben trat, Diskussionen grundsätzlich damit, meinem Gegenüber erstmal ausführlich zu versichern wie unzweifelhaft korrekt seine Sicht der Dinge doch sei. Aber es gäbe da eben leider einen kleinen Haken…
Das aber ist Spiel!
Demgegenüber ist mir Julia viel zu schwach. Du schilderst - sorry - ein Klischee:
Während wir uns danach ehrfürchtig an die ersten Theoreme wagten warf ich ein paar verstohlene Blicke zu Julia. Sie war circa 160 cm groß und trug ein schwarzes Lederhalsband mit Nieten und einem deutlich vorstehenden Ring, dazu Piercings auf der Zunge, auf den Lippen und an beiden Augenbrauen. Ihre Nägel waren mehr gepunktet denn lackiert und ihre Haare ein einziges Gewuschel. Was ihre Kleidung anging, so trug sie meistens Plateau-Schuhe, eine durchsichtige oder eine in Rechtecksmustern durchlöcherte Strumpfhose sowie einen kurzen Lederrock und eine Lederjacke (beides schwarz), die ihr bis knapp über ihre Brüste abgeschnittenes T-Shirt samt dazugehörigen angenähten Schulterhaltern bedeckte. Die Lederjacke war mit einer Unmenge von mit Edding aufgemalten Sprüchen bedeckt. „Nazis raus“ war eindeutig dominierend.
Schon klar - die sehen in Wirklichkeit so aus. Und viele wollen sogar wie ein Klischee aussehen. Aber laß meiner Phantasie doch irgendeinen Ausweg, ich will ein wenig Julia selbst erschaffen können, sonst habe ich keinen Spaß an ihr. Lass mir wenigstens die Freiheit, mir ihre Frisur so vorzustellen, wie ich das will, und vielleicht habe ich lieber mehr Anarchy-As, als "Nazis raus"
Alle anderen Figuren bleiben noch viel blasser, ausgenommen das LI. Das gefällt mir ausgesprochen gut, ich glaube es Dir jede Sekunde und habe hier viel Freiheit, es mir so zu bauen, wie ich das möchte - ohne aus den Grenzen, die Du setzt ausbrechen zu wollen. Und das, obwohl ich Dich kenne, und also zwangsläufig dazu tendiere, es äußerlich Dir anzupassen.
So - jetzt habe ich rein Quantitativ ein wenig gelobt und massenhaft kritisiert. Versteh mich nicht falsch: Das "Ja!" überwiegt deutlich das "aber...". Wenn ich Dir raten darf: Trenne Dich von ein paar Logikspielereien, so geistreich sie sind - geistreich und lesbar, das Spiel-Beispiel oben zeigt das durchaus. Dünn sie zumindest aus, gib den Figuren etwas mehr Gewicht. Denn sie überdecken die Geschichte, und dafür ist sie zu schade. Sie ist nämlich noch geistreicher und lesbarer.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Wittgensteins legitime Erbin
Der kann ja schreiben! 8-o Himmelarsch, warum nicht früher?
Also, razor sagt, dass die Logikspielchen den logikgebildeten Leser ablenken von der Geschichte. Ich bestätige das noch mal aus der Perspektive des Logikungebildeten Menschen - da haben diese Spiele, wie razor sie nennt, mich so fasziniert, dass ich kaum noch auf Julia geachtet habe. Bis ich was nachgeschlagen habe und das aha-erlebnis wenn man es dann schnallt... da hat er Recht, der Alte Mann, da geht die Geschichte ein bissi unter.
(Und damit du da was streichen kannst, ohne dass ich in Tränen ausbreche: gibt's da Bücher, die die Grundlagen von diesem Hirnjonglieren erklären, die man auch ohne Studium überreißt?)
Lesen sehr genossen habend, Silly
Also, razor sagt, dass die Logikspielchen den logikgebildeten Leser ablenken von der Geschichte. Ich bestätige das noch mal aus der Perspektive des Logikungebildeten Menschen - da haben diese Spiele, wie razor sie nennt, mich so fasziniert, dass ich kaum noch auf Julia geachtet habe. Bis ich was nachgeschlagen habe und das aha-erlebnis wenn man es dann schnallt... da hat er Recht, der Alte Mann, da geht die Geschichte ein bissi unter.
(Und damit du da was streichen kannst, ohne dass ich in Tränen ausbreche: gibt's da Bücher, die die Grundlagen von diesem Hirnjonglieren erklären, die man auch ohne Studium überreißt?)
Lesen sehr genossen habend, Silly
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Wittgensteins legitime Erbin
Liebe Kritiker,
zuerst einmal euch allen ein dickes Dankeschön. Ich habe mich riesig darüber gefreut in so kurzer Zeit so viele Reaktionen hervorzurufen. Ich habe mich in meiner Rolle als Kritiker immer sehr gefreut, wenn der/die Autor/in zu meiner Kritik Stellung genommen hat. Einfach weil erst durch die Rückkopplung des Autors das gegenseitige Geben und Nehmen im Sprechen über den Text erreicht wird.
Tja, und deshalb hoffe ich ihr freut euch jetzt auch über meine ausführliche Rückkopplung.
@Glaukos
Ich nehme dir überhaupt nichts übel. Kritik bringt mich weiter. Ich schätze deine Meinung auch nicht etwa weniger weil dir der Text wesentlich schlechter gefallen hat als den Anderen.
Auch wenn ich nicht alles so sehe wie du. Im Einzelnen sehe ich deine kritischen Anmerkungen so:
- genereller Punkt: Kommafehler- ich setze die Kommas immer nach Gefühl. Leider. Da muss ich dran arbeiten und mich mit den Regeln endlich intensiv auseinandersetzen. Danke für die Verbesserungen.
- zu umständlich erzählt – sehe ich in einigen Punkten auch so, gehe ich gleich bei den von dir angeführten Punkten drauf ein.
- Text nicht für die Leser geschrieben, sondern vorwiegend für mich selbst – könnte ich mir durch Verweise auf die Anderen einfach machen und ablehnen, aber da ist ein wahrer Kern dran. Doch vielleicht anders als du meintest. Da ich lange nicht mehr schrieb ging es mir erstmal darum überhaupt was zu schreiben.
- Ersetzung von rhetorisch mit dem lässigen Unterton eines Wissenden
durch lässig – stimmt, lässig würde denselben Inhalt transportieren. Wäre eine sinnvolle Sparmaßnahme.
- wandte sich ihm zu rauslassen – kann man einsparen, finde ich aber nicht besonders störend.
- die meisten Tutoren – möchte ich meisten drin lassen. Eben nicht alle Tutoren, sondern die meisten.
- um mich herum – richtig, ist überflüssig.
- geblähter Passus vom Melden-oder-Nichtmelden – erfüllt eine Funktion im Text, aber vielleicht zu umständlich gemacht.
- Niklas grinste kurz – kurz kann weg, finde ich jedoch abermals nicht besonders störend, ähnlich wie bei wandte sich ihm zu
- und betont locker – betont erfüllt eine Funktion im Text. Muss drin bleiben.
- genereller Punkt: kopfbetonter Stil – schwierig, Setting zwingt das natürlich wirklich etwas auf. Ich finde wenn etwas kopfbetont, dann bei einer Geschichte diesen Inhalts. Ist wohl Geschmackssache.
- Größenangabe circa 160 cm ungenau-genau – na ja, ich habe Julia nicht gemessen. Daher kann man, finde ich, das circa hier verzeihen.
- Piercings lieber in der Zunge und in den Lippen – stimmt einerseits, anderseits erschien mir das dann bei den Augenbrauen irgendiwe notwendig auch in zu schreiben was sich doof anhört. Mal schauen.
- Dekollete - Kritik – nein, so ein Wort konnte ich für Julia einfach nicht benutzen. Außerdem sind die Dekolletes die ich kenne meist Bestandteil wunderbarer Kostüme und nicht abgeschnittener T-Shirts. Kann mich aber irren.
- mit Edding aufgemalten Sprüchen– kann raus, gut erkannt, ist eh klar womit man auf Lederjacken malt.
- dominierte statt war eindeutig dominierend – schwierig, die ganze Schilderung Julias müsste etwas anders sein, dann käme es vielleicht gar nicht zu diesem Punkt (siehe später Rückkopplung razorback).
- Ich ertappte mich dabei meine Frage an sie diesmal nach der Sitzung nicht mehr zurückhalten zu können – stimmt, kann man bestimmt einfacher und prägnanter formulieren.
- welch schwaches Licht – schwierig, schwach hat hier eine Funktion, wäre die Frage ob man das auch so erkennt. Werde drüber nachdenken.
- bemühte mich sehr um einen beiläufigen Tonfall – sehr kann raus, in der Tat.
- Unsicherheit der Ichfigur anders schildern; bemühte sich, ertappte sich stößt ab – hmmm, zur gewollten Identifikation des Lesers mit dem LI sag ich jetzt nichts, das kann ich schlecht erklären, sorry, hatte allerdings nicht gedacht dass die Beispiele die du nanntest den Leser vor einer Identifikation abschrecken. Muss ich auch noch mal reflektieren.
- Alternativvorschlag fürs LI mit Absatzschilderung dass er ein Mädchen ganz toll findet – bin ich eindeutig anderer Meinung. Das würde der Geschichte (glaube ich) viel von ihrem vielleicht vorhandenen Reiz nehmen.
- kann man sich in sich gekehrt verhalten? - hmm, also man kann sich so verhalten dass es aussieht als sei man in sich gekehrt. Aber ist das dann in sich gekehrt verhalten? Vielleicht sollte ich hier verhalten von in sich gekehrt trennen. Denn das in sich gekehrt ist mir wichtig.
- der ich auch immer schlecht in Mathe gewesen war - viel zu umständlich formuliert, kein Widerspruch.
- Alternativvorschläge Mathenull, Matheversager – wäre mir an dieser Stelle noch zu flapsig
- langsam aber sicher begannen – ist eine blöde Floskel. Dass das langsam geschieht kann sich der Leser auch so denken , aber sicher ist sowieso völlig überflüssig.
- unser Denken umstellten - statt unser Denken umzustellen – gute Idee, guter Alternativvorschlag.
- gestalteten statt zu gestaltenzu gestalten – ich finde gestalteten hört sich fürchterlich an, zu gestalten etwas besser. Wohl Geschmackssache.
- Fast alle machten munter mit, und wer nicht mitmachte hörte wenigstens in offizieller Haltung zu und lachte offiziell, wenngleich mit der verschüchterten Beimischung des Ausgeschlossenen. - also diesen meinen Satz mag ich. Aber die Formulierung ist wirklich umständlich. Mal schauen, vielleicht kriege ich es einfacher hin.
Auf jeden Fall hast du dir für deine Textarbeit noch mal ein dickes Danke von mir verdient.
Gerne beim nächsten Mal wieder, wenn du magst.
Ab jetzt wirds mir etwas schwerer fallen was zu schreiben denn für das viele Lob kann ich mich eigentlich nur bedanken. Hervorheben möchte ich vielleicht aber doch dass mich besonders freut dass die Pointe des Textes solchen Anklang gefunden hat.
@Dirk
Danke für das ewige Nerven und das Lob für die Geschichte. B-)
Es freut mich, dass dir die Geschichte gefällt. Hoffe in Zukunft weitere Geschichten zu schreiben die dir (und vielleicht auch anderen) gefallen. Ansonsten nervst du mich halt wieder.
@razorback
Auch dir danke fürs Lob.
Ich springe mal gleich zu deinem „Aber“:
Erstmal fand ich’s cool dich und deine Frau zu einer Logik-Diskussion animiert zu haben. Da war es mir ja schon fast egal, dass du meine Geschichte erstmal beiseite gelegt hast.
Aber der Punkt den du machst (ich spiele zuviel) und den ja auch Silentium bestätigt ist natürlich wichtig. So sehr ich mich auch darüber freuen kann anregendes Gedankenfutter geliefert zu haben, die Geschichte ist ja eigentlich in erster Linie zum Lesen da und einer ihrer Nebenstränge – nicht ihrer Hauptstränge – soll es sein dem Leser die formale Logik etwas näher zu bringen. Gerade bei Nicht-Logikern, die daran kein Interesse haben, ist das natürlich heikel für die Geschichte.
Du bringst es auf den Punkt indem du schreibst…
Dein Alternativvorschlag die Spiele stärker in Handlungselemente einzubauen ist ein sehr guter, leider werde ich ihn wahrscheinlich nicht umsetzen, da ich dazu der Geschichte noch etwas hinzufügen müsste. Und irgendwie traue ich mich das bei der ersten Geschichte nach langer Zeit noch nicht. Nimms mir also nicht übel, wenn ich’s nicht mache, obwohl ich dir absolut recht gebe in diesem Punkt.
Zu Julia: Auch hier stimmt wohl was du gesagt hat. Hier hätte ich dem Leser etwas mehr eigene Phantasie zugestehen sollen. Und natürlich birgt diese - wirklich unbeabsichtigte - Sterotypisierung, die mir aber hätte auffalen müssen, die von dir angesprochnenen Gefahren. Da es hier nur um Kürzungen und leichte Veränderungen geht werde ich die Beschreibungen wahrscheinlich etwas in die von dir benannte Richtung verändern.
Zu den anderen Figuren und ihrer Blassheit: Auch hier lag für mich noch eine Grenze, die es bei den nächsten Geschichten Stück für Stück zu überwinden gilt. Selbst wenn die Nebenfiguren natürlich nicht im Vordergrund stehen, sie wirken wirklich etwas sehr blass, stimmt.
@Silentium
Danke auch dir. Und…
…na klar gibt es solche Bücher. Meine Top-Empfehlung lautet „Einführung in die Logik“ von Ali Behboud, 1994. Auf deutsch geschrieben - gibt übrigens außerordentlich viel englischsprachige Literatur diesbezüglich, aber ich kann wegen meines schlechten Englisch nicht beurteilen wie gut sie ist. Hier immer wieder genannt wird in Seminaren der werte Herr Lemmon mit seinem Werk „Beginning Logic -, sehr lesbar, mit verständlichen, einfachen Beispielen. Junkorenlogik und Quantorenlogik – feinster Stoff also.
So, ich werde den Text jetzt erst mal drei Wochen weg legen um ein bisschen Distanz zu ihm zu kriegen. Dann werde ich vorsichtig verbessern. Vielleicht nicht alle Sachen die verbesserungswürdig sind, aber einige. Ich werde dann diese Fassung hier einstellen. Wenn sich das so bei meinen nächsten Geschichten bewährt werde ichs immer so machen.
Es grüßt gutgelaunt der heute Abend (etwas sehr?) ausführliche
Ham
zuerst einmal euch allen ein dickes Dankeschön. Ich habe mich riesig darüber gefreut in so kurzer Zeit so viele Reaktionen hervorzurufen. Ich habe mich in meiner Rolle als Kritiker immer sehr gefreut, wenn der/die Autor/in zu meiner Kritik Stellung genommen hat. Einfach weil erst durch die Rückkopplung des Autors das gegenseitige Geben und Nehmen im Sprechen über den Text erreicht wird.
Tja, und deshalb hoffe ich ihr freut euch jetzt auch über meine ausführliche Rückkopplung.
@Glaukos
Ich nehme dir überhaupt nichts übel. Kritik bringt mich weiter. Ich schätze deine Meinung auch nicht etwa weniger weil dir der Text wesentlich schlechter gefallen hat als den Anderen.
Auch wenn ich nicht alles so sehe wie du. Im Einzelnen sehe ich deine kritischen Anmerkungen so:
- genereller Punkt: Kommafehler- ich setze die Kommas immer nach Gefühl. Leider. Da muss ich dran arbeiten und mich mit den Regeln endlich intensiv auseinandersetzen. Danke für die Verbesserungen.
- zu umständlich erzählt – sehe ich in einigen Punkten auch so, gehe ich gleich bei den von dir angeführten Punkten drauf ein.
- Text nicht für die Leser geschrieben, sondern vorwiegend für mich selbst – könnte ich mir durch Verweise auf die Anderen einfach machen und ablehnen, aber da ist ein wahrer Kern dran. Doch vielleicht anders als du meintest. Da ich lange nicht mehr schrieb ging es mir erstmal darum überhaupt was zu schreiben.
- Ersetzung von rhetorisch mit dem lässigen Unterton eines Wissenden
durch lässig – stimmt, lässig würde denselben Inhalt transportieren. Wäre eine sinnvolle Sparmaßnahme.
- wandte sich ihm zu rauslassen – kann man einsparen, finde ich aber nicht besonders störend.
- die meisten Tutoren – möchte ich meisten drin lassen. Eben nicht alle Tutoren, sondern die meisten.
- um mich herum – richtig, ist überflüssig.
- geblähter Passus vom Melden-oder-Nichtmelden – erfüllt eine Funktion im Text, aber vielleicht zu umständlich gemacht.
- Niklas grinste kurz – kurz kann weg, finde ich jedoch abermals nicht besonders störend, ähnlich wie bei wandte sich ihm zu
- und betont locker – betont erfüllt eine Funktion im Text. Muss drin bleiben.
- genereller Punkt: kopfbetonter Stil – schwierig, Setting zwingt das natürlich wirklich etwas auf. Ich finde wenn etwas kopfbetont, dann bei einer Geschichte diesen Inhalts. Ist wohl Geschmackssache.
- Größenangabe circa 160 cm ungenau-genau – na ja, ich habe Julia nicht gemessen. Daher kann man, finde ich, das circa hier verzeihen.
- Piercings lieber in der Zunge und in den Lippen – stimmt einerseits, anderseits erschien mir das dann bei den Augenbrauen irgendiwe notwendig auch in zu schreiben was sich doof anhört. Mal schauen.
- Dekollete - Kritik – nein, so ein Wort konnte ich für Julia einfach nicht benutzen. Außerdem sind die Dekolletes die ich kenne meist Bestandteil wunderbarer Kostüme und nicht abgeschnittener T-Shirts. Kann mich aber irren.
- mit Edding aufgemalten Sprüchen– kann raus, gut erkannt, ist eh klar womit man auf Lederjacken malt.
- dominierte statt war eindeutig dominierend – schwierig, die ganze Schilderung Julias müsste etwas anders sein, dann käme es vielleicht gar nicht zu diesem Punkt (siehe später Rückkopplung razorback).
- Ich ertappte mich dabei meine Frage an sie diesmal nach der Sitzung nicht mehr zurückhalten zu können – stimmt, kann man bestimmt einfacher und prägnanter formulieren.
- welch schwaches Licht – schwierig, schwach hat hier eine Funktion, wäre die Frage ob man das auch so erkennt. Werde drüber nachdenken.
- bemühte mich sehr um einen beiläufigen Tonfall – sehr kann raus, in der Tat.
- Unsicherheit der Ichfigur anders schildern; bemühte sich, ertappte sich stößt ab – hmmm, zur gewollten Identifikation des Lesers mit dem LI sag ich jetzt nichts, das kann ich schlecht erklären, sorry, hatte allerdings nicht gedacht dass die Beispiele die du nanntest den Leser vor einer Identifikation abschrecken. Muss ich auch noch mal reflektieren.
- Alternativvorschlag fürs LI mit Absatzschilderung dass er ein Mädchen ganz toll findet – bin ich eindeutig anderer Meinung. Das würde der Geschichte (glaube ich) viel von ihrem vielleicht vorhandenen Reiz nehmen.
- kann man sich in sich gekehrt verhalten? - hmm, also man kann sich so verhalten dass es aussieht als sei man in sich gekehrt. Aber ist das dann in sich gekehrt verhalten? Vielleicht sollte ich hier verhalten von in sich gekehrt trennen. Denn das in sich gekehrt ist mir wichtig.
- der ich auch immer schlecht in Mathe gewesen war - viel zu umständlich formuliert, kein Widerspruch.
- Alternativvorschläge Mathenull, Matheversager – wäre mir an dieser Stelle noch zu flapsig
- langsam aber sicher begannen – ist eine blöde Floskel. Dass das langsam geschieht kann sich der Leser auch so denken , aber sicher ist sowieso völlig überflüssig.
- unser Denken umstellten - statt unser Denken umzustellen – gute Idee, guter Alternativvorschlag.
- gestalteten statt zu gestaltenzu gestalten – ich finde gestalteten hört sich fürchterlich an, zu gestalten etwas besser. Wohl Geschmackssache.
- Fast alle machten munter mit, und wer nicht mitmachte hörte wenigstens in offizieller Haltung zu und lachte offiziell, wenngleich mit der verschüchterten Beimischung des Ausgeschlossenen. - also diesen meinen Satz mag ich. Aber die Formulierung ist wirklich umständlich. Mal schauen, vielleicht kriege ich es einfacher hin.
Auf jeden Fall hast du dir für deine Textarbeit noch mal ein dickes Danke von mir verdient.
Gerne beim nächsten Mal wieder, wenn du magst.
Ab jetzt wirds mir etwas schwerer fallen was zu schreiben denn für das viele Lob kann ich mich eigentlich nur bedanken. Hervorheben möchte ich vielleicht aber doch dass mich besonders freut dass die Pointe des Textes solchen Anklang gefunden hat.
@Dirk
Danke für das ewige Nerven und das Lob für die Geschichte. B-)
Es freut mich, dass dir die Geschichte gefällt. Hoffe in Zukunft weitere Geschichten zu schreiben die dir (und vielleicht auch anderen) gefallen. Ansonsten nervst du mich halt wieder.
@razorback
Auch dir danke fürs Lob.
Ich springe mal gleich zu deinem „Aber“:
Erstmal fand ich’s cool dich und deine Frau zu einer Logik-Diskussion animiert zu haben. Da war es mir ja schon fast egal, dass du meine Geschichte erstmal beiseite gelegt hast.
Aber der Punkt den du machst (ich spiele zuviel) und den ja auch Silentium bestätigt ist natürlich wichtig. So sehr ich mich auch darüber freuen kann anregendes Gedankenfutter geliefert zu haben, die Geschichte ist ja eigentlich in erster Linie zum Lesen da und einer ihrer Nebenstränge – nicht ihrer Hauptstränge – soll es sein dem Leser die formale Logik etwas näher zu bringen. Gerade bei Nicht-Logikern, die daran kein Interesse haben, ist das natürlich heikel für die Geschichte.
Du bringst es auf den Punkt indem du schreibst…
Du spielst hier zuviel, und alles Erklären der Spielregeln hilft nicht. Wer das Spiel nicht kennt oder mag, kann dennoch nicht mitspielen, wer es kennt und mag, erinnert sich lieber an eigene Spiele, als Dir bei Deinen zuzusehen.
Dein Alternativvorschlag die Spiele stärker in Handlungselemente einzubauen ist ein sehr guter, leider werde ich ihn wahrscheinlich nicht umsetzen, da ich dazu der Geschichte noch etwas hinzufügen müsste. Und irgendwie traue ich mich das bei der ersten Geschichte nach langer Zeit noch nicht. Nimms mir also nicht übel, wenn ich’s nicht mache, obwohl ich dir absolut recht gebe in diesem Punkt.
Zu Julia: Auch hier stimmt wohl was du gesagt hat. Hier hätte ich dem Leser etwas mehr eigene Phantasie zugestehen sollen. Und natürlich birgt diese - wirklich unbeabsichtigte - Sterotypisierung, die mir aber hätte auffalen müssen, die von dir angesprochnenen Gefahren. Da es hier nur um Kürzungen und leichte Veränderungen geht werde ich die Beschreibungen wahrscheinlich etwas in die von dir benannte Richtung verändern.
Zu den anderen Figuren und ihrer Blassheit: Auch hier lag für mich noch eine Grenze, die es bei den nächsten Geschichten Stück für Stück zu überwinden gilt. Selbst wenn die Nebenfiguren natürlich nicht im Vordergrund stehen, sie wirken wirklich etwas sehr blass, stimmt.
@Silentium
Danke auch dir. Und…
gibt's da Bücher, die die Grundlagen von diesem Hirnjonglieren erklären, die man auch ohne Studium überreißt?)
…na klar gibt es solche Bücher. Meine Top-Empfehlung lautet „Einführung in die Logik“ von Ali Behboud, 1994. Auf deutsch geschrieben - gibt übrigens außerordentlich viel englischsprachige Literatur diesbezüglich, aber ich kann wegen meines schlechten Englisch nicht beurteilen wie gut sie ist. Hier immer wieder genannt wird in Seminaren der werte Herr Lemmon mit seinem Werk „Beginning Logic -, sehr lesbar, mit verständlichen, einfachen Beispielen. Junkorenlogik und Quantorenlogik – feinster Stoff also.
So, ich werde den Text jetzt erst mal drei Wochen weg legen um ein bisschen Distanz zu ihm zu kriegen. Dann werde ich vorsichtig verbessern. Vielleicht nicht alle Sachen die verbesserungswürdig sind, aber einige. Ich werde dann diese Fassung hier einstellen. Wenn sich das so bei meinen nächsten Geschichten bewährt werde ichs immer so machen.
Es grüßt gutgelaunt der heute Abend (etwas sehr?) ausführliche
Ham
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)
Re: Wittgensteins legitime Erbin
Dein Alternativvorschlag die Spiele stärker in Handlungselemente einzubauen ist ein sehr guter, leider werde ich ihn wahrscheinlich nicht umsetzen, da ich dazu der Geschichte noch etwas hinzufügen müsste. Und irgendwie traue ich mich das bei der ersten Geschichte nach langer Zeit noch nicht. Nimms mir also nicht übel, wenn ich’s nicht mache, obwohl ich dir absolut recht gebe in diesem Punkt.
Übel nehme ich Dir gar nichts, ist schließlich Deine Geschichte. Aber das mit dem "ich trau mich nicht" solltest Du überdenken. Du schreibst (siehe oben) ziemlich gut. Deine Fähigkeiten reichen zum Überarbeiten Deiner eigenen Geschichte (und Überarbeiten muß ja nicht kürzen heissen) ganz sicher aus.
Da es hier nur um Kürzungen und leichte Veränderungen geht werde ich die Beschreibungen wahrscheinlich etwas in die von dir benannte Richtung verändern.
WENN es hier nur um Kürzungen geht, DANN kannst Du NICHT ausbauen.
Klar. Verlasse die Formallogik, verifiziere P . :-p
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Wittgensteins legitime Erbin
Lieber Hamburger,
schön, dass es dir etwas genützt hat!
Ich meinte auch nicht, dass du den Text knüllen und wegwerfen solltest, um ihn nochmal neu zu schreiben, sonst hätte ich auch nicht so viele Anmerkungen darin gemacht
Aber manchmal hilft es einem, dass man erkennt, was man für sich selbst schreibt, um sich die geschilderte Situation auszumalen, und was man für den Leser schreibt.
Ich wusste nicht, dass es ein Neuversuch im Schreiben nach langer Zeit war, sonst hätte ich mich auch höflicher ausgedrückt ...
Nur zwei-drei kurze Anmerkungen zu deinen Anmerkungen zu meinen Anmerkungen:
Dass das Mädel "etwa 160 cm" groß ist, finde ich zu detailverliebt. Es reicht doch, wenn man schreibst, sie war klein. Okay, jetzt lynchen mich die Frauen, die 160 sind, und sagen, erst unter 155 ist man klein
Das lässt mich noch etwas anmerken: Du schreibst oft recht genau Uhrzeit, Hörsaal, Datum mit hinein. Das wirkt für mich weniger literarisch als feuilletonistisch oder gar journalistisch. Je mehr solche Zahlen im Text sind, umso unliterarischer ist er für mich. Ich weiß, dir gehts ja darum, von Logik zu schreiben. Und Zahlen und Logik sind sich ja eng verwandt ... dennoch fühle ich mich durch solche Angaben von konkreten Räumen oder Zeiten als Leser erstmal ausgeschlossen. Eigentlich wollte ich als Leser, der Identifikation und Hineinfühlung sucht, mit in dem Raum sitzen, aber durch die genaue Angabe kann ich es nicht.
Das geht mir auch mit endlosen Schilderungen von Szenerien. Anstelle etwa eine tolle Landschaft zu sehen, seh ich gar nix mehr, nur noch Anweisungen des Autors, was ich zu sehen habe ... wenn ich circa 160 cm höre, dann versuche ich mir vorzustellen, was ist circa 160 Höhe? Wie hoch war eigentlich die X, oder die Y? Meine Mutter ist 164? Oder 162?
So geht das dann, und führt mich vom Text nach irgendwohin.
(Ich denke mir gerade eine Matheaufgabe für Mathegenien: Julias Körperhöhe wird in Quadratzentimetern gemessen ... ziehe nun die Quadratwurzel aus ihrer Körperhöhe, welche Seitenlänge hat dann das Juliaquadrat?
)
Dann das Dekollete. Ich bilde mir ein, es beschreibt das, was freibleibt. Man verwendet es gerne bei Kleidern, aber an sich beschreibt es nur das Stück Haut zwischen Hals und Brust. Du, wie ich bei nochmaligen Lesen erfasst hab, beschreibst ja die untere Partie. Ich hatte mich nur gestört, dass sie ihr Shirt knapp ÜBER den Brüsten abschneidet. Eigentlich ist es ja UNTER den Brüsten.
Okay, jeder weiß, was gemeint ist. Aber ganz klar formuliert ist es doch nicht, jedenfalls für einen Pedanten wie mich
Hab ein schönes Wochenende!
Beste Grüße
Tolya
schön, dass es dir etwas genützt hat!
Ich meinte auch nicht, dass du den Text knüllen und wegwerfen solltest, um ihn nochmal neu zu schreiben, sonst hätte ich auch nicht so viele Anmerkungen darin gemacht
Aber manchmal hilft es einem, dass man erkennt, was man für sich selbst schreibt, um sich die geschilderte Situation auszumalen, und was man für den Leser schreibt.
Ich wusste nicht, dass es ein Neuversuch im Schreiben nach langer Zeit war, sonst hätte ich mich auch höflicher ausgedrückt ...
Nur zwei-drei kurze Anmerkungen zu deinen Anmerkungen zu meinen Anmerkungen:
Dass das Mädel "etwa 160 cm" groß ist, finde ich zu detailverliebt. Es reicht doch, wenn man schreibst, sie war klein. Okay, jetzt lynchen mich die Frauen, die 160 sind, und sagen, erst unter 155 ist man klein
Das lässt mich noch etwas anmerken: Du schreibst oft recht genau Uhrzeit, Hörsaal, Datum mit hinein. Das wirkt für mich weniger literarisch als feuilletonistisch oder gar journalistisch. Je mehr solche Zahlen im Text sind, umso unliterarischer ist er für mich. Ich weiß, dir gehts ja darum, von Logik zu schreiben. Und Zahlen und Logik sind sich ja eng verwandt ... dennoch fühle ich mich durch solche Angaben von konkreten Räumen oder Zeiten als Leser erstmal ausgeschlossen. Eigentlich wollte ich als Leser, der Identifikation und Hineinfühlung sucht, mit in dem Raum sitzen, aber durch die genaue Angabe kann ich es nicht.
Das geht mir auch mit endlosen Schilderungen von Szenerien. Anstelle etwa eine tolle Landschaft zu sehen, seh ich gar nix mehr, nur noch Anweisungen des Autors, was ich zu sehen habe ... wenn ich circa 160 cm höre, dann versuche ich mir vorzustellen, was ist circa 160 Höhe? Wie hoch war eigentlich die X, oder die Y? Meine Mutter ist 164? Oder 162?
(Ich denke mir gerade eine Matheaufgabe für Mathegenien: Julias Körperhöhe wird in Quadratzentimetern gemessen ... ziehe nun die Quadratwurzel aus ihrer Körperhöhe, welche Seitenlänge hat dann das Juliaquadrat?
Dann das Dekollete. Ich bilde mir ein, es beschreibt das, was freibleibt. Man verwendet es gerne bei Kleidern, aber an sich beschreibt es nur das Stück Haut zwischen Hals und Brust. Du, wie ich bei nochmaligen Lesen erfasst hab, beschreibst ja die untere Partie. Ich hatte mich nur gestört, dass sie ihr Shirt knapp ÜBER den Brüsten abschneidet. Eigentlich ist es ja UNTER den Brüsten.
Okay, jeder weiß, was gemeint ist. Aber ganz klar formuliert ist es doch nicht, jedenfalls für einen Pedanten wie mich
Hab ein schönes Wochenende!
Beste Grüße
Tolya
Re: Wittgensteins legitime Erbin
Hi Ham,
insgesamt gefällt mir der Text wirklich gut. Warum? Weil ich ihn gerne gelesen habe. Warum ich ihn gerne gelesen habe? Weil ich ihn spannend fand. Warum ich ihn spannend fand? Weil ich wissen wollte, wohin all die Logik führt.
Für mich lebt der Text aus dem Konflikt zwischen formaler Logik und der direkten Erfahrung. Das Interessante daran ist, dass der Erzähler sich zunehmend bemüht, die Welt logisch zu strukturieren. Manchmal ist es ein Spiel und manchmal die Kompensation von Unbeholfenheit wie in den Begegnungen mit Julia.
Wie gesagt, ich finde den Text gut, allerdings solltest Du ihn nochmal überarbeiten. Meine Kritikpunkte:
* Manchmal umständliche Formulierungen. Chaos bei der Komma-Setzung.
* Ich würde noch einen stärkeren Schwerpunkt auf die direkten Begegnungen mit Julia legen. Die kommen insgesamt fast ein bisschen kurz. Dafür gibt's andere Stellen, die Du kürzen könntest.
* "Damit war alles gesagt." Unnötiger Satz am Schluß. Auch scheint mir Julias Aufhängen am Schluß als zu theatralische Geste. Würde einen sanfteren Abgang empfehlen.
Gruß
Spider
insgesamt gefällt mir der Text wirklich gut. Warum? Weil ich ihn gerne gelesen habe. Warum ich ihn gerne gelesen habe? Weil ich ihn spannend fand. Warum ich ihn spannend fand? Weil ich wissen wollte, wohin all die Logik führt.
Für mich lebt der Text aus dem Konflikt zwischen formaler Logik und der direkten Erfahrung. Das Interessante daran ist, dass der Erzähler sich zunehmend bemüht, die Welt logisch zu strukturieren. Manchmal ist es ein Spiel und manchmal die Kompensation von Unbeholfenheit wie in den Begegnungen mit Julia.
Wie gesagt, ich finde den Text gut, allerdings solltest Du ihn nochmal überarbeiten. Meine Kritikpunkte:
* Manchmal umständliche Formulierungen. Chaos bei der Komma-Setzung.
* Ich würde noch einen stärkeren Schwerpunkt auf die direkten Begegnungen mit Julia legen. Die kommen insgesamt fast ein bisschen kurz. Dafür gibt's andere Stellen, die Du kürzen könntest.
* "Damit war alles gesagt." Unnötiger Satz am Schluß. Auch scheint mir Julias Aufhängen am Schluß als zu theatralische Geste. Würde einen sanfteren Abgang empfehlen.
Gruß
Spider
Die nette Lyrik-Spinne von nebenan!
Re: Wittgensteins legitime Erbin
Kommentar zum Spiderkommentar:
Sag ich doch! :beatnicker:
Yep!
NEE! 8-o Völlig nötiger Satz, finde ich. Gerade weil doch vorher so viel gesagt wird.
Die kommen insgesamt fast ein bisschen kurz. Dafür gibt's andere Stellen, die Du kürzen könntest.
Sag ich doch! :beatnicker:
Auch scheint mir Julias Aufhängen am Schluß als zu theatralische Geste.
Yep!
"Damit war alles gesagt." Unnötiger Satz am Schluß.
NEE! 8-o Völlig nötiger Satz, finde ich. Gerade weil doch vorher so viel gesagt wird.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Wittgensteins legitime Erbin
Guten morgen,
nochmal ein zweites Dankeschön. Werde schauen was ich von den weiteren Kommentaren noch einfließen lassen kann. Aber es wird, wie gesagt, wahrscheinlich eine sehr vorsichtige, behutsame Änderung werden.
@Glaukos
Hihi, weltklasse Anmerkung.
@razorback
Jetzt wird mir erst so richtig klar was ich mir für künftige Diskussionen mit dir durch diesen Text eingebrockt habe
Aber warte, bald beschäftige ich mich mit Modallogik, wirst schon sehen :-p
@Spider
Schön gesagt. Freut mich.
So, nun aber flugs und ohne Unterlass zur Kommentierung der neuen Texte von Edekire und Chandler.
Nochmals liebe Grüße,
Ham
nochmal ein zweites Dankeschön. Werde schauen was ich von den weiteren Kommentaren noch einfließen lassen kann. Aber es wird, wie gesagt, wahrscheinlich eine sehr vorsichtige, behutsame Änderung werden.
@Glaukos
(Ich denke mir gerade eine Matheaufgabe für Mathegenien: Julias Körperhöhe wird in Quadratzentimetern gemessen ... ziehe nun die Quadratwurzel aus ihrer Körperhöhe, welche Seitenlänge hat dann das Juliaquadrat?)
Hihi, weltklasse Anmerkung.
@razorback
WENN es hier nur um Kürzungen geht, DANN kannst Du NICHT ausbauen.![]()
Klar. Verlasse die Formallogik, verifiziere P . :-p
Jetzt wird mir erst so richtig klar was ich mir für künftige Diskussionen mit dir durch diesen Text eingebrockt habe
Aber warte, bald beschäftige ich mich mit Modallogik, wirst schon sehen :-p
@Spider
Für mich lebt der Text aus dem Konflikt zwischen formaler Logik und der direkten Erfahrung.
Schön gesagt. Freut mich.
So, nun aber flugs und ohne Unterlass zur Kommentierung der neuen Texte von Edekire und Chandler.
Nochmals liebe Grüße,
Ham
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 10 Gäste