Todesnachricht

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Silentium
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Re: Todesnachricht

Beitragvon Silentium » 25.05.2005, 16:54

Logisch - sobald sie Busch gewählt haben, hängen sie mit drin... außerdem hab ich nie behauptet, dass religiöse Serienkiller unbedingt katholisch sein müssen... :-D
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
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charis
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Re: Todesnachricht

Beitragvon charis » 31.05.2005, 13:59

Logisch - sobald sie Busch gewählt haben, hängen sie mit drin...


welchen Busch? Brennenden Dornbusch? Da hängt man sicher gut drin... :-D

( :-& sorry, das war einfach aufgelegt... ;-) )

Silentium
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Re: Todesnachricht

Beitragvon Silentium » 09.04.2006, 23:08

Vor fast nem Jahr hab ich versprochen, das ich probier, es aufzufetten. Nur bin ich jetzt nicht sicher, ob's funktioniert hat.




Todesnachricht

Wir sehen nur eine Tür, die verlassen in der Gegend herumsteht, samt Klingel und Lichtschalter. Davor Bürgel in Polizeiuniform. Er klingelt, Walter Woldrich macht auf.

Bürgel: Gruppeninspektor Bürgel vom Gemeindeposten Handensdorf. Sie sind Walter Woldrich?
Walter: Tag. Hab ich einen Strafzettel oder wie kann ich Ihnen…?
Bürgel: Ihre Frau.
Walter: Meine Frau? Weil meine Frau einen Strafzettel bekommt, steht die Polizei vor der Tür?
Bürgel: Sie kennen sicher die Kurve hinter dem Pestmarterl am Ortsrand. Ihre Frau Gemahlin ist dort mit ihrem Personenl
kraftwagen von der Straße abgekommen. Das Auto hat sich zweimal überschlagen und hat dann seitlich einen Baum gerammt. Wir vermuteten Sekundenschlaf. Ich komme gerade von der Unfallstelle und …
Walter: Und…? Was ist mit…
Bürgel: Ihre Frau hat es nicht überlebt. Es tut mir leid.

Er drückt den Klingelknopf, etwas klickt, die Szene erstarrt. Bürgel wendet sich lässig zum Publikum um.

Bürgel: Hat das jetzt zu hölzern gewirkt? Bei Todesnachrichten ist das immer so eine Sache. Fällt man gleich mit der Tür ins Haus oder bereitet man langsam drauf vor? Ist Mitgefühl gut oder kommt Sachlichkeit besser an, quasi der österreichische Beamte als Fels in der Brandung, als ungerührter Fixpunkt in einem privaten Weltuntergang? Momentan bin ich noch dabei, meine Methode zu perfektionieren. Man experimentiert halt ein bisschen herum, versucht mal diese Tonlage, mal jene Einleitung, aber das meiste hängt dann doch vom Gesprächspartner ab. Das ist die ganz heiße Frage, wie der reagiert. Im Fernsehen schreien sie meist voll Inbrunst den Namen des Schrägstrich der Toten hinaus und, wenn’s denn ein amerikanischer Film ist, hängen sie noch ein Mein Gott hintendran. Sehr schön ist auch die Variante, wo sie einfach zusammenbrechen, sich mit den Fingern ans Herz krallen wie Infarktpatienten und Nein, das kann nicht sein! brüllen, oder, noch eleganter, einfach nur Nein! Was da für Emotionen in diesem Urschrei mitschwingt, also, ich bewundere das immer. Aber das ist halt Fernsehen, normalerweise plärren die Leute nicht so unziemlich.
Wenn Sie wollen, können Sie jetzt untereinander Wetten darauf abschließen, was dieses Bürschchen hier sagen wird.

Kurze Pause.

Alle Einsätze gesetzt? Perfekt.

Er klingelt erneut, Walter beginnt sich wieder zu rühren. Wobei er allerdings nicht besonders viel tut, er stützt sich nur mit einer Hand am Türrahmen ab und ist wortlos entsetzt. Bürgel lässt die Szene erneut [i]Erstarren. Er studiert Walters Mine. [/i]

Die Herrschaften, die auf Wortloses Entsetzen getippt haben, können jetzt ihren Gewinn einstreichen. Ich weißnicht, wie die Quoten für Verzweifelte Ungläubigkeit stehen, aber davon ist auch ein bisschen da. Wenn Sie genau hinschauen, dort im linken Augenwinkel, ein bisschen seitlich der Iris. Ja, definitiv Ungläubigkeit. Als nächstes dürfte er dann aber wirklich was sagen, vielleicht sogar was angemessen Fernsehmäßiges. Wie? fände ich gut, da kann man sich dann so schön über den Unfallhergang auslassen. Vor wirklich interessiertem Publikum, quasi.

Mir ist natürlich klar, wie das hier alles auf sie wirken muss. Ein Polizist klingelt an einer Tür und überbringt einem jung Verheirateten die traurige Nachricht, dass er jetzt ein jung Verwitweter ist, verkehrsunfallbedingt. Während das sicherlich tragisch und traurig und tränendrüsendrückend ist, ist es doch eine zutiefst alltägliche, ja, eine geradezu banale Situation, die sich tausende Male schon wiederholt hat.

Allerdings wage ich, mit nicht allzu geringem Stolz, zu behaupten, dass kaum jemand schlechte Nachrichten mit solcher Eleganz überbringt, wie ich. Nun, ich vermute, dass das in Ihren Ohren jetzt leicht präpotent klingt, geradezu überheblich, aber wenn sie jemals einen Experten für das Überbringen einer Todesnachricht brauchen, dann wenden sie sich, bitte schön, vertrauensvoll an mich. Jeder braucht ein Hobby, seine kleinen Exzentrizität. Andere Leute mähen den Rasen oder sammeln schlechte Bibelverfilmungen oder sezieren Meerschweinchen oder schreiben Lateingrammatiklehrbücher – und ich finde, das ist auch ihr gutes Recht. Niemals werden sie mich dabei beobachten, wie ich einen Lateingrammatiklehrbuchautoren wegen seiner Abart diskriminiere, niemals werde ich einem passionierten Rasenmäher Zucker in den Tank schütten. Hand aufs Herz.
Manchmal überlege ich sogar, selbst ein Lehrbuch zu veröffentlichen, ein paar Geheimnisse meiner Kunst an künftige Generationen weiterzugeben. Die Kunst, das Verhältnis von verbalem Input zu emotionalen Output zu optimieren. Oder, weniger verklausuliert ausgedrückt, mit möglichst wenigen Worten möglichst großen Schaden anzurichten.
Einem jungen, hoffnungsvollen Autoren eine verheerende Kritik zu schreiben – ein Snack für zwischendurch.
Einen Geldsack im Urlaub auf Mallorca anzurufen und ihm mitzuteilen, seine Firma sei Bankrott gegangen – die Vorspeise.
Auf dem Jahreshaupttreffen der vereinigten Allergiker zu brüllen: „Mein Gott, was mach dieser Wespenschwarm hier?“ – der Hauptgang.
Aber das siebengängige Chefmenü mit Trüffelbutter auf dem Steak, Blattgold am Eis und echtem irischem Whiskey zum Abschluss – das ist eine Todesnachricht.

Zuerst suche ich zwei Menschen aus, die sich innig zugetan sind. Zwei achtzigjährige eineiige Zwillingsschwestern, die sich ihr Leben lang Kleidung, Nahrung und Männer geteilt haben. Eine alleinerziehende Mutter, deren einziges Kind gerade von einer schweren Lungenentzündung genesen ist. Am liebsten sind mir aber die frisch verheirateten Pärchen, noch vor dem ersten gröberen Ehekrach. Der Serotoninspiegel in ihrem Blut ist noch immer so niedrig, wie man ihn nur bei Verliebten und Wahnsinnigen findet, gleichzeitig haben sie aber den Übergang von Hormonvergiftung zu echter Zuneigung schon beinahe hinter sich. Sind vielleicht schon aneinander gewöhnt, sich aber noch nicht langweilig. Haben noch die Illusion, dass sie den Rest der Ewigkeit miteinander zu verbringen werden. Alleridealst wäre es natürlich, wenn die Frau schon schwanger ist, wenn Sie mir den grammatikalisch unschönen doppelten Superlativ „alleridealst“ verzeihen würden.

Wenn die Wahl getroffen ist, beobachte ich die beiden ein Weilchen. Ein, zwei Wochen, nur um herauszufinden, wer von den beiden leichter zu manipulieren ist. Beziehungsweise: wer von den beiden eher von der eigene Menschenkenntnis, die eigene Unmanipulierbarkeit überzeugt und somit anfälliger ist. Also so gut wie immer der Mann. Wenn ich an der Tür Staubsauger verkaufen würde, wäre es vielleicht anders, aber ich appelliere ja nicht an sein gutes Herz für Vertreter, sondern daran, dass er überhaupt eines hat. Für seine Frau, in diesem Fall. Wenn er dann allein zu Hause ist, werde ich in Uniform vorstellig.
Uniformen sind toll, weil sie unterstreichen, wie wichtig man ist. Wie wichtig alles ist, was ich sage, und wenn das, was ich sage, ganz und gar unwichtig ist, nun, dann ist es auch nicht wichtig, denn: Ich trage eine Uniform. Im konkreten Fall sogar eine Polizeiuniform. Ich habe einen ganzen Schrank davon zu Hause. Einmal täglich stelle ich mich davor, schaue sie mir an, wie sie da in Reih und Glied hängen, und denke mir: „Ich habe Uniformen. Ich bin wichtig.“ Und dann – nun ja, man muss bei so etwas auf die Details achten. Erlauben Sie, dass wir das noch einmal gemeinsam durchgehen, quasi die Sache genauer analysieren.

Bürgel drückt auf den Lichtknopf – die Szene spult zurück.

Bürgel: Gruppeninspektor Bürgel vom Gemeindeposten Bürzling. Sie sind Walter Woldrich?

Erstarren.

Bürgel: Nun, hier haben wir zuerst eine Situation, mit kaum ein Österreicher gerne konfrontiert wird. Die Polizei steht vor der Tür, man fragt sich vage, was man denn angestellt hat. Natürlich denkt man kurz auch an die Möglichkeit, dass etwas schlimmes passiert sein könnte, aber das Hirn schiebt diesen Gedanken schnell in eine Ecke, wedelt ihn beiseite wie unangenehmen Zigarettenrauch. Man weiß, dass der Gedanke das ist, man will ihn aber gar nicht denken, weil das, was dann in der logischen Kette folgen würde, zu viel wäre, um es ordentlich zu verarbeiten. Also nicht den Rechner mit unnötigen Daten überlasten, bis es wirklich unausweichlich ist. Kapazität sparen und von einer harmlosen Erklärung ausgehen.

Bewegung.

Walter: Tag. Hab ich einen Strafzettel oder wie kann ich Ihnen…?
Bürgel: Ihre Frau.

Erstarren.

Bürgel: Die böse Ahnung wird stärker. Schauen Sie auf die Augen! Erste wirkliche Sorge sickert in seinen Blick, breitet sich vom linken Augenwinkel langsam über die Iris aus – erst, wenn die Besorgnis die gesamte Iris ausfüllt, weitet sie sich auch auf die Pupille aus und überschattet sie. Dann zieht das Hirn die Notbremse, versucht, die Fassung zu wahren, einen Scherz daraus zu machen.

Bewegung.

Bürgel: Ihre Frau.
Walter: Meine Frau? Weil meine Frau einen Strafzettel bekommt, steht die Polizei vor der Tür?
Bürgel: Sie kennen sicher die Kurve hinter dem Pestmarterl am Ortsrand. Ihre Frau Gemahlin ist dort mit ihrem Personenlastkraftwagen von der Straße abgekommen. Das Auto hat sich zweimal überschlagen und hat dann seitlich einen Baum gerammt. Wir vermuteten Sekundenschlaf. Ich komme gerade von der Unfallstelle und …
Walter: Und…? Was ist mit…

Erstarren.

Bürgel: Sehen Sie, jetzt weiß er es schon. Ich muss es noch sagen, der Vollständigkeit halber, der Dramatik halber, der Melodramatik halber, aber er weiß es. Sehen Sie, wie er die Kiefermuskeln anspannt? Ich rede und rede und komme nicht zum entscheidenden Punkt. Die Pupille weitet sich, der Schatten, der sich schon bei der Einleitung so ästhetisch manifestiert hat, bekommt eine greifbare Intensität. Jetzt drängt er mich, aber wenn ich es schließlich ausspreche, wird er schweigen. Bis sein Hirn entschieden hat, ob das, was ich ihm sage, überhaupt wahr sein kann.

Bewegung.

Bürgel: Ihre Frau hat es nicht überlebt. Es tut mir leid.

Walter stützt sich mit der Hand am Türrahmen ab. schweigt eine halbe Minute lang. Schließlich würgt er ein einziges Wort hervor.

Walter: Wie?

Erstarren.

Bürgel: Er hat es gesagt. Putzig! Wie? Mit dieser Frage gesteht er dem Gesagten Wirklichkeit zu. Nie in seinem Leben wird er wieder so sympathisch verletzlich sein. Ich könnte ein Stückchen seiner Seele zwischen die Finger nehmen und zerreiben. Für wenige Sekunden erlaubt er mir, zwischen ihm und seiner Frau zu stehen. Ich kann, indem ich sein Gesicht lese, ein wenig teilzuhaben an der erstaunlichen Verbindung, zu der manche Tierarten fähig sind. Ein intimer Moment, ein vergnüglicher Moment. Jetzt gilt es nur noch, ihn bis zum letzten Tropfen auszuwringen. Wie viel darf ich wohl sagen, bis er mir nicht mehr glaubt? Oder: Wie viel darf ich wohl sagen, bis er der Uniform nicht mehr glaubt?

Bewegung.

Bürgel: Also, Walter, du musst wissen, dass ich dir gerne sagen würde, dass sie sofort tot war. Nur würde ich dich anlügen, Walter, und das verbietet mir mein Berufsethos.
Kein gebrochenes Genick. Keine verletzte Wirbelsäule. Keine offene Schlagader. Keine zerquetsche Lunge, wie es bei Unfällen so üblich ist.

Bei jeder aufgezählten Todesart zuckt Walter zusammen.

Bürgel: Was recht wenige Leute wissen ist, dass viele Unfallopfer, wenn es kein gebrochenes Genick, keine verletzte Wirbelsäule, keine offene Schlagader und keine zerquetschte Lunge ist, an einer Leberverletzung verbluten. Eine Eisenstange, die sich in einem Zweiundvierzig-Grad Winkel durch die Lebe gebohrt hat, reicht völlig. Man hätte sie natürlich nähen können, nur – die Feuerwehr war nicht schnell genug, hat sie nicht schnell genug aus dem Wrack geschnitten. Der Notartzt ist daneben gestanden und hat nur zusehen können. Ein paar Minuten nur… gut, dass das du nicht dort warst.

Im Hintergrund hört man leise Sirenen.
Aber nun ist Bürgel wirklich zu weit gegangen, irgendetwas ist durch den dicken Nebel aus Schock und Panik bis zu Walter durchgedrungen.


Walter: Dürfte ich… Ihren Ausweis sehen.

Erstarren.

Bürgel: Das Bemerkenswerte an der ganzen Sache ist doch die: da kann ein Wildfremder an Ihrer Haustüre auftauchen und Ihnen ohne jeden Beweiß erzählen, dass sie in Zukunft für eine Person weniger einkaufen müssen, aber misstrauisch werden Sie erst, wenn er etwas viel weniger ungewöhnliches tut: Sie duzt. „Herr Woldrich, ihre Frau ist tot“ ist unverdächtiger als „Du, Walter, was ich dir noch sagen wollte…“
Ist das nicht traurig? Sie fragen sich jetzt vielleicht, warum ich ihn dann überhaupt duze, wenn ich das arme Kerlchen damit so irritiere. Nun, ich pulverisiere hier gerade seine Privatsphäre – da kann ich ihm doch unmöglich den Schutz eines distanzieren „Sie“ lassen, oder? Wenn ich jemandem ins Hirn krieche, dann schön persönlich.

Bürgel: Ich verstehe. Du befindest dich gerade im Schock, Walter, du willst mir nicht glauben. Ich verstehe das vollkommen.

Walter: Den Ausweis – bitte.

Bürgel: Du glaubst mir wirklich nicht?

Walter: Bitte duzen Sie mich nicht.

Die Sirenen werden lauter, Blaulicht kommt dazu.

Bürgel: Mein Freund, eines sollte ich dir noch sagen.

Walter: Was?

Bürgel: Sie hat die ganze Zeit geschrieen.

Walter: Lügner.

Bürgel: Aber doch, ich lüge nicht. Ich hab sie sogar zuvor noch gesehen, im Café, wo sie immer ihre Mittagspausen verbringt, Zeitung liest – Zeitlung las – und Darjeeling trank. Mir persönlich ist zwar Earl Grey lieber, aber gut… zwei Stück Zucker, drei Tröpfchen Milch. Sie hatte diese Art, die Tasse mit beiden Händen zu halten, als hielte sie sich daran fest. Heute Morgen sah sie müde aus, unruhig, hatte dunkle Ringe unter den Augen.

Walter: Verschwinden Sie!

Bürgel: Oder was? Rufst du die Polizei? So müde. So erschöpft. Fühlte vielleicht, dass ich sie beobachtete. Bleich war sie wie die Tote, die sie jetzt ist. Wenn ich ihr Arzt gewesen wäre, ich hätte ihr Schlaftabletten verschrieben. Die kann man sogar im Tee auflösen.

Walter: Aus!

Walter macht einen Schritt auf Bürgel zu, der hebt abwehrend die Hände und lacht.

Bürgel: Walter, Walter, wenn du jetzt lieber allein sein willst, dann versteh ich das. Du wirst…

Walter: … die Polizei rufen. Jetzt.

Bürgel: Tu dir keinen Zwang an, mein Freund.

Bürgel entfernt sich von der Tür, schräg zum Publikum hin. Walter starrt ihm nach. Von der Seite her kommt ein zweiter Uniformierter, Bürgel ignorierend, auf Walter zu. Dieser Polizist ist echt.

Walter: Was wollen sie?
Polizist: Herr… Woldrich?
Walter: (agressiv): Was? Was ist?
Polizist: Ich habe leider eine traurige Nachricht für sie. Ihre Frau verstarb heute Morgen bei einem Autounfall in der Nähe des alten …
Walter: Aber…wieso…
Polizist: Wir tippen bisher auf Sekundenschlaf und…

Die Stimme des Polizisten wird immer leiser. Seine Lippen bewegen sich noch, auch Walter antwortet tonlos. Währenddessen wendet sich Bürgel ans Publikum.

Bürgel: Eines hat mein Freund Walter nicht begriffen – das Spiel wäre sinnlos, wenn ich dabei lügen würde.

Er geht langsam ab. Black-out.
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Re: Todesnachricht

Beitragvon Kato » 19.05.2006, 15:25

Hab diese Geschichte grad zum ersten Mal gelesen, Silentium, und mir geht`s auch so: ich find sie wunderbar schwarz und fies!

Dann hab ich gesehen, dass du am Ende des Threads deine Neufassung eingestellt hast – ich hab sie nicht gelesen. Nicht lesen mögen, weil mir im Vergleich schon der Anfang so überhaupt nicht gefallen hat ...

Nein, für mich ist es die Erstfassung, an der es sich lohnt, zu feilen. Da würd ich mir an deiner Stelle jeden einzelnen Satz vornehmen. Wenn du noch „dran“ bist, schreib ich dir gern mehr dazu.
Aber eins schon mal: so gut ich auch verstehen kann, dass sich mancher diese Geschichte länger wünscht, so richtig finde ich auch deine Meinung, dass es besser ist, einen kürzeren Text zu haben als einen, der künstlich mit Füllseln und/oder rein effekthascherischen Passagen „verdickt“ wird.

Mir würde aber zum Beispiel gefallen, wenn du diesen ersten Moment an der Tür beim Überbringen der Nachricht noch weiter ausbautest. Vielleicht, indem du gedankliche Rückblicke einflichst auf Reaktionssituationen mit z.B. diesem achzigjährigen Ehepaar, mit Mutter und Kind, mit eineiigen Zwillingen ... denn grad in dieser Szene manifestieren sich ja die Sensationslust und der Voyeurismus - die beide –weil gern uneingestanden- den Leser so beuteln ... ;-)

In jedem Fall: klasse Text!


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Re: Todesnachricht

Beitragvon Silentium » 19.05.2006, 21:01

Ja, irgendwie feigelts mich beim Neufassen. S' Problem war halt, dass ich plötzlich innerhalb von ein paar Tage eine Bühnenfassung haben musste, die mir dann im Endeffekt selber nicht sonderlich gefällt. Das mit der Rückblene ist gut, werd ich eventuell ausprobieren. Oder auch nicht, weil mir die ganze Geschichte mittlerweile zum Hals raushängt. :-D

Lieber Gruß, Silly
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