ich weiß selber nicht was ich davon halten soll...
>>ausgebrannt<<
ich habe heute die andere getroffen
sie trug ein mädchenkleid in weiß
auf rotem grund
und keine schuhe dazu
die nackten füße zeigten
zueinander auf dem roten stein des wegs
es war in dem garten
die blumen schienen sie zu umranken
und als sie mich ansah, wusste ich
ich hätte nicht kommen sollen
sie sah mich an lächelte nicht
im zentrum ihrer augen ein weißer fleck
wie das kleid
ich habe ein kind sagte sie
ich wollte mich umsehen
es dehnt sich unter meiner haut
die reißt bald, sagte sie
und streckte die arme vor, spreizte die finger
als müsste ich das sehen, wie es sich dehnt
es will raus, jetzt lächelte sie doch
kratzte gedankenlos, so sah es aus
kratzte sich über den arm
die roten streifen verblassten schnell
nur die bewegung blieb
auf meine netzhaus gebrannt
sieh, ich bin ein bild
sagte sie da,
als hätte sie in meinem kopf gelesen
sie lief auf den rasen, drehte sich
das kleid flog auf, sie lachte
ein kegel, ein spieluhr, dachte ich
stumme spieluhr, ich sah weg
ihre füße berührten den boden nicht
ich konnte nicht rückwärts gehen
ich wäre gefallen, ich weiß es
ich wartete, griff zu, vorbei
wartete, griff sie
als sie vorbei lief
da stolperte sie, auch sowas kann stolpern
aus der bewegung gerissen
ich hielt ihre arme umgriffen
ich konnte sie nicht lassen
sonst hätte ich die abdrücke
meiner hände gesehen, in rot
sie stand, wie ein kind
den rücken zum hohlkreuz durchgedückt
streckte mir ihre brüste entgegen, die hüften
die knochen, die sich
abzeichneten unter dem roten stoff
ich hielt sie, sah weiß ihrer augen brechen,
dahinter schwarz, sie lächelte halb
stieß sie auf den rasen
und suchte das kind
ich habe das kind gesucht
und keines gefunden
es war keins da, sagte ich zu ihr
da weinte sie, lange
ich hörte ihr zu, sah die stellen
auf ihren armen verblassen
das rot
>>nacht<<
ich traf die andere heute
sie ging auf mich zu
biss mich in den hals, trank
ich wollte lachen und spürte
den sauerstoff perlen
in meinem blut
wo bist du gewesen sagte sie
ich wusste nichts
wir warteten auf die antwort
zusammen
sie beugte sich vor
ich hob die hände an den hals
zum schutz, ihr lächeln hörte nicht auf
ich konnte die zähne sehen,
eigentlich schön
ich dachte ich müsse gehen, jetzt
sie sagte, komm
drehte sich um, ich stand
sie ging, wartete nicht
ich sah ihre hüften, die fesseln der füße
die in die waden übergingen, schmal
geschwungen, schwingend, alles
ich folgte ihr, sie lächelte über die schulter
als sie meine schritte hinter sich hörte
hast du geld fragte sie mich
ich schüttelte den kopf, sie zuckte
die schulter, nur eine
ich folte ihr, ein kiesweg, keine laternen
ich hörte das knirschen der steine
hast du ein feuerzeug fragte sie
ich zündete eine streichholz an
in dem lichtkreis sah ich sie
die hand durch den zaun schieben, öffnen
das streichholz erlosch, die zog mich
ihre finger an meinem handgelenk
sie suchte den schlüssel, er war in einem eimer
wer wohnt hier fragte ich
sie lachte nur, zog mich hinein
ich schloss die augen vor dem licht
und wenn wer kommt fragte ich
sie lachte, die sind nur tags hier
schubste mich in den sessel
beugte sich vor berührte meinen hals
ich wusste nicht, ob es zähne oder lippen waren
dann stand sie vor mir, ich komme
gerne her sagte sie, dreht sich
ich bin alleine hier, es ist dunkel
ich lege mich in den sessel
ich schiebe die hand zwischen die beine, die linke
sie sah mich an, die augen, dunkel
bis ich wegsah, nur die stimme hörte,
ihren, meinen atem, tief
ich reibe schnell sagte sie
ich halte die luft an
ich kann das lange
wenn ich zeit will
schiebe ich zwei finger
tief hinein in mich, hier ist zeit
sie legte mir die hand
auf die schulter, die linke
willst du mich behalten
sie lachte ich schüttelte
den kopf sah das weiß in ihren augen
aufkeimen, sprießen, treiben, eine blüte
ich zog sie auf meinen schoß
sie war so leicht
ich konnte nicht atmen
alle luft war in ihrem körper
du darfst mich nicht anfassen
sagte sie, beugte sich vor und biss mich
in den hals, trank
ich spürte wie sich die blässe
über meinen körper ausbreitete,
weiß
>>zufall<<
heute habe ich sie getroffen
es regnete, es regnet noch immer
es hat nie aufgehört
ich sprach zu ihr in dem zug
an dessen scheiben die tropfen schlugen
bis er unter der erde verschwand
in dem dämmerlicht
wurde das schwarz ihrer augen weit
sie las, ihre augen irrten über das papier
sie sah mich nicht, hörte nicht
ich lehnte mich an die scheibe
der zwischenwand
sprach, sie hörte nicht
sie war gar nicht da
nur der puppenkörper mit den irrenden augen
sie las, der zug hielt und als die türen schlossen
kam sie zurück, sah aus dem fenster
lief zur tür, die schlossen sich
sie lief in mich hinein
ich spürte ihren körper auftreffen
die knochen, das buch fiel zu boden
der zug fuhr los
entschuldigung sagte sie und scheiße
ich hob das buch vom boden auf
gab es ihr, die lächelte
ihr t-shirt war nass ich konnte
ihren bh sich abzeichnen sehen
sie steckte buch ein, nächster halt
wir stiegen aus, rolltreppe, treppe
es regnete, blinder regen
sie sah mich an
ich spürte wie sie mich musterte
ich sah
zurück, sie musste hoch sehen zu mir
gehen wir sagte sie, ich konnte nur nicken
sie streckt die hand aus die
tropfen fielen darauf
wir gingen, sie fror, ich konnte sehen
wie sie zitterte
stellen wir uns unter sagte ich
eine markise, wir sahen durch das fenster
bücher ich lachte
ich versuchte mich in ihre augen zu graben
wir griffen gleichzeitig nach der türklinke
der geruch des papiers, staub
ich kaufte keines, sie zwei
eines steckte ich ein
es passte nicht in ihre tasche
ich sah hinaus es regnete, dämmerung
wir konnten uns in der scheibe sehen
ich bin dein spiegel sagte sie,
mir wurde kalt, ich spürte die nässe
sie lächelte und zwang meine
mundwinkel nach oben
wir gingen in das cafe
das an der ecke war
ich wollte den kaffee nicht
den sie bestellte, den sie trank
in mich hinein
stell dir vor ich bin dein spiegelbild,
sagte sie, als hätte sie vergessen,
was gerade war,
ich legte ihr buch auf den tisch
jetzt hast du angst sagte sie
ich konnte den kopf nicht schütteln
ließ meine haare nach vorne fallen
sodass sie mein gesicht verdeckten
hilft nicht sagte sie
es ist deine schuld vergiss es nicht
ich wollte sagen, der regen
sie lächelte, nahm das buch in die hand
du musst wissen, wann der spiegel bricht
sagte sie, bis bald,
sie ging und der regen hörte nicht auf
>SPIEL<
Re: >SPIEL<
Hallo, Ede
klingt für mich wie ein Traum - genauso aufgeschrieben, wie geträumt....
Etwas verwirrend vielleicht. Doch sehr stimmungsvoll und aussergewöhnlich.
Es ist schwer, diesen Text zu beurteilen.
Ich kann ihn einfach nur so stehen lassen.
Lieben Gruss,
Susanne
klingt für mich wie ein Traum - genauso aufgeschrieben, wie geträumt....
Etwas verwirrend vielleicht. Doch sehr stimmungsvoll und aussergewöhnlich.
Es ist schwer, diesen Text zu beurteilen.
Ich kann ihn einfach nur so stehen lassen.
Lieben Gruss,
Susanne
Re: >SPIEL<
Liebe Susanne,
was du sagst spricht zumindest für eine gewisse unittelbarkeit. eigentlich dachte ich nicht an einen traum, aber das ist sicherlich naheliegend, wenn ich so darüber nachdenke.
vielleicht muss ich das erstmal ein weig liegen lassen um dann festzustellen ob etwas daran zu tun ist.
danke für dein feedback
edekire
was du sagst spricht zumindest für eine gewisse unittelbarkeit. eigentlich dachte ich nicht an einen traum, aber das ist sicherlich naheliegend, wenn ich so darüber nachdenke.
vielleicht muss ich das erstmal ein weig liegen lassen um dann festzustellen ob etwas daran zu tun ist.
danke für dein feedback
edekire
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
sarah kane
sarah kane
Re: >SPIEL<
Ich glaube, der Eindruck eines Traumes drängt sich nur aufgrund Deiner Erzählweise auf. Ich bin nicht sicher, ob ich Dich auffordern soll, das endlich in anständige Prosa zu gießen, oder ob ich diese seltsame Form der rhythmischen Prosa bejubeln soll.
Der Form nach erinnert das ein wenig an manche Dichter, Celan fällt mir ein, aber es ist dann eben doch kein Gedicht, sondern erzählende Prosa. Sehr interessant.
Zum Inhalt: Ich muss mich zusammenreißen, dass nicht als Inspirationsquelle zu missbrauchen, Du schreibst so tief treffende Bilder, dass ich mit offenem Mund davor sitze - und dazwischen kleine, beunruhigende Rätsel und Auflösungen:
ganz gross!
ABER:
Oh Bitte, nein! Diese ganze Blutsaugermythologie ist, nach der Vampyrflut der 90er, sowas von gnadenlos ausgelutscht, dass sie vermutlich ein halbes Jahrhundert braucht, um sich davon zu erholen.
Wobei - das muss man fairerweise sagen - Du dem Vampyrbild hier viel von seiner ursprünglichen Bedeutung zurückgibst. Diese ganze kalte, romantiklose Erotik, das eben ursprünglich dämonische, ja, das ist hier drin. Von daher doch nicht "keine Vampyre bitte". Aber hier brauchst Du Dein ganzes Talent, mit
kommst Du aus diesem Sumpf süsslich romantischer Vampyre die immerzu in Häse beissen und geheimnisvoll anziehend sind und süße Schauer des Entsetzens und ähnliches mehr erzeugen nicht weg.
Edekire, wenn ich das lese, dann sehe ich die Tradition der meisterhaften deutschen Horrrogeschichten vom Anfang des 20. Jahrhunderts wieder aufblitzen. Ich weiss nicht, ob Du diese Tradition überhaupt kennst, aber Du könntest in ihr schreiben, das heisst etwas. Ich zum Beispiel kann es nicht, ich bin dazu - was PL angeht - viel zu anglifiziert, mit meine Prägung durch Bradbury, King, Banks, Barker und wie sie alle heissen. Ich weiss nicht, ob Du je in dieser deutschen Horrortradition schreiben willst. Aber Du könntest es. :guru:
Nur nicht mit: "Komm her, ich beiss Dir in den Hals!" :-p
Der Form nach erinnert das ein wenig an manche Dichter, Celan fällt mir ein, aber es ist dann eben doch kein Gedicht, sondern erzählende Prosa. Sehr interessant.
Zum Inhalt: Ich muss mich zusammenreißen, dass nicht als Inspirationsquelle zu missbrauchen, Du schreibst so tief treffende Bilder, dass ich mit offenem Mund davor sitze - und dazwischen kleine, beunruhigende Rätsel und Auflösungen:
da stolperte sie, auch sowas kann stolpern
ganz gross!
ABER:
sie ging auf mich zu
biss mich in den hals, trank
Oh Bitte, nein! Diese ganze Blutsaugermythologie ist, nach der Vampyrflut der 90er, sowas von gnadenlos ausgelutscht, dass sie vermutlich ein halbes Jahrhundert braucht, um sich davon zu erholen.
Wobei - das muss man fairerweise sagen - Du dem Vampyrbild hier viel von seiner ursprünglichen Bedeutung zurückgibst. Diese ganze kalte, romantiklose Erotik, das eben ursprünglich dämonische, ja, das ist hier drin. Von daher doch nicht "keine Vampyre bitte". Aber hier brauchst Du Dein ganzes Talent, mit
ie ging auf mich zu
biss mich in den hals, trank
kommst Du aus diesem Sumpf süsslich romantischer Vampyre die immerzu in Häse beissen und geheimnisvoll anziehend sind und süße Schauer des Entsetzens und ähnliches mehr erzeugen nicht weg.
Edekire, wenn ich das lese, dann sehe ich die Tradition der meisterhaften deutschen Horrrogeschichten vom Anfang des 20. Jahrhunderts wieder aufblitzen. Ich weiss nicht, ob Du diese Tradition überhaupt kennst, aber Du könntest in ihr schreiben, das heisst etwas. Ich zum Beispiel kann es nicht, ich bin dazu - was PL angeht - viel zu anglifiziert, mit meine Prägung durch Bradbury, King, Banks, Barker und wie sie alle heissen. Ich weiss nicht, ob Du je in dieser deutschen Horrortradition schreiben willst. Aber Du könntest es. :guru:
Nur nicht mit: "Komm her, ich beiss Dir in den Hals!" :-p
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: >SPIEL<
ich weiß nicht ob ich je deutschen horor scheriben werden. ich kenne das im übrigen nicht und ich muss zugeben, dass die vapyrflut der 90er über mich hinweggeschwappt ist, weil ich einfach noch ein bisschen klein war zu der zeit. ich lese auch generell keinen fast keinen horror.
wer zählt denn zu der deutschen tradition? vielleicht kenne ich doch etwas, hatte es nur nicht richtig eingeordnet.
das blustsauger problem...
vielleicht muss das einfach von anfang des zweiten teils verschwinden, obwohl das irgendiwe schade ist, um den rhytmus, aber das ist ein problem, dass ich so gar nicht gesehen habe und abgegriffen geht ja nun gar nicht. blutmetaphorik ist ja generell ein bisschen gefährlich. vielleicht werde ich es einfach nicht explizit machen.
anständige prosa mache ich da wohl nicht raus. ich habe davor anstädnige prosa gemacht, ich habe den anfang gepostet. wenn du es ganz lesen willst, schick ich es dir
....
für mich sind das monologe. zuerst gedacht als "ein junger mann mit verwirrten dunklen haaren betritt die bühne" möglicherweise füge ich das noch ein, aber grad ist mir nicht so...
alles liebe
frl.ede
und jetzt, wenn ich damit fertig bin mache ich ganz unaständiges theater *freu*
wer zählt denn zu der deutschen tradition? vielleicht kenne ich doch etwas, hatte es nur nicht richtig eingeordnet.
das blustsauger problem...
vielleicht muss das einfach von anfang des zweiten teils verschwinden, obwohl das irgendiwe schade ist, um den rhytmus, aber das ist ein problem, dass ich so gar nicht gesehen habe und abgegriffen geht ja nun gar nicht. blutmetaphorik ist ja generell ein bisschen gefährlich. vielleicht werde ich es einfach nicht explizit machen.
anständige prosa mache ich da wohl nicht raus. ich habe davor anstädnige prosa gemacht, ich habe den anfang gepostet. wenn du es ganz lesen willst, schick ich es dir
für mich sind das monologe. zuerst gedacht als "ein junger mann mit verwirrten dunklen haaren betritt die bühne" möglicherweise füge ich das noch ein, aber grad ist mir nicht so...
alles liebe
frl.ede
und jetzt, wenn ich damit fertig bin mache ich ganz unaständiges theater *freu*
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
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