Naivschönsterben

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
C_some1_2_smile_4
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Naivschönsterben

Beitragvon C_some1_2_smile_4 » 07.09.2006, 21:26

Liebe,

wenn ich Dich wiederfinde,

springen wir dem Licht

über unseren Schatten,


ziehen uns einen Regenbogen an

und bringen den Schlaf um seine Nacht.


Wir spazieren unter Regentropfen ungetroffen,


stechen dem Meer in die See

und

rauschen am Strand auf und ab.


Der Mond lässt uns glänzen
in diesem Tanz

und

in unseren Augen
strahlt lachende Sonne

Fitnat
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Re: Naivschönsterben

Beitragvon Fitnat » 08.09.2006, 11:57

Einfach nur schön :-) die Bilder.

Dein Gedicht gefällt mir sehr.


(Wir spazieren unter Regentropfen ungetroffen,)

Bravo!

Selam

Fitnat
Wenn ich mein Schatten auf dem Asphalt sehe,
denke ich, "Du Armer Poet, bist schon wieder auf dem Boden!"

F.A. "Tanz des Todes"

Flocke
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Re: Naivschönsterben

Beitragvon Flocke » 08.09.2006, 15:34

Hallo, Sehende(r).

Hm, stimme Fitnat in einem Punkt zu, beim ersten Lesen sind es schöne Bilder. Wenn ich es mir allerdings mal zerpflücke, mag mir manches nicht mehr funktionieren.

Zuerst einmal solltest du deutlicher machen, ob du die Liebe in Form des allgemeinen, abstrakten Gefühls wiederfinden möchtest oder eine geliebte Person. In ersterem Fall funktionieren deine Bilder für mich überhaupt nicht, weil ein Gefühl schlicht körperlos ist und die ganzen Sachen, die du gemeinsam mit ihm machst, gar nicht kann.

Unterstellt, es handelt sich um eine geliebte Person, funktioniert es zumindest teilweise. Ich gehe es mal durch.

Liebe,

wenn ich Dich wiederfinde,



Hier müßtest du m. E. nach erstmal klarmachen, was du meinst, siehe oben. Ich lese es nämlich als das Gefühl, deswegen funktioniert mir das Gedicht nicht. Vielleicht mit "mein(e) Liebe(r)" beginnen?

...
springen wir dem Licht

über unseren Schatten,



Das ist so nicht stimmig, sorry. Klingt zwar erstmal gut, die Gegensätze passen aber nicht. Ihr könnt nur über eure Schatten springen, dann müßte es "im Licht" heißen, wobei das dann auch nicht gesagt werden muß, denn Schatten gibt es eh nur im Licht. Im Dunkeln sieht man keine.
"Dem Licht über den Schatten springen" geht auch nicht, weil das Licht ja keinen wirft.


ziehen uns Regenbögen an

und bringen den Schlaf um seine Nacht.


Wir spazieren unter Regentropfen ungetroffen,


Da jeder von euch einen anzieht, sollte es besser die Mehrzahl sein. :-))

Den Schlaf um die Nacht bringen, finde ich echt gut. Sehr schönes Bild.

Die Regentropfen sind auch gut, allerdings klingt das ein bißchen komisch. Vielleicht findest du für "ungetroffen" einen anderen Ausdruck? Wobei auch zu überlegen ist, ob man unter Regentropfen spazieren kann. Man kann durch den Regen laufen, aber drunter entlang?

stechen dem Meer in die See

und

rauschen am Strand auf und ab.


Das erste kann nicht gehen, da "Meer" und "die See" hier den gleichen Begriff beinhalten.

Das zweite Bild ist wieder sehr schön, gefällt mir, vielleicht kannst du das erste durch eines ersetzen, das mit dem hier verbunden ist und erklärt, wie die beiden zur Welle werden?

Der Mond lässt uns glänzen
in diesem Tanz

und

in unseren Augen
strahlt lachende Sonne


Den Mond finde ich hier wieder sehr gelungen, allerdings strahlende lachende Sonne, aua. Klischee Kindergarten, Sonne mit Strichgesicht und dererlei Assoziationen drängen sich mir auf. Warum die Sonne? Bleib doch im Bild, denn wenn ihr dem Schlaf die Nacht gestohlen habt, gehört sie jetzt ja euch, warum dann nicht Sterne? Ja, Sterne in den Augen klingt auch sehr nach Klischee, würde mir in diesen Zusammenhang aber besser reinpassen. Vielleicht findest du ja ein schönes Bild.

Und wo, um alles in der Welt, geht es in dem Gedicht um Sterben? Bin ich blind auf dem Auge?


So, und falls ich das jetzt alles mißverstanden habe, weil es wie im Titel wohl um naive Kunst ging, die ja von einem Großteil dessen lebt, was ich kritisiert habe, dann laß es einfach so stehen. :-)

Lieber Gruß
Flocke
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...

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Re: Naivschönsterben

Beitragvon C_some1_2_smile_4 » 11.09.2006, 19:58

@Flocke - ich bin im Gedicht "körperlos"
am Strand auf und ab rauschen, also sich
in eine Welle/auf eine Welle setzen.
Klar dass sowas nicht geht. In einem Gedicht allerdings schon.
That's it - träumen und Naivschönsterben
:-)

Flocke
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Re: Naivschönsterben

Beitragvon Flocke » 11.09.2006, 23:00

Hallo nochmal, Sehende(r).

Verstehe ich das also richtig, ihr seid dann beide körperlos, die Liebe und du... Tut mir leid, aber wenn dem so ist, funktioniert für mich das meiste nicht. Auch nicht, wenn es ein Traum sein soll.
Bei lyrischen Bildern sollten im Idealfall die erste und zweite Ebene stimmig sein, also das offensichtliche Bild und das, was du zwischen den Zeilen damit sagen willst. Und "körperlose" Wesen bzw. Gefühle können für mich nicht springen, sich anziehen und spazieren gehen. Womit denn bitte? :-|

Mag sein, dass ich in diesem Fall schlecht geträumt habe, aber oben genanntes wurde mir als eine Grundregel der Lyrik beigebracht.

Trotzdem schönen Abend noch
Flocke
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...

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Re: Naivschönsterben

Beitragvon C_some1_2_smile_4 » 14.09.2006, 13:10

@flocke - richtig ... wir sind beide in einem Körper... in diesem Traum allerdings...
so ich denke so machts mehr sinn B-)

Flocke
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Re: Naivschönsterben

Beitragvon Flocke » 14.09.2006, 19:59

Jetzt kapier ich gar nichts mehr, erst sagst du, bist du körperlos, dann seid ihr beide in einem Körper... Neee, ich glaub, ich steig aus, das ist eindeutig zu hoch für mich. Sorry. 8-o

LG
Flocke
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Re: Naivschönsterben

Beitragvon C_some1_2_smile_4 » 16.09.2006, 12:22

@Flocke
jeweils in einem Körper :-D
...
so wars gemeint...

Flocke
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Re: Naivschönsterben

Beitragvon Flocke » 16.09.2006, 14:01

Sehende(r), ich bleib einfach dabei, was ich bereits sagte, für mich funktionierts nicht wirklich. Sorry. Bin wohl nicht naiv genug dafür.

Trotzdem nichts für ungut
Flocke
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Re: Naivschönsterben

Beitragvon Glaukos » 18.09.2006, 12:47

Ich wünschte mir in dem Gedicht noch ein paar sprachliche Finessen. Die emotionale Tiefe ist deutlich zu spüren, aber am Vokabular könnte noch gearbeitet werden. Also: Präzision statt Allgemeingültigkeit. Dieses Gedicht mag sehr viel umfassen, aber durch seine weitreichende Bedeutung -
Licht, Schatten, Regenbogen, Schlaf, Meer, See usw. - öffnet sich ein ungeheurer Raum vor mir, der wiederum banal wirkt.

"stechen dem Meer in die See" - klingt kryptisch, mythisch. Ich komme doch nicht hinein in den Sinnzusammenhang.

Insgesamt aber sehe ich eine große Potenz in dieser Lyrik.

Herzlich,
Tolya

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Re: Naivschönsterben

Beitragvon C_some1_2_smile_4 » 18.09.2006, 22:13

@Tolya

Danke für die Kritik...

Der große Raum, den Du als banal bezeichnest, soll den großen
Raum darstellen, den man betritt, wenn
man Liebe findet.
....Ich glaube ich lebe ohne Liebe weniger
und in einem "kleinen Raum" als wenn ich Sie finde, dass soll es versuchen auszudrücken.

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Re: Naivschönsterben

Beitragvon deathflower » 20.09.2006, 17:55

hallo C_some1_2_smile_4

ich fand es auch sehr schön beim ersten durchlesen, nachdem ich die kritik der andern gelesen hatte, hab ich mir gedacht muss ich es auch noch einmal durchlesen und einige dinge gefallen mir beim zweiten mal auch nicht so sehr :-&

"springen wir dem Licht
über unseren Schatten,"

ich würde sagen wenn du noch ein "entgegen" hinter das "Schatten" setzt macht es viel mehr sinn

das mit dem "unter Regentropfen" find ich im gegensatz zu (Fitnat)entschuldigt mein verschusseln flocke war gemeint überhaupt nicht komisch - mir gefällt es regelrecht

bei "stechen dem meer in die see" muss ich leider zugeben entwendet sich mir der sinn "in die see stechen" an sich okay aber warum dem meer? wo willst du sonst "in see stechen"? daher find ich den ausdruck einfach nur doppeltgemoppelt

das mit dem mond und der sonne find ich eigentlich auch nciht schlecht da du beide gegensätze verwendet hast wenngleich es stimmt dass bei solchen wendungen leider immmer das klischeehafte herrauskommt, da es einfach schon ich sage mal "zu oft" benutzt wurde.


viele liebe grüße deathflower

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Re: Naivschönsterben

Beitragvon Hamburger » 21.09.2006, 00:46

Hallo zusammen,


wir sind beide in einem Körper... in diesem Traum allerdings...
so ich denke so machts mehr sinn B-)


Wie kann denn die Liebe an sich in einem Körper sein? Da es ja nicht um eine konkret geliebte Person zu gehen scheint, sondern um die Liebe selbst erscheint mir das nicht möglich. Das erste dem widersprechende Zitat…


ich bin im Gedicht "körperlos"


ergäbe da für mich, ausgeweitet auf das LI und die Liebe schon eher Sinn, denn einen Träumer kann ich mir sehr gut körperlos vorstellen, da das Träumen an sich - zumindest bei mir - oft als ein schwebendes, eben körperloses Gefühl erlebt wird, welches trotzdem mit Erlebnissen verbunden ist.

Die Liebe allerdings kann ich mir nur körperlos vorstellen.

Insofern würde es auf der Schiene für mich passen.



Wir spazieren unter Regentropfen ungetroffen,


Einerseits ist das wirklich ein sehr schönes Bild, andererseits ist mir das zu einfach. Für mich ist Regen etwas sehr Schönes. Mir hätte es besser gefallen wenn ihr, die Liebe und du, durch den Regen spaziert wärt. „Spazieren“ drückt doch in einem solchen Kontext schon Leichtigkeit, eine gewisse Beschwingtheit aus.
Wo alles vor dem Regen flüchtet, da spaziert ihr durch. Und du würdest den etwas hakeligen Ausdruck „ungetroffen“ damit elegant loswerden, sowie den ständig verwendeten Gegensatz Regen vs. Sonne aufbrechen. ;-)

Ansonsten kann ich mich fast allem Gesagten hier anschließen. Das Gedicht enthält einige gute, stimmige Bilder, ist manchmal etwas zu allgemeingültig und auf den zweiten Blick scheint einiges nicht zu passen.

Nächtliche und liebe Grüße,

Ham
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)

Fitnat
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Re: Naivschönsterben

Beitragvon Fitnat » 22.09.2006, 10:10

das mit dem "unter Regentropfen" find ich im gegensatz zu Fitnat überhaupt nicht komisch - mir gefällt es regelrecht


Einfach nur schön die Bilder.

Dein Gedicht gefällt mir sehr.

(Wir spazieren unter Regentropfen ungetroffen,)

Bravo!



Ist das Wort "Bravo!" in Deustch übersetzt = "Komisch"? dann habe ich mich falsch ausgedrückt, tut mir leid. Ich fand die Stelle sehr gut, und überhaupt, ich finde die gesamte Gedicht ziemlich gut (ohne das ich jetzt alle Kritiken gelesen habe).

Es erinnert mir die Gedichte meiner Heimat, da ist auch solche ähnliche Sätze wie "In dem Sonne wird gleich Abend" oder, "flog mich sei ein kleiner Vogel und flog mich, flog mich sei mein Flügel und flog mich über Wolken Asphalt" oder "Die Fähre schlief heute Nacht auf meinem Schoss, ein Kind verschwindet im Dunkeln, hat seine Taschen vol mit Sternen."

(Der Mond lässt uns glänzen
in diesem Tanz)

das ist zbs. ein Satzt wie eine Melodie im Ohren der gleichzeitig Malerisch ist.

Liebe Grüße

Fitnat
Wenn ich mein Schatten auf dem Asphalt sehe,
denke ich, "Du Armer Poet, bist schon wieder auf dem Boden!"

F.A. "Tanz des Todes"

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Re: Naivschönsterben

Beitragvon Fitnat » 22.09.2006, 10:34

Hier habe ich eine Gedicht von Behcet Aysan, die mir gleichbar schöne Bilder sehen läst. Habe es so gut wie möglich übersetzten versucht. Dieses Gedicht ist Mittlerweile schon ein Lied von "Ezginin Günlügü" (Tagebuch von Ezgi) :-)

Ein Violettes Sterben

Du stehst dort,
Verlassen weiß und zierlich
Sie sagen "geh!" und du gehst,
Sie sagen "komm!" und du kommst,
Sie sagen "bleib!, nicht mal ein Ton, kein Lied.

Ich bin zerbrochen wie eine zerstreutes Granatapfel
Ich bin eine Fluß die lautlos in den Nacht fliest
Wenn du sagst ich soll gehen, dann gehe ich
Ich bleibe wenn du sag's ich soll bleiben.

Ich bin ein Lied die noch nicht gesungen wurde
Wenn du sagst ich soll gehen, dann gehe ich
Ich bleibe wenn du sag's ich soll bleiben.


Behcet Aysan
Wenn ich mein Schatten auf dem Asphalt sehe,
denke ich, "Du Armer Poet, bist schon wieder auf dem Boden!"

F.A. "Tanz des Todes"


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