Aufbruch
An Deck ihr Landratten,
Leinen los und volle Fahrt voraus.
Lang genug genossen wir
des Hafens Sicherheit,
Lang genug ertrugen wir
Den wohlig faulen Geruch,
Lang genug.
Raus aus der Enge,
Hinaus aufs offene Meer.
Wo das Piraten Pack mordet,
Wo des Sturmes Kraft wütet.
Auf zu neuen Ufern,
das sei unser Wille.
Ein klares Auge und ein starkes Herz,
das sei uns Wind in den Segeln.
Lasset uns Freibeuter sein,
Unsere Beute: Die Freiheit!
Aufbruch
Re: Aufbruch
Ich hatte mehr die individuelle Freiheit im Sinn. Natürlich lässt sich der Gedanke auch auf eine politische/ökonomische Dimension übertragen. Aber ein Loblied auf den Neoliberalismus sollte das eigentlich nicht sein.
werden.
Re: Aufbruch
Hallo Andres!
Ich muss ehrlich zugeben - der Text beeindruckt mich nicht besonders. Nicht wegen des Inhalts, kein Einwand gegen Freiheit und Konsorten. Aber es fehlt, für mich zumindest, die poetische Komponente. Ich höre den Aufruf zur Freiheit, spüre ihn aber nicht, weil du mir nur verbrauchte Bilder anbietest. Neue Ufer, starkes Herz, mordendes Piratenpack und wütender Sturm, offenes Meer - das sind Phrasen, wie sie ein Dichterling der Romantik schon gebraucht haben würde und seitdem haben sie nochmal einiges an Staub angesetzt. Nichts, was ich da lese, spricht mich auf mehr als der rein intellektuellen Ebene an. Mir fehlen modernder Seetang und das labyrinthische Raunen der Gischt, mir fehlen Wassermann und Draugen, mir fehlen der einäugige Maat und das Quicken der Schiffsratten. Eine Atmosphäre muss man beschwören, nicht nur benennen. Der Text hat ein Hirn (und kein schlechtes), aber seine Seele finde ich nicht.
Sorry, wenn das zu hart war, ich bin noch nicht ganz ausgeschlafen. (Ja, um vier Uhr nachmittags. Aber es sind Ferien.)
Trotzdem lieber Gruß,
S.
Ich muss ehrlich zugeben - der Text beeindruckt mich nicht besonders. Nicht wegen des Inhalts, kein Einwand gegen Freiheit und Konsorten. Aber es fehlt, für mich zumindest, die poetische Komponente. Ich höre den Aufruf zur Freiheit, spüre ihn aber nicht, weil du mir nur verbrauchte Bilder anbietest. Neue Ufer, starkes Herz, mordendes Piratenpack und wütender Sturm, offenes Meer - das sind Phrasen, wie sie ein Dichterling der Romantik schon gebraucht haben würde und seitdem haben sie nochmal einiges an Staub angesetzt. Nichts, was ich da lese, spricht mich auf mehr als der rein intellektuellen Ebene an. Mir fehlen modernder Seetang und das labyrinthische Raunen der Gischt, mir fehlen Wassermann und Draugen, mir fehlen der einäugige Maat und das Quicken der Schiffsratten. Eine Atmosphäre muss man beschwören, nicht nur benennen. Der Text hat ein Hirn (und kein schlechtes), aber seine Seele finde ich nicht.
Sorry, wenn das zu hart war, ich bin noch nicht ganz ausgeschlafen. (Ja, um vier Uhr nachmittags. Aber es sind Ferien.)
Trotzdem lieber Gruß,
S.
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Aufbruch
Hallo Silentium
Die Schule hat angefangen. Das wirkt sich wahrscheinlich nicht gerade positiv auf deinen Schlafpegel aus. Ich wage mich trotzdem an eine Antwort...
Mit dem Begriff „verbrauchte Bilder“ bin ich nicht ganz einverstanden. Die Bilder sind eher häufig gebraucht, doch von welchen Motiven kann man das heute nicht behaupten? Motive wie das „labyrinthische Raunen“, der „Wassermann“ und andere sind zwar moderner, damit jedoch nicht weniger gebraucht.
Der Stil ist epochal eher der Romantik (wie du schon bemerkt hast) zuzuordnen. Zugegeben, diese Ausdrucksweise wirkt heute eher veraltet und büßt damit an Wirkungskraft ein. Mir persönlich gefällt dieser Sprachstil, weshalb ich ihn auch gewählt habe. Wahrscheinlich wecke ich bei einzelnen damit unangenehme Erinnerungen an Gedichtinterpretationen vergangener Deutsch LK s, doch damit muss ich wohl leben.
Mich hat vor allem eine persönliche Aufbruchssituation zu diesem Gedicht inspiriert. Da ich das Seefahrermotiv hauptsächlich wegen seiner Symbolträchtigkeit gewählt habe, wollte ich es nicht zum Selbstläufer ausbauen. Es sollte eben nicht hauptsächlich ein „Seeräubergedicht“ sein sondern ich wollte das Aufbruchsmotiv klar in den Vordergrund rücken.
Abschließend eine kleine Anregung: Der Soundtrack zu „Fluch der Karibik 1“ verarbeit das Thema erstklassig auf musikalischer Ebene. Das war eine enorme Anregung für mich. Vielleicht versetzt er dich in eine passende Grundstimmung...
mfg
andres
Die Schule hat angefangen. Das wirkt sich wahrscheinlich nicht gerade positiv auf deinen Schlafpegel aus. Ich wage mich trotzdem an eine Antwort...
Mit dem Begriff „verbrauchte Bilder“ bin ich nicht ganz einverstanden. Die Bilder sind eher häufig gebraucht, doch von welchen Motiven kann man das heute nicht behaupten? Motive wie das „labyrinthische Raunen“, der „Wassermann“ und andere sind zwar moderner, damit jedoch nicht weniger gebraucht.
Der Stil ist epochal eher der Romantik (wie du schon bemerkt hast) zuzuordnen. Zugegeben, diese Ausdrucksweise wirkt heute eher veraltet und büßt damit an Wirkungskraft ein. Mir persönlich gefällt dieser Sprachstil, weshalb ich ihn auch gewählt habe. Wahrscheinlich wecke ich bei einzelnen damit unangenehme Erinnerungen an Gedichtinterpretationen vergangener Deutsch LK s, doch damit muss ich wohl leben.
Mich hat vor allem eine persönliche Aufbruchssituation zu diesem Gedicht inspiriert. Da ich das Seefahrermotiv hauptsächlich wegen seiner Symbolträchtigkeit gewählt habe, wollte ich es nicht zum Selbstläufer ausbauen. Es sollte eben nicht hauptsächlich ein „Seeräubergedicht“ sein sondern ich wollte das Aufbruchsmotiv klar in den Vordergrund rücken.
Abschließend eine kleine Anregung: Der Soundtrack zu „Fluch der Karibik 1“ verarbeit das Thema erstklassig auf musikalischer Ebene. Das war eine enorme Anregung für mich. Vielleicht versetzt er dich in eine passende Grundstimmung...
mfg
andres
werden.
Re: Aufbruch
Die Schule hat angefangen. Das wirkt sich wahrscheinlich nicht gerade positiv auf deinen Schlafpegel aus.
Nä - Uni. Die hat noch nicht angefangen und grad darum bin ich übernächtig.
Das mit dem Wassermann war übertragen gemeint - so nämlich, dass mir noch immer etwas fehlt, das das ganze ins Bildhafte holt. Persönlichkeit gibt.
Ich hör grad immer beim Inline-Skaten den Soundtrack von 'Fluch der Karibik 3'. Auch sehr schick.
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
- Ursula Vernon
Re: Aufbruch
Ich breche auf zu einer neuen Reise.
Ich verreise - beziehungsweise reiße …
Ahoi Andres!
Ich werde dein Gedicht unter zwei Aspekten betrachten. Ich beginne mit dem
Inhalt
Okay, individuelle Freiheit. Das kann vieles bedeuten. Daher meine Frage: Individuelle Freiheit wovon? Und: Freiheit wozu?
Okay, du gebrauchst einmal ein Piraten- und dann wieder ein Entdeckermotiv ("neue Ufer"), was bereits der erste Widerspruch ist, denn weder waren Piraten Entdecker, noch umgekehrt. Mir ist jedenfalls kein Beispiel bekannt. Piraten waren alles Mögliche: Gesetzesbrecher und vom Gesetz geduldete Söldnerschaft, aber Entdecker? Entdecker wurden von Königen ausgestattet und beauftragt oder von privaten Investoren finanziert. Piraten hatten es eher auf allzu bekannte Handelswege abgesehen, um Königreiche und Handelsgesellschaften ihrer Fracht und gelegentlich auch ihrer Passagiere zu erleichtern, um sie entweder als Sklaven weiterzuverkaufen oder hohe Lösegelder zu erpressen. Hier vermischst du auf der wörtlichen Ebene/Symbol-Ebene also etwas, was eigentlich nicht zusammengehört. Kann passieren. Wie in anderen Fällen hilft vorherige Recherche, anstatt sich auf den letzten Hollywood-Dreiteiler zu verlassen (kleine Spitze am Rande, lehn dich zurück: es komme noch mehr).
Also zurück zu meinen Fragen: Freiheit wovon? Antwort:
Als vernünftiger Mensch sag ich da erst mal: Raub und Mord? Nein danke! Selbstmord (z.B. bei Sturm auf offene See hinauszufahren)? Ich verzichte! Auch Seefahrer hatten immer sehr viel Respekt vor den Elementen - ein, wenn du dir die Geschichte mancher Fischer- und Seefahrerhochburgen anschaust, bisweilen im absurdesten Aberglauben gipfelnder Respekt. Eine Vorsicht und List, die ich (ein bisschen, ein kleines bisschen) in der Figur des Jack Sparrow widergespiegelt zu sehen glaubte. Also, wenn dies das Ziel deiner "individuellen Freiheit" ist, erscheint mir das - vorsichtig ausgedrückt - etwas unüberlegt.
Hast du schon mal einen Menschen sterben sehen? Ich glaube, wenn, dann hättest du diese Worte nicht so fahrlässig hingeschrieben. Wieder sind es Traumfabrik-Massenwaren-Konsumprodukte, Made in California, die uns das Sterben als etwas angstvoll-aufregend-alltägliches vermitteln. Sterben ist alltäglich, sehr sogar, aber es ist keinesfalls so aufregend-lustvoll-unterhaltsam-erstrebenswert, wie es in diesem Gedicht oder in "Fluch der Karibik" dargeboten wird. Leider verpasst du es auch, die Bedeutsamkeit unserer Sterblichkeit für unser Leben, unser Jetzt-empfinden, unsere Angst, unsere Hoffnungen und unser subjektives Freiheitsbedürfnis zu ergründen. Häufiger ist eben das, was uns beschränkt, was uns notwendig im Wege steht oder bedroht, viel bedeutsamer für unser Denken und Handeln, als das, was ohnehin in unserer Macht steht zu tun und zu ändern.
Nun, Freiheit wozu?
Die "neuen Ufer" sind so allgemein, so vieldeutig, ausgelutscht und inhaltsleer, das man alles und nichts hineindeuten kann. Das könnten gleichermaßen die Worte eines Politikers, eines Marketing-Chefs, einer Feministin oder eines postmodernen Don Quijote sein. Ergo hat es in einem Gedicht nichts zu suchen. Denn das Beliebige hat nur sehr wenig mit (guter) Dichtkunst zu tun. Es gibt auch hier Ausnahmen, aber dein Gedicht ist keine davon.
Ich frage noch mal: Freiheit wozu?
Freiheit, um der Freiheit willen, ist a.) sehr teuer erkauft und b.) mit großer Einsamkeit verbunden. Da sage ich nur: Viel Spaß!
Brechen wir zum zweiten Teil unserer inhaltlichen Reise auf: Freiheit wovon?
Die erste Frage, die mir in den Kopf kommt: Wo lebst du? Ich glaube, das Land, in dem ich lebe, gewährt mir mehr Rechte und Freiheiten, als sie 90 Prozent vom Rest der Menschheit besitzen (eine vorsichtige Schätzung). Und in der Tat ist es so, dass sich hunderttausende benachteiligte, verfolgte, unterdrückte, ausgebeutete Menschen danach sehnen, mein Leben, meinen Platz einzunehmen oder nur einen Teil des Wohlstands und der materiellen Sicherheit zu genießen, in der ich aufgewachsen bin (ebenfalls eine vorsichtige Schätzung, wahrscheinlich sind es eher Millionen, während tausende bereits auf dem Weg sind).
Nun gut, vielleicht ist es eher die "bürgerliche Enge", die schon mancher Generation sauer aufgestoßen ist und ihre rebellischen Ambitionen zum Vorschein gebracht hat (da passt dann ein wenig die Piraten-Analogie). Ja, die RAF hat vor dreißig Jahren mit Mord und Selbstmord reagiert. Wie sinnlos das war, braucht hier nicht dargelegt zu werden.
Aber dein Gedicht ist an dieser Stelle einfach zu unkonkret und unpräzise, um verstehen zu können, was du meinst: "Sicherheit" und Faulheit, das könnte der schwache Hauch einer persönlichen Gesellschaftskritik sein, deren Reflektionsprozesse gerade erst begonnen haben. Aber du vergisst: Die meisten Menschen sehnen sich (mindestens) ebenso sehr nach Sicherheit wie nach Freiheit. Das war schon immer ein ungleiches Zwillingspaar.
Pirat sein bedeutet auch in Anarchie und ständiger Angst zu leben, bedroht von seinen Mitpiraten, im Schlaf gemeuchelt und um deinen Anteil an der Beute erleichtert zu werden. Geld, Frauen, zweifelhafter Ruhm und auch das bisschen Freiheit ist dann futsch. Deine Piraten-Metapher richtet sich gegen (irgendwelche) Normen und Gesetze, gegen das, was in unserer Gesellschaft Leib, Leben und vor allem das Eigentum schützt. Ehe ich das aufgebe, würde ich gern wissen, was du uns außer Mord und Gefahr noch so als Gegenprogramm anbieten kannst. Darüber sollte sich jeder Rebell als erstes Gedanken machen, nicht das, was er bekämpft, sondern wofür.
Betrachten wir es mal etwas konkreter: Wo kann ich heute noch Pirat sein (im wörtlichen oder übertragenen Sinne)?
Dein Text wirkt unreflektiert auf mich. Individuelle Freiheit? Du kannst die einfachsten Fragen dazu (wovon und wozu) nicht befriedigend beantworten, geschweige denn gelingt es dir, tiefere Einsichten zu dem Thema beizusteuern. Aufbruch? Entdeckungsreisen? Piratenglorifizierung? Dein Aufbruch besteht aus Pathos - von der schlimmsten Sorte, weil sich weder Intention, noch Richtung dieses Pathos erkennen lassen. Ich weiß nicht, wohin diese Entdeckungsreise führen soll, sie erscheint mir plan- und orientierungslos. Zum Piratenpack habe ich mich "lang genug" geäußert. Es gibt für mich bei diesem Gedicht keinen Interpretationsansatz, dem ich folgen / den ich gut heißen würde.
Kurzum: Ich, dein Leser, meutere. :-p
Form
Wenn etwas noch mehr meinen Widerwillen erregt als der Inhalt deines Gedichtes, dann sind es deine Erklärungen dazu. Ich mag die Romantik, ich liebe die Romantik, ich verehre die Romantik und epochal hat dein Gedicht soviel damit gemein, wie Günther Beckstein mit Heinrich Heine. Denn Pathos macht noch keine Romantik, mal ganz davon abgesehen, dass die meisten Romantiker (sowohl in der Musik, wie in der Literatur, als auch in der Kunst) sich hervorragend mit den Formen und Stilen ihrer jeweiligen Kunstrichtung auskannten.
Ich glaube, wenn du nur den leisesten Hauch einer Ahnung hättest, was unter der Epoche zu verstehen ist, würdest du hier nicht so "herumposaunen". Pathos. Trara. Militärisches Marsch-Brimborium. Bummbumm. Aufschneiderei. Propaganda. Politik-Bla. Das sind für mich alles Dinge, die in größtmöglicher Opposition zu romantischer Literatur und Musik stehen. Mal abgesehen von Wagner - aber Wagners Pathos vermag mir Schauer über den Rücken zu jagen. Dein Gedicht auch, aber aus anderen Gründen.
FYI: Mein Deutsch-LK ist zehn Jahre her, damals habe ich die Klassiker (vor allem Goethe!) gehasst und die Romantiker (Heine, Hölderlin, ETA Hoffmann, Eichendorff, Novalis) lieb gewonnen. Heute wiegt sich beides auf. Beinah möchte ich sagen, die Klassiker setzen zum Überholen an (vor allem Goethe!).
Deine Ausdrucksweise wirkt nicht veraltet auf mich, sondern altbacken. Das ist ein Unterschied. Du greifst Bilder und Redewendungen von heute auf, ohne dir ihrer Bedeutung bewusst zu sein, ohne sie zu verändern und einzusetzen. Du gibst sie wieder.
Schön für dich. Dass du diesen "Stil" gewählt hast, bezweifle ich allerdings. Das wäre übrigens ein eklatanter Widerspruch zu einem Grundgedanken der Romantik. Deine Sprache hört sich aber nicht "gewählt" an, sondern gewöhnlich. Sie ist stark von äußeren Einflüssen und Ideen, die für dein Alter typisch sind, geprägt. Einige der Einflüsse lese ich aus deinem Gedicht, andere hast du selbst schon benannt:
Kleine Gegenanregung: Schon mal die "Winterreise" von Schubert oder die "Papillons" von Schumann gehört? Wahrscheinlich eine Verdi-Oper ... mit etwas Glück etwas von Bruckner, Smetana oder einem späten Romantiker wie Eric Satie?
Von denen, auf die du nicht gekommen bist. :-p
Zurück zu deinem Gedicht:
Ein schwacher Auftakt für ein Gedicht. "An Deck", "Leinen los" und "volle Fahrt voraus" sind gleich drei Floskeln, mit denen du uns hier aufwartest (oder abfrühstückst, kommt wie immer auf die Perspektive an). Es gibt keinen Bruch, kein Gegengewicht, kein ergänzendes oder erweiterndes Bild. Nichts, das von dir und deiner Sprache zeugt, etwas Individuellem, Persönlichem, das den ersten zwei Zeilen Gestalt und Glanz verleihen würde. Das ist einfach gewöhnlich, langweilig, dröge. Ich habe die "Landratten" vergessen, pardon, und die sind nun wirklich so was von Neu!
Ein Parallelaufbau - sowas wie der Ansatz eines lyrischen Grundgerüstes - hat doch Lied und Lyrik, die am Anfang mal eines waren, von jeher in der Repetition eines "Motivs" oder Gleichklangs bestanden. Quasi das Grundmerkmal der Lyrik.
Dann leider wieder mit einer Floskel gespickt: der "sichere Hafen". Eine kleine, dürftige Antithese "genossen" - "ertrugen" ... und der "wohlig faule Geruch", der mir zu wohl bekannt riecht. Wirkung: keine. Effekt: keine. Aussage: kaum eine (lässt sich nur spekulieren).
Ein Imperativ, der "befreiend", "erlösend", "abenteuerlustig" wirken soll. Aber: Jede Mallboro-Werbung vermag dies mitreißender zu gestalten. Nein, ich rauche nicht, nein, ich mag auch keine Zigarettenwerbung, schon gar nicht im Kino.
(Wo ich nicht sein möchte. Dann lieber gemütlich im Kino Johnny Depp anschmachten.)
Ist hier sprachlich, formal, stilistisch irgendetwas Aufregendes passiert (abgesehen von dem richtungslosen Kraftgebrauch der Wörter "Pirat", "Pack", "Mord", "Sturm", "Kraft" und "Wut"), was ich nicht mitbekommen habe? Wenn ja, möge man mich darüber aufklären.
Ein bisschen Pathos meinerseits: Auf zu besseren Versen, das sei unser Wille!
"Auf zu neuen Ufern", klingt tatsächlich antiquiert - und ich glaube nicht, dass du ermessen kannst, wie viele unintendierte Assoziationen dieser Ausdruck in den Köpfen deiner Leser auslösen kann. Ich bin (beispielsweise) augenblicklich ganz zufrieden mit meinem monogamen Heterosexualleben und möchte die anderen Ufer andere Ufer sein lassen. :-p
Das "klare Auge" und das "starke Herz" gehen in Ordnung. Auch wenn es 2,45 Millionen Alternativen bei der Auswahl und Kombination der Adjektive gegeben hätte (also rein kombinatorisch betrachtet). Der "Wind in den Segeln" ist eine weitere, schwammige, uninspirierte Floskel. Seefahrt, Piraten und "Wind in den Segeln" - hey, wow, das kam aber überraschend! Ehrlich, Silentium hat schon Recht: Diesem Text fehlt vollkommen die „poetische Komponente“. Du greifst zu dem, was am nahesten liegt, und das ist weder spannend, noch intellektuell, noch unterhaltsam, noch empfindungsgeladen, noch vertrackt, noch verzettelt, noch verspielt oder was sonst noch gute Gedichte alles sein können.
Zum Abschluss ein Wortspiel. Keines, das den Gesamteindruck deines Gedichtes zu retten, zu verbessern vermag, ABER: wenigstens an dieser all-einen Stelle versuchst du über das Naheliegende, das Gewöhnliche, das latent Banale hinauszukommen.
An dieser Schwelle beginnt Dichtkunst. Sie beginnt im und mit dem Alltäglichen und dringt ins spielerisch-traumhaft-verwirrend-malerisch-irrsinnig-kindisch-ketzerisch Andere vor. Et cetera. Du hast - wie jeder andere auch - das Zeug dazu. Alles, was dir im Wege steht, bist du selbst. Du scheinst mir einen Tick zu selbstgefällig, zu eingenommen von dir selbst zu sein und daher zu schwerfällig. Aber Dichtung bedeutet auch: Von der Bedeutung des eigenen Ichs zu abstrahieren, den Strom der eigenen Gedanken beobachten zu lernen, die Gleise und Widersprüche der eigenen Gedanken und Handlungen zu erleben - vielleicht sogar zu forcieren, und überhaupt die Dinge, wie sie erscheinen, zu hinterfragen. Eine Freiheit, wie sie widersprüchlicher nicht sein könnte.
Versuch's mal!
Zum Abschluss: Ich entschuldige mich im Voraus für die unliebsamen Härten und Spitzen in meiner Rezension. Das tut weh, ich kenne das. Nun, zu meiner Entschuldigung sei gesagt, ich verfalle hin und wieder auch in eine Art Piratengestus, allerdings auf der rauen See der Literaturkritik. Bitte verzeih.
Besten Gruß,
[) i r k
Ich verreise - beziehungsweise reiße …
Ahoi Andres!
Ich werde dein Gedicht unter zwei Aspekten betrachten. Ich beginne mit dem
Inhalt
Ich hatte mehr die individuelle Freiheit im Sinn.
Okay, individuelle Freiheit. Das kann vieles bedeuten. Daher meine Frage: Individuelle Freiheit wovon? Und: Freiheit wozu?
Okay, du gebrauchst einmal ein Piraten- und dann wieder ein Entdeckermotiv ("neue Ufer"), was bereits der erste Widerspruch ist, denn weder waren Piraten Entdecker, noch umgekehrt. Mir ist jedenfalls kein Beispiel bekannt. Piraten waren alles Mögliche: Gesetzesbrecher und vom Gesetz geduldete Söldnerschaft, aber Entdecker? Entdecker wurden von Königen ausgestattet und beauftragt oder von privaten Investoren finanziert. Piraten hatten es eher auf allzu bekannte Handelswege abgesehen, um Königreiche und Handelsgesellschaften ihrer Fracht und gelegentlich auch ihrer Passagiere zu erleichtern, um sie entweder als Sklaven weiterzuverkaufen oder hohe Lösegelder zu erpressen. Hier vermischst du auf der wörtlichen Ebene/Symbol-Ebene also etwas, was eigentlich nicht zusammengehört. Kann passieren. Wie in anderen Fällen hilft vorherige Recherche, anstatt sich auf den letzten Hollywood-Dreiteiler zu verlassen (kleine Spitze am Rande, lehn dich zurück: es komme noch mehr).
Also zurück zu meinen Fragen: Freiheit wovon? Antwort:
Wo das Piraten Pack mordet,
Wo des Sturmes Kraft wütet.
Als vernünftiger Mensch sag ich da erst mal: Raub und Mord? Nein danke! Selbstmord (z.B. bei Sturm auf offene See hinauszufahren)? Ich verzichte! Auch Seefahrer hatten immer sehr viel Respekt vor den Elementen - ein, wenn du dir die Geschichte mancher Fischer- und Seefahrerhochburgen anschaust, bisweilen im absurdesten Aberglauben gipfelnder Respekt. Eine Vorsicht und List, die ich (ein bisschen, ein kleines bisschen) in der Figur des Jack Sparrow widergespiegelt zu sehen glaubte. Also, wenn dies das Ziel deiner "individuellen Freiheit" ist, erscheint mir das - vorsichtig ausgedrückt - etwas unüberlegt.
Hast du schon mal einen Menschen sterben sehen? Ich glaube, wenn, dann hättest du diese Worte nicht so fahrlässig hingeschrieben. Wieder sind es Traumfabrik-Massenwaren-Konsumprodukte, Made in California, die uns das Sterben als etwas angstvoll-aufregend-alltägliches vermitteln. Sterben ist alltäglich, sehr sogar, aber es ist keinesfalls so aufregend-lustvoll-unterhaltsam-erstrebenswert, wie es in diesem Gedicht oder in "Fluch der Karibik" dargeboten wird. Leider verpasst du es auch, die Bedeutsamkeit unserer Sterblichkeit für unser Leben, unser Jetzt-empfinden, unsere Angst, unsere Hoffnungen und unser subjektives Freiheitsbedürfnis zu ergründen. Häufiger ist eben das, was uns beschränkt, was uns notwendig im Wege steht oder bedroht, viel bedeutsamer für unser Denken und Handeln, als das, was ohnehin in unserer Macht steht zu tun und zu ändern.
Nun, Freiheit wozu?
Auf zu neuen Ufern,
das sei unser Wille.
Die "neuen Ufer" sind so allgemein, so vieldeutig, ausgelutscht und inhaltsleer, das man alles und nichts hineindeuten kann. Das könnten gleichermaßen die Worte eines Politikers, eines Marketing-Chefs, einer Feministin oder eines postmodernen Don Quijote sein. Ergo hat es in einem Gedicht nichts zu suchen. Denn das Beliebige hat nur sehr wenig mit (guter) Dichtkunst zu tun. Es gibt auch hier Ausnahmen, aber dein Gedicht ist keine davon.
Ich frage noch mal: Freiheit wozu?
Unsere Beute: Die Freiheit!
Freiheit, um der Freiheit willen, ist a.) sehr teuer erkauft und b.) mit großer Einsamkeit verbunden. Da sage ich nur: Viel Spaß!
Brechen wir zum zweiten Teil unserer inhaltlichen Reise auf: Freiheit wovon?
Lang genug genossen wir
des Hafens Sicherheit,
Lang genug ertrugen wir
Den wohlig faulen Geruch,
Lang genug.
Raus aus der Enge,
Die erste Frage, die mir in den Kopf kommt: Wo lebst du? Ich glaube, das Land, in dem ich lebe, gewährt mir mehr Rechte und Freiheiten, als sie 90 Prozent vom Rest der Menschheit besitzen (eine vorsichtige Schätzung). Und in der Tat ist es so, dass sich hunderttausende benachteiligte, verfolgte, unterdrückte, ausgebeutete Menschen danach sehnen, mein Leben, meinen Platz einzunehmen oder nur einen Teil des Wohlstands und der materiellen Sicherheit zu genießen, in der ich aufgewachsen bin (ebenfalls eine vorsichtige Schätzung, wahrscheinlich sind es eher Millionen, während tausende bereits auf dem Weg sind).
Nun gut, vielleicht ist es eher die "bürgerliche Enge", die schon mancher Generation sauer aufgestoßen ist und ihre rebellischen Ambitionen zum Vorschein gebracht hat (da passt dann ein wenig die Piraten-Analogie). Ja, die RAF hat vor dreißig Jahren mit Mord und Selbstmord reagiert. Wie sinnlos das war, braucht hier nicht dargelegt zu werden.
Aber dein Gedicht ist an dieser Stelle einfach zu unkonkret und unpräzise, um verstehen zu können, was du meinst: "Sicherheit" und Faulheit, das könnte der schwache Hauch einer persönlichen Gesellschaftskritik sein, deren Reflektionsprozesse gerade erst begonnen haben. Aber du vergisst: Die meisten Menschen sehnen sich (mindestens) ebenso sehr nach Sicherheit wie nach Freiheit. Das war schon immer ein ungleiches Zwillingspaar.
Pirat sein bedeutet auch in Anarchie und ständiger Angst zu leben, bedroht von seinen Mitpiraten, im Schlaf gemeuchelt und um deinen Anteil an der Beute erleichtert zu werden. Geld, Frauen, zweifelhafter Ruhm und auch das bisschen Freiheit ist dann futsch. Deine Piraten-Metapher richtet sich gegen (irgendwelche) Normen und Gesetze, gegen das, was in unserer Gesellschaft Leib, Leben und vor allem das Eigentum schützt. Ehe ich das aufgebe, würde ich gern wissen, was du uns außer Mord und Gefahr noch so als Gegenprogramm anbieten kannst. Darüber sollte sich jeder Rebell als erstes Gedanken machen, nicht das, was er bekämpft, sondern wofür.
Betrachten wir es mal etwas konkreter: Wo kann ich heute noch Pirat sein (im wörtlichen oder übertragenen Sinne)?
- Das Stichwort "Neoliberalismus" fiel bereits. Es gibt da vielfältige Betätigungsfelder. Angefangen bei einfachen Handlangertätigkeiten bis zum gut bezahlten Hedge-Fonds-Manager. Dass im Wirtschaftsleben schon mal Gesetze "umschifft" und das eine oder andere Unternehmen "geentert" wird, ist kein Geheimnis. Erstrebenswert für dich?
- Meine persönliche Empfehlung: Internetpiraterie. Phishingmails, Kreditkartenbetrug, Spam, Industriespionage. Alles sehr lukrativ und die Gesetzeshüter kommen kaum hinterher.
- Aber vielleicht bist du dann doch eher dem produzierenden Gewerbe zugetan? Dann möchte ich dir folgendes empfehlen: a.) Chinesisch lernen, b.) nach China auswandern, c.) Produktpiraterie im großen Stil aufziehen. Mit einem eigenen Brenner zuhause kannst du ja schon mal üben.
- Wörtlich genommen, vielleicht eher sowas: Piraterie#Vorgehen moderner Piraten
- Auch andere Kriegsschauplätze (für "Landratten" wie uns!) gibt es zur Genüge. Wenn ich bedenke, wo heute überall geplündert, enteignet, gemordet, entführt und vergewaltigt wird. Häufig staatlich legitimiert oder von den USA / Russland / Deutschland / China mit (mehr oder weniger) gutem Equipment ausgestattet. Wie wäre es: So eine lustige, kleine Kinderarmee unter deinem Kommando?
Dein Text wirkt unreflektiert auf mich. Individuelle Freiheit? Du kannst die einfachsten Fragen dazu (wovon und wozu) nicht befriedigend beantworten, geschweige denn gelingt es dir, tiefere Einsichten zu dem Thema beizusteuern. Aufbruch? Entdeckungsreisen? Piratenglorifizierung? Dein Aufbruch besteht aus Pathos - von der schlimmsten Sorte, weil sich weder Intention, noch Richtung dieses Pathos erkennen lassen. Ich weiß nicht, wohin diese Entdeckungsreise führen soll, sie erscheint mir plan- und orientierungslos. Zum Piratenpack habe ich mich "lang genug" geäußert. Es gibt für mich bei diesem Gedicht keinen Interpretationsansatz, dem ich folgen / den ich gut heißen würde.
Kurzum: Ich, dein Leser, meutere. :-p
Form
Der Stil ist epochal eher der Romantik (wie du schon bemerkt hast) zuzuordnen.
Wenn etwas noch mehr meinen Widerwillen erregt als der Inhalt deines Gedichtes, dann sind es deine Erklärungen dazu. Ich mag die Romantik, ich liebe die Romantik, ich verehre die Romantik und epochal hat dein Gedicht soviel damit gemein, wie Günther Beckstein mit Heinrich Heine. Denn Pathos macht noch keine Romantik, mal ganz davon abgesehen, dass die meisten Romantiker (sowohl in der Musik, wie in der Literatur, als auch in der Kunst) sich hervorragend mit den Formen und Stilen ihrer jeweiligen Kunstrichtung auskannten.
Ich glaube, wenn du nur den leisesten Hauch einer Ahnung hättest, was unter der Epoche zu verstehen ist, würdest du hier nicht so "herumposaunen". Pathos. Trara. Militärisches Marsch-Brimborium. Bummbumm. Aufschneiderei. Propaganda. Politik-Bla. Das sind für mich alles Dinge, die in größtmöglicher Opposition zu romantischer Literatur und Musik stehen. Mal abgesehen von Wagner - aber Wagners Pathos vermag mir Schauer über den Rücken zu jagen. Dein Gedicht auch, aber aus anderen Gründen.
Wahrscheinlich wecke ich bei einzelnen damit unangenehme Erinnerungen an Gedichtinterpretationen vergangener Deutsch LK s, doch damit muss ich wohl leben.
FYI: Mein Deutsch-LK ist zehn Jahre her, damals habe ich die Klassiker (vor allem Goethe!) gehasst und die Romantiker (Heine, Hölderlin, ETA Hoffmann, Eichendorff, Novalis) lieb gewonnen. Heute wiegt sich beides auf. Beinah möchte ich sagen, die Klassiker setzen zum Überholen an (vor allem Goethe!).
Zugegeben, diese Ausdrucksweise wirkt heute eher veraltet und büßt damit an Wirkungskraft ein.
Deine Ausdrucksweise wirkt nicht veraltet auf mich, sondern altbacken. Das ist ein Unterschied. Du greifst Bilder und Redewendungen von heute auf, ohne dir ihrer Bedeutung bewusst zu sein, ohne sie zu verändern und einzusetzen. Du gibst sie wieder.
Mir persönlich gefällt dieser Sprachstil, weshalb ich ihn auch gewählt habe.
Schön für dich. Dass du diesen "Stil" gewählt hast, bezweifle ich allerdings. Das wäre übrigens ein eklatanter Widerspruch zu einem Grundgedanken der Romantik. Deine Sprache hört sich aber nicht "gewählt" an, sondern gewöhnlich. Sie ist stark von äußeren Einflüssen und Ideen, die für dein Alter typisch sind, geprägt. Einige der Einflüsse lese ich aus deinem Gedicht, andere hast du selbst schon benannt:
Abschließend eine kleine Anregung: Der Soundtrack zu „Fluch der Karibik 1“ verarbeit das Thema erstklassig auf musikalischer Ebene. Das war eine enorme Anregung für mich.
Kleine Gegenanregung: Schon mal die "Winterreise" von Schubert oder die "Papillons" von Schumann gehört? Wahrscheinlich eine Verdi-Oper ... mit etwas Glück etwas von Bruckner, Smetana oder einem späten Romantiker wie Eric Satie?
Mit dem Begriff „verbrauchte Bilder“ bin ich nicht ganz einverstanden. Die Bilder sind eher häufig gebraucht, doch von welchen Motiven kann man das heute nicht behaupten?
Von denen, auf die du nicht gekommen bist. :-p
Zurück zu deinem Gedicht:
An Deck ihr Landratten,
Leinen los und volle Fahrt voraus.
Ein schwacher Auftakt für ein Gedicht. "An Deck", "Leinen los" und "volle Fahrt voraus" sind gleich drei Floskeln, mit denen du uns hier aufwartest (oder abfrühstückst, kommt wie immer auf die Perspektive an). Es gibt keinen Bruch, kein Gegengewicht, kein ergänzendes oder erweiterndes Bild. Nichts, das von dir und deiner Sprache zeugt, etwas Individuellem, Persönlichem, das den ersten zwei Zeilen Gestalt und Glanz verleihen würde. Das ist einfach gewöhnlich, langweilig, dröge. Ich habe die "Landratten" vergessen, pardon, und die sind nun wirklich so was von Neu!
Lang genug genossen wir
des Hafens Sicherheit,
Lang genug ertrugen wir
Den wohlig faulen Geruch,
Lang genug.
Ein Parallelaufbau - sowas wie der Ansatz eines lyrischen Grundgerüstes - hat doch Lied und Lyrik, die am Anfang mal eines waren, von jeher in der Repetition eines "Motivs" oder Gleichklangs bestanden. Quasi das Grundmerkmal der Lyrik.
Dann leider wieder mit einer Floskel gespickt: der "sichere Hafen". Eine kleine, dürftige Antithese "genossen" - "ertrugen" ... und der "wohlig faule Geruch", der mir zu wohl bekannt riecht. Wirkung: keine. Effekt: keine. Aussage: kaum eine (lässt sich nur spekulieren).
Raus aus der Enge,
Hinaus aufs offene Meer.
Ein Imperativ, der "befreiend", "erlösend", "abenteuerlustig" wirken soll. Aber: Jede Mallboro-Werbung vermag dies mitreißender zu gestalten. Nein, ich rauche nicht, nein, ich mag auch keine Zigarettenwerbung, schon gar nicht im Kino.
Wo das Piraten Pack mordet,
Wo des Sturmes Kraft wütet.
(Wo ich nicht sein möchte. Dann lieber gemütlich im Kino Johnny Depp anschmachten.)
Ist hier sprachlich, formal, stilistisch irgendetwas Aufregendes passiert (abgesehen von dem richtungslosen Kraftgebrauch der Wörter "Pirat", "Pack", "Mord", "Sturm", "Kraft" und "Wut"), was ich nicht mitbekommen habe? Wenn ja, möge man mich darüber aufklären.
Auf zu neuen Ufern,
das sei unser Wille.
Ein bisschen Pathos meinerseits: Auf zu besseren Versen, das sei unser Wille!
"Auf zu neuen Ufern", klingt tatsächlich antiquiert - und ich glaube nicht, dass du ermessen kannst, wie viele unintendierte Assoziationen dieser Ausdruck in den Köpfen deiner Leser auslösen kann. Ich bin (beispielsweise) augenblicklich ganz zufrieden mit meinem monogamen Heterosexualleben und möchte die anderen Ufer andere Ufer sein lassen. :-p
Ein klares Auge und ein starkes Herz,
das sei uns Wind in den Segeln.
Das "klare Auge" und das "starke Herz" gehen in Ordnung. Auch wenn es 2,45 Millionen Alternativen bei der Auswahl und Kombination der Adjektive gegeben hätte (also rein kombinatorisch betrachtet). Der "Wind in den Segeln" ist eine weitere, schwammige, uninspirierte Floskel. Seefahrt, Piraten und "Wind in den Segeln" - hey, wow, das kam aber überraschend! Ehrlich, Silentium hat schon Recht: Diesem Text fehlt vollkommen die „poetische Komponente“. Du greifst zu dem, was am nahesten liegt, und das ist weder spannend, noch intellektuell, noch unterhaltsam, noch empfindungsgeladen, noch vertrackt, noch verzettelt, noch verspielt oder was sonst noch gute Gedichte alles sein können.
Lasset uns Freibeuter sein,
Unsere Beute: Die Freiheit!
Zum Abschluss ein Wortspiel. Keines, das den Gesamteindruck deines Gedichtes zu retten, zu verbessern vermag, ABER: wenigstens an dieser all-einen Stelle versuchst du über das Naheliegende, das Gewöhnliche, das latent Banale hinauszukommen.
Versuch's mal!
Zum Abschluss: Ich entschuldige mich im Voraus für die unliebsamen Härten und Spitzen in meiner Rezension. Das tut weh, ich kenne das. Nun, zu meiner Entschuldigung sei gesagt, ich verfalle hin und wieder auch in eine Art Piratengestus, allerdings auf der rauen See der Literaturkritik. Bitte verzeih.
Besten Gruß,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Aufbruch
Piraten waren alles Mögliche: Gesetzesbrecher und vom Gesetz geduldete Söldnerschaft, aber Entdecker?
Tja... eine Frage der Sichtweise, oder? Unterhalte Dich mal mit einem Spanier des 16. Jh. über Drake und Raleigh - falls Du einen triffst.
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Aufbruch
Okay, das ist vollkommen richtig.
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: Aufbruch
Ich weiss, das mit den Piraten ist Nebensache...
Ich setze gerade zum dritten Mal an mit dem Versuch, nichts zu diesem Gedicht zu schreiben - weil ich ja erstmal etwas zu der Parabel schreiben will.
Außerdem könnte ich dem, was Dirk gesagt hat sowieso nicht viel Neues hinzufügen.
Und trotzdem will ich schon wieder anfangen, wie Du hier mit Begriffen wie "Romantik" umgehst, oder mit, Gott bewahre, "Freiheit" ...
Gut, ich erlaube mir einen einzigen, ja? Brauchst auch nicht antworten, antworte einfach auf Dirk, das ist vermutlich anstrengend genug, aber:
FREIHEIT?
Durchdenkst Du Deine Begriffe?
Ich setze gerade zum dritten Mal an mit dem Versuch, nichts zu diesem Gedicht zu schreiben - weil ich ja erstmal etwas zu der Parabel schreiben will.
Außerdem könnte ich dem, was Dirk gesagt hat sowieso nicht viel Neues hinzufügen.
Und trotzdem will ich schon wieder anfangen, wie Du hier mit Begriffen wie "Romantik" umgehst, oder mit, Gott bewahre, "Freiheit" ...
Gut, ich erlaube mir einen einzigen, ja? Brauchst auch nicht antworten, antworte einfach auf Dirk, das ist vermutlich anstrengend genug, aber:
FREIHEIT?
Durchdenkst Du Deine Begriffe?
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: Aufbruch
Hallo Dirk,
Deine ausführliche Rezension finde ich aus mehreren Gründen wirklich bemerkenswert.
Eine grundsätzliche Bemerkung möchte ich aber voranstellen.
Da ich mich nach deiner niederschmetternden Rezension des Selbstbewusstseins beraubt fühle
) , benutze ich die Formulierung einer bedeutenderen Persönlichkeit.
Zitat:„ Zu jeder Seele gehört eine andere Welt; für jede Seele ist jede andere Seele eine Hinterwelt.“ (Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra)
Ich weis, ich wiederhole mich. Diese Wiederholung ist aber (leider) notwendig. Zum einen lese ich hier nicht nur Aussagen über Form und Inhalt des Gedichtes sondern auch über den Autor. Diese Aussagen sind nicht gerade schmeichelhaft, aber das ist nicht ausschlaggebend.
Wichtiger hingegen ist, dass sie jeder Grundlage entbehren. Du kennst meinen Bildungsstand, weist „was mich in meinem Alter bewegt“ und kannst mir obendrein noch sagen, „was mir im Wege steht“. Bemerkenswert!
Deine Aussagen über mich zeugen von Selbstüberschätzung und einer Unfähigkeit, Autor und Werk getrennt zu betrachten. Offenbar ist dir der beleidigende Charakter deiner Bemerkungen nicht bewusst (oder doch?). Liegt dir etwas an einem nüchternen Gesprächsklima? Wenn ja, dann formuliere bitte deine Antworten an meine Adresse in Zukunft sachlich und ohne verbale Tiefschläge.
Noch ein formaler Kritikpunkt. Du sprichst von Literaturkritik. Ich musste/durfte mich schon häufiger mit Texten dieser Art befassen. Alle Texte zeichneten sich durch bestimmte Eigenschaft aus, die deinem Kommentar fehlen. Ich spreche hier nicht nur von einer nüchternen und differenzierten Betrachtungsweise. Es geht auch um ein Mindestmaß an Höflichkeit und Respekt. Eine emotionalisierte Ausdrucksweise, die an Polemik grenzt, gehört eher in ein Pamphlet und hat nichts mit Literaturkritik zu tun.
Natürlich möchte ich dir keine generelle Unfähigkeit zu konstruktiver Kritik unterstellen.
Warum zeigst du diese Fähigkeit aber gerade hier nicht? Warum diese unverhältnismäßig aggressiven Attacken?
Eine ehrliche Frage: Für wie alt hältst du mich denn? Deine Position ist die eines Lehrers, der seinem Schüler eine Erklärung für seine miserable Note gibt. Das amüsiert mich eher, als das es mich stört. Natürlich habe ich in diesem Forum nicht deinen „göttlich-apollinischen“ Status. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich erst seit gestern mit Literatur beschäftige.
Im Allgemeinen habe ich nichts gegen Kritik, eine kernige Kritik ist mir lieber als ein formloses „gut“ oder „schön“. Eine solch destruktive Gesprächsführung führt aber nur zu einem inhaltlosen Schlagabtausch. Daran liegt mit nichts.
Soviel zur Form deiner Kritik. Nun zum Inhalt:
Manchmal hilft ein genaues Lesen der Kommentare, auf die man antwortet.
Fluch der Karibik 1-3 ist unterhaltsam, mehr aber auch nicht. Irgendwelche philosophischen Aussagen über Freiheit etc. lassen sich daraus nicht ableiten. Konkret heißt das: Mein Gedicht hat nur einen recht oberflächlichen Bezug zu dieser Filmreihe, der vor allem durch die Filmmusik des ersten Teiles entstanden ist. Hollywood produziert meiner Meinung nach wenig Sehenswertes, dafür aber recht hörenswerte (klassische) Soundtracks (u.a. der Soundtrack zu „Spiel mir das Lied vom Tod“, einer meiner Favoriten). Natürlich begeistern die Klassiker, die du nanntest auch. Also noch mal: Der Soundtrack von Fluch der Karibik 1, nicht der Film an sich, war inspirierend.
Zweitens habe ich nicht behauptet, das mein Gedicht ein epochal romantisches ist. Wieder hätte ein genaues Lesen meines Kommentars ein Missverständnis verhindert: Ich sagte, dass es eher der Romantik zuzuordnen sei. Um es einmal anders auszudrücken: Wortwahl und Stil wirken nicht „modern“ sondern erinnern eher an frühere Epochen, wie z.B. die Romantik.
Mit den verschieden Epochen musste ich mich fast schon zu lange beschäftigen, daher kann ich deine unterstellte „Ahnungslosigkeit“ nur belächeln.
Der Versuch einer inhaltlichen Deutung meines Gedichtes gelingt dir nicht.
„Freiheit“ wird in meinem Gedicht negativ definiert, es ist Freiheit von etwas.
Mein Gedicht möchte ich eher als eine Annäherung an das Thema Freiheit bezeichnen, es schildert den enthusiastischen Aufbruch zu ihr. Es hat außerdem keinen direkten Bezug zu irgendwelchen politischen, wirtschaftlichen oder historischen Begebenheiten.
Aus diesem Grund sind deine ausführlichen Deutungsversuche in angegebene Richtungen hier nicht relevant. D.h. etwas genauer formuliert: Es geht nicht um eine historische Parallele zu den Entdeckern, um einen politischen Aufbruch zu mehr Menschenrechten, um eine Kritik konkreter gesellschaftlicher Verhältnisse oder um neoliberale Produktpiraterie. Diese Bemerkung zu den Themen sind weit hergeholt, es findet sich im Gedicht kein Hinweis hierauf. Deine persönlichen Assoziationen müssen nicht die des Autors sein.
Mein Gedicht beschreibt vielmehr den begeisterten und stürmischen Aufbruch vom Status quo. Diese Begeisterung ist vor allem nicht reflexiv, sie fragt nicht zuerst nach den Risiken. Ihre Aussage könnte vielmehr so lauten: „Zeig mir den Berg und ich versetze ihn!“. Eine Grundlage hierfür ist zum einen der als überkommen empfundene Status quo. Er bietet zwar Sicherheit und ein angenehmes Gefühl, wird aber auch als „lau“ empfunden. Oder um es mit den Worten Nietzsches auszudrücken: „Die mässigeren Empfindungen erscheinen dagegen schaal; man will, wie es scheint, die heftigere Unlust immer noch lieber als die matte Lust.“ (F. Nietzsche in Menschliches, Allzumenschliches)
Der Aufbruch zu „neuen Ufer“ ist immer mit Unsicherheit verbunden. Aus diesem Grund erscheint mir das Seefahrermotiv als passend, die Bewegung auf dem Wasser ist für den Menschen von Anbeginn mit Unsicherheiten verbunden. Der Begriff „neue Ufer“ bezieht sich vor allem auf den Horizont der sprechenden Person. Die historischen Entdecker erweiterten ja auch nur den ihnen bekannten Wissenshorizont, Amerika gab es bekanntlich schon vor der Entdeckung durch die Europäer. Der in dem Gedicht angesprochene Zustand der Freiheit ist also andeutungsweise die neu gewonnene Freiheit zur Selbstbestimmung oder die Freiheit des „Schaffenden“, um es mit Nietzsches Worten auszudrücken.
Einem möglichen Einwand möchte ich schon jetzt begegnen: „Die Freiheit vom Status quo“ ist eine viel zu allgemeine Formulierung. Ich habe diese allgemeine Formulierung gewählt, weil ich einen allgemeinen Charakterzug des Aufbruchs beschreiben möchte. Das von mir beschreibe Motiv findet sich in vielen Aufbruchssituationen wieder. Ob es sich nun um einen politischen Aufbruch aus der Tyrannei, um den geistigen Aufbruch zu neuen Werten (Nietzsche) oder einen banalen Umzug in eine andere Stadt handelt, überall findet sich jenes Seefahrermotiv. Natürlich gibt es auch gezwungene Aufbrüche ohne Begeisterung. Ich habe aber nicht den Anspruch, das Aufbruchsmotiv umfassend zu definieren. Mir geht es nur um eine Annäherung, also um einen Aspekt des Phänomens.
Zum anderen gibt es auch solche Bedenken, wie du sie anführst (Raub, Mord, der tragische Tod etc.). Sie gehören aber in eine spätere, reflexive Phase, in der die konkrete Umsetzung erwägt wird. Außerdem sind sie mehr Sinnbilder für das Gefahrenpotenzial eines Aufbruches.
Ein weiterer (berechtigter) Einwand könnte dieser sein: Warum wird von individueller Freiheit gesprochen, wenn der Freiheitsbegriff im Gedicht nur negativ definiert, d.h. inhaltlich nicht ausgefüllt ist?
Dem antworte ich: Individuelle Freiheit ist auch ein sehr allgemeiner Begriff, er sollte nur klarstellen, dass es nicht um die Anpreisung neoliberaler Ideen geht.
Zitat: Die meisten Menschen sehnen sich (mindestens) ebenso sehr nach Sicherheit wie nach Freiheit. Das war schon immer ein ungleiches Zwillingspaar
Wohl war. Obwohl ich hierüber nicht eine umfangreiche Debatte anstoßen möchte, halte ich dennoch zwei Zitate für erwähnenswert:
"Eine Gesellschaft, die ihre Freiheit zugunsten der Sicherheit opfert, hat beides nicht verdient." Benjamin Franklin
Zu diesem Sicherheitsbedürfnis nimmt auch Nietzsche in seinem Zarathustra Stellung. Allerdings ist bei ihm die weltanschauliche Komponente im Vordergrund:
„ Wir setzen unseren Stuhl in die Mitte - das sagt mir ihr Schmunzeln - und ebenso weit weg von sterbenden Fechtern wie von vergnügten Säuen. Dies aber ist – Mittelmäßigkeit: ob es schon Mäßigkeit heißt.“ (F. Nietzsche, Also sprach Zarathustra)
Zitat: Pirat sein bedeutet auch in Anarchie und ständiger Angst zu leben...
Der Begriff „Anarchie“ ist medial arg entstellt worden. Anarchie wird, wie du es zeigst, mit Chaos und Schrecken gleichgesetzt. Es handelt sich aber um eine Systemtheorie, die nichts mit derartigen Begriffen gemein hat. Es gibt dazu einen akzeptablen Wikipedia- Artikel, der einige Vorurteile ausräumen dürfte.
Noch eine abschließende Bemerkung: Die Form deines Kommentars lässt ihn wie einen Rachfeldzug wirken . Das macht eine anständige Antwort nicht unbedingt leichter. Zweitens tut es der Glaubwürdigkeit deiner Kritik nicht gut. Inhaltlich hast du mein Gedicht zwar gelesen, es aber nicht interpretiert. Deine inhaltlichen Ausführungen erinnern z.T. an die Methodik der „freien Assoziation“, wie sie Freud gerne einsetzte. Ich habe dennoch eine freudige Nachricht für dich: In Kürze werde ich noch ein Gedicht dieser Art publizieren, zu dem ich gerne deine Meinung hören würde. Sollte ich in dieser Antwort einiges zu hart ausgedrückt haben, so tut es mir leid.
mfg
andres
P.S.: Ja, ich mag Nietzsche. Ich weis außerdem, dass er um Ecken besser ist. Ein Kommentar diesbezüglich kannst du dir also sparen.
Deine ausführliche Rezension finde ich aus mehreren Gründen wirklich bemerkenswert.
Eine grundsätzliche Bemerkung möchte ich aber voranstellen.
Da ich mich nach deiner niederschmetternden Rezension des Selbstbewusstseins beraubt fühle
Zitat:„ Zu jeder Seele gehört eine andere Welt; für jede Seele ist jede andere Seele eine Hinterwelt.“ (Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra)
Ich weis, ich wiederhole mich. Diese Wiederholung ist aber (leider) notwendig. Zum einen lese ich hier nicht nur Aussagen über Form und Inhalt des Gedichtes sondern auch über den Autor. Diese Aussagen sind nicht gerade schmeichelhaft, aber das ist nicht ausschlaggebend.
Wichtiger hingegen ist, dass sie jeder Grundlage entbehren. Du kennst meinen Bildungsstand, weist „was mich in meinem Alter bewegt“ und kannst mir obendrein noch sagen, „was mir im Wege steht“. Bemerkenswert!
Deine Aussagen über mich zeugen von Selbstüberschätzung und einer Unfähigkeit, Autor und Werk getrennt zu betrachten. Offenbar ist dir der beleidigende Charakter deiner Bemerkungen nicht bewusst (oder doch?). Liegt dir etwas an einem nüchternen Gesprächsklima? Wenn ja, dann formuliere bitte deine Antworten an meine Adresse in Zukunft sachlich und ohne verbale Tiefschläge.
Noch ein formaler Kritikpunkt. Du sprichst von Literaturkritik. Ich musste/durfte mich schon häufiger mit Texten dieser Art befassen. Alle Texte zeichneten sich durch bestimmte Eigenschaft aus, die deinem Kommentar fehlen. Ich spreche hier nicht nur von einer nüchternen und differenzierten Betrachtungsweise. Es geht auch um ein Mindestmaß an Höflichkeit und Respekt. Eine emotionalisierte Ausdrucksweise, die an Polemik grenzt, gehört eher in ein Pamphlet und hat nichts mit Literaturkritik zu tun.
Natürlich möchte ich dir keine generelle Unfähigkeit zu konstruktiver Kritik unterstellen.
Warum zeigst du diese Fähigkeit aber gerade hier nicht? Warum diese unverhältnismäßig aggressiven Attacken?
Eine ehrliche Frage: Für wie alt hältst du mich denn? Deine Position ist die eines Lehrers, der seinem Schüler eine Erklärung für seine miserable Note gibt. Das amüsiert mich eher, als das es mich stört. Natürlich habe ich in diesem Forum nicht deinen „göttlich-apollinischen“ Status. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich erst seit gestern mit Literatur beschäftige.
Im Allgemeinen habe ich nichts gegen Kritik, eine kernige Kritik ist mir lieber als ein formloses „gut“ oder „schön“. Eine solch destruktive Gesprächsführung führt aber nur zu einem inhaltlosen Schlagabtausch. Daran liegt mit nichts.
Soviel zur Form deiner Kritik. Nun zum Inhalt:
Manchmal hilft ein genaues Lesen der Kommentare, auf die man antwortet.
Fluch der Karibik 1-3 ist unterhaltsam, mehr aber auch nicht. Irgendwelche philosophischen Aussagen über Freiheit etc. lassen sich daraus nicht ableiten. Konkret heißt das: Mein Gedicht hat nur einen recht oberflächlichen Bezug zu dieser Filmreihe, der vor allem durch die Filmmusik des ersten Teiles entstanden ist. Hollywood produziert meiner Meinung nach wenig Sehenswertes, dafür aber recht hörenswerte (klassische) Soundtracks (u.a. der Soundtrack zu „Spiel mir das Lied vom Tod“, einer meiner Favoriten). Natürlich begeistern die Klassiker, die du nanntest auch. Also noch mal: Der Soundtrack von Fluch der Karibik 1, nicht der Film an sich, war inspirierend.
Zweitens habe ich nicht behauptet, das mein Gedicht ein epochal romantisches ist. Wieder hätte ein genaues Lesen meines Kommentars ein Missverständnis verhindert: Ich sagte, dass es eher der Romantik zuzuordnen sei. Um es einmal anders auszudrücken: Wortwahl und Stil wirken nicht „modern“ sondern erinnern eher an frühere Epochen, wie z.B. die Romantik.
Mit den verschieden Epochen musste ich mich fast schon zu lange beschäftigen, daher kann ich deine unterstellte „Ahnungslosigkeit“ nur belächeln.
Der Versuch einer inhaltlichen Deutung meines Gedichtes gelingt dir nicht.
„Freiheit“ wird in meinem Gedicht negativ definiert, es ist Freiheit von etwas.
Mein Gedicht möchte ich eher als eine Annäherung an das Thema Freiheit bezeichnen, es schildert den enthusiastischen Aufbruch zu ihr. Es hat außerdem keinen direkten Bezug zu irgendwelchen politischen, wirtschaftlichen oder historischen Begebenheiten.
Aus diesem Grund sind deine ausführlichen Deutungsversuche in angegebene Richtungen hier nicht relevant. D.h. etwas genauer formuliert: Es geht nicht um eine historische Parallele zu den Entdeckern, um einen politischen Aufbruch zu mehr Menschenrechten, um eine Kritik konkreter gesellschaftlicher Verhältnisse oder um neoliberale Produktpiraterie. Diese Bemerkung zu den Themen sind weit hergeholt, es findet sich im Gedicht kein Hinweis hierauf. Deine persönlichen Assoziationen müssen nicht die des Autors sein.
Mein Gedicht beschreibt vielmehr den begeisterten und stürmischen Aufbruch vom Status quo. Diese Begeisterung ist vor allem nicht reflexiv, sie fragt nicht zuerst nach den Risiken. Ihre Aussage könnte vielmehr so lauten: „Zeig mir den Berg und ich versetze ihn!“. Eine Grundlage hierfür ist zum einen der als überkommen empfundene Status quo. Er bietet zwar Sicherheit und ein angenehmes Gefühl, wird aber auch als „lau“ empfunden. Oder um es mit den Worten Nietzsches auszudrücken: „Die mässigeren Empfindungen erscheinen dagegen schaal; man will, wie es scheint, die heftigere Unlust immer noch lieber als die matte Lust.“ (F. Nietzsche in Menschliches, Allzumenschliches)
Der Aufbruch zu „neuen Ufer“ ist immer mit Unsicherheit verbunden. Aus diesem Grund erscheint mir das Seefahrermotiv als passend, die Bewegung auf dem Wasser ist für den Menschen von Anbeginn mit Unsicherheiten verbunden. Der Begriff „neue Ufer“ bezieht sich vor allem auf den Horizont der sprechenden Person. Die historischen Entdecker erweiterten ja auch nur den ihnen bekannten Wissenshorizont, Amerika gab es bekanntlich schon vor der Entdeckung durch die Europäer. Der in dem Gedicht angesprochene Zustand der Freiheit ist also andeutungsweise die neu gewonnene Freiheit zur Selbstbestimmung oder die Freiheit des „Schaffenden“, um es mit Nietzsches Worten auszudrücken.
Einem möglichen Einwand möchte ich schon jetzt begegnen: „Die Freiheit vom Status quo“ ist eine viel zu allgemeine Formulierung. Ich habe diese allgemeine Formulierung gewählt, weil ich einen allgemeinen Charakterzug des Aufbruchs beschreiben möchte. Das von mir beschreibe Motiv findet sich in vielen Aufbruchssituationen wieder. Ob es sich nun um einen politischen Aufbruch aus der Tyrannei, um den geistigen Aufbruch zu neuen Werten (Nietzsche) oder einen banalen Umzug in eine andere Stadt handelt, überall findet sich jenes Seefahrermotiv. Natürlich gibt es auch gezwungene Aufbrüche ohne Begeisterung. Ich habe aber nicht den Anspruch, das Aufbruchsmotiv umfassend zu definieren. Mir geht es nur um eine Annäherung, also um einen Aspekt des Phänomens.
Zum anderen gibt es auch solche Bedenken, wie du sie anführst (Raub, Mord, der tragische Tod etc.). Sie gehören aber in eine spätere, reflexive Phase, in der die konkrete Umsetzung erwägt wird. Außerdem sind sie mehr Sinnbilder für das Gefahrenpotenzial eines Aufbruches.
Ein weiterer (berechtigter) Einwand könnte dieser sein: Warum wird von individueller Freiheit gesprochen, wenn der Freiheitsbegriff im Gedicht nur negativ definiert, d.h. inhaltlich nicht ausgefüllt ist?
Dem antworte ich: Individuelle Freiheit ist auch ein sehr allgemeiner Begriff, er sollte nur klarstellen, dass es nicht um die Anpreisung neoliberaler Ideen geht.
Zitat: Die meisten Menschen sehnen sich (mindestens) ebenso sehr nach Sicherheit wie nach Freiheit. Das war schon immer ein ungleiches Zwillingspaar
Wohl war. Obwohl ich hierüber nicht eine umfangreiche Debatte anstoßen möchte, halte ich dennoch zwei Zitate für erwähnenswert:
"Eine Gesellschaft, die ihre Freiheit zugunsten der Sicherheit opfert, hat beides nicht verdient." Benjamin Franklin
Zu diesem Sicherheitsbedürfnis nimmt auch Nietzsche in seinem Zarathustra Stellung. Allerdings ist bei ihm die weltanschauliche Komponente im Vordergrund:
„ Wir setzen unseren Stuhl in die Mitte - das sagt mir ihr Schmunzeln - und ebenso weit weg von sterbenden Fechtern wie von vergnügten Säuen. Dies aber ist – Mittelmäßigkeit: ob es schon Mäßigkeit heißt.“ (F. Nietzsche, Also sprach Zarathustra)
Zitat: Pirat sein bedeutet auch in Anarchie und ständiger Angst zu leben...
Der Begriff „Anarchie“ ist medial arg entstellt worden. Anarchie wird, wie du es zeigst, mit Chaos und Schrecken gleichgesetzt. Es handelt sich aber um eine Systemtheorie, die nichts mit derartigen Begriffen gemein hat. Es gibt dazu einen akzeptablen Wikipedia- Artikel, der einige Vorurteile ausräumen dürfte.
Noch eine abschließende Bemerkung: Die Form deines Kommentars lässt ihn wie einen Rachfeldzug wirken . Das macht eine anständige Antwort nicht unbedingt leichter. Zweitens tut es der Glaubwürdigkeit deiner Kritik nicht gut. Inhaltlich hast du mein Gedicht zwar gelesen, es aber nicht interpretiert. Deine inhaltlichen Ausführungen erinnern z.T. an die Methodik der „freien Assoziation“, wie sie Freud gerne einsetzte. Ich habe dennoch eine freudige Nachricht für dich: In Kürze werde ich noch ein Gedicht dieser Art publizieren, zu dem ich gerne deine Meinung hören würde. Sollte ich in dieser Antwort einiges zu hart ausgedrückt haben, so tut es mir leid.
mfg
andres
P.S.: Ja, ich mag Nietzsche. Ich weis außerdem, dass er um Ecken besser ist. Ein Kommentar diesbezüglich kannst du dir also sparen.
werden.
Re: Aufbruch
übermutiger dummbatz oder ein möchtegern zweiaugenklappen- kapitän, der mit landratten einen auf freibeuter machen will. worin besteht für ansässige hafenratten der reiz, seinem aufruf zu folgen, wenn der heimelige geruch denn so wohlig faul ist wie beschrieben?
ein richtiges mordspack von piraten würde den redner dieser ingold-nullprofit-ansprache über die planke spazieren lassen.
der text wird -auch mit dem beutewortzuckerl freiheit- nicht überzeugender, lieber andres.
kasparov
ein richtiges mordspack von piraten würde den redner dieser ingold-nullprofit-ansprache über die planke spazieren lassen.
der text wird -auch mit dem beutewortzuckerl freiheit- nicht überzeugender, lieber andres.
kasparov
„To hell with circumstances; I create opportunities.“ – Bruce Lee
Re: Aufbruch
„Die mässigeren Empfindungen erscheinen dagegen schaal; man will, wie es scheint, die heftigere Unlust immer noch lieber als die matte Lust.“ (F. Nietzsche in Menschliches, Allzumenschliches)
werden.
Re: Aufbruch
wo N. recht hat, hat er recht
kasparov
kasparov
„To hell with circumstances; I create opportunities.“ – Bruce Lee
Re: Aufbruch
Nun Andres,
für jemand, der so starke Worte gebraucht, bist du doch recht empfindlich. Das bestätigt die alte Seefahrerweisheit: Piraten, die laut mit dem Säbeln rasseln, rufen beim ersten Piecks nach ihrem großen Bruder. In deinem Fall wäre das dann Nietzsche. (O-oh, jetzt habe ich es schon wieder getan: Autor und Text verwechselt!)
:damn:
Deine zuvorkommende Erlaubnis vorausgesetzt, möchte ich eines deiner so treffend ausgewählten Zitate aufgreifen, um ein kleines Stück des ursprünglichen Kontextes erweitern und dies zum Motto meiner Antwort nehmen:
Übrigens gebe ich dir Recht: Dies charakterisiert unsere bisherige Kommunikation recht gut (und nicht nur unsere). Aber liegt das nur an mir und der Art, wie ich deinen Text behandelt habe?
Nehmen wir mal dieses Zitat: Glaubst du, dass ich diese Aussage für vorbehaltlos wahr halte? Gehst du davon aus, dass du für mich – wenn ich das Zitat erst mal ganz und gar wörtlich nehme – ein Hinterweltler, ein Hanswurst, ein schwätzender Irgendwer bist? Glaubst du, dass ich diesen recht ausführlichen Verriss deines Gedichtes geschrieben habe, um dich – dich als Person – anzugreifen und herunterzuputzen? Glaubst du wirklich, dass ich so einfach gestrickt bin? Und: wie stehst du zu diesen Worten? Die Fragen, die sich für mich – in Bezug auf dieses Zitat und unseren spezifischen Kontext – am ehesten stellen, sind: Warum schreibst du? Warum hast du dieses Forum aufgesucht? Und warum habe ich mir die Zeit genommen, deinen Text zu hinterfragen, obwohl ich im Vorfeld wusste, dass du diese Kritik nicht annehmen würdest?
Ich möchte dich auf einen ersten – in meinen Augen eklatanten – Widerspruch in deinen Aussagen hinweisen. Ein Autor, der auf der einen Seite wiederholt verschiedene Lesarten und Interpretationsversuche seiner Leser negiert und ihre Meinungen zu widerlegen bestrebt ist …
… und …
… sowie …
… als auch …
… und noch einen …
… mir dann auf der anderen Seite erklärt, er verstünde sowohl etwas von Literatur …
… als auch von verschiedenen kulturgeschichtlichen Epochen …
… sowie von Literaturkritik …
… hat sich meines Erachtens – und ohne mein Zutun – eindrucksvoll selbst widerlegt.
Dass du mir Anmaßung vorwirfst…
… kann ich gut nachvollziehen, aber hast du dir auch mal klar gemacht, wie dieses Verhalten gegenüber uns, deinen Lesern, wirkt?
Es gibt Gründe, warum ich meine Kritik an dich so formulierte, wie ich es getan habe und, warum ich beispielsweise sehr bewusst vermieden habe, dein Gedicht auf die Art zu interpretieren, wie du es intendiert hast. War es wirklich so anmaßend, so beleidigend von mir, wie ich dich eingeschätzt habe? Habe ich mich so sehr in dir getäuscht? War es nicht erwartbar für mich, dass du dein Gedicht selbst interpretieren würdest?
Versuch mal über deinen Schatten zu springen und dir vorzustellen, dass ich durchaus in der Lage bin, die eigentliche Intention deines Gedichtes zu verstehen. Das hat nichts mit Selbstüberschätzung zu tun, im Gegenteil. Der Grund ist vielmehr in einer Gemeinsamkeit von uns beiden zu suchen, nämlich in der Tatsache, dass ich für (ich will nicht sagen dieselben, aber für) vergleichbare Empfindungen einen Ausdruck gesucht habe. Das soll nicht lehrerhaft gemeint sein, auch wenn es danach klingt – wenn ich die Gedichte lese, die ich vor zehn/fünfzehn Jahren geschrieben habe, finde ich sich gleichende Themen und ähnliche (wenn nicht gar schlimmere) sprachliche und stilistische Fehler. Es erfordert auch einen Sprung über meinen Schatten, wenn ich hier eines als Beispiel zum Besten gebe:
Nun gut, vielleicht empfindest du diesen Vergleich erst recht als beleidigend, verzeih.
Ich hätte die Angabe, die du während oder nach der Registrierung in deinem Benutzerprofil gemacht hast, nicht gebraucht, um ungefähr einzuschätzen, wie alt du bist. Deine Sprache, so allgemein sie ist, die Bilder, die du gebrauchst, die Themen (wiederkehrend in jeder Generation und wiederkehrend glaubt jede, sie sei die erste), das Herzblut, mit dem du jedes Wort verteidigst, dein selbstbewusstes Ego (wenn ich das mal so nennen darf), der etwas angestrengt wirkende Versuch, etwas zu gelten und dein Wissen unter Beweis zu stellen, sprechen für sich. Bitte versteh das nicht wieder als Beleidigung; mir ist durchaus bewusst, dass dies nichts mit deinem Text zu tun hat. Aber du agierst hier auch nicht nur und ausschließlich als Autor, als das neutrale, unantastbare Schattenwesen, das sich in überlegenes Schweigen hüllt (sorry, aber dazu fehlt dann doch einiges), sondern auch als Interpret deiner eigenen Texte, als Verneiner und Kritiker von anderen Meinungen, als beleidigter, missverstandener, unterschätzter und fehl gedeuteter Autor und auch als das, was du mir vorgeworfen hast: Lehrer. Mal ganz davon abgesehen, dass es auch biographische Interpretationen gibt und die Unterscheidung von Text und Autor nur analytisch denkbar ist (ja, eine Unterscheidung zu der ich hin und wieder auch in der Lage und gewillt bin).
Aber hast du es schon mal von dieser Seite betrachtet: Selbst, wenn ich zugäbe, dass du mit deiner Interpretation Poeta, Silentium und mich widerlegt hättest, was sagt das über deinen Text aus?
Das ist das Problem. Besteht Literatur darin, dass du mir Gedanken vorkaust und dass ich (wer kann sie erraten?) wie bei einem Kreuzworträtsel genötigt bin, sie buchstabengetreu wiederzukäuen? Wohl wäre ich wirklich ein Hinterweltler, wollte ich dies glauben, jedoch
Meine persönliche Assoziationen müssen nicht die des Autors sein – ja, Andres, warum sollten sie auch? Ich gehe nicht davon aus, dass du mir das selbstständige Denken absprechen möchtest, eigene Gefühle oder meine ganz individuellen Erfahrungen? Ist meine Vorstellungskraft falsch, sind die Bilder in meinem Kopf weniger wert, sind meine Assoziationen nutzlos, weil sie nicht das sind, was du im Sinn hattest, weil sie von dem, was du intendiert hast, abweichen? Was macht deine Worte zum Maßstab meines Denkens und wo bleibt hier meine interpretatorische Freiheit?
Warum nicht? Weil ich es vermieden habe, dir zu erzählen, was du gern hören wolltest?
Warum? Weil ich dich mit dem, was ich dein Gedicht hineingedeutet habe, provozieren wollte?
Sag bloß! Ich weiß, ich wiederhole mich. Diese Wiederholung ist aber (leider) notwendig. Ich glaube, ich habe dein Gedicht (nicht unbedingt hinreichend, doch) eingehend auf die Frage nach dem wovon abgeklopft. Hier noch mal die Conclusio meiner etwas ausführlicheren Untersuchung, die du oben in Gänze noch mal nachlesen kannst:
Unsere Verständigung in diesem Punkt läuft auf einen Nein-Doch-Nein-Doch-Nein-Doch-Vorschulalter-Argumentations-Zirkel hinaus, weil du etwas behauptest, was ich bereits – und zwar argumentativ (!) und belegt durch Textstellen aus deinem Gedicht – in Frage gestellt habe.
Das ist eine Farce. Wie kann ich mit jemandem sachlich diskutieren, der nichts zur Sache sagt? Der meine Fragen nicht beantwortet, nicht auf meine Argumentation eingeht und mich vorsätzlich falsch versteht? (Und würde ich nicht Vorsatz unterstellen, müsste ich Unfähigkeit attestieren. Aber nein, ich halte dich nicht für einen Hinterwäldler.) Der mich stattdessen mit Zitaten konfrontiert, die peripher etwas mit dem Thema zu tun haben, mich auf Wikipedia-Artikel verweist, die mir auch kein besseres Verständnis seiner problematisch verwendeten Begriffe ermöglicht und meine Art der Interpretation mit der Psychoanalyse von Freud vergleicht.
Weißt du, was ein rhetorisches Fettnäpfchen ist? Wenn ich herablassend über den Bildungsstand von jemand urteile und derjenige dann alles daran setzt, seinen Bildungsstand unter Beweis zu stellen und dabei sein ganzes Wissen und Halbwissen zum Besten gibt.
Wenn reflektiertes Verhalten von Bildung zeugt, so ist dies nichts weiter als ein Reflex. Was sollen diese Nietzsche-Zitate bezwecken (über den Gassenhauer von Bejamin Franklin rede ich gar nicht):
Soll mich das widerlegen? (Wenn ja, würde ich doch gern wissen, inwiefern?)
Soll mich das beeindrucken?
Soll das dein Gedicht nachträglich aufwerten?
Soll dies dein – wie hast du es noch gleich genannt – „Belesenen-Joker“ sein?
Was immer du damit bezweckt haben magst, weder nützt, noch schadet es deinem Gedicht. Es mag ein Indiz für deine Belesenheit sein, aber es hat nur einen oberflächlichen Bezug zu dem, was ich zu deinem Gedicht gesagt habe. Es verändert nicht den Blickwinkel, es verändert nicht, wie ich über seinen Inhalt und seine Form geurteilt habe. Okay, du liest die richtigen Sachen, das kann auf keinen Fall verkehrt sein – ich mag Nietzsche und das Buch, aus dem du zitiert hast, gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Aber der Punkt ist: Auf der Hälfte des Raumes, den dein Gedicht beansprucht, prangt dieses Zitat, obgleich seiner Kürze und seines fehlenden Kontextes, mit Erkenntnis und Wortwitz. Anders ausgedrückt: Es bringt die Mäßigkeit deines Gedichtes nur noch besser zur Geltung.
Ich kann, denn du lieferst mir die Beweise. Hier ein bisschen Kafka, da ein bisschen Freud, hier ein Zitat von Nietzsche, da ein Querverweis auf Wikipedia, und alles bunt durcheinander wie in einem Kinderzimmer.
Ich vermisse die Ordnung, die Konsistenz deines Gedanken, den inneren Zusammenhang, ich vermisse den äußeren Zusammenhang mit dem, was ich gesagt habe, ich vermisse es, dass du auf meine Argumentationskette eingehst, dass du die Lücken in meinen Schlussfolgerungen und meine falschen Prämissen entlarvst (dafür hat Razorback zwei Zeilen gebraucht), dass du mich mit deinen eigenen Worten Schach setzt, anstatt mit fremden Erkenntnisschnipseln hausieren zu gehen. Aber noch mehr vermisse ich es, dass du den Leuten in diesem Forum zuhörst (und das macht mich dann wirklich wütend und kann als eine Erklärung für die Emotionalität meiner Rezension gedeutet werden). Bitte, mach dir doch erst mal die Mühe, über das nachzudenken, was sie sagen, bevor du es verwirfst, bei Seite schiebst, es mit dem Rauschen in deinem Kopf überlagerst, um im Anschluss – wie du es bisher symptomatisch immer wieder getan hast – deine Sicht der Dinge über alle anderen zu erheben. Hör nicht auf mich, ignorier mich, beschimpf mich, wenn du magst, es geht hier nicht um mich. Ich bin ein Hobbyautor wie du, ein mäßig begabter Amateur. Aber, wenn Edekire, Silentium, Mög oder Razorback etwas zu deinen Texten sagen, dann hat das, was sie sagen, in den meisten Fällen Hand und Fuß. Es gibt in diesem Forum Autoren, die Sprachen oder andere Geisteswissenschaften studieren/studiert haben, einige üben das Schreiben als Beruf aus (oder sind auf dem besten Weg, es zu dem zu machen), einige haben bereits veröffentlicht oder wurden zu angesehenen Förderwerkstätten eingeladen und einer unter den Genannten hat bereits mehrere Romane geschrieben. Das heißt, im Vergleich zu uns beiden sind sie, was die handwerklichen Fähigkeiten angeht, Profis – oder zumindest Semiprofis. Es kommt dann schon ein bisschen „komisch“ rüber, wenn du denen etwas über Parabeln erzählst oder vor dem Hintergrund deiner mäßigen Texte Vergleiche mit Kafka oder der Romantik anstellst. Apropos:
Nicht?
Wo genau liegt da jetzt der Unterschied? Dass dein Gedicht nicht 1824 – im selben Jahr wie Heines „Loreley“ – entstanden ist, habe ich nicht unterstellt, dass es also zeitlich nicht in diese Epoche gehört, ist uns beiden klar. Wovon reden wir dann und warum fällt dies bei mir unter „Form“ (Sprache, Stil, Ausdruck, Versmaß, Strophen- und Reimformen etc.)?
Dasselbe in Grün. Ich wiederhole mich (ungern):
Nun gut, zweiter Anlauf: Wir üben das jetzt mal mit der Argumentation. Bitte gründlich lesen! Du sagst:
Das „eher“ deute ich so, dass du es mehr/lieber/vorrangig der Romantik, als irgendeiner anderen Epoche zuordnen würdest. Dass du von einer Epoche (der Romantik) sprichst und diese Bedeutung zusätzlich durch „epochal“ unterstreichst, darüber müssen wir, denke ich, nicht diskutieren. Du beanspruchst also Ähnlichkeiten in „Stil“ und „Wortwahl“ mit besagter Epoche. Habe ich das soweit korrekt zusammengefasst? Ich verstärke meine ursprüngliche Aussage (das macht es übrigens leichter für dich, mich zu widerlegen) und sage, dass der „Stil“ deines Gedichtes überhaupt nichts anders als gewöhnlich ist (das heißt, zu keiner Zeit modern/neu/originell/innovativ gewesen wäre). Er ist weder (wahrscheinlich-unwahrscheinlich) der Romantik, noch (unwahrscheinlicher) dem Meistersang, der Klassik, der Renaissance, dem Expressionismus, dem Sturm und Drang, dem Dada, dem Minnesang, dem Rokoko, der Aufklärung, noch dem Vormärz oder dem sozialistischen Realismus „zuzuordnen“. Aber da du dich so prächtig mit der Romantik wie mit allen anderen Epochen (sicher auch denen, die ich nicht genannt habe) auskennst …
… was mich angesichts der Fülle deiner Querverweise und Bezüge mal wieder wirklich sehr beeindruckt hat, darfst du mich jetzt eines Besseren belehren. Your turn.
Konkret frage ich mich, an welcher Stelle ich das behauptet haben soll? Ich glaube, ich hatte in diesem Zusammenhang vom Respekt vor den Elementen und vor dem Sterben gesprochen sowie von der medialen Verniedlichung dessen, was Piraterie wirklich ist, aber philosophische Aussagen über Freiheit? Manchmal hilft ein… du weißt schon!
Ganz meine Meinung, ich glaube, in diesem Punkt gehen wir vollkommen d’accord. Dass der Bezug „recht oberflächlich“ sowie die Verwendung der Piraten-Analogie unbedacht und problematisch ist, war ja eines der Hauptanliegen meiner inhaltlichen Kritik. Ich könnte dem Vorwurf, dass ich dein Gedicht nicht interpretiert und verstanden habe, entgegensetzen, dass du den Kernpunkt meiner inhaltlichen Kritik nicht gewürdigt hast. Ja, das Ausmaß deines Nicht-verstehen-wollens überrascht mich dann doch. Denn auch in diesem Punkt bist du mir auf den „argumentativen“ Leim gegangen, da die neoliberale / historische / gesellschaftskritische Interpretation, die du jetzt so kategorisch ausgeschlossen hast, …
… durchaus etwas „Wohlwollendes“ hatte. Denn sie bot eine Erklärung und Rechtfertigung für die Verwendung der Piraten-Analogie, der du dich jetzt gänzlich beraubt hast. Ist der erste Eindruck von Poeta wirklich so „weit hergeholt“, angesichts von Freibeutern, die sich an fremden Eigentum bereichern? Ich glaube nicht. Wenn es im Kern deines Gedichtes wirklich um individuelle Freiheit, um den symbolischen, subjektiv wahrgenommenen Aufbruch zu ihr geht, bestätigt sich nur umso mehr der unreflektierte und problematische Gebrauch der Wörter „Pirat“, „Mord“ und „Freibeuter“. Der Pirat (und zwar jetzt mal nicht im Sinne eines listigen Gratwanderers wie Jack Sparrow) steht als sprachliches Symbol grundsätzlich für die Übertretung der zentralen Normen menschlichen Zusammenlebens. Seine Freiheit verwirklicht sich darin, sie anderen Menschen zu nehmen – sie zu täuschen, zu betrügen, zu berauben, zu entführen und zu töten. Doch das führt den Begriff der Freiheit ad absurdum, da es ein moralischer Begriff ist, der eine reziproke Beziehung impliziert. Wärest du der einzige Mensch auf der Welt, wäre der Begriff für dich wahrscheinlich bedeutungslos (wenn wir ihn jetzt mal von dem philosophischen Begriff der Willensfreiheit zu unterscheiden versuchen). Aber auch Pirat sein wäre dann sinnlos.
Aber selbst dies erklärt nicht die Verwendung von „Mord“ – Wellen, Stürme, Gefahren, Riffe, Untiefen lassen sich nicht „ermorden“. Mord ist ein zu eindeutiges Wort, um es symbolisch zu verstehen. Das ist auch der Grund, warum die Wahl der Worte dein Gedicht, ohne dass du dir selbst dessen bewusst bist, zum Politikum machen, weil es hier einen eklatanten Widerspruch zwischen dem, was du meinst, und dem, was du sagst, gibt. Mir ist durchaus einsichtig, dass du etwas anderes ausdrücken wolltest, ein bestimmtes Gefühl, eine dem Sturm und Drang oder der Romantik würdige Empfindung, die sich wahrscheinlich musikalisch sehr viel besser fassen und vermitteln ließe.
Ich gehe noch ein Stück weiter: Ich glaube, dass dir in Bezug auf deinen Freiheitsbegriff ein analoger Fehler zu deinem Literaturbegriff (Argumente siehe oben) unterlaufen ist – und ein allzu menschlicher noch dazu. Der literarische Akt wird sinnlos, wenn du dich zum Interpreten deiner eigenen Gedanken und Worte aufschwingst, dein Text wird zum vermeidbaren Umweg dessen, was du eigentlich sagen wolltest. Du vergisst dabei die Relation, in der die Begriffe „Freiheit“ und „Literatur“ bedeutsam sind, du sprichst einem anderen ab, was nur in wechselseitigem Zugeständnis Geltung besitzen kann:
Sag mir, wie kann ich, vorausgesetzt, dass ich ein sprachbegabtes Wesen bin und nicht an einer Art Autismus leide, dein Gedicht gelesen haben, ohne die Bedeutung der Worte zu interpretieren? Damit schließt sich, denke ich, wieder der Kreis unseres gemeinsam verwendeten Zitates:
In diesem Sinne:
Dann war sie vergebens – wenn ich im Auge zu behalten versuche, was ich damit intendiert habe. Denn ich wünschte, du hättest den einen oder anderen Aspekt, der sich an deinem Gedicht verbessern ließe, bemerkt. Ich wünschte, anstatt dir die Mühe zu machen, uns zu verbessern, würdest du dich auf die Frage konzentrieren, warum deine Texte nicht die Wirkung erzielen, die sie sollen. Du siehst: Auch ich erreiche längst nicht alles, was ich mit meinen Worten zu erreichen beabsichtige.
Seelenunverwandte, umso bemüht höflichere Grüße,
[) i r k
für jemand, der so starke Worte gebraucht, bist du doch recht empfindlich. Das bestätigt die alte Seefahrerweisheit: Piraten, die laut mit dem Säbeln rasseln, rufen beim ersten Piecks nach ihrem großen Bruder. In deinem Fall wäre das dann Nietzsche. (O-oh, jetzt habe ich es schon wieder getan: Autor und Text verwechselt!)
:damn:
Deine zuvorkommende Erlaubnis vorausgesetzt, möchte ich eines deiner so treffend ausgewählten Zitate aufgreifen, um ein kleines Stück des ursprünglichen Kontextes erweitern und dies zum Motto meiner Antwort nehmen:
Oh meine Thiere, antwortete Zarathustra, schwätzt also weiter und lasst mich zuhören! Es erquickt mich so, dass ihr schwätzt: wo geschwätzt wird, da liegt mir schon die Welt wie ein Garten.
Wie lieblich ist es, dass Worte und Töne da sind: sind nicht Worte und Töne Regenbogen und Schein-Brücken zwischen Ewig-Geschiedenem?
Zu jeder Seele gehört eine andre Welt; für jede Seele ist jede andre Seele eine Hinterwelt.
Zwischen dem Ähnlichsten gerade lügt der Schein am schönsten; denn die kleinste Kluft ist am schwersten zu überbrücken.
Quelle: Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Dritter Teil, Der Genesende.
Übrigens gebe ich dir Recht: Dies charakterisiert unsere bisherige Kommunikation recht gut (und nicht nur unsere). Aber liegt das nur an mir und der Art, wie ich deinen Text behandelt habe?
Nehmen wir mal dieses Zitat: Glaubst du, dass ich diese Aussage für vorbehaltlos wahr halte? Gehst du davon aus, dass du für mich – wenn ich das Zitat erst mal ganz und gar wörtlich nehme – ein Hinterweltler, ein Hanswurst, ein schwätzender Irgendwer bist? Glaubst du, dass ich diesen recht ausführlichen Verriss deines Gedichtes geschrieben habe, um dich – dich als Person – anzugreifen und herunterzuputzen? Glaubst du wirklich, dass ich so einfach gestrickt bin? Und: wie stehst du zu diesen Worten? Die Fragen, die sich für mich – in Bezug auf dieses Zitat und unseren spezifischen Kontext – am ehesten stellen, sind: Warum schreibst du? Warum hast du dieses Forum aufgesucht? Und warum habe ich mir die Zeit genommen, deinen Text zu hinterfragen, obwohl ich im Vorfeld wusste, dass du diese Kritik nicht annehmen würdest?
Ich möchte dich auf einen ersten – in meinen Augen eklatanten – Widerspruch in deinen Aussagen hinweisen. Ein Autor, der auf der einen Seite wiederholt verschiedene Lesarten und Interpretationsversuche seiner Leser negiert und ihre Meinungen zu widerlegen bestrebt ist …
… ein Loblied auf den Neoliberalismus sollte das eigentlich nicht sein.
… und …
Mit dem Begriff „verbrauchte Bilder“ bin ich nicht ganz einverstanden.
… sowie …
Der Versuch einer inhaltlichen Deutung meines Gedichtes gelingt dir nicht.
„Freiheit“ wird in meinem Gedicht negativ definiert, es ist Freiheit von etwas.
… als auch …
Es geht nicht um eine historische Parallele zu den Entdeckern, um einen politischen Aufbruch zu mehr Menschenrechten, um eine Kritik konkreter gesellschaftlicher Verhältnisse oder um neoliberale Produktpiraterie. Diese Bemerkung zu den Themen sind weit hergeholt, es findet sich im Gedicht kein Hinweis hierauf. Deine persönlichen Assoziationen müssen nicht die des Autors sein.
… und noch einen …
Inhaltlich hast du mein Gedicht zwar gelesen, es aber nicht interpretiert. Deine inhaltlichen Ausführungen erinnern z.T. an die Methodik der „freien Assoziation“, wie sie Freud gerne einsetzte.
… mir dann auf der anderen Seite erklärt, er verstünde sowohl etwas von Literatur …
Das bedeutet aber nicht, dass ich mich erst seit gestern mit Literatur beschäftige.
… als auch von verschiedenen kulturgeschichtlichen Epochen …
Mit den verschieden Epochen musste ich mich fast schon zu lange beschäftigen, daher kann ich deine unterstellte „Ahnungslosigkeit“ nur belächeln.
… sowie von Literaturkritik …
Du sprichst von Literaturkritik. Ich musste/durfte mich schon häufiger mit Texten dieser Art befassen… Eine emotionalisierte Ausdrucksweise, die an Polemik grenzt, gehört eher in ein Pamphlet und hat nichts mit Literaturkritik zu tun.
… hat sich meines Erachtens – und ohne mein Zutun – eindrucksvoll selbst widerlegt.
Dass du mir Anmaßung vorwirfst…
Deine Aussagen über mich zeugen von Selbstüberschätzung…
… kann ich gut nachvollziehen, aber hast du dir auch mal klar gemacht, wie dieses Verhalten gegenüber uns, deinen Lesern, wirkt?
Es gibt Gründe, warum ich meine Kritik an dich so formulierte, wie ich es getan habe und, warum ich beispielsweise sehr bewusst vermieden habe, dein Gedicht auf die Art zu interpretieren, wie du es intendiert hast. War es wirklich so anmaßend, so beleidigend von mir, wie ich dich eingeschätzt habe? Habe ich mich so sehr in dir getäuscht? War es nicht erwartbar für mich, dass du dein Gedicht selbst interpretieren würdest?
Du kennst meinen Bildungsstand, weist „was mich in meinem Alter bewegt“ und kannst mir obendrein noch sagen, „was mir im Wege steht“. Bemerkenswert!
Deine Aussagen über mich zeugen von Selbstüberschätzung und einer Unfähigkeit, Autor und Werk getrennt zu betrachten.
Versuch mal über deinen Schatten zu springen und dir vorzustellen, dass ich durchaus in der Lage bin, die eigentliche Intention deines Gedichtes zu verstehen. Das hat nichts mit Selbstüberschätzung zu tun, im Gegenteil. Der Grund ist vielmehr in einer Gemeinsamkeit von uns beiden zu suchen, nämlich in der Tatsache, dass ich für (ich will nicht sagen dieselben, aber für) vergleichbare Empfindungen einen Ausdruck gesucht habe. Das soll nicht lehrerhaft gemeint sein, auch wenn es danach klingt – wenn ich die Gedichte lese, die ich vor zehn/fünfzehn Jahren geschrieben habe, finde ich sich gleichende Themen und ähnliche (wenn nicht gar schlimmere) sprachliche und stilistische Fehler. Es erfordert auch einen Sprung über meinen Schatten, wenn ich hier eines als Beispiel zum Besten gebe:
Vielleicht ein Ende
Wer hat das Wahllose geschickt
Und ist durch ein Motiv verstrickt?
Die nasse Katze streift umher
Und braune Blüten kreuz und quer,
Sie liegen unter dem Holunder,
Vorbei des Frühlings kurzes Wunder.
Ich ziehe wieder los ins Land
Und folge meines Herzens Brand.
Ich folge wider alle Fessel,
Bloß weg aus dem Gewohnheitssessel,
Aus der Bequemlichkeit, so träge,
Fad und verführerisch und schräge.
Doch morgen dann ein neuer Tag,
An den ich noch nicht denken mag,
Ein Tag erfüllt von Pflicht und Sorge,
Die ich mir dieser Welt entborge.
So stürze ich ins Ungenügen,
Die Wärme ihrer kleinen Lügen,
Entlang, wo wahllos Wände stehen,
Und darf vielleicht ein Ende sehen.
Nun gut, vielleicht empfindest du diesen Vergleich erst recht als beleidigend, verzeih.
Eine ehrliche Frage: Für wie alt hältst du mich denn? Deine Position ist die eines Lehrers, der seinem Schüler eine Erklärung für seine miserable Note gibt. Das amüsiert mich eher, als das es mich stört.
Ich hätte die Angabe, die du während oder nach der Registrierung in deinem Benutzerprofil gemacht hast, nicht gebraucht, um ungefähr einzuschätzen, wie alt du bist. Deine Sprache, so allgemein sie ist, die Bilder, die du gebrauchst, die Themen (wiederkehrend in jeder Generation und wiederkehrend glaubt jede, sie sei die erste), das Herzblut, mit dem du jedes Wort verteidigst, dein selbstbewusstes Ego (wenn ich das mal so nennen darf), der etwas angestrengt wirkende Versuch, etwas zu gelten und dein Wissen unter Beweis zu stellen, sprechen für sich. Bitte versteh das nicht wieder als Beleidigung; mir ist durchaus bewusst, dass dies nichts mit deinem Text zu tun hat. Aber du agierst hier auch nicht nur und ausschließlich als Autor, als das neutrale, unantastbare Schattenwesen, das sich in überlegenes Schweigen hüllt (sorry, aber dazu fehlt dann doch einiges), sondern auch als Interpret deiner eigenen Texte, als Verneiner und Kritiker von anderen Meinungen, als beleidigter, missverstandener, unterschätzter und fehl gedeuteter Autor und auch als das, was du mir vorgeworfen hast: Lehrer. Mal ganz davon abgesehen, dass es auch biographische Interpretationen gibt und die Unterscheidung von Text und Autor nur analytisch denkbar ist (ja, eine Unterscheidung zu der ich hin und wieder auch in der Lage und gewillt bin).
Aber hast du es schon mal von dieser Seite betrachtet: Selbst, wenn ich zugäbe, dass du mit deiner Interpretation Poeta, Silentium und mich widerlegt hättest, was sagt das über deinen Text aus?
Deine persönlichen Assoziationen müssen nicht die des Autors sein.
Das ist das Problem. Besteht Literatur darin, dass du mir Gedanken vorkaust und dass ich (wer kann sie erraten?) wie bei einem Kreuzworträtsel genötigt bin, sie buchstabengetreu wiederzukäuen? Wohl wäre ich wirklich ein Hinterweltler, wollte ich dies glauben, jedoch
Zwischen dem Ähnlichsten gerade lügt der Schein am schönsten.
Meine persönliche Assoziationen müssen nicht die des Autors sein – ja, Andres, warum sollten sie auch? Ich gehe nicht davon aus, dass du mir das selbstständige Denken absprechen möchtest, eigene Gefühle oder meine ganz individuellen Erfahrungen? Ist meine Vorstellungskraft falsch, sind die Bilder in meinem Kopf weniger wert, sind meine Assoziationen nutzlos, weil sie nicht das sind, was du im Sinn hattest, weil sie von dem, was du intendiert hast, abweichen? Was macht deine Worte zum Maßstab meines Denkens und wo bleibt hier meine interpretatorische Freiheit?
Der Versuch einer inhaltlichen Deutung meines Gedichtes gelingt dir nicht.
Warum nicht? Weil ich es vermieden habe, dir zu erzählen, was du gern hören wolltest?
Inhaltlich hast du mein Gedicht zwar gelesen, aber nicht interpretiert?
Warum? Weil ich dich mit dem, was ich dein Gedicht hineingedeutet habe, provozieren wollte?
Freiheit wird in meinem Gedicht negativ definiert, es ist Freiheit von etwas.
Sag bloß! Ich weiß, ich wiederhole mich. Diese Wiederholung ist aber (leider) notwendig. Ich glaube, ich habe dein Gedicht (nicht unbedingt hinreichend, doch) eingehend auf die Frage nach dem wovon abgeklopft. Hier noch mal die Conclusio meiner etwas ausführlicheren Untersuchung, die du oben in Gänze noch mal nachlesen kannst:
Individuelle Freiheit? Du kannst die einfachsten Fragen dazu (wovon und wozu) nicht befriedigend beantworten, geschweige denn gelingt es dir, tiefere Einsichten zu dem Thema beizusteuern.
Unsere Verständigung in diesem Punkt läuft auf einen Nein-Doch-Nein-Doch-Nein-Doch-Vorschulalter-Argumentations-Zirkel hinaus, weil du etwas behauptest, was ich bereits – und zwar argumentativ (!) und belegt durch Textstellen aus deinem Gedicht – in Frage gestellt habe.
Liegt dir etwas an einem nüchternen Gesprächsklima? Wenn ja, dann formuliere bitte deine Antworten an meine Adresse in Zukunft sachlich …
Das ist eine Farce. Wie kann ich mit jemandem sachlich diskutieren, der nichts zur Sache sagt? Der meine Fragen nicht beantwortet, nicht auf meine Argumentation eingeht und mich vorsätzlich falsch versteht? (Und würde ich nicht Vorsatz unterstellen, müsste ich Unfähigkeit attestieren. Aber nein, ich halte dich nicht für einen Hinterwäldler.) Der mich stattdessen mit Zitaten konfrontiert, die peripher etwas mit dem Thema zu tun haben, mich auf Wikipedia-Artikel verweist, die mir auch kein besseres Verständnis seiner problematisch verwendeten Begriffe ermöglicht und meine Art der Interpretation mit der Psychoanalyse von Freud vergleicht.
Weißt du, was ein rhetorisches Fettnäpfchen ist? Wenn ich herablassend über den Bildungsstand von jemand urteile und derjenige dann alles daran setzt, seinen Bildungsstand unter Beweis zu stellen und dabei sein ganzes Wissen und Halbwissen zum Besten gibt.
Es erquickt mich so, dass ihr schwätzt: wo geschwätzt wird, da liegt mir schon die Welt wie ein Garten.
Wenn reflektiertes Verhalten von Bildung zeugt, so ist dies nichts weiter als ein Reflex. Was sollen diese Nietzsche-Zitate bezwecken (über den Gassenhauer von Bejamin Franklin rede ich gar nicht):
Wir setzen unseren Stuhl in die Mitte – das sagt mir ihr Schmunzeln – und ebenso weit weg von sterbenden Fechtern wie von vergnügten Säuen. Dies aber ist – Mittelmäßigkeit: ob es schon Mäßigkeit heißt.
Soll mich das widerlegen? (Wenn ja, würde ich doch gern wissen, inwiefern?)
Soll mich das beeindrucken?
Soll das dein Gedicht nachträglich aufwerten?
Soll dies dein – wie hast du es noch gleich genannt – „Belesenen-Joker“ sein?
Was immer du damit bezweckt haben magst, weder nützt, noch schadet es deinem Gedicht. Es mag ein Indiz für deine Belesenheit sein, aber es hat nur einen oberflächlichen Bezug zu dem, was ich zu deinem Gedicht gesagt habe. Es verändert nicht den Blickwinkel, es verändert nicht, wie ich über seinen Inhalt und seine Form geurteilt habe. Okay, du liest die richtigen Sachen, das kann auf keinen Fall verkehrt sein – ich mag Nietzsche und das Buch, aus dem du zitiert hast, gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Aber der Punkt ist: Auf der Hälfte des Raumes, den dein Gedicht beansprucht, prangt dieses Zitat, obgleich seiner Kürze und seines fehlenden Kontextes, mit Erkenntnis und Wortwitz. Anders ausgedrückt: Es bringt die Mäßigkeit deines Gedichtes nur noch besser zur Geltung.
Du kennst meinen Bildungsstand, weist[sic!] „was mich in meinem Alter bewegt“ und kannst mir obendrein noch sagen, „was mir im Wege steht“.
Ich kann, denn du lieferst mir die Beweise. Hier ein bisschen Kafka, da ein bisschen Freud, hier ein Zitat von Nietzsche, da ein Querverweis auf Wikipedia, und alles bunt durcheinander wie in einem Kinderzimmer.
… sind nicht Worte und Töne Regenbogen und Schein-Brücken zwischen Ewig-Geschiedenem?
Ich vermisse die Ordnung, die Konsistenz deines Gedanken, den inneren Zusammenhang, ich vermisse den äußeren Zusammenhang mit dem, was ich gesagt habe, ich vermisse es, dass du auf meine Argumentationskette eingehst, dass du die Lücken in meinen Schlussfolgerungen und meine falschen Prämissen entlarvst (dafür hat Razorback zwei Zeilen gebraucht), dass du mich mit deinen eigenen Worten Schach setzt, anstatt mit fremden Erkenntnisschnipseln hausieren zu gehen. Aber noch mehr vermisse ich es, dass du den Leuten in diesem Forum zuhörst (und das macht mich dann wirklich wütend und kann als eine Erklärung für die Emotionalität meiner Rezension gedeutet werden). Bitte, mach dir doch erst mal die Mühe, über das nachzudenken, was sie sagen, bevor du es verwirfst, bei Seite schiebst, es mit dem Rauschen in deinem Kopf überlagerst, um im Anschluss – wie du es bisher symptomatisch immer wieder getan hast – deine Sicht der Dinge über alle anderen zu erheben. Hör nicht auf mich, ignorier mich, beschimpf mich, wenn du magst, es geht hier nicht um mich. Ich bin ein Hobbyautor wie du, ein mäßig begabter Amateur. Aber, wenn Edekire, Silentium, Mög oder Razorback etwas zu deinen Texten sagen, dann hat das, was sie sagen, in den meisten Fällen Hand und Fuß. Es gibt in diesem Forum Autoren, die Sprachen oder andere Geisteswissenschaften studieren/studiert haben, einige üben das Schreiben als Beruf aus (oder sind auf dem besten Weg, es zu dem zu machen), einige haben bereits veröffentlicht oder wurden zu angesehenen Förderwerkstätten eingeladen und einer unter den Genannten hat bereits mehrere Romane geschrieben. Das heißt, im Vergleich zu uns beiden sind sie, was die handwerklichen Fähigkeiten angeht, Profis – oder zumindest Semiprofis. Es kommt dann schon ein bisschen „komisch“ rüber, wenn du denen etwas über Parabeln erzählst oder vor dem Hintergrund deiner mäßigen Texte Vergleiche mit Kafka oder der Romantik anstellst. Apropos:
Zweitens habe ich nicht behauptet, das[sic!] mein Gedicht ein epochal romantisches ist.
Nicht?
Wieder hätte ein genaues Lesen meines Kommentars ein Missverständnis verhindert: Ich sagte, dass es eher der Romantik zuzuordnen sei.
Wo genau liegt da jetzt der Unterschied? Dass dein Gedicht nicht 1824 – im selben Jahr wie Heines „Loreley“ – entstanden ist, habe ich nicht unterstellt, dass es also zeitlich nicht in diese Epoche gehört, ist uns beiden klar. Wovon reden wir dann und warum fällt dies bei mir unter „Form“ (Sprache, Stil, Ausdruck, Versmaß, Strophen- und Reimformen etc.)?
Um es einmal anders auszudrücken: Wortwahl und Stil wirken nicht „modern“ sondern erinnern eher an frühere Epochen, wie z.B. die Romantik.
Dasselbe in Grün. Ich wiederhole mich (ungern):
Deine Ausdrucksweise wirkt nicht veraltet auf mich, sondern altbacken. Das ist ein Unterschied.
Nun gut, zweiter Anlauf: Wir üben das jetzt mal mit der Argumentation. Bitte gründlich lesen! Du sagst:
Der Stil ist epochal eher der Romantik […] zuzuordnen.
Das „eher“ deute ich so, dass du es mehr/lieber/vorrangig der Romantik, als irgendeiner anderen Epoche zuordnen würdest. Dass du von einer Epoche (der Romantik) sprichst und diese Bedeutung zusätzlich durch „epochal“ unterstreichst, darüber müssen wir, denke ich, nicht diskutieren. Du beanspruchst also Ähnlichkeiten in „Stil“ und „Wortwahl“ mit besagter Epoche. Habe ich das soweit korrekt zusammengefasst? Ich verstärke meine ursprüngliche Aussage (das macht es übrigens leichter für dich, mich zu widerlegen) und sage, dass der „Stil“ deines Gedichtes überhaupt nichts anders als gewöhnlich ist (das heißt, zu keiner Zeit modern/neu/originell/innovativ gewesen wäre). Er ist weder (wahrscheinlich-unwahrscheinlich) der Romantik, noch (unwahrscheinlicher) dem Meistersang, der Klassik, der Renaissance, dem Expressionismus, dem Sturm und Drang, dem Dada, dem Minnesang, dem Rokoko, der Aufklärung, noch dem Vormärz oder dem sozialistischen Realismus „zuzuordnen“. Aber da du dich so prächtig mit der Romantik wie mit allen anderen Epochen (sicher auch denen, die ich nicht genannt habe) auskennst …
Mit den verschieden Epochen musste ich mich fast schon zu lange beschäftigen, daher kann ich deine unterstellte „Ahnungslosigkeit“ nur belächeln.
… was mich angesichts der Fülle deiner Querverweise und Bezüge mal wieder wirklich sehr beeindruckt hat, darfst du mich jetzt eines Besseren belehren. Your turn.
Manchmal hilft ein genaues Lesen der Kommentare, auf die man antwortet.
Fluch der Karibik 1-3 ist unterhaltsam, mehr aber auch nicht. Irgendwelche philosophischen Aussagen über Freiheit etc. lassen sich daraus nicht ableiten. Konkret heißt das:
Konkret frage ich mich, an welcher Stelle ich das behauptet haben soll? Ich glaube, ich hatte in diesem Zusammenhang vom Respekt vor den Elementen und vor dem Sterben gesprochen sowie von der medialen Verniedlichung dessen, was Piraterie wirklich ist, aber philosophische Aussagen über Freiheit? Manchmal hilft ein… du weißt schon!
Mein Gedicht hat nur einen recht oberflächlichen Bezug zu dieser Filmreihe, der vor allem durch die Filmmusik des ersten Teiles entstanden ist.
Ganz meine Meinung, ich glaube, in diesem Punkt gehen wir vollkommen d’accord. Dass der Bezug „recht oberflächlich“ sowie die Verwendung der Piraten-Analogie unbedacht und problematisch ist, war ja eines der Hauptanliegen meiner inhaltlichen Kritik. Ich könnte dem Vorwurf, dass ich dein Gedicht nicht interpretiert und verstanden habe, entgegensetzen, dass du den Kernpunkt meiner inhaltlichen Kritik nicht gewürdigt hast. Ja, das Ausmaß deines Nicht-verstehen-wollens überrascht mich dann doch. Denn auch in diesem Punkt bist du mir auf den „argumentativen“ Leim gegangen, da die neoliberale / historische / gesellschaftskritische Interpretation, die du jetzt so kategorisch ausgeschlossen hast, …
Es geht nicht um eine historische Parallele zu den Entdeckern, um einen politischen Aufbruch zu mehr Menschenrechten, um eine Kritik konkreter gesellschaftlicher Verhältnisse oder um neoliberale Produktpiraterie. Diese Bemerkung zu den Themen sind weit hergeholt, es findet sich im Gedicht kein Hinweis hierauf.
… durchaus etwas „Wohlwollendes“ hatte. Denn sie bot eine Erklärung und Rechtfertigung für die Verwendung der Piraten-Analogie, der du dich jetzt gänzlich beraubt hast. Ist der erste Eindruck von Poeta wirklich so „weit hergeholt“, angesichts von Freibeutern, die sich an fremden Eigentum bereichern? Ich glaube nicht. Wenn es im Kern deines Gedichtes wirklich um individuelle Freiheit, um den symbolischen, subjektiv wahrgenommenen Aufbruch zu ihr geht, bestätigt sich nur umso mehr der unreflektierte und problematische Gebrauch der Wörter „Pirat“, „Mord“ und „Freibeuter“. Der Pirat (und zwar jetzt mal nicht im Sinne eines listigen Gratwanderers wie Jack Sparrow) steht als sprachliches Symbol grundsätzlich für die Übertretung der zentralen Normen menschlichen Zusammenlebens. Seine Freiheit verwirklicht sich darin, sie anderen Menschen zu nehmen – sie zu täuschen, zu betrügen, zu berauben, zu entführen und zu töten. Doch das führt den Begriff der Freiheit ad absurdum, da es ein moralischer Begriff ist, der eine reziproke Beziehung impliziert. Wärest du der einzige Mensch auf der Welt, wäre der Begriff für dich wahrscheinlich bedeutungslos (wenn wir ihn jetzt mal von dem philosophischen Begriff der Willensfreiheit zu unterscheiden versuchen). Aber auch Pirat sein wäre dann sinnlos.
Der Aufbruch zu „neuen Ufer“ ist immer mit Unsicherheit verbunden. Aus diesem Grund erscheint mir das Seefahrermotiv als passend, die Bewegung auf dem Wasser ist für den Menschen von Anbeginn mit Unsicherheiten verbunden. […] Außerdem sind sie mehr Sinnbilder für das Gefahrenpotenzial eines Aufbruches.
Aber selbst dies erklärt nicht die Verwendung von „Mord“ – Wellen, Stürme, Gefahren, Riffe, Untiefen lassen sich nicht „ermorden“. Mord ist ein zu eindeutiges Wort, um es symbolisch zu verstehen. Das ist auch der Grund, warum die Wahl der Worte dein Gedicht, ohne dass du dir selbst dessen bewusst bist, zum Politikum machen, weil es hier einen eklatanten Widerspruch zwischen dem, was du meinst, und dem, was du sagst, gibt. Mir ist durchaus einsichtig, dass du etwas anderes ausdrücken wolltest, ein bestimmtes Gefühl, eine dem Sturm und Drang oder der Romantik würdige Empfindung, die sich wahrscheinlich musikalisch sehr viel besser fassen und vermitteln ließe.
Ich gehe noch ein Stück weiter: Ich glaube, dass dir in Bezug auf deinen Freiheitsbegriff ein analoger Fehler zu deinem Literaturbegriff (Argumente siehe oben) unterlaufen ist – und ein allzu menschlicher noch dazu. Der literarische Akt wird sinnlos, wenn du dich zum Interpreten deiner eigenen Gedanken und Worte aufschwingst, dein Text wird zum vermeidbaren Umweg dessen, was du eigentlich sagen wolltest. Du vergisst dabei die Relation, in der die Begriffe „Freiheit“ und „Literatur“ bedeutsam sind, du sprichst einem anderen ab, was nur in wechselseitigem Zugeständnis Geltung besitzen kann:
Inhaltlich hast du mein Gedicht zwar gelesen, es aber nicht interpretiert.
Sag mir, wie kann ich, vorausgesetzt, dass ich ein sprachbegabtes Wesen bin und nicht an einer Art Autismus leide, dein Gedicht gelesen haben, ohne die Bedeutung der Worte zu interpretieren? Damit schließt sich, denke ich, wieder der Kreis unseres gemeinsam verwendeten Zitates:
Zu jeder Seele gehört eine andre Welt; für jede Seele ist jede andre Seele eine Hinterwelt.
Zwischen dem Ähnlichsten gerade lügt der Schein am schönsten; denn die kleinste Kluft ist am schwersten zu überbrücken.
In diesem Sinne:
Deine ausführliche Rezension finde ich aus mehreren Gründen wirklich bemerkenswert.
Dann war sie vergebens – wenn ich im Auge zu behalten versuche, was ich damit intendiert habe. Denn ich wünschte, du hättest den einen oder anderen Aspekt, der sich an deinem Gedicht verbessern ließe, bemerkt. Ich wünschte, anstatt dir die Mühe zu machen, uns zu verbessern, würdest du dich auf die Frage konzentrieren, warum deine Texte nicht die Wirkung erzielen, die sie sollen. Du siehst: Auch ich erreiche längst nicht alles, was ich mit meinen Worten zu erreichen beabsichtige.
Seelenunverwandte, umso bemüht höflichere Grüße,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
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