MISTEL
es wissen und es anders glauben
das herz kraus wie ein mistelnest
verbissen am balken verstauben
als wäre es jungfirn geäst
verschlissen die gedankenflechten
die dies umwuchern weidenhaft
umrissen von traumlosen nächten
in denen wunsch und meiden klafft
wir müssen nichts wir müssen nur
all das verschwenden und verschwinden
das küssen ist wie eine spur
von blut aus halb verheilten grinden
vermissen dieser parasit
ein augenloses ungetier
wie nissen im medusen-ried
so saugt und brütet es an mir
© H. Eiter
Anti-Frühlings-Poesie
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Herbert Eiter
- Orpheus
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Anti-Frühlings-Poesie
and all the lousy little poets coming round ...
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Hugo Homunkulus
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Re: Anti-Frühlings-Poesie
die analysten von goldmann&sachs haben "herz" jetzt von kaufen auf verkaufen runtergesetzt
Mit seltsamen Gebärden
Gibt man sich viele Pein,
Kein Mensch will etwas werden,
Ein Jeder will schon was sein.
(Johann Wolfgang von Goethe)
Gibt man sich viele Pein,
Kein Mensch will etwas werden,
Ein Jeder will schon was sein.
(Johann Wolfgang von Goethe)
Re: Anti-Frühlings-Poesie
die analysten von goldmann&sachs haben "herz" jetzt von kaufen auf verkaufen runtergesetzt
ich kaufe, ich kaufe. Ich bin dafür, den Wert des Herzens zu halten.
Sehr geehrter Herr Eiter,
das Küssen scheint eine ziemlich abstoßende Angelegenheit zu sein ("blut aus halb verheilten grinden" uah)- aber so ist das wohl mit einer Mistel, nicht verwunderlich.
Heißt es wirklich "vermissen dieser parasit"? Bezieht sich "vermissen" nicht auf den Parasiten und müsste es nicht heißen "vermissen diesen Parasiten". Wer wird denn sonst vermisst? Oder was bedeutet sonst "vermissen".
da steht ja schließlich nicht "vermisteln". Das Wort vermisteln fände ich schön... es hat doch einen recht negativen Anklang ("mist") und doch etwas von liebevoller Zuneigung, also so ungefähr das Gegenteil von haken (nicht "hakeln" oder "häkeln"). Wenn Sie verstehen würden, was ich meine... Also, ein verniedlichter Mist.
"jungfirn geäst"
"grinden"
"medusen-ried"
sind zwar speziell und passen auch irgendwie, vor allem
"wie nissen im medusen-ried"
sie sind nur mein rein persönlicher geschmack nicht. es erinnert mich an die Sprache von... weiß nicht wem, aber vielleicht stoße ich noch darauf. Sie auch?
"kraus wie ein mistelnest"
"in denen wunsch und meiden klafft"
"so saugt und brütet es an mir"
Ja, ich muss sagen, verehrter Herr Eiter, ich mag Ihre Mistel, wie sie mistelt.
es wäre gar nicht so schön ohne mäntelchen, wenn man keines hätte
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Herbert Eiter
- Orpheus
- Beiträge: 267
- Registriert: 04.01.2004, 19:30
Re: Anti-Frühlings-Poesie
Sehr geehrte Frau KaRe,
Ja, heißt es. Obwohl es grammatikalisch korrekt "Vermissen, dieser Parasit, [ist] ein augenloses Ungetier" heißen müsste. Stellen Sie sich einfach die Kommas und das Verb apostrophiert vor, kann bei Lyrik vorkommen.
Warum haben Sie das "kraus" fett gesetzt, wenn ich fragen darf?
Hochachtungsvoll,
H. Eiter
Heißt es wirklich "vermissen dieser parasit"?
Ja, heißt es. Obwohl es grammatikalisch korrekt "Vermissen, dieser Parasit, [ist] ein augenloses Ungetier" heißen müsste. Stellen Sie sich einfach die Kommas und das Verb apostrophiert vor, kann bei Lyrik vorkommen.
Warum haben Sie das "kraus" fett gesetzt, wenn ich fragen darf?
Hochachtungsvoll,
H. Eiter
and all the lousy little poets coming round ...
Re: Anti-Frühlings-Poesie
Sehr geehrter Herr H. Eiter:
Ja, das kann es.
Das ist wohl der Unterschied zwischen "Zeichensetzern" und Dichtern. Dichter setzen kein Zeichen, und die Zeichen müssen reingelesen werden (oder auch nicht) und "Zeichensetzer" setzen Zeichen, um das Lesen, das Verstehen der Aussage, zu vereinfachen. Und beide wollen, mit und ohne Zeichen, dass gedeutet, interpretiert und verstanden werden will.
Ich kann Zeichen wie Kommata lesen, wenn sie gemeint sind. An dieser Stelle schien mir das aufgrund der grammatikalischen Konstruktion nicht ganz eindeutig zu sein. Und auch inhaltlich gesehen "hängt" der Parasit an dem LI, folglich könnte der Parasit das LI vermissen, falls man von vermissen sprechen kann, wenn der Parasit sowieso die ganze Zeit an dem LI hängt. So betrachtet wäre das Brüten des Parasiten das Vermissen des LI durch den Parasiten. Schließlich braucht ein Parasit seinen Wirt zum Überleben.
Das Komische an dem Gedicht, finde ich, ist die Vorstellung, wie ein Parasit, der ja sowieso am LI "brütet" und "saugt", vom LI vermisst werden kann. Es ergibt sich für mich ein Bild, dass das LI etwas vermisst, was da ist. Daraufhin frage ich mich: vermisst das LI das Vermissen?
Natürlich könnte man das auch so sehen, dass das Vermissen an sich wie ein Parasit an dem LI klebt.
Das LI scheint den Parasiten, das Vermissen an sich, nicht "missen" zu wollen. Ein Parasit könnte entfernt werden, weil ja keine Symbiose besteht mit dem Wirt (LI).
Fragt sich nur, ob das machbar ist, wenn "das herz kraus wie ein mistelnest" ist. Das Herz ist nicht die Mistel/der Parasit selbst, sondern "wie ein mistelnest".
Und trotzdem komme ich immer wieder auf den Gedanken, dass etwas vermisst wird, was anwesend ist.
ich finde das wort "kraus" vom klang her schön. und inhaltlich gesehen ist es für mich ein wort, dass die gesamten gedanken des LI beschreibt. Man muss es erst einmal schaffen, so "kraus" zu sein, als Wirt seinen Parasiten zu vermissen. Und aus der Sicht des Parasiten wäre es natürlich auch sehr eigenartig, vermisste der Parasit den Wirt, an dem er sich verbissen hat.
So oder so scheint mir das Vermissen eine mistelige Angelegenheit zu sein.
Hochachtungsvoll,
KaRe
kann bei Lyrik vorkommen.
Ja, das kann es.
Das ist wohl der Unterschied zwischen "Zeichensetzern" und Dichtern. Dichter setzen kein Zeichen, und die Zeichen müssen reingelesen werden (oder auch nicht) und "Zeichensetzer" setzen Zeichen, um das Lesen, das Verstehen der Aussage, zu vereinfachen. Und beide wollen, mit und ohne Zeichen, dass gedeutet, interpretiert und verstanden werden will.
Ich kann Zeichen wie Kommata lesen, wenn sie gemeint sind. An dieser Stelle schien mir das aufgrund der grammatikalischen Konstruktion nicht ganz eindeutig zu sein. Und auch inhaltlich gesehen "hängt" der Parasit an dem LI, folglich könnte der Parasit das LI vermissen, falls man von vermissen sprechen kann, wenn der Parasit sowieso die ganze Zeit an dem LI hängt. So betrachtet wäre das Brüten des Parasiten das Vermissen des LI durch den Parasiten. Schließlich braucht ein Parasit seinen Wirt zum Überleben.
Das Komische an dem Gedicht, finde ich, ist die Vorstellung, wie ein Parasit, der ja sowieso am LI "brütet" und "saugt", vom LI vermisst werden kann. Es ergibt sich für mich ein Bild, dass das LI etwas vermisst, was da ist. Daraufhin frage ich mich: vermisst das LI das Vermissen?
Natürlich könnte man das auch so sehen, dass das Vermissen an sich wie ein Parasit an dem LI klebt.
Das LI scheint den Parasiten, das Vermissen an sich, nicht "missen" zu wollen. Ein Parasit könnte entfernt werden, weil ja keine Symbiose besteht mit dem Wirt (LI).
Fragt sich nur, ob das machbar ist, wenn "das herz kraus wie ein mistelnest" ist. Das Herz ist nicht die Mistel/der Parasit selbst, sondern "wie ein mistelnest".
Und trotzdem komme ich immer wieder auf den Gedanken, dass etwas vermisst wird, was anwesend ist.
Warum haben Sie das "kraus" fett gesetzt, wenn ich fragen darf?
ich finde das wort "kraus" vom klang her schön. und inhaltlich gesehen ist es für mich ein wort, dass die gesamten gedanken des LI beschreibt. Man muss es erst einmal schaffen, so "kraus" zu sein, als Wirt seinen Parasiten zu vermissen. Und aus der Sicht des Parasiten wäre es natürlich auch sehr eigenartig, vermisste der Parasit den Wirt, an dem er sich verbissen hat.
So oder so scheint mir das Vermissen eine mistelige Angelegenheit zu sein.
Hochachtungsvoll,
KaRe
es wäre gar nicht so schön ohne mäntelchen, wenn man keines hätte
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