Im Hof

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
DerBaum
Klio
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Im Hof

Beitragvon DerBaum » 11.12.2008, 20:57

sie machen immer das gleiche
sie winken niemanden
lange werden wir sie nicht mehr sehen
aber wenn sie kommen
werden sie wieder und wieder das gleiche tun
sie sitzen dort wo niemand sitzt
sie drehen sich nicht um
sie tun immer das gleiche
sie verlassen die treppe
das ist immer so
und wenn sie die treppe verlassen haben
rufen sie
etwas zu trinken
sie trinken immer das gleiche
das ist so
das beruhigt
sie mögen es nicht
aber sie schlucken es runter
sie schlucken alles runter
das schöne
und das unangenehme
das unangenehme schlucken sie am liebsten runter
sie hoffen
es ist dann verschwunden
sie schliessen keine tresore auf
es ist immer das gleiche
sie packen ein brötchen aus
das dauert
sie reden nur über das auspacken
es ist immer das gleiche brötchen
es sieht schon nicht mehr aus wie ein brötchen
und sie bieten es sich gegenseitig an
aber keiner will es essen und sie ahmen
die bewegungen des publikums nach
und die leute lachen weil sie hoffen
dass es nicht so gemeint ist
es ist immer das gleiche
nur vorgestern war es anders
gestern fand einer der zwei
eine glühbirne auf der strasse
sie schauten sie lange an
sie fragten sich
dürfen wir sie aufheben
sie wussten es nicht
sie hoben sie gemeinsam auf
ihre köpfe trafen sich
sie verloren die glühbirne
sie lag in scherben auf der strasse
schnell machten sie sich davon
aber jemand wird sich unser gesicht
gemerkt haben
sagte einer der zwei
der andere lächelte nur und sagte
aber wir haben doch keins
und sie gingen davon
sie waren dass erstemal auf der flucht
sie stellten sich einen alten mann vor
der von seinem letzten geld eine glühbirne für seinen neffen gekauft hatte
der neffe ist abergläubisch und sagte dem alten mann
wenn du sie verlierst verlierst du mich
der alte war ganz in sich gekehrt
er ging vielleicht nicht nachhause
er ging in eine kneipe
bestellte einen dicken fetten bourbon
und fand plötzlich dass er ein toller mann sei
und er zahlte drei bourbon und flog nachhause
zuhause erzählte er alles dem neffen
der ihn nur ansah und wusste
es ist vorbei...
es war aber nicht vorbei
denn sie traten wieder auf
es kamen immer diesselben
manche wurden alt und manche hatte man immer nur hier in diesem raum gesehen
einer malte seinen traum auf und zeigte
es einer frau
die frau sagte
wenn es schritte gäbe würde ich sie auch zeichnen
sie eröffneten ihre show mit einem scherz
die leute lachten aber sie wussten das war kein scherz
das war das alphabet
wie traurig uns die hoffnung macht
sagte einer von ihnen
er machte dazu ein geräusch von dem
er sagte
wenn man es nicht hört
wüsste man trotzdem was es ist
etwas war anders geworden
die zeit hatte sich verändert
sie waren die gleichen
sie traten immer auf diesselbe stelle
alles ging sehr schnell
nichts aber war schneller als der tod
der tod kam ihnen zu nah
er nahm sich beide auf einmal
er dachte sich
ich nehme sie beide
und alles ging verloren
und keiner nahm es wahr dass sie fehlten
sie fehlten nicht aber auch das bemerkte keiner
Wenn jemand auf der Stelle tritt und tut dabei niemanden weh, das ist ein schlechter Dichter

[) i r k
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Re: Im Hof

Beitragvon [) i r k » 19.01.2009, 00:52

ein bitteres gedicht.

am anfang hatte ich das immer als eine art trickfilm vor augen. mit zwei figuren so ähnlich wie die in "balance":

http://www.youtube.com/watch?v=IAXTM-m_56k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

Greta
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Re: Im Hof

Beitragvon Greta » 19.01.2009, 11:10

das ist traurig, und das ist wie "Warten auf Godot", an diese zwei erinnern mich diese zwei.


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