Identität

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Näherungsweise
Thaleia
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Identität

Beitragvon Näherungsweise » 30.10.2009, 00:09

über mir
ein ismus
er blutet
das was

unter mir
ein auf und
ab grund
ist das

in mir
der spiegel
im spiegel
was das

neben mir
planeten
in der bahn
ist was

hinter mir
ein schatten
kabinett
das ist

vor mir
das weiße
rauschen
was ist

über mir
unter mir
und in mir drin
das ist was
was ist das
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Perry
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Re: Identität

Beitragvon Perry » 04.11.2009, 17:49

Hallo näherungsweise,
ja das würde ich auch gerne wissen, was "das ist."
Ich hab da zwar so eine "blöde Theorie", aber was macht das LI im Weltraum. Vielleicht ist es ja vor der politischen Lage und der Leere in sich geflohen, aber ob das Erkenntnis bringt. Wer weiß?
LG
Perry

hginsomnia
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Re: Identität

Beitragvon hginsomnia » 09.11.2009, 10:55

Hallo näherungsweise,

zunächst finde ich es schön, einen Text zu lesen, bei dem ich eine tiefere Komposition als die der 1. Ordnung erkennen kann. Ich mache das unter anderem daran fest, dass ich bei der Stelle, an der ich eigentlich ins Stolpern hätte kommen müssen, nämlich dem "was das", nicht ins Stolpern kam (, was sicherlich an der phonetischen Nähe zu war's das liegt).

Hinsichtlich der Referenzobjekte bin ich etwas unsicher. Anders als Perry sehe ich die Planeten nicht wörtlich, sondern sprichwörtlich. Ich versuche mal eine Deutung der Strophen vorzunehmen:

1. Strophe:

Eine Ideologie seht über meinem Handeln oder zumindest wird mein Handeln von einer oder mehreren Ideologien beeinflusst. Das, was mir erscheint, sind Ableitungen daraus.

2. Strophe:

Ich stehe auf schwankendem Boden, lebe auf Messers Schneide, was gleichzeitig mein Dasein determiniert.

3. Strophe:

Meine Gedanken und Gefühle entwickeln sich aus dem indifferenten Wechselspiel mit Beobachtetem.

4. Strophe:

Meine Veränderungen setzen nichts außer Kraft oder Alles geht seinen Lauf. Das Einflussgebiet ist nicht vorhanden.

5. Strophe:

Ich werde gelenkt, von denen, die ich nicht sehen kann, von einer geheimen Macht, die ich nur erahne.

6. Strophe:

Meine Ziele verschwimmen im Fluss der Störungen. Die Ablenkung lässt den Blick für's Essentielle vernebeln.



Die letzte Strophe ist meines Erachtens etwas unglücklich, weil sie die vorher genannten Referenzobjekte 'planeten in der bahn', 'schatten kabinett' und 'weißes rauschen' in ihrer Existenz negiert und auch stilistisch ausbricht. Mir gefiele hier ein Vierzeiler besser, etwa wie folgt:

"um mich herum
und in mir drin
ist das was
was ist das"

Den 3. Vers habe ich aus Kongruenzgründen umgestellt. Er könnte jetzt auch als Frage gelesen werden, was ihm zusätzliche Deutungsmöglichkeiten verleiht. Die ursprüngliche Deutung bleibt aber auch erhalten.

Ich kann mir den Text übrigens sehr gut laut vorgelesen vorstellen. :-)

lg
hginsomnia

Näherungsweise
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Re: Identität

Beitragvon Näherungsweise » 09.11.2009, 19:37

Mein Kompliment, hginsomnia! :applaus:

Das ist mit Abstand eine der interessantesten Interpretationen, die eins meiner "verkopften" Gedichte jemals bekommen hat. Ich bin begeistert. Ich will nicht sagen, dass und wo du überall richtig liegst, damit würde ich mein Gedicht demontieren/entzaubern. Aber die Gesamtrichtung stimmt auf jeden Fall schon mal - und allein schon diese Interpretationsleistung verdient ein Lob. Danke, das hat mir den Tag versüßt.

Was die letzte Strophe angeht, gebe ich dir Recht. Sie fällt aus dem Rahmen und sie hat eigentlich keinen inhaltlichen Mehrwert. Ursprünglich war das als so eine Art Refrain geplant. "Über mir" / "Unter mir" / "in mir" werden ja in den ersten drei Strophen bereits abgehandelt. Es war auch ein Comes zu diesem Refrain mit "Neben mir" / "Hinter mir" / "Vor mir" geplant, den ich allerdings geschludert habe. Ich denke nochmal drüber nach, tendiere aber dazu die letzte Strophe wegzulassen.

Vielen Dank!

näherung
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Re: Identität

Beitragvon Näherungsweise » 09.11.2009, 19:51

Noch ein Nachtrag:
Ich kann mir den Text übrigens sehr gut laut vorgelesen vorstellen.

Ich hätte damit Schwierigkeiten, weil ich bewusst auf Satzzeichen verzichtet habe, um an einigen Stellen Mehrdeutigkeiten zu ermöglichen, z.B.

ein auf und ab. grund ist das.

und
ein auf und abgrund ist das.

und
ein auf und abgrund. ist das?

usw.

Das sind vollkommen unterschiedliche Sätze. Beim Vorlesen müsste ich quasi eine Entscheidung treffen und - wie beim Paradox von Schrödingers Katze - müssten einige Möglichkeiten falsifiziert werden, die im Gedicht verschränkt koexistieren.

Ich fürchte, das ist ganz schön verkopft! :-D
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hginsomnia
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Re: Identität

Beitragvon hginsomnia » 09.11.2009, 20:05

hallo,

freut mich schonmal zu hören, dass ich nicht völlig falsch lag :-) .

Was das Vorlesen betrifft:
Da habe ich mich wahrscheinlich nicht genügend erklärt.
Ich stimme dir völlig zu, dass es den geschriebenen Text unbedingt braucht.
Ich finde das gerade interessant, also, dass man den Text immer wieder vorlesen kann, ohne ihn jemals vollständig zu erfassen.

lg
hginsomnia


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