Clube dO livro - Wie alles begann

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Chandler Buffay
Erinye
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Clube dO livro - Wie alles begann

Beitragvon Chandler Buffay » 07.03.2005, 20:04

Wie der dichte Nebel auf den Straßen von London lag der Tabakrauch schwer in der Luft. Eine Mischung aus Romeo y Julieta – natürlich die kubanische -, Montecristo und El Rey dgelbsucht. Und mitten in diesem kubanischen Zigarrenrauch mischte sich eine kapitalistische La Gloria Cubana, die in den USA hergestellt wird. Es handelte sich um eine einzelne Soberano vom Format Giant. Länge: 203 mm; Ringmaß: 52.
Der Raum selber war in einem dunklen – ja fast blutigen – Rot gehalten. Selbst der Teppich sah so aus, als hätte vor kurzem jemand sein Leben ausgehaucht. Von der Decke baumelte ein großer 24-flammigiger Kronleuchter, der alles in eine gespenstige Atmosphäre tauchte.
„Wo bleibt der Kerl denn? Er sollte schon seit 10 Minuten hier sein. So was kann ich nicht gut heißen.“ Gregor nahm einen Schluck aus seinem Weinglas und ließ den 99'er Bordeaux Château Pavie eine Verbindung mit seinen Geschmacksinn eingehen. Im Hintergrund hörte man die Uhr: Tick, tick, tick, tick.
In der Mitte des Raum befanden sich vier schwere Clubsessel: Drei davon waren leicht im Halbkreis postiert und der vierte direkt davor, so dass sie ihren Gesprächspartner direkt in die Zange nehmen konnten. Alle waren mit schwarzen Leder überzogen und verströmten einen leichten Leder- und Nussbaumgeruch.
Die Musik, die den Raum leise durchflutete, passte nicht wirklich zum Erscheinungsbild: Ennio Morricone’s „L Arena“.
Sandra blies den Zigarrenrauch aus ihrem Mund und schaute ihm nach. In ihrem weißen Anzug war sie der Kontrast zum Raum und ihren beiden Sitznachbarn, die links von ihr saßen und schwarze Nadelstreifanzüge trugen.
„Gedulde dich, Gregor. Er wird schon kommen. Wenn ich mich recht erinnere, kam ich damals auch einige Minuten zu spät. Also was soll das?“
Ludwig, der in der Mitte saß, sah unbeteiligt zur großen Tür und hatte die Hände im Schoß zusammengefaltet. Es sah fast so aus, als ob er meditieren würde. Seine Atmung war kaum zu hören und nur durch das Heben seines Brustkorbs konnte man erkennen, dass er überhaupt noch am Leben war.
Gregor beugte sich leicht vor, schaute an Ludwig vorbei und Sandra direkt in die Augen. „Wenn er in drei Minuten nicht durch diese Tür da kommt, gehe ich. Ist mir doch egal wenn wir ein Mitglied weniger haben.“
In diesem Moment öffnete sich die Tür ein wenig und ein junger Mann mit wuscheligen schwarzen Haaren steckte den Kopf herein. Er lächelte schüchtern.
„Komm nur herein! Wie haben gerade von dir gesprochen.“, sagte Sandra.
Der junge Mann trat in den Raum ein und schaute sich ehrfürchtig um. Er blieb vor dem leeren Sessel stehen und schaute erst zum Sessel und dann zu den drei Personen vor ihm.
„Setze dich doch bitte... ähm...“, sagte Sandra mit einem Lächeln und versuchte sich an den Namen zu erinnern.
„Alexander Cornworth.“, antwortete Alexander und setzte sich in den Sessel. Er war schon eine sehr komische Erscheinung: Hawaihemd, Skaterhose und Nike-Turnschuhe. Es war fast wie ein alter VW Golf in einer Garage mit teuren Rolls Royces; oder ein Roy Lichtenstein in einer Galerie mit zehn Rembrandts.
Gregor zog verachtend eine Augenbraue nach oben und räusperte sich kurz. Es war offensichtlich dass es ihm Unbehagen bereitete.
„Hast du das Dokument dabei? Damit wir sehen können, ob du hier überhaupt reinpasst.“ Jetzt hatte sich zum ersten Mal Ludwig zu Wort gemeldet.
Alexander kramte in seinem Rucksack herum und förderte ein dreiseitiges Dokument zu Tage, dass er Ludwig reichte. Dieser fing an zu lesen und vertiefte sich darin.
„Zigarre?“, fragte Sandra und hielt Alexander eine Kiste hin: Eine Cohiba, eine Macanudo und eine Don Stefano. Alex schaute etwas hilflos die Zigarren an und griff zur Don Stefano.
Gregor stöhnte leise auf. „Das fängt ja gut an.“ murmelte er und schaute Alexander böse an.
Dieser ließ sich von Sandra die Zigarre anzünden, zog einmal dran und fing an zu husten.
„Nicht auf Lunge.“, sagte Sandra mit einem Lächeln. „Du muss den Rauch einfach einen köstlichen Augenblick lang im Mund behalten und dann ausstoßen.“
Alexander nickte, zog wieder dran, behielt den Rauch einen Moment im Mund und wollte ihn wieder ausstoßen. Leider verschluckte er sich derart, dass er wieder anfing zu husten. Gregor musste sich ernsthaft zusammenreißen und Sandra lächelte Alexander einfach nur mütterlich an. Ludwig war an der dritten Seite angelangt und kraulte über seinen Spitzbart.
„Mhm.“, war das einzige, was er sagen konnte, als er die Seiten an Alexander zurückgab. „Kannst du Gedichte schreiben? Oder Theaterstücke?“
Alexander schüttelte den Kopf und wurde ein wenig verlegen.
„An Gedichte traue ich mich nicht heran. Ich habe leider keine poetische Ader.“
„Du hast überhaupt keine künstlerische Ader.“, murmelte Gregor und kassierte von Ludwig einen tadelnden Blick.
„Mach dir keine Sorgen: Ich auch nicht. Habe es einmal versucht und wäre dadurch fast aus diesem Club hier rausgeflogen. Wie sieht es mit Theaterstücken aus?“
„Ich habe es noch nie versucht, Sir. Ich bin mir nicht sicher, ob ich so was zustande bringe. Ist die Geschichte den so schlecht, die ich Ihnen vorgelegt habe?“
Inzwischen erklang „Man with a Harmonica“ und versprühte einen leichten Hauch von Melancholie im Raum. Eine gedämpfte Stimmung.
„Ich möchte nicht sagen dass sie schlecht ist. Nur etwas schwer zu lesen. Ich möchte es mal mit den Worten Paul Schibles ausdrücken: ‚Ein gutes neues Buch ist wie ein frisches wohlriechendes Brot.’ Deine Geschichte ist wie ein frisches Brot, das leicht, aber nicht vollkommend verbrannt ist. Verstehst du was ich meine?“
Alexander schaute Ludwig mit großen Augen an und überlegte.
„Ich habe keine Ahnung. Vielleicht bin ich einfach zu dumm. Tut mir leid.“
Ludwig und Sandra lächelten gütig, während Gregor die Hand vor die Augen geschlagen hatte und leise vor sich hin murmelte.
„Er möchte damit sagen, dass deine Geschichte Potenzial hat. Arbeite an dir und sie wird besser werden.“
„Soll das bedeuten, dass ich Mitglied werden kann?“ In Alexanders Augen blitzte Hoffnung auf. „Ich werde auch an mir arbeiten. Ich werde besser. Ich verspreche es.“
Sandra schaute Ludwig an und nickte. Ludwig schaute Gregor und nickte. Dieser schaute durch den Mittel- und Ringfinger der rechten Hand – die er immer noch vor sein Gesicht hielt – zu Alexander und murmelte: „Es ist mir egal.“
Ludwig erhob sich und reichte Alexander die Hand. „Willkommen im Club. Arbeite an deinem Stil und an der Grammatik und du könntest ein ganz Großer werden.“
Alexander lächelte schüchtern und verneigte sich kurz. Dann wurde ihm von Sandra die Hand hingehalten.
„Herzlich Willkommen bei uns, Alexander. Du wirst dich hier sicher wohlfühlen.“
„Wie viele Mitglieder hat der Club eigentlich?“, fragte er vorsichtig.
„Ganz genau 185 Schreiberinnen und Schreiber.“, antworte Ludwig stolz und blickte zu Gregor, der immer noch angesäuert in seinem Sessel saß. „Willst du unser neues Mitglied nicht begrüßen?“
„Willkommen.“, nuschelte er. Als Alexander ihm die Hand geben wollte, schlug er sie einfach weg.
„Dann gehe ich jetzt wohl besser. Es freut mich hier Kritiker gefunden zu haben die mir helfen mich literarisch weiterzubilden.“
„Du kannst jederzeit zu uns kommen, junger Freund.“, antworte Ludwig.
Alexander lächelte noch mal, drehte sich um und verschwand zur Tür hinaus.
Wieder erklang „L Arena“. Ludwig und Sandra ließen sich in ihre Sessel fallen und schauten Gregor an.
„Er hat Potenzial, Gregor. Davon bin ich überzeugt. Lass ihn sich doch erst mal entwickeln.“, sagte Ludwig.
„Oder würdest du ein Vogelbaby gleich aus dem Nest werfen, damit es fliegen kann, sobald es geschlüpft ist?“, fragte Sandra.
Gregor schaute die beiden mit skeptischen Blick an und schüttelte den Kopf. „Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Entweder er kann Geschichten schreiben, oder nicht. Ich habe aber meine Zweifel.“

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Re: Clube dO livro - Wie alles begann

Beitragvon Hamburger » 11.03.2005, 16:09

Hallo Chandler,

ich habe mich einige Tage zurück gehalten. Aus zwei Gründen:

1) Jemand der die Ehre hat in einer Satire vorzukommen sollte sich mit seiner eigenen Meinung dazu mindestens so lange zurückhalten bis andere Leser was dazu gesagt haben.

2) Ich habe ja so ganz im Vertrauen gehofft ein anderes Mitglied unseres kleinen elitären Machtzirkels würde, wenn schon kein anderer Leser was sagt, Stellung beziehen.

Na ja, war nicht so, kann man nichts machen. Also musst du – mal wieder – mit meiner Meinung vorlieb nehmen. In einsam Satz zusammengefasst: Diese Satire ist streckenweise witzig – inhaltlich finde ich sie eigentlich ganz in Ordnung – aber formal schwach, was jedoch nicht anders zu erwarten war, denn solche Schwächen geben sich nicht über Nacht. Sie beweist zumindest, dass du wesentlich besser schreiben kannst wenn du dich nicht im Rahmen dieses E-Mail-Spieles schreibst. An „Vergiss Amerika“ kommt sie allerdings nicht ganz heran.

Ich beginne diesmal mit den Stärken deiner Geschichte, also mit den Punkten, die mir besonders gut gefallen haben:


Der Raum selber war in einem dunklen – ja fast blutigen – Rot gehalten. Selbst der Teppich sah so aus, als hätte auf ihn vor kurzem jemanden sein Leben ausgehaucht. Von der Decke baumelte ein großer 24-flammigiger Kronleuchter, der alles in eine gespenstige Atmosphäre tauchte.



In der Mitte des Raum befanden sich vier schwere Clubsessel: Drei davon waren leicht im Halbkreis postiert und der vierte direkt davor, so dass sie ihren Gesprächspartner direkt in die Zange nehmen konnten. Alle waren mit schwarzen Leder überzogen und verströmten einen leichten Leder- und Nussbaumgeruch.




Klingt so schön nach "Inquisition light." Bisschen dekadent vielleicht…gut so! ;-)


„Zigarre?“, fragte Sandra und hielt Alexander eine Kiste hin: Eine Cohiba, eine Macanudo und eine billigere Don Stefano. Alex schaute etwas hilflos die Zigarren an und griff zur Don Stefano.
Gregor stöhnte leise auf. „Das fängt ja gut an.“ murmelte er und schaute Alexander böse an.


Zigarren?? Wäh, bäh, pfui Teufel igitt.
Aber die Stelle ist trotzdem gut. :-D



„Mhm.“, war das einzige, was er sagen konnte, als er die Seiten an Alexander zurückgab. „Kannst du Gedichte schreiben? Oder Theaterstücke?“
Alexander schüttelte den Kopf und wurde ein wenig verlegen.
„An Gedichte traue ich mich nicht heran. Ich habe leider keine poetische Ader.“
„Du hast überhaupt keine künstlerische Ader.“, murmelte Gregor und kassierte von Ludwig einen tadelnden Blick.
„Mach dir keine Sorgen: Ich auch nicht. Habe es einmal versucht und wäre dadurch fast aus diesem Club hier rausgeflogen. Wie sieht es mit Theaterstücken aus?“


Da soll der razor was zu sagen. Ich finde die Stelle prima. ;-)

„Soll das bedeuten, dass ich Mitglied werden kann?“ In Alexanders Augen blitzte Hoffnung auf. „Ich werde auch an mir arbeiten. Ich werde besser. Ich verspreche es.“
Sandra schaute Ludwig an und nickte. Ludwig schaute Gregor und nickte. Dieser schaute durch den Mittel- und Ringfinger der rechten Hand – die er immer noch vor sein Gesicht hielt – zu Alexander und murmelte: „Es ist mir egal.“


Schöne Steigerung. Überhaupt gefallen mir die Figuren. Der lesende Ludwig, die verständnisvolle Sandra, der arrogante Gregor…Allerdings besteht unser Oberkommando momentan aus fünf Mitgliedern. Aber es können leider nur drei Rollen anhand deiner Geschichte vergeben werden. Razor ist Ludwig, ich will Gregor sein, aber wer ist Sandra? Ich frage mal kv und Silentium, wer sich da mehr angesprochen fühlt? B-)
Dirk bleibt völlig außen vor…? Schade! :-((



„Dann gehe ich jetzt wohl besser. Es freut mich hier Kritiker gefunden zu haben die mir helfen mich literarisch weiterzubilden.“
„Du kannst jederzeit zu uns kommen, junger Freund.“, antworte Ludwig.


Sehr gut. Immer schön in Demut üben und wir werden helfen…gut gemacht.

Nun zu einigen Schwachstellen, die für mich bei dieser Geschichte vor allem stilistischer und grammatikalischer Natur sind:


Eine ungewohnte Luftmischung


Klingt sehr technisch und gewollt.


Selbst der Teppich sah so aus, als hätte vor kurzem jemanden sein Leben ausgehaucht


Alternativ und grammatisch einwandfrei wäre hier z.B. "Selbst der Teppich sah so aus, als hätte vor kurzem jemand sein Leben darauf ausgehaucht. Das "darauf" könnte man hier sogar weglassen...


Und ließ den 1999 Bordeaux Chateua Pavie


99`er reicht vollkommen aus.


Im Hintergrund hörte man eine Uhr schlagen: Tick, tick, tick, tick


Also das was du da beschreibst ist ein Ticken, kein Schlagen. Außerdem kann ich es mir vorstellen, wenn eine Uhr schlägt. Brauche ich keinen „Tick, tick…-Zusatz“
;-)


Sie hatte die Beine übereinandergeschlagenund ihre linke Hand ruhte auf ihrem rechten Bein.


Du weißt, dass das eine ziemlich verkrümmte Haltung ist, die selbst schlanke Frauen nicht lange aushalten würden, oder?


sah unbeteiligt starr zur Tür


klingt einfach schlecht ohne Komma, Und oder sonst was...



„Setze dich doch bitte...“, sagte Sandra mit einem Lächeln und versuchte sich an den Namen zu erinnern.
„Alexander Cornworth.“, antwortete Alexander und setzte sich in den Sessel.


Kann Alexander Gedanken lesen oder wieso antwortet er auf Erinnerungsversuche Sandras?



Es war fast wie ein alter VW Golf in einer Garage mit teuren Rolls Royces; oder ein Roy Lichtenstein in einer Galerie mit zehn Rembrandts: Es passte einfach nicht in das Gesamtbild hinein.


Der letzte Satz ist überflüssig, das hat der Leser doch schon vorher verstanden.


Soweit meine Anmerkungen. Jetzt dürfen sich auch gerne die Anderen mal berufen fühlen...

Liebe Grüße,

Ham
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)

Silentium
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Registriert: 24.05.2003, 17:50

Re: Clube dO livro - Wie alles begann

Beitragvon Silentium » 11.03.2005, 17:30

Und wenn bei einem Treffen je mal einer von euch Zigarren raucht, dann steck ich sie ihm in die Ohren! Das riecht dann nämlich wie bei meinem Opa im Arbeitszimmer. 8-o

Lass vielleicht das "billiger" bei der Zigarrenepisode weg, dadurch wirkt der Witz aufgesetzt. Wer ihn nicht überreißt, ist eh selber schuld. Ansonsten schließe ich mich Hams Urteil weitgehendst an.
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon


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