Also, ich habe ich jetzt erst mal wieder für ein Gedicht von Wolf Biermann entschieden.
Und als wir ans Ufer kamenUnd als wir ans Ufer kamen
Und saßen noch lang im Kahn
Da war es, daß wir den Himmel
Am schönsten im Wasser sahn
Und durch den Birnbaum flogen
Paar Fischlein. Das Flugzeug schwamm
Quer durch den See und zerschellte
Sachte am Weidenstamm
- am Weidenstamm
Was wird bloß aus unseren Träumen
In diesem zerissnen Land
Die Wunden wollen nicht zugehn
Unter dem Dreckverband
Und was wird mit unsern Freunden
Und was noch aus dir, aus mir -
Ich möchte am liebsten weg sein
Und bleibe am liebsten hier
- am liebsten hier
bzw. mein Vorschlag vom Sommer PC letzten Jahres:
Deutsches MiserereHier fallen sie auf den Rücken
Dort kriechen sie auf dem Bauche
Und ich bin gekommen
ach! kommen bin ich
vom Regen in die Jauche
1
Und als ich von Deutschland nach Deutschland
Gekommen bin in das Exil
Da hat sich für mich geändert
So wenig, ach! Und doch so viel
Ich hab ihm an eigenem Leibe
Gemacht, den brutalen Test:
Freiwillig von Westen nach Osten
Gezwungen von Ost nach West
2
Die Völker drumrum um Deutschland
Die haben vielleicht ein Glück !
Großdeutschland, es ist zerbrochen
In zwei verfeindete Stück
Die beiden häßlichen Helden
Sie halten einander in Schach
Der Kleinere gibt nicht Ruhe
Aber der Größere gibt nicht nach
3
Und im Osten kosten die Schrippen
Fünf Pfennig - und zwanzig hier.
Ein großes Bier kost ne Mark dort
Und Zweimarkfünfzig hier
Und drüben hältst du beim Bierchen
Dein Maul, hier darfst du schrein
- allein, es ändert die Welt sich
Mit Schweigen nicht, noch mit Schrein
4
Und im Westen die Zeitungsschrei
Sie lügen frech, wie sie wolln
Aber ihre Kollegen im Osten
Die lügen korrekt, wie sie solln
Und weil er von beiden Seiten
Getäuscht wird im Television
Drum glaubt der Deutsche Michel
Er wisse die Wahrheit schon!
5
Und die Wahrheiten werden geh.
Frech auf dem Lügenmarkt
Zur Ware wird jede Wunde
Im Westen. Der Herzinfarkt
Der Aufrechte Gang wird selber
Zur Pose und zum Geschäft
Der Mensch macht sich zum Affen
Der sich noch selber äfft!
6
Und Kernkraftwerke in Sachsen
Und Kernkraftwerke am Rhein
Und hüben und drüben heucheln sie
Das soll für den Fortschritt sein
Ich scheiß was auf solchen Fortschritt
Der macht uns nur sterbenskrank
Der führt uns fort von der Menschheit fort
Und führt in den Untergang.
7
Und wer im Westen das Geld hat
Der hat damit auch die Macht
Aber wer im Osten die Macht hat
Der hat es zu Reichtum gebracht!
Die Arbeiter aber verkaufen
Wie eh und je ihre Kraft
Und schlagen, als wäre es ihre:
Die große Wohlstands-Schlacht
8
Und wie die einen heißen
So sehen die anderen aus !
Die einen sind mir ein Schrecken
Aber die andern sind mir ein Graus
In Nato und Warschauer Pakt sind
Sie beide treu-deutsch, bis in' Tod
Und sind gegen ihre Herren
Halb frech und halb devot
9
Und die Linken hassen einander
Mehr als den Klassenfeind !
Eh wir uns nicht selber einen
Wird Deutschland auch nicht geeint
Und ein Linker nennt den andern
Verräter! und recht! und schlecht !
Sie schlagen sich in die Fressen
Mit Mao und Marx und Brecht
10
Und im Osten bleibt dir die Luft weg
Im Bürokratenmuff
Aber der Westen ist ein Nepplokal
Ein kalt gekachelter Puff
Hier bist du erschossen wie Robert Blum
Ohne genügend Geld
Sie lassen dich kalt verrecken
Und sagen: So ist die Welt
Hier fallen sie auf den Rücken
Dort kriechen sie auf dem Bauche
Und ich bin gekommen
ach! kommen bin ich
vom Regen in die Jauche
Hm, ja, mehr fällt mir nia ein

Sagt ihr auch mal was. Oder bin ich hier die einzige, neben Sarah, die sich beteiligen will?! Sollen wir einen Dialog machen ?!
