O livro feiert Geburtstag

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O livro feiert Geburtstag

Beitragvon [) i r k » 18.07.2011, 20:32

Liebes Forum!

Den Titel dieses Threads hätte ich wohl besser in die Vergangenheitsform gesetzt. Denn O livro ist bereits am Sonntag - sozusagen klammheimlich und ohne uns zu einer Geburstagsparty einzuladen - 10 Jahre alt geworden. Wir sind also alle mit unseren Glückwünschen recht spät dran. Ich habe mir aber vorgenommen, den Tag nachzufeiern!

Spulen wir 10 Jahre zurück. Die vage Idee eine Art "Literaturclub" zu gründen, wurde mir bereits einige Monate zuvor von dem guten, alten Hamburger zugetragen. Auf einem windigen Hamburger S-Bahnhof, wo auch sonst. Aber die Idee war auch nicht auf seinem Mist gewachsen, sondern ein anderer Freund hatte sie ihm ins Ohr gesetzt. Übrigens ein Freund, der in dieser Geschichte dann überhaupt keine Rolle mehr spielt, der sozusagen nie wieder gesehen ward. Wo lebt er heute? Was ist aus ihm geworden? Weiß er, was er mit seinem schlunzig in den Raum gestellten Wunsch, Bücher zu lesen und gemeinsam zu diskutieren, alles bewirkt hat?

Hamburger hat geschrieben:Die Idee zu einem virtuellen Buchclub ist auf einer Geburtstagsfeier am 8. Januar dieses Jahres [2001] entstanden. Mirko Schneider – das bin ich – war eingeladen und traf einen jungen Mann, der sagte, er habe "voll Bock auf Literatur", auf wöchentliche Treffen in einem Club, in dem dann Bücher gelesen, rezensiert und mitunter auch eigene Verse geschrieben werden. Ich war begeistert von dieser Idee und wir einigten uns darauf, uns telefonisch zu verständigen. Es lief jedoch leider so, wie ich befürchtet habe. Er meldete sich telefonisch nicht und als ich ihn einmal erreichte, vertagten wir uns wieder. Später ließ er mir mitteilen, er habe eigentlich "gar keine Zeit für einen solchen Club".


Wie alle guten Dinge im "weltweiten Gewebe" fing auch O livro dann mit einer E-Mail an und eben diese erste E-Mail vom 17.07.2001 betrachte ich heute als die Geburtsstunde von O livro. Da dies also inzwischen so eine Art historisches Dokument ist, mache ich eine Ausnahme und werde - entgegen meinem Prinzip, private Nachrichten nicht an die Öffentlichkeit zu tragen - diese erste Mail, die dann konkret zur Gründung von O livro und in dessen Folge auch zur Gründung dieses Forums geführt hat, hier und jetzt ins Netz stellen:

Robert B. hat geschrieben:Hallo alle zusammen!

Als Einstieg in unseren literarischen Diskurses hielt ich es für sinnvoll, meine Lieblingsbücher aufzulisten (als Attachment). Eigentlich wollte ich mich auf zehn beschränken, aber Entscheidungen fallen mir immer sehr schwer und ein Dutzend ist auch ungleich poetischer als die kalte, mathematische Eins-Null. Logischerweise war mir eine Rangfolge zu erstellen erst recht nicht möglich, daher schien mir die chronologische Auflistung noch am geeignetsten. Ich habe mich auf Romane und längere Erzähltexte beschränkt, weil ich glaube, dass wir auch nur solche diskutieren sollten. Was die Bereiche der Essayistik, Dramatik und Lyrik angeht, würde ich Tucholsky (seine beiden Romane Rheinsberg und Schloß Gripsholm sind furchtbar), Brecht, Kunert, Sarah Kirsch und Tennessee Williams zu meinen Favoriten zählen.

Bitte versteht diese Liste nicht als Exhibitionismus. Es ging mir darum meine Präferenzen aufzuzeigen und ich würde mich freuen, wenn ihr das auch tut. Es muß nicht in der gleichen Form geschehen, aber doch so das man erkennt, was und warum ihr etwas gut findet.

Meine Erwartungen und Vorschläge werde ich zum Zwecke der Vereinfachung der Diskussion der einzelnen Ideen in Punkte aufteilen:

  1. Wir sollten uns nur mit Prosa, also Romanen, längeren Erzählungen oder Sammlungen von Kurzgeschichten auseinandersetzen.
  2. Bitte keine Werke epischen Ausmaßes. 500 Seiten sind genug. Wir alle haben nebenbei noch so etwas wie ein Leben und wollen es auch weiterhin genießen.
  3. Bei der Auswahl der Bücher sollten wir global denken. Wenigstens jedes dritte Buch sollte nicht aus dem deutschsprachigen Raum und wenigstens jedes vierte Buch nicht aus Europa oder Nordamerika stammen.
  4. Zum Auswahlverfahren: Jeder schlägt zwei Bücher vor und begründet seine Vorschläge. Jeder darf für zwei Bücher stimmen (nicht die eigenen). Die einfache Mehrheit entscheidet. Bei Gleichstand wird unter den beiden (oder mehr) stimmgleichen Bücher mit nur noch einer Stimme abgestimmt. Jetzt kann auch für das eigene Buch gestimmt werden. Sollte auch dann kein Sieger feststehen, wird gelost. Das Losverfahren wird bei Bedarf näher definiert. Eines der vorgeschlagenen Bücher darf beim nächsten Auswahlverfahren erneut eingebracht werden, das andere erst beim übernachsten Mal.
  5. Was die Zeit angeht, schlage ich vier Tage je hundert Seiten vor; also maximal drei Wochen für 500 Seiten. Dann eine Woche für die Abfassung eines Essays über das Buch ohne inhaltliche oder den Umfang betreffende Einschränkung. Anschließend Diskussion ohne zeitliches Limit. Eine Woche nach Essaytermin Beginn des neuen Vorschlagverfahrens.

Das ist sicher alles noch sehr diskussionswürdig, aber ich bin gespannt auf eure Anregungen. Zuerst sollten wir uns aber über die Rahmenbedingungen einig werden, bevor wir uns mit der Literatur auseinandersetzen. Als Bücher für die erste Runde nominiere ich folgende:

1923 - Italo Svevo: Zeno Cosini
'Obwohl in finanzieller Hinsicht sorgenfrei, lebt Zeno Cosini inmitten seelischer Katastrophen: Seine Energie verschleißt er bei ständigen, aber erfolglosen Versuchen, sich das Rauchen abzugewöhnen. Die permanente Beschäftigung mit sich selbst drückt zudem auf die Stimmung. Als er sich schließlich in die schöne Ada verliebt, bekommt er stattdessen die "schielende" Schwester Augusta, mit der er dann gegen seinen Willen in harmonischer Ehe lebt. Um dieses unverhoffte Glück zu zerstören, beginnt er eine Affäre und bereichert sein ohnehin nicht unkompliziertes Innenleben um ein sorgsam gepflegtes schlechtes Gewissen. Helfen kann da nur die Psychoanalyse ...' (Umschlagtext)
Zeno Cosini vom Südtiroler Italo Svevo gilt als eines der unbekannten Meisterwerke der europäischen Literatur. Es ist etwa 550 Seiten lang - ich breche also bereits meine eigene Regel. Aber ich halte es für geeignet, weil es zugleich modern und doch ein Klassiker ist. Hohe Literatur und doch witzig. (Natürlich alles Mutmaßungen!)

1978 - Armistead Maupin: Tales of the City (Stadtgeschichten)
Ein raffinierter Unterhaltungsroman über eine junge Sekretärin, die von Cleveland nach San Francisco flüchtet. Wurde mir von vielen Leuten wärmstens empfohlen.

Soweit von mir - bis dann,
Euer Robert


Auch dieser Robert spielt für die weitere Geschichte von O livro keine wesentliche Rolle (Robert, wo immer du bist, wie hoffen, es geht dir gut). Und, wenn wir ehrlich sind, es waren nur eine handvoll Bücher, die bei O livro in der geplanten Art und Weise gelesen und diskutiert wurden. Aus der Idee zu O livro wurde etwas Anderes, etwas Unvorhergesehenes, Unintendiertes. Eine kleine literarische Gemeinschaft, aus der nicht nur eine ganze Reihe von sehr wertvollen Freundschaften hervorgegangen sind, sondern auch Autoren, die inzwischen ihre Werke im digitalen Bücherregal von Amazon untergebracht haben. Für einige von ihnen war O livro Inspiration, Werkstatt, Wegbereiter und vielleicht auch ein stückweit "geistige Heimat", falls es so etwas gibt.

Mich als langjährigem Webmaster von O livro freut es natürlich, dass wir immer noch da sind und - hoffentlich - auch die nächsten 10 Jahre noch sein werden. Für euch: die Autoren, Leser, Kritiker und Freunde!

Alles Gute nachträglich! :cake:

[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

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Re: O livro feiert Geburtstag

Beitragvon riemsche » 18.07.2011, 21:06

ohO
livro
gastfreundliche
reib+bleibfläche
in der vorschnellen virtuellen
mein topLieblingswohnzimmer

nach
nachträglichen
glückwunsch zur wahrlich
verdienten höchstnote 10

:-) riemsche

Turmrot
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Re: O livro feiert Geburtstag

Beitragvon Turmrot » 20.07.2011, 11:25

Boah, die Sitten in der großen Stadt haben mich aber sowas von verdorben, ich suche immer den Gefälltmir-Knopf. :-D

Also, O-livro: Herzlichen Glückwunsch und eine bodentiefe Verbeugung. Und einen dicken virtuellen Geburtstagsmöhrenkuchen!

riemsche: Das Gedichtchen *gefälltmir*. ;-)


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