Der Roman

Warum schreiben wir? Wie werde ich reich und berühmt durch meine Bücher? Was macht die besondere Schönheit des Adjektivs aus?
cute sushi lunches
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Der Roman

Beitragvon cute sushi lunches » 18.07.2003, 17:18

Hallo ihr Talente!

Ich weiß,dass es schon einige von euch getan haben,mit mehr oder weniger Erfolg.
Also:Wie war's denn so,einen Roman zu schreiben?Wie lange habt ihr gebraucht?Wie alt wart ihr?Und vor allem:Hat irgendwer Tipps wie man es strukturiert machen kann?

Hamburger
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Re: Der Roman

Beitragvon Hamburger » 19.07.2003, 22:39

Hallo cute suhi lunches!

Ich habe schon einmal einen Roman geschrieben und gebe hiermit meinen Senf ab zu deinen Fragen. Also, wie war das denn? Ehrlich gesagt, das war klasse. Es war zwar viel Arbeit aber teilweise war ich so versunken dartin, dass ich gar nicht mehr bemerkte wo ich mich befand und um 3 Uhr 45 nachts ueberrascht auf die Uhr schaute. Oder aber meine Mutter wollte mal irgendwas von mir, womit sich ein grosser Schriftsteller doch nicht bescháeftigen kann :-) - Muell runterbringen beispielsweise - und klopfte an die Tuer. Sie musste oft reinkommen und mich anticken, damit ich ueberhaupt wieder wusste, wo ich war.

Ich habe fuer den Roman ungefaehr 10.Monate gebraucht. Ich begann im September 1996 und war im Juli 1997 fertig, genauer gesagt am 4.Juli.

Demnach war ich also bei Beginn des Romans 18 Jahre und circa 7 Monate alt und bei der Fertigstellung 19 Jahre und 5 Monate.

Nun zu den Tipps: Ich habe mir vorher eine Kapiteluebersicht angelegt und kurz beschrieben, was in jedem Kapitel vorkommen soll. Urspruenglich hatte ich in die Kapiteluebersicht noch genaue beschreibende Texte von dem, was ich schreiben wollte, eingefuegt, merkte aber dann, das Stichworte besser sind. Allzu genaue Vorgaben hinderten meine Kreativitaet. Ferner habe ich immer wieder anhand der Kapiteluebersicht geprueft, ob ich auch jeden Handlungsstrang so zu Ende fuehrte, wie ich es mir vorstellte. Das heisst, ich habe den Roman mehrmals auf seine innere Logik geprueft, bevor ich ihn schribe. Nicht dass ich Figuren vergesse oder doppelt einfuehre. Das alles hoert sich leicht an, erwies sich in der Praxis aber als recht arbeitssam. Auch habe ich nicht alle Kapitel hintereinander weg geschrieben, sondern, wenn ich hakte, auch einmal Szenen vorgezogen. Das half mir die Struktur zu behalten, weil ich so im Kopf hatte, was in 10-20 Seiten alles passieren wird und das ich den Leser dort nun hinfuehren muss.

Das war es fuers Erste. Ich bin gerade im Urlaub und sitze in einem spanischen Internet-Cafe und bitte daher den etwas schlechten Stil und die fehldenden Umlaute, die dieser komischen Tastatur hier geschuldet sind, zu entschuldigen. Faellt mir noch was ein, schreibe ich es dir. Kannst auch gerne fragen, wenn du noch irgendwas spezielles wissen willst. Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen.

MFG,

Hamburger
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Re: Der Roman

Beitragvon razorback » 20.07.2003, 15:48

Hallo Cute Sushi!

Ich habe mit etwa 15 eine Romantrilogie begonnen, die fast fertig wurde und für die ich mich heute arg schäme. Sprachlich ist sie in Ordnung, inhaltlich ist sie... sehr schlecht. Einen weiteren Roman, den ich als Jugendlicher begonnen habe, habe ich sehr viel später wieder aufgegriffen und abgeschlossen.

Ich habe dann mit 28 eine Novelle geschrieben (zwischen 20 und 28 nur ein paar Kurzgeschichten) und danach den ersten Roman begonnen, den ich wirklich zu Ende geschrieben habe. Diesen Roman habe ich sehr schnell fertig geschrieben, hat etwa 9 Monate gedauert. Der zweite brauchte etwa genauso lange. Seit Frühling 2001 schreibe ich an Nummer Drei - wie Du siehst braucht der etwas länger (was nicht bedeutet, dass er besser wird, ich finde den ersten immer noch am besten).

Ich arbeite anders als es Hamburger offenbar tut. Ich mache mir nur sehr grobe Notizen zur Struktur des Romans, bestehnd vor allem aus Schlüsselszenen, die auf keinen Fall vergessen oder falsch eingesetzt werden dürfen. Ausserdem mache ich mir recht ausführliche Notizen zu meinen Figuren und führe eine Art Kalender, damit ich nicht aus Versehen meine Hauptfigur am Sonntag auf einen Einkaufsbummel schicke. Ich plane den Roman aber nicht durch, was vor allem daran liegt, dass ich im Vorhinein oft gar nicht weiss, wie er sich entwickelt. Ich habe zum Beispiel eine grobe Vorstellung vom Ausgang der Geschichte, wie es aber zum Schluss wirklich aussieht weiss ich nicht. Die Entwicklung meiner Romane ist in gewissem Sinne von mir unabhänging - es gibt feste Wegmarken (die Eingangs beschriebenen Schlüsselszenen) und die Beziehungen zwischen den Figuren sowie deren Grundcharaktere sind vergleichsweise starr, der Rest folgt sehr frei dem Gang meiner Phantasie. Seltsamerweise lassen sich so durchaus stringente, klar aufgebaute Geschichten schreiben.

Wie es war? Toll. Wie Hamburger schon sagte: Eine Arbeit, in der man versinken kann, eine Welt, die nur mir gehört. Allerdings gibt es auch die harten Momente: Wenn eine Recherche ewig dauert, wenn eine Szene sich nicht entfalten will und man Tagelang lustlos darauf herumkaut, immer auf den Durchbruch hoffend... Aber das gehört wohl dazu :-D

Ich kann Dir kaum Tipps zur Strukturierung geben, weil Du da Deinen eigenen Weg finden musst. Ich habe es auch mal so versucht wie Hamburger, bei mir funktioniert das nicht. Das bedeutet aber nicht, dass mein Weg besser ist als seiner. Jeder Roman ist so individuell wie sein Autor, zwangsläufig muss auch jeder seine eigene Methode entwickeln. Ich empfehle aber auf jeden Fall, wichtige Gedanken zu notieren, weil Du Dich krank ärgerst, wenn Du Dich an eine gute Idee nicht mehr erinnerst. Ebenso solltest Du zumindest den gröbsten Verlauf der Geschichte zur Sicherheit notieren, auch wenn es nur drei Stichpunkte (Wegmarken) sind. Wichtig ist auch, dass Du Deine Figuren sehr genau kennst, sie also vielleicht separat ausarbeitest (je mehr desto wichtiger, damit Du nichts vergisst). Und das mit dem Kalender vermeidet Fehler. Es ist einfach blöd, wenn Held und Heldin sich auf einer Sylvesterparty kennen lernen, irgend ein Schlauberger aber nachweist, dass nach der Chronologie der Geschichte erst der 28. Dezember sein dürfte.

Schreib möglichst kontinierlich und vermeide Pausen von mehreren Tagen, sonst muss Du Dich jedesmal erst mühsam wieder in Deine Geschichte einfinden.

Willst Du also einen Roman schreiben? Erzähl!
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Re: Der Roman

Beitragvon dea » 21.07.2003, 18:10

Leider habe ich es bisher noch nicht geschafft einen Roman zu verfassen. Ich habe zwar hunderte von Ideen, aber über die ersten drei Kapitel bin ich bisher noch nicht hinaus gekommen. Kurzgeschichten gibt es schon viele, aber der Roman? Leider nein :-|

Meine Frage an Hamburger und Razorback:

Habt ihr eure Werke veröffentlicht??

Lieben Gruß

Dea
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Re: Der Roman

Beitragvon razorback » 21.07.2003, 23:03

Nein.

Ich habe es bisher allerdings auch nur mit dem ersten versucht. Bei einem Verlag hätte es fast geklappt, scheiterte allerdings dann an deren Bedingungen (und glaub mir - die waren wirklich... ähm... nicht annehmbar). Jetzt versuche ich es über Agenturen, kann mich da allerdings momentan aus Zeitgründen nicht mit dem nötigen Elan hinterklemmen. Ich bleibe zunächst dabei, nur diesen Roman anzubieten. Erstens, weil er erwiesenermassen eine Chance hat (s.o.), zweitens, weil ich ihn, wie gesagt, am besten finde.
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Re: Der Roman

Beitragvon cute sushi lunches » 21.07.2003, 23:21

Hallo!

Danke für eure Antworten.Im übrigen habe ich schon vor langer Zeit angefangen,aber ich habe bestimmt ein Jahr für die Struktur gebraucht,alles,was ich vorher wusste,war eine der Hauptfiguren.
Interessanterweise stehen meine Erfahrungen in einem ziemlichen Gegensatz zu eurem.Mir macht's eigentlich nicht so richtig Spaß,weil ich mit dem Roman bestimmte Sachen aufarbeite,die ich lieber vergessen möchte.Ich glaube,mir fehlt manchmal auch ein wenig Distanz zu meinen Hauptfiguren.Trotzdem muss ich es einfach tun.
Ich habe schon überlegt,ob ich nicht ein wenig strukturierter arbeiten soll,weil ich sonst Angst habe,dass ich mich bei mir nicht mehr zurecht finde.
Ich hoffe,dass das Ganze am Ende des Sommers überstanden sein wird.Ob er gut wird?Keine Ahnung,momentan ist mir das auch egal,hauptsache,es lässt mich dann sozusagen in Ruhe.

Meine erste Novelle habe ich übrigens mit 13 geschrieben,eine ganz erschröckliche Neuzeitvariante von Tristan und Isolde.Trotz einiger netter Ideen war's das reinste Blech.Na ja.

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Re: Der Roman

Beitragvon Hamburger » 22.07.2003, 22:47

Hallo zusammen!

Ich habe und werde meinen Roman nicht veroeffentlichen. Dazu ist er viel zu persoenlich geraten. Dennoch: Was nicht ist kann ja noch werden, sprich: beim naechsten Roman habe ich mir fest vorgenommen die Hauptfiguren nicht mehr so extrem stark an reale Vorbilder anzulehnen und mehr Distanz zu ihnen zu gewinnen. Zwar weiss ich nicht, ob ich das Talent besitze, wirklich etwas zu schreiben, das sich zu veroeffentlichen lohnt, aber ein Versuch schadet ja nichts.
Interessant finde ich was du, cute sushi, ueber deinen Roman geschrieben hast. Mir ging es bei meinem Roman an manchen Stellen aehnlich. Die taten sehr weh und ich war froh, als ich sie ueberstanden hatte. Jedoch galt das nicht fuer das ganze Werk. Uebrigens war es fuer mich ein sehr merkwuerdiges Gefuehl, noch einmal einige Stellen des Buches nach ueber 5 Jahren durchzulesen. Man merkt, wie man sich veraendert hat, kann sich noch an die Stimmung erinnern ion der man Dieses oder Jenes schrieb und fragt sich, wann man das letzte Mal so empfand. Da lief mir echt ein Schauder den Ruecken runter.
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Re: Der Roman

Beitragvon Sick Steve » 23.07.2003, 14:37

Hallo Hamburger,

überleg' Dir das doch noch mal - einige der besten Romane überhaupt sind solche, die "sehr persönlich geraten" sind! Sowas gibt einer Erzählung doch Kraft und Tiefe (sollte es zumindest); also hältst Du vieleicht gerade mit Deiner stärksten Arbeit hinter dem Berg. Es ist natürlich nicht leicht, sich mit dem Gedanken anzufreunden, daß vieleicht millionen Leser Einblicke in Deine Persönlichkeit gewinnen, aber andererseits: Es ist eventuell gerade dieses Werk, daß es bringt!

Was mich betrifft, ich habe meinen ersten Roman mit Ende zwanzig geschrieben, hat ziemlich genau ein Jahr gedauert. Ein Versuch der Veröffentlichung schlug fehl :-D , zu einem zweiten Versuch konnte ich mich bislang noch nicht aufraffen (hat allerdings nichts damit zu tun, daß ich nun entmutigt wäre, sondern vielmehr damit, daß ich zu faul bin, mir wieder die ganze Arbeit zu machen). Im Moment schreiben ich an meinem zweiten Roman, oder vielmehr, ich schreibe nicht daran, denn er liegt bereits seit zwei Jahren auf Halde - dabei ist er eigentlich fast fertig. Aber es gebricht mir an Zeit derzeit, was mich sehr ärgert. Millionär werden mit SKL, das wäre die Lösung! Dann hätte man Zeit ohne Ende....
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Re: Der Roman

Beitragvon Silentium » 11.08.2003, 14:10

Wenn du wissen willst, wie man einen Roman ordentlich struckturiert, liest du vielleicht am besten "Bestseller" von Al Zuckerman. Das Buch hilft eigentlich ziemlich viel weiter und ist nicht das schale Fachgeschwafel von selbsternannten Experten.:-)
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Re: Der Roman

Beitragvon razorback » 11.08.2003, 22:31

Hmjamjam, wird ja immer gepflegter, der Umgangston hier. :-D

Aber Silentium - irgendwie glaube ich, wenn Cute Sushi interessiert hätte, wie man einen Roman so schreibt, dass er sich gut verkaufen lässt, dann hätte sie das gesagt.
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Re: Der Roman

Beitragvon Silentium » 12.08.2003, 22:21

Das ist ja gerade das nette an dem Buch.
Der Titel ist dämlich, gebe ich zu. Aber im Gegensatz zu anderen Fachbüchern zu dem Thema geht es nicht darum, wie man einen roman schreibt, der sich gut verkauft, sondern wirklich darum, wie man ihn gliedern muss, ohne den Überblick zu verlieren. Und danach hat sie sich ja mehr oder weniger erkundigt.
Und außerdem: ein buch, dass sich gut verkauft, wird nicht geschrieben, sondern eben... verkauft. Ob etwas ein Bestseller wird, hängt sehr von der Vermarktungsstrategie ab. Ob ein Roman gut wird, egal wie es sich verkauft, hängt davon ab ob es a)eine orginelle Grundidee hat, b)intelligent geschrieben ist und c)ob es so strukturiert ist, dass man beim lesen nicht vom eigenen Schnarchen gestört wird.
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Re: Der Roman

Beitragvon razorback » 13.08.2003, 11:29

Ah, es geht auch ohne Pauschalbeleidigungen... ;-)

Was das Marketing angeht, Silentium - über diese Notwendigkeiten (sofern man Verkauf anstrebt) macht sich hier wohl kaum jemand Illusionen (ich sowieso nicht, was mit meinem beruflichen Hintergrund zu tun hat, weniger damit, was ich für ein aufgewecktes und cleveres Kerlchen bin :-D ).

Und nichts gegen Deinen Buchtipp (nicht mal was gegen den Titel - auch Zuckerman will sein Buch ja verkaufen), im Gegenteil, vielen Dank dafür!

Aber Cute Sushi hatte ausdrücklich uns, als Mit-Amateur-Autoren (die sie nicht erst seit gestern kennt) um Tipps und Erfahrungsberichte gebeten. Und da macht eine Einlassung der Marke "Hör' nicht auf die Dilletanten, lies das Buch und alles wird gut" ein wenig... gereizt. Mich zumindest, andere sind da sicher cooler. Ich weiss nicht, ob Du selbst schreibst. Wenn ja, hast Du vielleicht auch schon erfahren, dass der so genannte kreative Austausch wertvoll und notwendig ist. Ab von und auf einer ganz anderen Ebene als zweifelsohne ebenfalls sehr wertvolle Ratschläge von erfahrenen Profis.
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Re: Der Roman

Beitragvon Silentium » 18.08.2003, 00:07

Razorback, wollte dich nicht und auch niemand anderen beleidigen. War echt nicht so gemeint. Wenn ich mir das jetzt noch einmal so durchlese, man könnte es wirklich als Klugscheißerei meinerseits auffassen.Sorry.

Ist halt so, dass ich mehrmals den Fehler gemacht habe, nicht ordentlich von anfang an durchzustrukturieren und so mehrere hundert Seiten für den Papierkorb geschrieben hab'. Den Tipps, die die anderen hier geben, kann ich nur beipflichten (Notitzen machen, nötigenfalls Szenen vorziehen) und hab sie daher nicht auch noch mal wiederholt.
Es hat sich bei mir außerdem bewährt, dass ich ein Zusatzworddokument angelegt habe, wohin ich all das Zeug kopiert hab, dass ich geschrieben und wieder gelöscht habe, falls man davon später doch noch mal was braucht. Tut man zwar normalerweise nicht, aber man tut sich dann leichter, einige Seiten harte Arbeit wegzuschneiden, die dem Gesamtwerk abträglich sind. Ein guter Freund von mir, der schon ein Buch veröffentlicht hat, hat einmal zu mir gesagt: "Alles, was dir nicht hundertprozentig gefällt, alles, was dich nur im geringsten irritiert- weg damit."
Damit hatte er nicht so unrecht, weil alles, was ich aus reiner selbstverliebtheit unrechtmäßig im Text behalten hab, hat mir später kopfzerbrechen bereitet, weil es nicht dazugehört hat und sich in nachhinein nur schwer aus der Geschichte hat tilgen lassen.
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Re: Der Roman

Beitragvon razorback » 18.08.2003, 11:12

(...)wollte dich nicht und auch niemand anderen beleidigen (...)


Schon okay, ich bin normalerweise auch etwas weniger dünnhäutig. Aber in einem anderen Thread in diesem Forum hatte sich zwischenzeitlich ein ziemlich mieser Umgangston breit gemacht. Und als ich dann auf Deinen Kommentar stiess dachte ich nur "Na toll, noch so einer." Es ist schon so - man kann es wirklich als Beleidigung verstehen. Du könntest es aber auch durchaus augenzwinkernd gemeint haben (Emoticons sind da hilfreich...), aber dafür war ich dann nicht mehr empfänglich :-D .

Und wie gesagt - das was Du ausserdem gesagt hast hatte ja (im Gegensatz zu besagtem anderen Thread) durchaus Gehalt. Ich kenne das Buch von Zuckerman nicht. Aber Du hast mich neugierig gemacht und alles, was man darüber hört klingt interessant, ich werde es mir wohl anschaffen.

Allerdings bleibe ich dabei - es gibt verschiedene Wege zu arbeiten, das kann auch nicht anders sein, schliesslich handelt es sich ja um einen kreativen Prozess. Es gibt eben die Leute, die schon während des Schreibens der ersten Version hart an ihrem Werk arbeiten, an jedem Satz feilen, bis er perfekt ist, und erst dann weiter schreiben, etc. Soviel ich weiss hat zum Beispiel Hemingway so geschrieben.

Es gibt aber auch durchaus Anwälte für die Methode, die besser zu mir passt: Erst einmal schreiben (natürlich auch nicht unkritisch) und die Geschichte sich entwickeln lassen. Da beginnt das Gemetzel dann, wenn die erste Version fertig ist - streichen, umschreiben, ändern, streichen, streichen, korrigieren, umstellen, streichen... ;-)
Stephen King zum Beispiel schreibt wohl auch so oder ähnlich. Über die Qualität seiner Bücher wird gerne gestritten (ich halte ihn für ziemlIch unterschätzt), aber was den Bestsellerfaktor betrifft... :-D

Wobei ich mir diese Methode nicht ausgesucht habe, es ist eben die, die zu mir passt.

Wenn es um die alte Journalistenweisheit "es gibt keine gute erste Version" geht sind wir uns vermutlich schnell einig. Aber es gibt eben auch keine Patentrezepte. Gottseidank!
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Re: Der Roman

Beitragvon Silentium » 18.08.2003, 13:19

Ich kann mich nur noch einmal entschuldigen, ich habs saublöd formuliert. Ich hab' die unrühmliche Angwohnheit, Leute durch unüberlegte Aussagen zu verärgern, ob schriftlich oder gesprochen.
Mit "schales Fachgeschwafel von selbsternannten Experten" hab ich die anderen Autoren gemeint, die solche Bücher schreiben in denen dann Tips stehen wie: "Ohne Konflikt keine Geschichte."
(Die Thrillerautorin Patricia Highsmith hat zum beispiel so ein total nutzloses Gute-Ratschläge-Büchlein veröffentlicht)und auf keinen Fall die hier Anwesenden!
(die Emoticons funktionieren bei mir hier nicht, sonst würde hier gerade ein smile glühend rot werden)
Völlig klar, dass man das missverstehen musste. Tut mir wirklich leid.

Hemmingway hat angeblich jede einzelne Seite bis über zwanzig Mal wieder und wieder überarbeitet, Ken Folett hat den Plotentwurf für Säulen der Erde 18-mal umgeschrieben.
Wenn ein Autor darauf verzichtet, den Erstentwurf zu korrigieren: bei Hohlbeins letzten Büchern sieht man ja, was rauskommtn.
Und bei meinen Postings offensichtlich auch.
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