Aus aktuellem Anlass
Verfasst: 02.03.2003, 21:03
Heinrich Heine
Wenn wir es dahin bringen, daß die große Menge die Gegenwart versteht, so lassen die Völker sich nicht mehr von den Lohnschreibern der Aristokratie zu Haß und Krieg verhetzen, das große Völkerbündnis, die heilige Allianz der Nationen, kommt zustande, wir brauchen aus wechselseitigem Mißtrauen keine stehenden Heere von vielen hunderttausend Mördern mehr zu füttern, wir benutzen zum Pflug ihre Schwerter und Rosse, und wir erlangen Friede und Wohlstand und Freiheit.
(Quelle: Heinrich Heine: Aus der Vorrede zu den "Französische Zuständen")
Ich denke, es schadet nicht auch in diesem Forum ein wenig politisch zu werden - in diesen Zeiten. Während noch die Leute auf den Straßen sind und demonstrieren gegen einen kommenden Krieg, während noch in der UNO und auf diplomatischer Ebene der Krieg abgewendet werden soll, während noch in Medien, Politik und Öffentlichkeit erhitzt debattiert wird, rollt die Kriegsmaschinerie seit Wochen in Richtung Golf. Wahrscheinlich kostet allein dieser Aufmarsch, dieses Heranschaffen von Mensch, Maschine und Material die USA und das britische Empire Millionen Pounds und Milliarden Dollar. Während man in den demokratischen Institutionen noch diskutiert, werden in militärischen Kreisen Fakten geschaffen. Der Irakkrieg ist längst beschlossene Sache, der Termin steht fest.
Ich habe aber nicht umsonst den Text des Dichters Heinrich Heine meinen Worten vorangestellt. Für mich enthält dieses kurze Stück einen wichtigen und interessanten Gedanken. "Stehende Heere von vielen hunderttausend Mördern" heißt es da. Auch die USA unterhalten eine gewaltige Armee, hunderttausende Soldaten, eine riesige Flotte und Luftstreitmacht. Hinzu kommt ein umfangreiches Arsenal aus konventionellen und ABC-Waffen. Koordiniert und gesteuert von einem riesigen bürokratischen Apparat ... es würde mich nicht wundern, wenn das Militär in den USA (Navy, Marines, Airforce, Geheimdienste etc.) die größte Institution und zugleich einer der größten Arbeitgeber ist. Und wozu das alles? Zur Verteidigung des Landes, zur Verteidigung von Recht und Freiheit, zur Sicherung der Demokratie? Es sind die Hinterlassenschaften der drei großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts: des 1. und 2. Weltkrieges und des kalten Krieges. Aber welche Gefahr rechtfertigt heute die Existenz eines derart großen "stehenden Heeres"? Ist es der internationale Terrorismus - lassen sich mit Fregatten, Raketen und Kampfjets Männer aufhalten, die Flugzeuge kapern, die wie aus dem nichts erscheinen und an unvorhergesehenen Stellen Schaden anrichten? Wohl kaum. Ist es Saddam und sein verrottetes Arsenal an Waffen über das die USA eigentlich nur lächeln müssten? Ich möchte es bezweifeln. Aber wie läßt sich Existenz und Unterhalt eines so starken (und teuren) Heeres samt der dazugehörigen Bürokratie besser rechtfertigen als durch einen Krieg? Einen Grund findet man immer. Im Mittelalter ging man als Christ gegen die Ungläubigen vor, obwohl ein wesentlicher Lehrsatz des Christentums heißt: Liebe deine Feinde. Heute geht es um Menschenrechte, um Gerechtigkeit und, wenn man nach Amerika schaut, spielen auch christliche Motive immer noch eine Rolle. Aber natürlich sind bei den meisten Kriegen eher die rationalen und ökonomischen Motive ausschlaggebend, doch man pflegt sie sorgfältig in ideologisches Silberpapier zu wickeln - nie war dazu die Notwendigkeit größer als in den Demokratien der westlichen Welt.
8-o gelbe grüsse 8-o
Wenn wir es dahin bringen, daß die große Menge die Gegenwart versteht, so lassen die Völker sich nicht mehr von den Lohnschreibern der Aristokratie zu Haß und Krieg verhetzen, das große Völkerbündnis, die heilige Allianz der Nationen, kommt zustande, wir brauchen aus wechselseitigem Mißtrauen keine stehenden Heere von vielen hunderttausend Mördern mehr zu füttern, wir benutzen zum Pflug ihre Schwerter und Rosse, und wir erlangen Friede und Wohlstand und Freiheit.
(Quelle: Heinrich Heine: Aus der Vorrede zu den "Französische Zuständen")
Ich denke, es schadet nicht auch in diesem Forum ein wenig politisch zu werden - in diesen Zeiten. Während noch die Leute auf den Straßen sind und demonstrieren gegen einen kommenden Krieg, während noch in der UNO und auf diplomatischer Ebene der Krieg abgewendet werden soll, während noch in Medien, Politik und Öffentlichkeit erhitzt debattiert wird, rollt die Kriegsmaschinerie seit Wochen in Richtung Golf. Wahrscheinlich kostet allein dieser Aufmarsch, dieses Heranschaffen von Mensch, Maschine und Material die USA und das britische Empire Millionen Pounds und Milliarden Dollar. Während man in den demokratischen Institutionen noch diskutiert, werden in militärischen Kreisen Fakten geschaffen. Der Irakkrieg ist längst beschlossene Sache, der Termin steht fest.
Ich habe aber nicht umsonst den Text des Dichters Heinrich Heine meinen Worten vorangestellt. Für mich enthält dieses kurze Stück einen wichtigen und interessanten Gedanken. "Stehende Heere von vielen hunderttausend Mördern" heißt es da. Auch die USA unterhalten eine gewaltige Armee, hunderttausende Soldaten, eine riesige Flotte und Luftstreitmacht. Hinzu kommt ein umfangreiches Arsenal aus konventionellen und ABC-Waffen. Koordiniert und gesteuert von einem riesigen bürokratischen Apparat ... es würde mich nicht wundern, wenn das Militär in den USA (Navy, Marines, Airforce, Geheimdienste etc.) die größte Institution und zugleich einer der größten Arbeitgeber ist. Und wozu das alles? Zur Verteidigung des Landes, zur Verteidigung von Recht und Freiheit, zur Sicherung der Demokratie? Es sind die Hinterlassenschaften der drei großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts: des 1. und 2. Weltkrieges und des kalten Krieges. Aber welche Gefahr rechtfertigt heute die Existenz eines derart großen "stehenden Heeres"? Ist es der internationale Terrorismus - lassen sich mit Fregatten, Raketen und Kampfjets Männer aufhalten, die Flugzeuge kapern, die wie aus dem nichts erscheinen und an unvorhergesehenen Stellen Schaden anrichten? Wohl kaum. Ist es Saddam und sein verrottetes Arsenal an Waffen über das die USA eigentlich nur lächeln müssten? Ich möchte es bezweifeln. Aber wie läßt sich Existenz und Unterhalt eines so starken (und teuren) Heeres samt der dazugehörigen Bürokratie besser rechtfertigen als durch einen Krieg? Einen Grund findet man immer. Im Mittelalter ging man als Christ gegen die Ungläubigen vor, obwohl ein wesentlicher Lehrsatz des Christentums heißt: Liebe deine Feinde. Heute geht es um Menschenrechte, um Gerechtigkeit und, wenn man nach Amerika schaut, spielen auch christliche Motive immer noch eine Rolle. Aber natürlich sind bei den meisten Kriegen eher die rationalen und ökonomischen Motive ausschlaggebend, doch man pflegt sie sorgfältig in ideologisches Silberpapier zu wickeln - nie war dazu die Notwendigkeit größer als in den Demokratien der westlichen Welt.
8-o gelbe grüsse 8-o