Fjodor M. Dostojewski: Die Brüder Karamassov

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Joachim Stiller
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Fjodor M. Dostojewski: Die Brüder Karamassov

Beitragvon Joachim Stiller » 29.09.2013, 22:34

„Die Brüder Karamassov“ von Fjodor M. Dostojewski

„Die Brüder Karamassov“ ist der letzte Roman, den Dostojewski kurz vor seinem Tode schrieb. Er erschien 1879/80.
Der Roman erzählt die Familiengeschichte der Karamassovs. Vater Fjodor Pavlovitsch ist ein Trunkenbold, ein Narr, ein Weiberheld und ein selbsternannter Possenreißer. Er hat drei Söhne: Dimitrij von seiner ersten Frau, Iwan und Aljoscha von seiner zweiten Frau. Beide Frauen sterben schon nach wenigen Ehejahren. Der Vater, Alkoholiker, und nur an Weibergeschichten interessiert, kümmert sich nicht um seine Söhne. Diese wachsen dann auch in Pflegefamilien auf. Als sie erwachsen sind, gehen sie alle drei wieder zum Vater, den sie aber ob seines schlechten Charakters hassen. Vor allem zwischen Vater Fjodor Pavlovitsch und Dimitrij kommt es wegen Erbschaftsstreitigkeiten – der Vater ist nicht gerade arm – zum Zerwürfnis. Dimitrij droht offen, seinen Vater zu erschlagen. Eines Tages kommt, was kommen muss, der Vater liegt erschlagen in seiner Wohnung. Verdächtigt wird nun Dimitrij, der auch zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt wird. Doch es handelt sich um ein Fehlurteil. Der eigentliche Schuldige ist der Diener und möglicherweise leibliche Sohn von Fjodor Pavlowitsch, Ssmerdjakoff. Diese erhängt sich schließlich, ohne jede Schuldgefühle.

Der Roman ist, was für Dostojewski typisch ist, ein ausgesprochen psychologischer Roman. Dostojewski ist ein exakter Beobachter. Die Charaktere sind glänzend und plastisch anschaulich herausgearbeitet. Sigmund Freud hielt den Roman für den besten der Welt.

In den drei Brüdern begegnen uns drei exemplarische Seiten der menschlichen Psyche, in Mitja die unbedingte Leidenschaft, in Iwan der Intellekt (er ist literarischer Nihilist) und in Aljoscha ein aufrichtiger, gerader und starker Wille. Das Pendant dazu bilden die drei mit den Brüdern befreundeten Frauengestalten. Am stärksten ist der Roman aber in den Konfliktsituationen zwischen dem Vater und vor allem Dimitrij. Beide verfluchen sich gegenseitig und wünschen sich den Tod. Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu verstehen, dass Familienflüche die stärksten der Welt sind. Und so gibt es auch bald einen Toten. Aljoscha, der Jüngste der Brüder, wird nun ungewollt zum Helden der Geschichte, als er seinen Bruder Dimitrij verteidigt und an seine Unschuld glaubt. Er ist Novize in einem Kloster. Letztendlich verteidigt Dostojewski durch die Gestalt des Aljoscha sein Ideal der Unsterblichkeit der Seele gegen das nihilistische „Alles ist erlaubt“ von Iwan, dem der Vater durch Samerdjakoff zum Opfer fiel. Iwan selber stirbt am Ende des Romans einen nur zu symbolischen Tod, So wird der Nihilismus zu Grabe getragen.

Die Literaturkritik hielt den Roman neben „Anna Karenina“ von Tolstoi für den besten des 19. Jahrhunderts. Darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein.

Gruß Joachim Stiller Münster

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