_____
Nicht die beste aber_ Zeit meines Lebens. An der Uni brodelt s. Immer öfter flammen Proteste auf. Dann werden die ersten Hörsäle besetzt und es dauert nicht lang, da ist auch Simon Brenner auf den Barrikaden. Eigentlich wollte er seiner Schlosserlehre nur noch ein Studium in Heidelberg anhängen. Jetzt organisiert er sich in immer radikaleren Gruppen, taucht wiederholt schwarz vermummt auf Demonstrationen auf und fährt zum ersten Mai nach Berlin_ endlich angekommen. Zudem macht sich das bezahlt - ist er ja in Wahrheit Polizist, verdeckter Ermittler, der über neue Freunde Buch führt und seine Gefühle im Griff haben muss. Gewagt raffiniertes Unterfangen Mix aus True Crime, auf linksradikal gebürstet Telenovela und recht zeitig bezeichnenden Dynamiken einer politischen Polizeitragödie.
Der Stil spiegelt die Zerrissenheit der Hauptfigur wider. Sie muss ständig zwei Sprachen sprechen, den Jargon der Protestszene und s Amtsdeutsch der Polizeiberichte. Das sorgt für feine Nuancen und Ironie. Der Fokus liegt nicht auf wilden Verfolgungsjagden, sondern auf der inneren Entfremdung - zeigt auf, wie die Grenze zwischen gespielter Rolle und echter Freundschaft verschwimmt. Der Autor nutzt echte Protokolle und Fakten, bettet diese in eine dichte, poetische Romanstruktur. Ein Kammerspiel über Vertrauen und Verrat, die stickige Stimmung in besetzten Hörsälen und paranoide Angst vor Enttarnung, auf d Verbale physisch nachvollziehbar.
Institutionen wie das Literaturhaus Wien loben Kiesers Präzision. Ihrer Einschätzung nach schafft er es, die Grauzonen von Identität, Überzeugung und staatlicher Macht wertneutral ohne moralischen Zeigefinger zu beleuchten. Erste Vorabbesprechungen betonen, dass es sich beim Buch um keine reine Abrechnung mit der Polizei oder Glorifizierung besagter Szene - vielmehr um ein beschrieben menschliches und politisches Drama handelt. Kommt in etwa hin.
_____
Simsalabim, Simon Brenner von Luca Kieser
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 18 Gäste