Es herbstelt ganz gewaltig

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
Flocke
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Es herbstelt ganz gewaltig

Beitragvon Flocke » 12.10.2006, 23:07

Hm, das ist noch ganz frisch, Tinte ist noch nicht mal trocken...die letzten Tage waren aber auch zu schön. :-))


Herbststimmung (Arbeitstitel)

Mühsam lüpft die Sonne Nebelschleier,
webt Lichtgespinste übers Gras, wie
gerne noch verfängt sie sich darin,
ist alt schon und verspielt.
Ein Ahorn schämt sich naher Blöße, die
ereilt ihn Blatt für Blatt, manchmal
hilft der Wind ein wenig nach, er
reibt sich gern an rauen Rinden.
In der Luft ein Hauch von Moder und
auf den Bäumen lärmen Stare, liegt
der Strom doch unter Tage hier –
letzter Aufruf Richtung Süden.
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...

Fitnat
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Re: Es herbstelt ganz gewaltig

Beitragvon Fitnat » 13.10.2006, 09:14

Diese Herbstsimmungsgedicht ist dir voll und ganz gelungen, ich brauche nicht aus der Fenster rauszuschauen, dein Gedicht bringt mir dieses Bunte Gefühl des Herbstes. In mein Zimmer, riche ich schon die Modrige Luft.

Schön geschrieben Flocke, ein Herzliches Lob :-)

Liebe Grüße

Fitnat
Wenn ich mein Schatten auf dem Asphalt sehe,
denke ich, "Du Armer Poet, bist schon wieder auf dem Boden!"

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[) i r k
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Re: Es herbstelt ganz gewaltig

Beitragvon [) i r k » 17.10.2006, 20:26

Der Herbst ist vielleicht meine liebste Jahreszeit und das ist ein vielversprechendes Gedicht. Ein paar Anmerkungen meinerseits:

Herbststimmung (Arbeitstitel)

Gut, dass da Arbeistitel steht - ich denke auch, dass sich da noch etwas besseres findet. :-)
Mühsam lüpft die Sonne Nebelschleier,

Ein sehr guter Auftakt für das Gedicht. Und "lüpfen" ist ein tolles Wort - gefällt mir hier richtig, richtig gut.
webt Lichtgespinste übers Gras, wie
gerne noch verfängt sie sich darin,

Auch sehr schön.
ist alt schon und verspielt.

Weiß nicht. Hier fängt das Gedicht für mich stimmungstechnisch erstmals an, etwas zu schwächeln. Hier wirst du mir zu abstrakt, zu deuterisch.
Ein Ahorn schämt sich naher Blöße, die

Hier würde mich interessieren, wie andere das sprachlich/inhaltlich bewerten. Auf mich wirkt das sprachlich etwas anachronistisch, obwohl das Bild (Laubfärbung -> Scham) an sich interessant/gut ist. Ich frag mich, ob man das selbe Bild sprachlich anders (ein)fassen, etwas "entstauben" kann.
ereilt ihn Blatt für Blatt, manchmal

Ja ...
hilft der Wind ein wenig nach, er
reibt sich gern an rauen Rinden.

Wirkt auf mich ein bisschen uninspiriert.
In der Luft ein Hauch von Moder und
auf den Bäumen lärmen Stare, liegt

Ja und nein ... wenn wir ehrlich sind, ist diese Beobachtung nun wirklich nicht so aufregend "neu" für eine Herbststimmung. Da erwarte ich in einem Gedicht mit diesem Titel schon etwas feinere, subtilere, spezifischere, überraschendere Beobachtungen und Bilder.
der Strom doch unter Tage hier

Seltsamer Einschub, aber okay. Von wegen: stellt die Masten wieder auf, damit die Stare was zum Sitzen haben! :-D
letzter Aufruf Richtung Süden.

Der Schluss ist cool. Klingt so ein bisschen nach Flughafendurchsage ... und das passt ja wiederum auf das Zugvogelverhalten.

Ich denke, besonders der Auftakt und das Ende des Gedichtes sind richtig gut gelungen. Bei den mittleren Zeilen wartet m.E. noch ein bisschen Arbeit auf dich und ich hege die Überzeugung, das könnte sich lohnen.

Liebe Grüße,
[) i r k
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Flocke
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Re: Es herbstelt ganz gewaltig

Beitragvon Flocke » 08.11.2006, 12:51

Hallo in die Runde.

Ein bißchen spät, aber die Überarbeitung hat ein bißchen gedauert. Sollte mich wohl lieber wieder auf Haikus verlegen, die passen besser zwischen die Schreiphasen... :-))

@Fitnat

Danke für das Lob... :thanx:

@Dirk

Dir ein großes Dankeschön für dein ausführliches Statement. Konnte ein bißchen was damit anfangen, auch wenn ich dir in manchem nicht ganz zustimme. Nichtsdestotrotz habe ich ein paar Sachen umzusetzen versucht, vielleicht ist es ja gelungen. Den Strom habe ich rausgenommen, hat mich irgendwie gestört, nach dem x-ten Lesen fand ich die Idee nicht mehr so gut.

Und, nicht böse sein, die Blöße laß ich drin, weil ich auf altbackene Formulierungen stehe, dann sterben die wenigstens nicht aus. Es gibt ja immerhin schon eine Liste von gefährdeten deutschen Ausdrücken und in diesen Fällen engagiere ich mich gerne für den Artenschutz...

Hier also die neue Fassung:


Spätherbst

Mühsam lüpft die Sonne Nebelschleier,
webt Lichtgespinste übers Gras, wie
gerne noch verfängt sie sich darin...
Ein Ahorn schämt sich seiner Blöße,
die ereilt ihn Blatt um Blatt, manchmal
hilft der Wind entkleiden,
verlockt von knorrig-rauer Ahnung.
In der Luft ein Hauch von Moder, schon
lärmen Stare auf den Bäumen –
letzter Aufruf Richtung Süden.


Ein bißchen vom Winde verweht

Flocke
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Silentium
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Re: Es herbstelt ganz gewaltig

Beitragvon Silentium » 10.11.2006, 23:23

Abend Flocke!

Melde höflichst - mir gefallen die Anachronismen. Passen für den Herbst, weil der Herbst selbst immer ein bissi anachronistisch ist. Der Spätherbst ist kein Herbst mehr mit Kastanien und rotem Laub, der Spätherbst ist ein welker Sommer und ein wartender Winter, ein vorübergehendes etwas, dessen ganze Wehmut sich aus der Tatsache nährt, dass alle Pullis, die man momentan anziehen kann, entweder zu warm oder zu luftig sind. Zeitlich eben falsch eingeordnet, dem Wortsinn entsprechen. Insofern ist ein anachronistischer Sprachstil etwas Wunderbares in einem Herbstgedicht. *shitheutschwafleichwiedermistdaher*

Die knorrig-raue Ahnung, die Verlockt, gefällt mir allerdings nicht halb so sehr wie das mit dem an-rauer-Rinde-reiben. Das hat so was schön katzenhaftes.

Abendlicher Gruß,
Silly

P.S. Hab ichs erwähnt? Ich mag das Gedicht. :-)
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon

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Re: Es herbstelt ganz gewaltig

Beitragvon riemsche » 12.11.2006, 01:14

die worte stimmen für mich schon in deinem ersten anlauf - sie an den taumelnden takt fallender blätter anzupassen, ist meiner meinung nach mit -minibreaks- einem "und" mehr für die balance, einer (=servus) flockigeren wortumstellung im satz von hauch und moder und der änderung von "liegt" auf "ruht" (sprachmelodisch passender und gleichzeitig kontrast zu "lärmenden" staren)ohne verfälschung deiner originalstimmung zu bewerkstelligen.
mein vorschlag:

Herbststimmung

Mühsam lüpft die Sonne Nebelschleier
webt Lichtgespinste übers Gras, wie
gerne noch verfängt sie sich darin -
ist alt schon und verspielt.
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auf den Bäumen lärmen Stare ~ ruht
der Strom doch unter Tage hier -
letzter Aufruf Richtung Süden ...
--------
danke für die motivation, wieder mal meine handkamera auszupacken und morgen früh vor dem frühstück im lauteracher ried (ein kleines sumpfiges naturschutzgebiet mit altem baumbestand in meiner nähe) mittels rest+gegenlicht foggy-fotos vom erlkönig zu schiessen.

riemsche
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Re: Es herbstelt ganz gewaltig

Beitragvon Flocke » 13.11.2006, 19:04

@Stille & Riemsche

Herzlichen Dank auch an euch beide.

Ich lasse also mal das Los entscheiden, die meisten Kommentatoren dieses Textes (nicht nur hier im Netz) plädieren für den sich reibenden Wind, ist auch mein Favorit, die Ahnung war eher aus der Not geboren.

Verspielte Sonne und Strom unter Tage bleiben draußen, müssen nicht unbedingt drin sein.

Kasparov, deine Version muß ich noch mal überdenken, hat was für sich. Vielen Dank und hoffentlich gabs ein paar schöne Schnappschüsse vom Erlkönig?

:thanx:

Flocke
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Re: Es herbstelt ganz gewaltig

Beitragvon [) i r k » 13.11.2006, 19:14

mittels rest+gegenlicht foggy-fotos vom erlkönig zu schiessen.

Sehensehensehen! 8-o

Wir haben so ein ganz armes, verwaistes, trauriges Artwork-Forum ... also schnell entwickeln und Auf-Sehen erregen!

Ich hoffe, wir werden nicht blind, wenn wir dem Erlkönig ins Angesicht schauen.

Dirk
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Re: Es herbstelt ganz gewaltig

Beitragvon riemsche » 13.11.2006, 21:48

servus flocke-
sooo alt, um nicht verspielt zu sein kann man gar nicht werden, das bekräftigte gestern die sonne selbst mit überraschend überfallsartigen strahle-intermezzos am dick bewölkten himmel über dem bodensee. strom unter tage sollte man mal den industrial-style-landschaftsgärtnern vom e-werk flüstern. die habens echt drauf, auch das schönste panoramabild mittels geladener A´s und T´s zu verschandeln.
erlkönigs nebelgarde hatte am sonntag gegen eine extrem schlecht gelaunte windsbraut und eiskalt peitschenden regenböen leider keinen auftrag - fototermin wird aber nachgeholt.
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Re: Es herbstelt ganz gewaltig

Beitragvon Flocke » 14.11.2006, 19:42

@Kasparov

sooo alt, um nicht verspielt zu sein kann man gar nicht werden, das bekräftigte gestern die sonne selbst mit überraschend überfallsartigen strahle-intermezzos am dick bewölkten himmel über dem bodensee.


Ja, da hast du wohl recht, sie ist eine alte schrullige Diva, und verspielt... B-)

Ich arbeite gerade an der nächsten Version, wenn mir eine bessere Formulierung einfällt, nehm ich's doch wieder mit rein.

Abendgruß
Flocke
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Re: Es herbstelt ganz gewaltig

Beitragvon riemsche » 14.11.2006, 20:01

abendgruss und (siehe smilie) retour.
waiting for flocke-news
kasparov
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