Der Herbst ist vielleicht meine liebste Jahreszeit und das ist ein vielversprechendes Gedicht. Ein paar Anmerkungen meinerseits:
Herbststimmung (Arbeitstitel)
Gut, dass da Arbeistitel steht - ich denke auch, dass sich da noch etwas besseres findet.
Mühsam lüpft die Sonne Nebelschleier,
Ein sehr guter Auftakt für das Gedicht. Und "lüpfen" ist ein tolles Wort - gefällt mir hier richtig, richtig gut.
webt Lichtgespinste übers Gras, wie
gerne noch verfängt sie sich darin,
Auch sehr schön.
ist alt schon und verspielt.
Weiß nicht. Hier fängt das Gedicht für mich stimmungstechnisch erstmals an, etwas zu schwächeln. Hier wirst du mir zu abstrakt, zu deuterisch.
Ein Ahorn schämt sich naher Blöße, die
Hier würde mich interessieren, wie andere das sprachlich/inhaltlich bewerten. Auf mich wirkt das sprachlich etwas anachronistisch, obwohl das Bild (Laubfärbung -> Scham) an sich interessant/gut ist. Ich frag mich, ob man das selbe Bild sprachlich anders (ein)fassen, etwas "entstauben" kann.
ereilt ihn Blatt für Blatt, manchmal
Ja ...
hilft der Wind ein wenig nach, er
reibt sich gern an rauen Rinden.
Wirkt auf mich ein bisschen uninspiriert.
In der Luft ein Hauch von Moder und
auf den Bäumen lärmen Stare, liegt
Ja und nein ... wenn wir ehrlich sind, ist diese Beobachtung nun wirklich nicht so aufregend "neu" für eine Herbststimmung. Da erwarte ich in einem Gedicht mit diesem Titel schon etwas feinere, subtilere, spezifischere, überraschendere Beobachtungen und Bilder.
der Strom doch unter Tage hier
Seltsamer Einschub, aber okay. Von wegen: stellt die Masten wieder auf, damit die Stare was zum Sitzen haben!
letzter Aufruf Richtung Süden.
Der Schluss ist cool. Klingt so ein bisschen nach Flughafendurchsage ... und das passt ja wiederum auf das Zugvogelverhalten.
Ich denke, besonders der Auftakt und das Ende des Gedichtes sind richtig gut gelungen. Bei den mittleren Zeilen wartet m.E. noch ein bisschen Arbeit auf dich und ich hege die Überzeugung, das könnte sich lohnen.
Liebe Grüße,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)