1.
rückte zu viele worte heraus rückte ich
hier ein quentchen schlafmuster
die steppdecke (nie ganz erfasst, weil immer in ihr verheddert)
ein schnabel
zwei zitternde notizblöcke in der s-bahn (steglitz)
und vermutlich ein tremor in der linken hand.
vielleicht nicht ganz der unmut, stadtverliebt
oder hängematte
aber ähnlich angefühlt
auf dem trockenen hängen und wanken
irgendwo doch ein bisschen volltrunken
2.
”das ist nun aber zu pragmatisch!”, schmollmundig (& schokolade) schnappt sie ein – und mein bein war schon drin, in der falle.
krümmt sich also mein stolz auf dem boden (“SCHWALBE! GANZ KLAR!”*)
*{berliner pubgeflüster, dorfpaparazzi: die wissen immer was sache ist.
was zu sagen ist so zu sagen auch. ich dagegen eher der unbeholfene.
mit nem bier bleiben die sitzen (immer) und werden gesprächig.
dafür zu frisch, hibbelig, irgendwo knuffig in jener ungereimtheit meiner bewegungen – nie ganz entschieden, will ich links oder rechts, ins wasser oder auf den boden oder in die luft? – klappt ja alles nicht so richtig.}
3.
ich hatte kein wort dafür.
aber eine freundin hatte eins:
”guck mal.. das ist ein foto. an dem weiher bin ich jeeeden morgen.
und guck mal.. was ist das?” “ne ente”, meine ich.
“nein!” (schmollmundig, da ist sie wieder!)
“was denn sonst?”
“NE MINI-ENTE”
ente
-
hginsomnia
- Klio
- Beiträge: 590
- Registriert: 03.09.2009, 05:04
Re: ente
Hallo shuya,
wir hatten ja noch nicht das Vergnügen, also erstmal ein Hallo von mir
.
Es ist so, dass nicht alle deiner eingestellten Texte mich gleichermaßen begeistern, aber dieses Ding hier finde ich sehr, sehr schön. Das ist ein Text wie ein Organismus, sehr lebendig, der mich eintauchen lässt, in den ich mich einnisten, dessen Verzweigungen ich nachspüren möchte.
Gleich der elliptische, der im uneigentlichen Sinne verrückte Eingang kriegt mich. Schönes Enjambement und auch wieder nicht (sehr schön, dass hier beides möglich ist).
'quentchen schlafmuster' begeistert mich gleich aus mehreren Gründen. Die Verbindung ins Erträumte oder vielleicht besser wieder in verrückte Wahrnehmung (tolle Anwendungsmöglichkeiten), das 'entchen (so gewollt? wirkt jedenfalls wunderbar)', dann kommt gleich die Steppdecke, ein Schnabel dann (ich halte die parataktische Anwendung hier für gelungen).
Auch die Parataxe von 'zitternden Notizblöcken' und 'tremor' gefällt mir. Ursache und Wirkung werden aus der Verankerung gerissen, das Personfizierte im Zittern des Objekts findet vor der Kontraktion statt und muss mit ihr gar nichts mehr zu tun haben. Sehr schön.
Ich bin noch gar nicht fertig. Hier gibt's sehr viel zu entdecken. An der Interpunktion würde ich vielleicht noch etwas feilen, vor allem bei der Falle. Es gibt, das weiß ich noch nicht, eventuell noch so'n paar Kleinigkeiten, die ich verändern würde. Alles noch etwas konfus von mir. Ich werde mich hierzu nochmal äußern.
Erster Eindruck: Gefällt mir, dieses Ding! Gefällt mir sehr!
lg
hginsomnia
wir hatten ja noch nicht das Vergnügen, also erstmal ein Hallo von mir
.Es ist so, dass nicht alle deiner eingestellten Texte mich gleichermaßen begeistern, aber dieses Ding hier finde ich sehr, sehr schön. Das ist ein Text wie ein Organismus, sehr lebendig, der mich eintauchen lässt, in den ich mich einnisten, dessen Verzweigungen ich nachspüren möchte.
Gleich der elliptische, der im uneigentlichen Sinne verrückte Eingang kriegt mich. Schönes Enjambement und auch wieder nicht (sehr schön, dass hier beides möglich ist).
'quentchen schlafmuster' begeistert mich gleich aus mehreren Gründen. Die Verbindung ins Erträumte oder vielleicht besser wieder in verrückte Wahrnehmung (tolle Anwendungsmöglichkeiten), das 'entchen (so gewollt? wirkt jedenfalls wunderbar)', dann kommt gleich die Steppdecke, ein Schnabel dann (ich halte die parataktische Anwendung hier für gelungen).
Auch die Parataxe von 'zitternden Notizblöcken' und 'tremor' gefällt mir. Ursache und Wirkung werden aus der Verankerung gerissen, das Personfizierte im Zittern des Objekts findet vor der Kontraktion statt und muss mit ihr gar nichts mehr zu tun haben. Sehr schön.
Ich bin noch gar nicht fertig. Hier gibt's sehr viel zu entdecken. An der Interpunktion würde ich vielleicht noch etwas feilen, vor allem bei der Falle. Es gibt, das weiß ich noch nicht, eventuell noch so'n paar Kleinigkeiten, die ich verändern würde. Alles noch etwas konfus von mir. Ich werde mich hierzu nochmal äußern.
Erster Eindruck: Gefällt mir, dieses Ding! Gefällt mir sehr!
lg
hginsomnia
Re: ente
hab mir nen ausdruck mit auf den balkon genommen
mach ich sonst nur mit eigenem geschwurbel
und habs genossen, ohja. besonders wenn du in klammern erklärst. manchmal der gedanke: kenn ich doch und das mit der _hginsomnia tönte es schon an_ falle. vielleicht im fluss ein bisserl kurzatmiger, zB.
war schon drin, ich, in der falle ....
hab zwar nur die hälfte von den komplimenten verstanden, die mein vorredner schon streute (:->)) aber ich schließ mich gerne dahingehend an, dass ich nach zwei zeilen aufhörte, nach tippex & denkwürden zu suchen, sondern ne semmel holte, für die ente in mir, hat geschmeckt
lGr
mach ich sonst nur mit eigenem geschwurbel
und habs genossen, ohja. besonders wenn du in klammern erklärst. manchmal der gedanke: kenn ich doch und das mit der _hginsomnia tönte es schon an_ falle. vielleicht im fluss ein bisserl kurzatmiger, zB.war schon drin, ich, in der falle ....
hab zwar nur die hälfte von den komplimenten verstanden, die mein vorredner schon streute (:->)) aber ich schließ mich gerne dahingehend an, dass ich nach zwei zeilen aufhörte, nach tippex & denkwürden zu suchen, sondern ne semmel holte, für die ente in mir, hat geschmeckt
lGr
Re: ente
Hi, Shuya,
so habe ich mich fast auch schon mal gefühlt, auch wenn die Daten andere sind, ohne Bier zum Beispiel.
Kommt ganz klasse rüber, als gültiges Statement, und auch noch witzig. Ich hätte dafür bestimmt eine ganze Seite Prosa gebraucht.
My home is my castle
so habe ich mich fast auch schon mal gefühlt, auch wenn die Daten andere sind, ohne Bier zum Beispiel.
Kommt ganz klasse rüber, als gültiges Statement, und auch noch witzig. Ich hätte dafür bestimmt eine ganze Seite Prosa gebraucht.
My home is my castleNobody in the lane, and nothing, nothing but blackberries,/ Blackberries on either side, though on the right mainly, A blackberry alley, going down in hooks, and a sea/ Somewhere at the end of it, heaving...
Re: ente
das ist einer von vielen texten
aus einer "assoziationstext" serie namens "schreib mir was".
ein gegenüber gibt einen begriff und der schreiberling schreibt. mit dem was er grad hat auf das was er grad hat
ohne abzusetzen in einem zug den text runter.
wichtig dabei ist, es soll sich um den gegenüber drehen und ihn/sie mit einbeziehen
ich finde die sache eigentlich ganz nett.
die wenigsten kriegen jemals einen gescheiten text geschrieben der über ein "du bist toll. morgen essen?" post-it an der kaffeemaschine hinaus geht und freuen sich.
man selbst ist gezwungen auf fast völlig fremde menschen einzugehen, ohne vorher viel über sie zu wissen und spürt auch später an der reaktion auf den text wie viel man vom eigentlichen menschen eingefangen hat.
aus einer "assoziationstext" serie namens "schreib mir was".
ein gegenüber gibt einen begriff und der schreiberling schreibt. mit dem was er grad hat auf das was er grad hat
ohne abzusetzen in einem zug den text runter.
wichtig dabei ist, es soll sich um den gegenüber drehen und ihn/sie mit einbeziehen
ich finde die sache eigentlich ganz nett.
die wenigsten kriegen jemals einen gescheiten text geschrieben der über ein "du bist toll. morgen essen?" post-it an der kaffeemaschine hinaus geht und freuen sich.
man selbst ist gezwungen auf fast völlig fremde menschen einzugehen, ohne vorher viel über sie zu wissen und spürt auch später an der reaktion auf den text wie viel man vom eigentlichen menschen eingefangen hat.
-
hginsomnia
- Klio
- Beiträge: 590
- Registriert: 03.09.2009, 05:04
Re: ente
shuya hat geschrieben:das ist einer von vielen texten
aus einer "assoziationstext" serie namens "schreib mir was".
ein gegenüber gibt einen begriff und der schreiberling schreibt. mit dem was er grad hat auf das was er grad hat
ohne abzusetzen in einem zug den text runter.
wichtig dabei ist, es soll sich um den gegenüber drehen und ihn/sie mit einbeziehen
Was das Ganze hier, finde ich, sogar noch aufwertet; obwohl, was heißt aufwerten, ist es ja ein Text, der so steht, dessen Entstehungsgeschichte mir verborgen blieb, aber jedenfallst nicht abwertet, zeigt er doch, dass er eigenständig funktioniert, dass ich auch als indirekter Adressat hier die Verzweigungen finden kann, weil sie da sind, weil sie sitzen, gleich auf mehreren Ebenen und das nicht zufällig, sondern als Ergebnis einer grundsätzlichen Fähigkeit, sie versiert zu streuen, ein auch nach außen notwendig geschlossenes System zu erzeugen, ohne die Assoziationsketten zu vernachlässigen, was es mir wiederum weniger schwer macht, im Zuge einer Nachbearbeitung noch drei Stellen herauszunehmen:
1.)
shuya hat geschrieben:irgendwo doch ein bisschen volltrunken
Sprachlich passt das, rhythmisch scheint's mir aber ein wenig die vorherigen Zeilen abzubremsen. Ich würde es etwas kürzer gestalten.
Vorschläge:
'irgendwo volltrunken' oder 'irgendwo vollgetrunken' (gefällt mir wegen der zusätzlichen Lesart)
2.)
shuya hat geschrieben:und mein bein war schon drin, in der falle.
Wieder lediglich rhythmisch (mir persönlich) etwas zu stark bremsend.
Vorschläge:
'und mein bein war schon in die falle ...' (Auslassungszeichen würden dann hier stehen - Vorteil ist das Enjambement (zusätzliche Verknüpfung zur Folgezeile))
oder 'und mein bein war schon in der falle.'
oder 'und mein bein war schon in der falle drinne.' (fängt dann wieder Sprache ein.)
3.)
shuya hat geschrieben:nie ganz entschieden, will ich links oder rechts, ins wasser oder auf den boden oder in die luft?
Ist mir ein wenig zu viel.
Vorschläge:
'nie ganz entschieden, will ich boden oder luft' oder 'nie ganz entschieden, will ich links oder rechts' oder 'nie ganz entschieden: wasser, boden oder luft?' (Fragezeichen nur in der letzten Version).
Soll das Ganze aber nicht schmälern. Sind nur 'n paar Überlegungen. Immer noch schönes Teil.
lg
hginsomnia
Re: ente
ich gehe d'accord, insom.
die entstehung und natur des textes verbietet es mir nur (irgendwo, so ich für mich verbiete es eigentlich) den text noch einmal anzurühren.
er bleibt so, wie er entstanden ist.
aber es ist schön, dass es ecken zum schleifen gibt - ich würde mich wundern wenn er nach acht minuten aufwand wirklich rund wäre.
man (oder ich) spüre in dem text die unbedachtheit mit der er aufgesetzt wurde
was (in diesem fall dann für mich) den charakter der entstehung erhält.
wenn ich analog fotografiere mag ich die endlichkeit daran.
10 bilder passen auf einen film, wenn ich durchdrücke, ist eines der bilder belichtet, ich kann es entwickeln und dort kann ich die farben beeinflussen, die kontraste, die helligkeit
push or pull? (die wahl des stiftes; die typo)
ich kann das material auswählen auf dem das bild erscheint, sei es eine glasplatte, verschiedenes papier, pappe.. (das material auf dem es entsteht)
ich kann auswählen an welchem ort ich das bild verwahre und mit dem ort und der plazierung noch einmal die stimmung verändern
aber was darauf zu sehen ist
geht nicht weg.
ein haar, ein staubkorn, ein fleck, ein vogel, eine reflektion,
wahlweise
ein wort.
es ist ein gefühl, dass der betrachter eines ready-mades nicht empfindet und das ist auch schön so,
dieser bruch, an welcher stelle auch immer er entstanden ist, bleibt mein teil, er ist unveräusserlich.
so wie ich ein foto scannen und bearbeiten kann
kann ich einen text umgestalten
das ist oft sinnvoll und des öfteren erstrebenswert und manchmal
lässt man es bleiben. (oh ich habe eine fotoserie die ich liebe. überall ist ein fettfleck auf dem objektiv und er spielt so wundervoll mit rein, frisst soviel aufmerksamkeit, ein gefräsiges kleines ding ist das. grad so klein und grad so groß, dass man nicht an ihm vorbeikommt und doch durchgucken kann.)
//
aber dennoch: ich gehe d'accord.
und deine vorschläge versanden nicht!
ich greife sie auf und behalte sie für spätere texte im kopf.
ich werde schreiben, solange mir das möglich ist und ich werde das schreiben lernen solange ich schreibe - jeder kritik liegt eine struktur zufolge, selbst wenn diese sich auf einen text bezieht, ist sie auf vielerlei texte anwendbar
und genau dort wird sie auch landen
in den vielen texten die noch kommen.
das selbe geht auch an die anderen die sich meinen und auch den texten anderer hier annehmen
ich danke dafür und pack das alles ein
die entstehung und natur des textes verbietet es mir nur (irgendwo, so ich für mich verbiete es eigentlich) den text noch einmal anzurühren.
er bleibt so, wie er entstanden ist.
aber es ist schön, dass es ecken zum schleifen gibt - ich würde mich wundern wenn er nach acht minuten aufwand wirklich rund wäre.
man (oder ich) spüre in dem text die unbedachtheit mit der er aufgesetzt wurde
was (in diesem fall dann für mich) den charakter der entstehung erhält.
wenn ich analog fotografiere mag ich die endlichkeit daran.
10 bilder passen auf einen film, wenn ich durchdrücke, ist eines der bilder belichtet, ich kann es entwickeln und dort kann ich die farben beeinflussen, die kontraste, die helligkeit
push or pull? (die wahl des stiftes; die typo)
ich kann das material auswählen auf dem das bild erscheint, sei es eine glasplatte, verschiedenes papier, pappe.. (das material auf dem es entsteht)
ich kann auswählen an welchem ort ich das bild verwahre und mit dem ort und der plazierung noch einmal die stimmung verändern
aber was darauf zu sehen ist
geht nicht weg.
ein haar, ein staubkorn, ein fleck, ein vogel, eine reflektion,
wahlweise
ein wort.
es ist ein gefühl, dass der betrachter eines ready-mades nicht empfindet und das ist auch schön so,
dieser bruch, an welcher stelle auch immer er entstanden ist, bleibt mein teil, er ist unveräusserlich.
so wie ich ein foto scannen und bearbeiten kann
kann ich einen text umgestalten
das ist oft sinnvoll und des öfteren erstrebenswert und manchmal
lässt man es bleiben. (oh ich habe eine fotoserie die ich liebe. überall ist ein fettfleck auf dem objektiv und er spielt so wundervoll mit rein, frisst soviel aufmerksamkeit, ein gefräsiges kleines ding ist das. grad so klein und grad so groß, dass man nicht an ihm vorbeikommt und doch durchgucken kann.)
//
aber dennoch: ich gehe d'accord.
und deine vorschläge versanden nicht!
ich greife sie auf und behalte sie für spätere texte im kopf.
ich werde schreiben, solange mir das möglich ist und ich werde das schreiben lernen solange ich schreibe - jeder kritik liegt eine struktur zufolge, selbst wenn diese sich auf einen text bezieht, ist sie auf vielerlei texte anwendbar
und genau dort wird sie auch landen
in den vielen texten die noch kommen.
das selbe geht auch an die anderen die sich meinen und auch den texten anderer hier annehmen
ich danke dafür und pack das alles ein

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