Vogelfrei

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
Fenek
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Vogelfrei

Beitragvon Fenek » 26.11.2010, 15:04

Vogelfrei

Herbstkühle dringt ins Gefieder
aus dem Schattenreich der Gene
steigt Fernweh auf
wildes Blut in unruhigem Gedärm
Artgenossen schwirrend am Aug vorbei
exakte Flügelschläge im gepresstem Raum
verzweifelte Anmut pfeilschneller Vorhut
fliehend und doch gefangen im Verbund
zieht der Pulk in mäßiger Ordnung
kreischend durch mondhelle Nacht
Erinnerung an die verlassene Kolonie
eingefrorenes Leichtgepäck
im Frühjahr wieder aufgetaut
schwer, drängend und machtlos
gegen einen Aufbruch
an den alten Ort
plötzlich ein blitzend Geschoss
durch fedrigfiebriger Brust
sterbend im Flug herausgerissen
von allen Fesseln gelöst

Bild

riemsche
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Re: Vogelfrei

Beitragvon riemsche » 27.11.2010, 21:33

nur kleinigkeiten? für mich sinds _ich mag deine stimmung, die sie verstärkende wortwahl_ wirklich keine - und ich lese laut (:->))

Herbstkühle dringt ins Gefieder
aus dem Schattenreich der Gene
steigt Fernweh auf
wildes Blut in unruhigem Gedärm
Artgenossen schwirren am Aug vorbei
gepresster Raum exakte Flügelschläge
verzweifelte Anmut pfeilschnelle Vorhut
fliehen noch gefangen im Verbund
zieht der Pulk in mäßiger Ordnung
kreischend durch mondhelle Nacht
Erinnerung an die verlassene Kolonie
eingefrorenes Leichtgepäck
taut im Frühjahr
wieder schwer, drängend
machtlos gegen einen Aufbruch
an den alten Ort
Plötzlich ein blitzend Geschoss
durch fedrigfiebrige Brust
Sterben im Flug herausgerissen
aller Fesseln ledig

lGr

Perry
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Re: Vogelfrei

Beitragvon Perry » 28.11.2010, 13:34

Hallo Fenek,

nachdem riemsche schon einige formale Vorschläge gemacht hat, möchte ich mich mehr der Bildsprache zuwenden.

"aus dem Schattenreich der Gene
steigt Fernweh auf"

Gentechnik ist ja negativ in aller Munde, deshalb passt das Schattenreich, aber Fernweh dürfte als Gefühl eher im Bauch oder im Kopf entstehen. Hier bis in den Genbereich zu lokalisieren halte ich für zu detailliert.

"wildes Blut in unruhigem Gedärm"

Blut im Gedärm düfte aus ärztlicher Sicht eher besorgniserregend sein. Da der Schuss erst später eindringt, wär hier Adern etc. näher.

"gefangen im Verbund"

Bei Fluganordnungen spricht man mehr vom "Verband."

Gut gefällt mir der Sarkasmus am Schluss, den Tod als Befreiung zu sehen.

Sprachlich sind mir die vielen Adjektive aufgefallen, die bei Lyrik dem Leser die Fantasie rauben und so eigenen Bildern den Raum nehmen.

Soweit mein Eindruck zu dieser dramatischen Herbstbegebenheit, vielleicht ist ja der eine oder andere Denkanstoß für dich dabei.

LG
Perry

Fenek
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Re: Vogelfrei

Beitragvon Fenek » 29.11.2010, 12:02

Danke euch für die Veränderungsvorschläge.
Riemsche, in diesem Fall halte ich lieber an meine Zeilen fest. Bilde mir ein, sonst geht der hier eigene Rhythmus verloren.
Perry, „wildes Blut in unruhigem Gedärm“ ist natürlich nur eine Metapher, Empfindung“ wie in der Lyrik, gerade in jener auch schon mal „das Herz ausgehen“ darf. Aber du hast recht, es stellt sich Blut im Gedärm eingedrungen dar – werde ich deshalb ändern; aber Fernweh willst du in den Bauch verlegen – halte ich aus medizinischer Sicht bzw. aus der eines Psychologen für falsch, lasse ich, weil es mir auch in lyrischer Hinsicht nicht problematisch klingt. Verbund finde ich okay, kann auch nicht an den Kopf-verband erinnern. ;o)) Und ja, habe noch Adjektiv gestrichen.

LG Fenek

Vogelfrei

Herbstkühle dringt ins Gefieder
aus dem Schattenreich der Gene
steigt Fernweh auf
unruhiges Blut und Gedärm
Artgenossen schwirren am Aug`vorbei
Flügelschläge im gepresstem Raum
verzweifelte Anmut eilender Vorhut
fliehend und doch gefangen im Verbund
zieht der Pulk in mäßiger Ordnung
kreischend durch mondhelle Nacht
Erinnerung an die verlassene Kolonie
eingefrorenes Leichtgepäck
im Frühjahr wieder aufgetaut
schwer, drängend und machtlos
gegen einen Aufbruch
an den alten Ort
plötzlich ein blitzend Geschoss
durch fedrigfiebrige Brust
sterbend im Flug herausgerissen
von allen Fesseln gelöst

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Re: Vogelfrei

Beitragvon riemsche » 29.11.2010, 19:48

abiz was hat er ja doch übernommen (:->)) anderer rhythmus geht ok,, wenns Dir so ins gefüge passt.
der schluss /von allen Fesseln gelöst/ schraubt sich mir für den finalen befreier immer noch ziemlich sperrig ins klangbild.
lGr

Fenek
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Re: Vogelfrei

Beitragvon Fenek » 29.11.2010, 20:36

Ach, und im gepresst-en und zweifelhafte Anmut möchte ich noch korrigieren.

Gruß Fenek

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Re: Vogelfrei

Beitragvon Fenek » 01.12.2010, 16:08

Lieber Riemsche und Perry,

habe noch mal eure Ratschläge vorgenommen und entsprechend das Gedicht verändert. Bin mir nur etwas unsicher, ob es so – mit wenig Adjektiven und gekürzt – in gleicher Weise im Wesentlichen rüberkommt, also die Phantasie des Lesers die „adjektiven Lücken“ zu füllen vermag.

Vogelfrei

Kühle streicht durchs Gefieder
aus innerem Schattenreich
steigt Fernweh auf
unruhiges Blut und Gedärm
Vorhut am Auge vorbei
im gepressten Raum Flügelschläge
ziehende Artgenossen
gefangen im Pulk
Erinnerung an die Kolonie
eingefrorenes Leichtgepäck
im Frühjahr aufgetaut
schwer und machtlos
gegen einen Aufbruch
an den alten Ort
dann ein Geschoss
durch fedrigfiebrige Brust
sterbend herausgerissen
alle Fesseln gelöst

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Re: Vogelfrei

Beitragvon riemsche » 02.12.2010, 21:28

wenn ich jetzt schon wieder denkumschreibe, haust du mich :-) aber anders kann ichs spontan auch ohne _ja sieht besser aus_ adjektivum nicht. das kennst du doch. mich doch. hoffentlich (:->))
beispiel:

deins:

unruhiges Blut und Gedärm
Vorhut am Auge vorbei
im gepressten Raum Flügelschläge
ziehende Artgenossen
gefangen im Pulk

und jetzt(:->))?

unruhig Blut und Gedärm
am Aug vorbei die Vorhut
Flügel im gepressten Raum
Artgenossen ziehen
gefangen im Pulk

_____
kopfeinzieheRiemsche

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Re: Vogelfrei

Beitragvon Fenek » 03.12.2010, 00:51

Lieber Riemsche,

man könnte wohl unendlich so weiter ummodeln. Abba ich glaube, ich lass es erst mal so:

Vogelfrei

Kühle streicht durchs Gefieder
aus innerem Schattenreich
steigt Fernweh empor
unruhig Blut und Gedärm
am Aug vorbei die Vorhut
Flügel im gepressten Raum
bei Nacht auf und davon
gefangen im Pulk
Erinnerung an die Kolonie
eingefrorenes Leichtgepäck
im Frühjahr abgetaut
schwer und machtlos
gegen einen Aufbruch
an den alten Ort
dann ein Geschoss
durch fedrigfiebrige Brust
sterbend herausgerissen
alle Fesseln gelöst

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Re: Vogelfrei

Beitragvon riemsche » 04.12.2010, 14:30

ja lassma´s (:->))
erinnerung(en) ? singular schränkt in sachen memory ziemlich ein ....
ach ja, zum bild wollt ich noch was sagen. psychedelic roots? sieht in den gewählten schwarzlichtfarben den alten summer of love_plakaten in der haightstreet zu frisco sehr ähnlich.
lGr


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