keine lösung

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
Sturznest
Medusa
Beiträge: 28
Registriert: 03.01.2012, 21:06

keine lösung

Beitragvon Sturznest » 05.01.2012, 20:41

von draußen dringt das licht in ihre ohren
wer sind wir eigentlich fragt irgendwer

wie sie mit langen lustigen sätzen durch die strassen gehen
wie diese nie endende strasse neben ihnen geht
wie diese strasse alles was sie sagen versteht

draußen beginnt es heller zu werden
jemand fragt
woher das komme
jemand antwortet nicht

draußen beginnt es heller zu werden
jemand fängt an zu begreifen
jemand sagt
na siehst du

shuya
Prometheus
Beiträge: 367
Registriert: 17.04.2010, 13:51

Re: keine lösung

Beitragvon shuya » 12.01.2012, 09:24

hat mir schon beim ersten lesen sehr gut gefallen
aber da ich gar nicht konkret sagen konnte warum
und beim zweiten mal auch nicht,
komme ich jetzt zum dritten mal zurück
und will diesmal - weil es auch sonst scheinbar noch keinen gab, der etwas dazu sagen konnte - einen kommentar da lassen.

ich glaube du hast ein talent
das ich in manchen texten stärker beobachten kann, in manchen weniger stark,
dass aber in jedem text klar zum ausdruck kommt:
du hast eine sehr befremdliche und gleichzeitig aber absolut nachvollziehbare sicht auf den alltag
es scheint mir fast, je alltäglicher die handlung oder das thema, um das es sich dreht
desto stärker tritt das hervor
und noch wichtiger: du hast einen weg gefunden, diese (natürlich nur von aussen) befremdliche sicht, in worte und zeilen zu packen
die diese 1:1 transportieren.
vielleicht kommt das in "banalen situationsbeschreibungen" mehr hervor, weil eben gerade da das können im umgang mit der sprache
am stärksten gefragt wird - es sind keine fantastischen umstände, es ist eine fantastische beschreibung des umstands.

schön hierbei auch: du bewerkstelligst das nicht, indem du seltene worte oder komplexe wortkonstellationen nutzt
sondern über eine sehr geschickte konstellation verschiedener, sehr einfach gehaltener bilder, die an sich nüchtern sind
aber in ihrer zusammenstellung unfassbar "trunken" werden.

übrigens - um dann auf meine celan-kritik zurück zu kommen - machst du hier genau das, was ich im anderen text vermisst habe:
du schaffst etwas, an dem man nichts wegnehmen darf, nichts ändern, es ist schon so einfach und stabil, dass man dazu nichts mehr sagen muss.


Zurück zu „Gedichte“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Baidu [Spider] und 10 Gäste