Sonett

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
demosthenes
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Sonett

Beitragvon demosthenes » 05.02.2012, 15:10

Democratia Nova

Es ist in diesem Sein ja nichts das uns mag rechten
Und ohne Hintersinn den armen Wesen frommen
Die durchaus ohne Schuld auf diesen Mond ankommen
Und sich so darft es geht in ihr Geschicksal flechten.

Ein jeder nennt sich gleich und doch all andre Knechten
Sind die Begriffe ja in Eigensucht verschwommen
Und selbst Barmherzigkeit in üblen Ruch gekommen
Dass wir in Streit gehn den kein Richter wollte schlechten.

Würd mei'm Geweid ein Schlaf nur seltne Lindrung bringen
Und klagelosen Tod um diese Beine schlingen
Wär dies das einzig End das mir Versöhnung schenkt.

Wenn mehr von diesem Trau'rn sich in mein Geist verhängt
Will ich nicht gradestehn dass nicht von Furcht verhatzt
Allein von Schmerz gesprengt mein einzig Herz zerplatzt.

Perry
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Re: Sonett

Beitragvon Perry » 13.02.2012, 16:28

Hallo Demosthenes,

Sonett hin oder her, aber was bitte ist

"das uns mag rechten ...
den kein Richter wollte schlechten."

Ist das Motto, reim dich oder ich schlag dich, oder wolltest du hier die Form parodieren. ;-)
Dagegen sprechen aber sprachliche Mängel wie

"so darft es geht"
oder "sich in mein Geist verhängt"

Mein Herz bringt diese "neue Demokratie" jedenfalls nicht zum Pochen äh Platzen. :-))

LG
Perry

demosthenes
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Re: Sonett

Beitragvon demosthenes » 24.02.2012, 16:20

Moin Perry

Ist das Motto, reim dich oder ich schlag dich: nö

wolltest du hier die Form parodieren: nö; wollte sprachliche strukturen aufbrechen und zum denken anregen

SCHLECHTEN, verb.
1) wie schlichten und neben diesem: schlächten, etwʒ krumbs und gebogen schlächt machen

Aus: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm

RECHTEN, verb. dem rechte gemäsz verfahren, das recht anrufen, prozessieren; ein rechtswort des späteren mittelalters, vgl. dazu auch rechtnen.

Aus: ebd.


so darft es geht: wollte hier zwei lesarten ermöglichen, deshalb aus dem doppeldeutigen "soviel sie (be-)dürfen"="soviel ihnen erlaubt ist" als auch "soviel sie benötigen" den bemängelten neologismus abgeleitet.

sonst hätt ich "so gut es geht" "so grad es geht" "so darb es geht" o.ä. gewählt


mein Geist: versächlichung so etwa wie in "das mensch" "mein gemahl"

wohl kaum ne neue technik, aber wenns nicht gefällt kann man natürlich schreiben:

"sich meinem Geist verhängt"

regt nur halt weniger zum denken an.

[Edit] achso geht nicht weil inkonsistent mit der sonstigen behandlung des dativ


die letzte zeile lautet besser:

"Und aller Schmerz gesprengt mein einsam Herz zerplatzt"

("einzig" statt "einsam" war eh'n typo)

LG

Perry
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Re: Sonett

Beitragvon Perry » 24.02.2012, 17:27

Hallo domosthenes,
langer Ausrede kurzer Sinn,
ich schreibe wie ich will, äh bin. ;-)
LG
Perry

demosthenes
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Re: Sonett

Beitragvon demosthenes » 24.02.2012, 18:33

Perry hat geschrieben:Hallo domosthenes,
langer Ausrede kurzer Sinn,
ich schreibe wie ich will, äh bin. ;-)
LG
Perry


Ich glaube an diesem Punkt auf ein neues Missverständnis hinweisen zu müssen:

Der Sinn meiner Ausführungen bestand darin, etwaigen literarisch unbedarften Forumsteilnehmern gewisse vielleicht ungewohnte Wendungen in meinem Stück erläuternd nahezubringen, um auch ihnen eine kritische Diskussion desselben zu ermöglichen oder zum wenigsten die Lektüre zu erleichtern.

Desweiteren musste - wie bereits erwähnt - die letzte Zeile angepasst werden.

[) i r k
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Re: Sonett

Beitragvon [) i r k » 24.02.2012, 20:13

demosthenes hat geschrieben:Der Sinn meiner Ausführungen bestand darin, etwaigen literarisch unbedarften Forumsteilnehmern gewisse vielleicht ungewohnte Wendungen in meinem Stück erläuternd nahezubringen, um auch ihnen eine kritische Diskussion desselben zu ermöglichen oder zum wenigsten die Lektüre zu erleichtern.

Also ein Text, der eine Packungsbeilage für literarische Unbedarfte benötigt, hat schon ein generelles Problem. Dann solltest du aus der Not vielleicht eine Tugend machen und gleich mit Fußnoten arbeiten.

Allerdings halte ich die Vorstellung, dass Literatur nur dann Literatur ist, wenn sie nur von einem elitären / eingeweihten / gebildeten Publikum verstanden werden kann, für ein wenig snobistisch. Also, wenn du deine Leser gern quälst oder belehrst oder dich mit ihnen in verschwörerischen Codes verständigen möchtest - okay, jedem wie's gefällt. Ich würde dir aber erstmal einen ganz profanen Zweck deiner literarischen Versuche anempfehlen: unterhalte deinen Leser. Denn das ist für viele Autoren oftmals schwieriger als die Einhaltung von Versmaß, Reimschema und die Nachdichtung mittelalterlicher Gedichtformen und kommt auch gebildeten Forumsteilnehmern entgegen. ;-)

MfG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)

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Re: Sonett

Beitragvon hginsomnia » 24.02.2012, 20:29

[) i r k hat geschrieben:Also ein Text, der eine Packungsbeilage für literarische Unbedarfte benötigt, hat schon ein generelles Problem. Dann solltest du aus der Not vielleicht eine Tugend machen und gleich mit Fußnoten arbeiten.

Allerdings halte ich die Vorstellung, dass Literatur nur dann Literatur ist, wenn sie nur von einem elitären / eingeweihten / gebildeten Publikum verstanden werden kann, für ein wenig snobistisch. Also, wenn du deine Leser gern quälst oder belehrst oder dich mit ihnen in verschwörerischen Codes verständigen möchtest - okay, jedem wie's gefällt.


Sehe ich z.T. ganz anders. demosthenes Wortwahl ist in der Tat etwas unglücklich, weil sie so exklusiv ist, aber wenn man sich hier anschaut, dass er im Grunde genommen nur auf die Fragen von Perry antwortet und dann als Antwort dieses hier bekommt:

Perry hat geschrieben:Hallo domosthenes,
langer Ausrede kurzer Sinn,
ich schreibe wie ich will, äh bin.


Im Gegensatz zu Perry unternimmt demosthenes zumindest den Versuch, eine Kommunikation über den Text in Gang zu setzen, während Perry in seinen Kommentaren Texte wie Fließbandware behandelt.

[) i r k hat geschrieben:Ich würde dir aber erstmal einen ganz profanen Zweck deiner literarischen Versuche anempfehlen: unterhalte deinen Leser. Denn das ist für viele Autoren oftmals schwieriger als die Einhaltung von Versmaß, Reimschema und mittelalterlichen Gedichtformen.


Da ist allerdings was Wahres dran. Während der Text rein auf der technischen Ebene schon ganz okay ist, wirkt er auf der Inhaltlichen wie eine Kopie eines Gedichtes einer früheren Epoche. Er liefert daher keine Spannung, die sich in eine kreative Neuordnung ableitet. (Neuordnung des Themas, nicht notgedrungen der Form).


Das Problem des Textes sollte eigentlich klar sein:

Er, der Text, wirkt unbeholfen, umständlich und obsolet, und das erkennen in der Tat nicht nur literarisch Unbedarfte, womit natürlich demosthenes Kommentar über die Rezeptionsfähigkeiten einiger Leser etwas problematisch ist.

[) i r k
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Re: Sonett

Beitragvon [) i r k » 25.02.2012, 00:24

hginsomnia hat geschrieben:Im Gegensatz zu Perry unternimmt demosthenes zumindest den Versuch, eine Kommunikation über den Text in Gang zu setzen, während Perry in seinen Kommentaren Texte wie Fließbandware behandelt.

Auch wieder wahr.

hginsomnia hat geschrieben:Während der Text rein auf der technischen Ebene schon ganz okay ist

Hmm, hginsomnia, diese Meinung überrascht mich. Dieser Text ächzt unter den Regeln, die sich der Autor auferlegt hat. Was am deutlichsten an der gebeugten Grammatik und der Wortverstümmelung erkennbar wird. Ich bitte dich:

Würd mei'm Geweid ein Schlaf nur seltne Lindrung bringen


Also, ich weiß nicht, wie du das siehst, aber Technik beherrscht ein Dichter für mich erst dann, wenn er bei ihrer Ausübung nicht seine Sprache einbüßt.

MfG,
[) i r k
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Re: Sonett

Beitragvon hginsomnia » 25.02.2012, 02:27

[) i r k hat geschrieben:Also, ich weiß nicht, wie du das siehst, aber Technik beherrscht ein Dichter für mich erst dann, wenn er bei ihrer Ausübung nicht seine Sprache einbüßt.


Ich stimme dir zu, Dirk. Ich wollte halt nicht direkt mit dem Hammer draufhauen bei einem neuen User.
Technik ist der falsche Begriff. Sagen wir eher, der Text ist bemüht, sich nach einem Muster auszurichten, was ich erstmal nicht verkehrt finde, allerdings, ja, die Sprache erinnert mich an meine Latain-Übersetzungen und das ist kein gutes Zeichen. Da greift dann wieder das:

hginsomnia hat geschrieben:Er, der Text, wirkt unbeholfen, umständlich und obsolet

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Re: Sonett

Beitragvon Perry » 26.02.2012, 15:52

Hallo hginsomnia,
du kannst es anscheinend nicht lassen in deinen Kommentaren mit "persönlichen" Unterstellungen zu arbeiten.
Ich schreibe und kommentiere eben relativ viel, trotzdem wende ich immer die Zeit auf, die ein Text m. M. nach verdient hat.
Für mich ist Demosthenes Text ein sprachlich missglückter Versuch eines Sonetts.
Die Versuche, die angesprochenen Stellen zu rechtfertigen, halte ich für "abenteuerliche" Ausreden, die keine gute Basis für ein Dazulernen sind. Das wollte ich ihm mit meinem, zugeben etwas "flapsigen" Hinweis, nahebringen.
LG
Perry

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Re: Sonett

Beitragvon hginsomnia » 27.02.2012, 23:07

Hallo Perry,

ich unterstelle dir nichts, schon gar nicht persönlich (die Anführungsstriche kannst du i.Ü. weglassen; ich lese den Subtext auch so mit).

Persönliche Unterstellungen sähen so aus:
"Offensichtlich schreibt Perry seine Kommentare
- aus einer tiefen Frustration
- aus purer Hähme
heraus oder
nur, um sich zu profilieren."

Soetwas würde ich aber nie schreiben. Ich las lediglich deine Kommentare und schrieb meine Meinung dazu. Ich verstehe, dass du das anders siehst.

Noch kurz zum Text:

Perry hat geschrieben:Für mich ist Demosthenes Text ein sprachlich missglückter Versuch eines Sonetts.


Für mich auch. Allerdings:

Perry hat geschrieben:Die Versuche, die angesprochenen Stellen zu rechtfertigen, halte ich für "abenteuerliche" Ausreden, die keine gute Basis für ein Dazulernen sind. Das wollte ich ihm mit meinem, zugeben etwas "flapsigen" Hinweis, nahebringen.


Ich glaube nicht, dass du ihm das so hast nahebringen können. Zudem sehe ich in den Erklärungen zu den angesprochenen Stellen keine abenteuerlichen Ausreden, sondern wirklich den ernstgemeinten Versuch, sich mittelhochdeutscher Sprache zu bedienen. Die Beispiele als solches sind ja belegt.

Man sollte dann m.E. eher darüber sprechen, was das grundsätzliche Problem einer solchen Herangehensweise ist, von mir aus über fehlende Stringenz in der Durchführung wegen der schlechten Übertragbarkeit ins Neuhochdeutsche u.A.

LG
hginsomnia

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Re: Sonett

Beitragvon Perry » 27.02.2012, 23:23

hginsomnia,
danke für deine Reaktion, sie lässt tief blicken.
Grundsätzlich solltest du dir keine Gedanken über meine Motivation machen, denn du liegst meilenweit daneben, also lass es besser.
Meine Motivation ist nur textorientiert. Ich poste weil ich konstruktive Kritik zu meinen Texten haben will und versuche meine Sicht und Erfahrung möglichst konstruktiv an andere weiterzugeben. Wenn ich allerdings spüre, dass ich kein Echo auf dieser Ebene bekomme, dann kann es schon mal sein, dass ich etwas ironisch reagiere.
LG
Perry

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Re: Sonett

Beitragvon hginsomnia » 27.02.2012, 23:39

Perry, also wirklich,

lies mal vernünftig, was ich geschrieben habe!

Perry hat geschrieben:danke für deine Reaktion, sie lässt tief blicken.
:frage:

Perry hat geschrieben:Grundsätzlich solltest du dir keine Gedanken über meine Motivation machen, denn du liegst meilenweit daneben, also lass es besser.


Mache ich mit keinem Wort. Es gibt etwas, was man Konjunktiv nennt. Wenn man denn will, versteht man auch, was das bedeutet.


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