Arroganz heute

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
ernstblumenstein
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Arroganz heute

Beitragvon ernstblumenstein » 10.04.2012, 15:45

Wegen dem Karibiktraum
der Reichen und Schönen
Kreuzfahrer wird vor
dem Landgang in der
Dominikanischen Republik
der Landeplatz gesäubert
sonst darf es in diesem Land
ruhig dreckig bleiben.

EB 2012

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Perry
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Re: Arroganz heute

Beitragvon Perry » 10.04.2012, 20:13

Hallo Ernst,
und das in einer "klassenlosen" Gesellschaft. Für mich stellt sich die Frage, wer arroganter ist, die Kubanische Führung oder die kapitalistische Tourismusbranche. :-D
LG
Perry
PS: Wegen des Karibiktraumes ...

ernstblumenstein
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Re: Arroganz heute

Beitragvon ernstblumenstein » 12.04.2012, 19:26

Hallo Perry,
Schön, dich wieder mal zu lesen.
Du kannst dir die Frage - wer arroganter ist - Kommunismus oder Kapitalismus?, schon stellen.
Ich stelle sie in diesem Gedicht nicht.
Ich prangere Teile unserer heutigen Gesellschaft an, die Dreck in ihrer Gesinnung haben, und diesen
Dreck hinter Erfolg, Schönheit und Sauberkeit verstecken. Da gehören auch Firmen, Manager und
andere Mitläufer dazu. Es fängt ja schon im Kleinen an, z.B. etwas vortäuschen, mehr scheinen als sein.
Anstelle des obligaten Frühlingsputzes würde der Gesellschaft ein "Innenputz der Seele"
wohl anstehen.
Ich schicke dir liebe Grüsse. Ernst.

Nobody
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Re: Arroganz heute

Beitragvon Nobody » 12.04.2012, 23:01

Meiner Meinung nach gehören Politisierungen nicht in die Lyrik(allenfalls menschliches Schicksal,das sich durch bestimmte politische Situationen ergibt) und das hab ich bei deinen Zeilen auch nicht empfunden.Ich dachte eher an Oberflächlichkeit und Heuchelei, wie es sie immer geben wird.

riemsche
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Re: Arroganz heute

Beitragvon riemsche » 14.04.2012, 00:20

menschlich schicksal ... was ich _mir mit dem /es/ abiz zU sachlich_ auch der blumensteinversion entnehme. danke für die inspiration.

_____

feuchttraum karibik
da wo die reichen
schön kreuzfahren
vor dem landgang

herzlich willkommen
in der dominikanischen

da wo der flugplatz
dank jener denen´s
dort dreckig geht
schön sauber ist

_____

shuya
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Re: Arroganz heute

Beitragvon shuya » 14.04.2012, 16:01

Meiner Meinung nach gehören Politisierungen nicht in die Lyrik(allenfalls menschliches Schicksal,das sich durch bestimmte politische Situationen ergibt)


da halte ich dagegen,
propaganda gehört meinetwegen nicht in die lyrik
aber politisches denken, meinungen und auseinandersetzungen auch über einzelschicksale hinaus
sollte alle kunstformen durchdringen

dramen einzelner, die als prototypen herhalten sollen in der lyrik, als einzige ventile
politisierender geschehnisse (seht her, den, den haben sie erschossen nachdem ihr eine beziehung zu ihm aufgebaut habt, liebe leser, wen also hasst ihr? "die mörder, die schweine" richtig, die mörder, die schweine hasst ihr..)
zuzulassen
wäre nur ein weiterer beweis dafür, wie billig und klischéeüberladen
diese kunstform ist.
das ist doch nichts als "poetischer" voyeurismus.

//
sorry fürs reinbrettern ins gedicht, aber das wollte ich nicht so stehen lassen.

Nobody
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Re: Arroganz heute

Beitragvon Nobody » 15.04.2012, 10:44

Wo ist die Grenze zwischen politischer Meinung und propaganda?wenn gedichte politische meinungen transportieren werden sie einfach für irgendwelche interessen benutzt.sie sollten doch aber unsere gefühlswelt erweitern.voyeurismus seitens der leser und exhibitionismus seitens des autors sind bei jedem werk vorhanden.natürlich kann es über einzelschicksale hinausgehen, wie zB bei der todesfuge.

ernstblumenstein
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Re: Arroganz heute

Beitragvon ernstblumenstein » 17.04.2012, 15:18

Hallo riemsche
Meine Inspiration muss gut gewesen sein - deines gefällt mir persönlich besser.

riemsche
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Re: Arroganz heute

Beitragvon riemsche » 18.04.2012, 00:09

inspiration ist immer gut. dann kommts drauf an, wer sie wie für was nützt. das tut meist jeder auf seine eigene weise. was ich schon wegen der möglichen vielfalt schön finde. wenn dann noch jeder was davon hat, wärs wohl das sahnehäubchen. meine deine .... pipifax. unsere!
Lgriemsche

hginsomnia
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Re: Arroganz heute

Beitragvon hginsomnia » 26.04.2012, 05:49

auch nochmal nachträglich meine 2 cents an dieser stelle ;-) :

@ shuya und nobody

ich finde, ihr habt beide unrecht. :-))

Nobody hat geschrieben:Wo ist die Grenze zwischen politischer Meinung und propaganda?


natürlich ist die grenze fließend, aber wenn man denn eine solche formulieren wollte, könnte man sagen, dass die politische meinung als solche auch erkennbar ist, während die propaganda nicht unbedingt vorgiebt, eine meinung zu sein, sondern sich als ausschließliche tatsache darstellen kann, unabhängig von deren wahrheitsgehalt. eine propaganda nimmt dabei mehrere mittel zur hilfe und ist eher komplexer zu verstehen als kampagne (in der dann auch einseitig politische meinungen eines lagers dargestellt sein können), während die reine politische meinungsäußerung singulär in beziehung gesetzt werden kann zu ihrem verfasser.

Nobody hat geschrieben:wenn gedichte politische meinungen transportieren werden sie einfach für irgendwelche interessen benutzt


das kann so sein, muss aber nicht, es sei denn, wir verstehen die reine äußerung einer politischen meinung (die selbstverständlich mit dem interesse verbunden ist, menschen diese meinung näher zu bringen und im besten fall aus sicht des verfassers von ihr zu überzeugen) bereits als pure nutzung ohne ästhetischen mehrwert (z.b. bei einem gedicht). da aber sehr viel einem interesse zugeordnet werden kann, würde ich davon abraten, sehr früh von purer (be)nutzung zu sprechen.

worauf will ich hinaus: es gibt sehr viele gute lyriker mit politischer überzeugung, die sich nicht scheuen, diese in ihre gedichte einzubringen, ohne deshalb weniger in der lage zu sein, die gefühlswelten der leser zu erweitern (politik kann nämlich auch ein sehr emotives gebiet sein). ich glaube, du hast dich im anblick des obigen gedichts zu einer recht pauschalen aussage hinreißen lassen.


shuya hat geschrieben:dramen einzelner, die als prototypen herhalten sollen in der lyrik, als einzige ventile
politisierender geschehnisse (seht her, den, den haben sie erschossen nachdem ihr eine beziehung zu ihm aufgebaut habt, liebe leser, wen also hasst ihr? "die mörder, die schweine" richtig, die mörder, die schweine hasst ihr..)
zuzulassen
wäre nur ein weiterer beweis dafür, wie billig und klischéeüberladen
diese kunstform ist.
das ist doch nichts als "poetischer" voyeurismus.


das verstehe ich allerdings auch nicht, shuya. es ist doch ein klassisches merkmal, wenn auch weniger der lyrik als der prosa und des dramas, rollen anzubieten, die in einigen fällen auch repräsentanten einer politischen idee sind. aber auch in der lyrik gibt es großartige beispiele von figuren, welche eine funktion im sinne einer politischen idee beinhalten, aber deshalb nicht weniger daseinsberechtigung haben als andere. ich finde deine ausführungen hier doch sehr pauschal, oder - und das kann auch sein - ich verstehe sie nicht.


@ ernstblumenstein

da ich hier soviel zur metadiskussion geschrieben habe, fände ich es unfair, wenn ich nicht auch noch zumindest eine kleine kritik an dein gedicht anschlösse ;-) .


zunachst einmal die frage: warum eigentlich arroganz? müsste es nicht eher ignoranz heißen? der arrogante benötigt ja zumindest jemanden, dessen schicksal er sich bewusst macht, während dem ignoranten dieses schicksal völlig gleichgültig ist. ich bin mir nicht ganz klar, welchen fall du beschreiben willst. das solltest du für dich überprüfen.

ernstblumenstein hat geschrieben:Wegen des Karibiktraums
der reichen und schönen
Kreuzfahrer[n] wird vor
dem Landgang in der
Dominikanischen Republik
der Landeplatz gesäubert.
[und geputzt] [aber nur dort]
Sonst darf es in diesem Land
ruhig dreckig bleiben.


Der Text ist leider sprachlich schon enorm schief. Normalerweise gehe ich erst auf den Inhalt ein, aber hier sind auf wenige Zeilen doch schon sehr viele Fehler verteilt. Perry hat ja schon die richtige Deklination für die erste Zeile angegeben. Bei mir steht in [] noch, was gestrichen werden muss.
Zwei Klammern erkläre ich:
1. säubern ist der oberbegriff und putzen einer der unterbegriffe, das heißt, wenn ich angebe, dass etwas gesäubert wird, gebe ich zwar nicht notwendigerweise an, wie es gesäubert wird, aber ich kann niemals angeben, dass etwas gesäubert und geputzt wird. Ich kann höchstens sagen, dass etwas gesäubert wird, indem es geputzt wird.
2. aber nur dort kann dort nicht stehen, weil ja vorher geschrieben wurde, dass der landeplatz (und nicht etwa das land) gesäubert wurde. wo sollte der landeplatz rein logisch denn anders gesäubert werden als am landeplatz? da ist dir einfach ein logischer fehler unterlaufen.

mag alles etwas penibel aussehen, ist es aber m.e. in diesem fall nicht. auf den inhalt gehe ich nicht weiter ein. der text ist mir da leider zu oberflächlich.

lg
hginsomnia

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Re: Arroganz heute

Beitragvon shuya » 26.04.2012, 08:15

das verstehe ich allerdings auch nicht, shuya. es ist doch ein klassisches merkmal, wenn auch weniger der lyrik als der prosa und des dramas, rollen anzubieten, die in einigen fällen auch repräsentanten einer politischen idee sind. aber auch in der lyrik gibt es großartige beispiele von figuren, welche eine funktion im sinne einer politischen idee beinhalten, aber deshalb nicht weniger daseinsberechtigung haben als andere. ich finde deine ausführungen hier doch sehr pauschal, oder - und das kann auch sein - ich verstehe sie nicht.


alles woran ich mich gestört habe war, dass die literatur an sonsten nicht politisch oder politisierend sein "dürfe",
ich persönlich glaube, dass da noch mehr geht als nur das schreiben nach bewährtem rezept (:
das hebelt ja nicht die literaturgeschichte aus, erweitert sie höchstens.

hginsomnia
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Re: Arroganz heute

Beitragvon hginsomnia » 09.05.2012, 03:21

ich packe es nochmal an, shuya ;-) :


shuya hat geschrieben:alles woran ich mich gestört habe war, dass die literatur an sonsten nicht politisch oder politisierend sein "dürfe",
ich persönlich glaube, dass da noch mehr geht als nur das schreiben nach bewährtem rezept (:
das hebelt ja nicht die literaturgeschichte aus, erweitert sie höchstens.


das ging aber m.e. aus deinem ersten komm nicht hervor. ich selbst weiß gar nicht so recht, was schreiben nach dem bewährten rezept bedeutet (bei lyrischen texten). ich weiß natürlich i.e., was man so darunter versteht, kann damit aber nichts anfangen. ich sehe daher auch keine so richtige gegenposition, da eh ein großes augenmerk auf individualität gelegt wird (manchmal auch in form der verleugnung m.e.). dass fiktion im allgemeinen natürlich alles mögliche darf, also selbstverständlich auch das politisch-sein, sehe ich genauso.


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