Der Vermisste

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Surjaninov
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Der Vermisste

Beitragvon Surjaninov » 27.09.2004, 21:04

Der Vermisste


Versteckt zuhinterst in Wald und Unterholz,
liegt in schwarzer Galle grausig gärend,
der Vermisste im Moos; sein Blick barst vor Stolz
- er schied noch jung, ein tiefes Loch gebärend.

Umrauscht von schwülem Harz und Duft der Föhren
schläft der Tote unter kahlen Stämmen tief.
Er kann das weite Rufen nicht gut hören,
seine Augen hängen im Gesichte schief.

Verklebte Haare sind schwer und weit verstreut,
herüber vom fernen Turm klingt viel Geläut,
und vergeht wahrhaft klagend in jenem Hain.

Bald herrscht hier der Dämmer feierlich und lau,
der Landschaft Leuchten geht unwirtlich und rau
- es bleibt nur der Kranz zur Nacht in einem Schein.



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Herbert Eiter
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Re: Der Vermisste

Beitragvon Herbert Eiter » 07.11.2004, 11:35

Hallo Surja,

ich sag es gerade heraus: das ist schwere Kost. Du bemühst dich um sehr dichte und möglichst ausgefallene Bilder in diesem Gedicht, aber – irgendwie – verfehlt das bei mir die Wirkung. Das Gedicht ist mit aufdringlich adjektivischen Konstruktionen überladen, die sich für mich nicht recht zum einem stimmungsvollen Ganzen zusammenfügen wollen, wie ich es sonst von deinen Gedichten gewohnt bin.
liegt in schwarzer Galle grausig gärend,
der Vermisste im Moos; sein Blick barst vor Stolz
- er schied noch jung, ein tiefes Loch gebärend.

Schon die erste Strophe wirkt sehr grotesk auf mich, was mir aus der Kombination von veralteten Begriffen ("barst" und "schied"), den übertriebenen Adjektiven ("schwarzer Galle grausig ...") und der getragen pathetischen Form des Verbums ("gärend", "gebärend") zu resultieren scheint.
Umrauscht von schwülem Harz und Duft der Föhren
schläft der Tote unter kahlen Stämmen tief.

Ich bitte dich! "Umrauscht von schwülem Harz und Duft der Föhren" – das kannst du nicht ernst meinen! Verzeihung, Surja, das trieft, aber gewaltig. An dem "tief" gefällt mir weder, das es nachgestellt ist, noch, dass es zwei Zeilen zuvor bereits verwendet wurde. Schwarze Galle, tiefes Loch, schwules Harz, kahle Stämme, weites Rufen, verklebte Haare – ich bitte dich noch mal um Verzeihung, aber diese Bilder sind mir entweder viel zu banal oder viel zu inadäquat (schwüles Harz). Vielleicht fehlt mir ja die Phantasie.
seine Augen hängen im Gesichte schief.

Schön. Das ist die erste und leider auch die einzige Zeile im Gedicht, die mir aufrichtig gefällt.
herüber vom fernen Turm klingt viel Geläut,
und vergeht wahrhaft klagend in jenem Hain.

Bimm-Bamm. Bimm-Bamm. Das muss der Monsignore Pathos sein, dessen viel (zu viel) Geläut mir da "wahrhaft klagend" zum einen Ohr herein und zum anderen heraus bimmelt. :-D
Bald herrscht hier der Dämmer feierlich und lau,
der Landschaft Leuchten geht unwirtlich und rau

Ach Gottchen, Surja, soviel Schmalz am Sonntagmorgen, bringt Verdauungssorgen.

Das war jetzt ein Verriss mit Totalschaden, den ich zwar bedaure, denn ich weiß, dass du das besser, dass du das sehr viel besser kannst, aber den du dir mit diesem Gedicht auch aufrichtig verdient hast.

Pardon,
H.E.
and all the lousy little poets coming round ...

Surjaninov
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Re: Der Vermisste

Beitragvon Surjaninov » 07.11.2004, 18:37

Hej Herbert

Oh oh, das mag ich kaum ein zweites Mal lesen. Nun, es ist an einigen Stellen wirklich arg dick eingeschmiert. Grausig triefend, im Fette schwülstig gehend...
Schnell weg von da!

Du hast wohl leider Recht.

Beste Grüße
Surja


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