Ein Gedicht für Botho Strauß

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Hilbi
Melpomene
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Ein Gedicht für Botho Strauß

Beitragvon Hilbi » 13.11.2004, 17:59

Ein Gedicht für Botho Strauß


halt! halt ! ruft die kraft
und setzt ihre energie aus
ganz kurz vorm zwischenstopp
aber wir sind bereits angekommen
und lustig sind wir weil wir nichts mehr sehen
und atmen tun wir weil wir nichts mehr sehen

oh wir lassen die gespräche sausen
weit verzweigt ist unser gebiet
wir hecheln als hätten wir augen
wir summieren
streifen das licht ab
wir holen das echo zurück
wir kauen uns ein ohr ab
wir streicheln die sprache
wir betrachten den wind der uns die letzten news bringt von versunkenen schiffen

und die anderen
wir suchen ihre namen
wir suchen ihre talente zu entdecken um sie auszuhorchen

und lustig sind wir weil wir nichts mehr sehen
und atmen tun wir weil wir nichts mehr sehen

warum dringen wir in das innere eine käfiges
warum drehen wir die fassaden um
beschwindeln die keller und lauschen den geräuschen die wir nicht hören

abends sitzen wir zu dritt vorm bildschirm
und es ist gut das wir uns verzählen
sonst würden wir noch unsere einsamkeit ausgrenzen
sie dasitzen lassen mit all den salzstangenresten

wir füttern unsere zungen
wir denken wir sind mehr
aber im kreis laufen wir doch immer alleine
Wenn der Himmel so blau ist, warum wird es dann finster?

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