Lebenszeit

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
riemsche
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Re: Lebenszeit

Beitragvon riemsche » 17.10.2007, 00:23

// ich habe meinen gedanken eine form eines gedichts gegeben, um eben die form zu vernachlässigen. umgekehrte psychologie ist hierzu das schlagwort. einfache gemüter sollen sich daran ergötzen können und der denker soll sich an die ideen, die darin versteckt sind, heranwagen. //

:-D
DIE gebrauchsanweisung ist ja nun wohl der gipfel an selbstbeweihräucherung. das WILL ich natürlich nur rauslesen, du meinst es sicher GAaaaNZ anders. und daher isses dir schnuppe - so´n glück aber auch.
„To hell with circumstances; I create opportunities.“ – Bruce Lee

vogel
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Re: Lebenszeit

Beitragvon vogel » 17.10.2007, 12:48

wenn ihr wirklich über das nachdenken würdet was ich sage, und nicht wie ich es sage, dann wären wir alle einen schritt weiter.
Der Ton macht die Musik...
Mein Ich ist ein Pfogel aus Metall, doch Du hast ihn berührt und beschützt.

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Re: Lebenszeit

Beitragvon Silentium » 17.10.2007, 14:05

Gemütlich im Schaukelstuhl keiner mehr sitzt,
Schmauchend den glüh'nden Tabak genießt.
Alle jagen Kurzweil, die das Leben kürzt.


Rauchen kürzt das Leben auch. Nur so nebenbei.
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon

mög
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Re: Lebenszeit

Beitragvon mög » 17.10.2007, 16:46

Jeglicher Stil vefällt


Mein Gott, dieses Gedicht ist ja sogar selbst-referentiell! Wie konnte ich das nur übersehen! Ich hab dem Text grob Unrecht getan.

In diesem Licht erhält ja auch auch der Schluss
Keiner mehr zwischen den Zeilen liest

eine völlig neue Bedeutung: Das Gedicht beklagt die mangelnde Bereitschaft des Lesers zwischen den Zeilen zu lesen und verleidet ihm gleichzeitig durch seine Belanglosigkeit und Vordergründigkeit eben jenes Zwischen-den-Zeilen-Lesen, quasi wie im Trotz, nach dem Motto: "So, ihr wollt also nicht mehr zwischen den Zeilen lesen? Tja, dann gibt's bei mir eben auch nichts Interessantes mehr zwischen den Zeilen zu lesen! Das habt ihr nun davon, bäh!"

Ein postmodernes Meisterwerk.
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)

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Re: Lebenszeit

Beitragvon Prokrustres » 17.10.2007, 19:07

in der tat ist es mir ziemlich egal, was ihr da reininterpretiert, hauptsache ihr interpretiert irgendwas.

ich weiß, dass rauchen schädlich ist. aber wenn man will kann man das auch so interpretieren, wie du es willst, nämlich direkt und ohne zweideutigkeiten. das überlasse ich dir.

unser postmoderner mög scheint sich ja tatsächlich an meinem gedicht ergötzen zu können. du bist wahrscheinlich so postmodern, dass sogar deine urenkel dich noch mitnehmen, wenn sie fortgehen. mit etwas glück gehst du in 500 jahren sogar noch als reliquie durch.

irgendwie find ich es sehr interessant, dass du aus meinem nichts zwischen den zeilen noch so viel rausfinden kannst. wirklich meinen allergrößten respekt für diese leistung.
Leben ist das, was passiert, während man darauf wartet, dass seine Pläne reifen.

mög
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Re: Lebenszeit

Beitragvon mög » 17.10.2007, 21:17

Aber nein, aber nein - nicht ich bin, dein Gedicht ist postmodern!
(Was ich aber schon bin, ist übrigens weiblich.)
Man müsste das System seiner Widersprüche finden, indem man ruhig wird. Wenn man die Gitterstäbe _sähe_, hätte man den Himmel dazwischen gewonnen. (Elias Canetti)

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Re: Lebenszeit

Beitragvon Edekire » 17.10.2007, 23:35

ja genau das meine ich mit zeitverschwendung. genau das. mög, kann man dich irgendwie mieten zur erhellung meiner tage?

@andres. willkommen wäre nach der ersten anwort glatt gelogen gewesen. das ist kene schulhof slang. ein bisschen schimpfen und beschimpft werden schadet niemandem. ich bin von der hohen literatur des schimpfen überaus überzeugt
ich wünschte ich hätte musik, doch ich habe nur worte
sarah kane

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Re: Lebenszeit

Beitragvon Glaukos » 17.10.2007, 23:59

endlich mal wieder was los hier - gar elaboriertes wortgeklingel und halbuniversitäres begriffejonglieren. ehrlich, die debatte hat mir gut gefallen bisher.

das statement des dichters, ich schreib wie ich will, die form ist mir wurst - kann man eigentlich nur so hinnehmen. offenbar ist also der inhalt entscheidend.

hat was pseudobarocksches, soweit ich den barock kenne, gryphiusierend mit einem memento mori loslegend.

depressiv, des inhalts nach.
schwer depressiv sogar.

"nichts im leben ewig hält."

da denk ich an den schwitters kurt:
EWIG WÄHRT AM LÄNGSTEN.

ob kurzweil das leben kürzt, kann ich nicht beurteilen. ich hab selten kurzweil. mein leben dünkt mir oft sehr lang.

noch-ein-spruch, diesmal vom lens nicholas:
DIE VORSTELLUNG, DASS DAS LEBEN EINMAL ENDET, IST FÜR MICH SEHR TRÖSTLICH.

(sinngemäß)

ich halte es für quatsch, dass niemand mehr zwischen den zeilen liest. lesen geht gar nicht, ohne dass man zwischen den zeilen liest. es sei denn, man ist ein roboter. oder ein papagei.

wenn die form selbst sonderbar ist anno 2007, ists der inhalt nicht minder. trauriges palaver. ja himmeldonnerwetter, warum reißt sich das lyrische über-ich hier nicht mal am riemen und legt so richtig los mit dem schaukelstuhlwippen? warum ist das so ein gottverdammt ungemütliches gedicht? absicht? haben wir hier einen warner vor uns? oder doch nur einen sentimentalen, der sich beklagt? einen loser?

mir dünkt (barockes wort ;-) das lyrische über-ich hier hilfesuchend; extrem hilfesuchend.
therapiebedürftig.
ist ja oft so, dass man das an anderen (oder der ganzen welt) diagnostiziert, was einem selbst am meisten zu schaffen macht. nennt sich projektion.

ich sage deshalb: heraus aus dem spiegelstadium, wertes lyrisches über-ich! zerschlag den spiegel.

und ... im besten fall machst du aus den splittern ein neues gedicht.

darauf würd ich mich freuen.

gott zum gruße,
tolya

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Re: Lebenszeit

Beitragvon mög » 18.10.2007, 10:24

endlich mal wieder was los hier - gar elaboriertes wortgeklingel und halbuniversitäres begriffejonglieren. .


Ja, eben. Macht doch Spaß, oder? Also mir zumindest. Und es lenkt so schön ab von den Sachen, die ich wirklich tun müsste auf meiner Jagd nach Ruhm, Erfolg und Selbstverwirklichung (Seminararbeit schreiben, endlich für diese Klausur lernen...)- aber schließlich folge ich hier nur der Aufforderung des Gedichtes mein Leben durch sinnfreie und nicht zweckgerichtete Beschäftigung - "Zeitverschwendung", wie das Ede so schön nennt - zu entschleunigen. Denn darum gehts ja unter anderem, oder? Um die grausame Hektik der modernen Zeit, hachja, schlimm isses. Aber ich nehme mir die Mahnung dieses Werkes zu Herzen, indem ich anstatt einer grellen Lebensweise zu frönen und entsprechend Party zu machen, des abends gemütlich vor meinem Computer sitze und schmauchend meine glühende Begeisterung für das Jonglieren von halbuniverstiären Begriffen genieße.

Allerdings, "halbuniversitär" kränkt mich ein bisschen, aber ich bin auch erst im ersten Abschnitt, das wird schon noch.

Um jedoch vom halbuniversitären Slang wieder weg zu kommen: Inhaltlich würde ich persönlich das Gedicht ja eher in das Genre "Kirchenzeitungs/Adventabend-Besinnlichkeitslyrik" einordnen. Aber da reimen sich die Sachen in der Regel besser. (Ups, schon wieder ein Kommentar zur Form, Tschuldigung).
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Re: Lebenszeit

Beitragvon Glaukos » 18.10.2007, 11:51

du, mög,

den gryphius lesen sie bestimmt auch gern in der kirche ;-)

achja, und wenn ich halbuniversitär geschrieben hab - dann musst du dir denken, was wohl die andere hälfte ist, die dieses wort meint. aber dazu musst du wieder zwischen den zeilen meines statements hier lesen; und auch zu deuten anfangen; weil so ja m.E. Sprache funktioniert, nichts ist exakt, immer muss man deuten.

das wäre mal ein seufzergedicht wert:

ach wie schlimm,
dass wir beide
immer dort
zwischen den zeilen
in den zeitgründen
wühlen müssen ...


(uff, ich krieg sowas pur seuferisches nicht hin ...)

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Re: Lebenszeit

Beitragvon Hamburger » 18.10.2007, 11:58

Zeit geht ruckzuck um
dumdidum
alles frei nach Schnauze
alles geht vorbei...neee`?

Keiner sitzt mehr friedlich
Keiner quarzt gemütlich
Kuzweil wird beim Wegrennen geköpft
hüpf, hüpf, hüpf - Lala will Ball spielen
:-)

Und DipsyWipsy - oder wie heißt das Ding - macht WinkeWinke...:-)

Nee ehrlich, also mir gefällt dein Gedicht, Prokustres, außerordentlich gut. Ich bin zwar hier nur mehr Gastleser und weiß gar nicht, ob mir so eine Meinung zusteht, aber Leute...jetzt lest doch endlich mal alle zwischen den Zeilen!!!!!!!!!!!!!!!!!

Verdammt und Verdorrich nochmal!!!! :-D
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)

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Re: Lebenszeit

Beitragvon Glaukos » 18.10.2007, 12:05

Jetzt lese mal, Leser, zwischen









































































































































































den Zeilen.

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Re: Lebenszeit

Beitragvon Hamburger » 18.10.2007, 14:48

@Glaukos

Meine Interpretation:

Unbefleckte Empfängnis, Real Madrid, Ballett, Weißes Ballett, Kronskirchen,
Ein weißes Blatt Papier liegt vor deiner Tür, es sagt du suchst so lang nach mir, Gott, Teufel, Tod, Feuer, der Schatten von Adam Kaminski (der VOR allem Anderen!!!)
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Re: Lebenszeit

Beitragvon Glaukos » 18.10.2007, 15:17

@Hamburger,

woher weißt du das alles? ich bin bass erstaunt. ach was, überwältigt!
und - was das papier vor der tür angeht, ich kann mich gerade noch zurückhalten, nicht nachsehen zu gehen ... ;)

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Re: Lebenszeit

Beitragvon andres » 19.10.2007, 16:42

einen noch:

:procontra:

(der Vollständigkeit halber)
werden.


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