Werter Herr Glaukos,
mich dünkt das Düngemittel zu dünn...
... sicher, Langeweile ist auch eine Wirkung. Aber eine intendierte? Wohl kaum.
Was will ich mit meinem Text erreichen? Was will ich vermitteln? Welches Gefühl will ich provozieren? Diese oder ähnliche Fragen können am Anfang eines Schreibprozesses stehen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich hab wie Sie ebenfalls eine Schwäche für spontane Dichtung, für anarchisch hin gekritzelte Zeilen. Aber, sich hin und wieder zu fragen, was man eigentlich will, kann dem Schreiben keinesfalls abträglich sein. Damit es kein dumpfes, halb bewusstes, unstetes Aufflackern bleibt.
Tanz der Mahre
Re: Tanz der Mahre
... bytheway,
da wir hier offenbar zu kalauern beginnen:
beckett und bernhard konnten gar wunderbar langweilen ...
deine definition von "wirkung" und ihrer (vermeintlichen wichtigkeit für autor und "welt") überzeugt mich nicht.
ein autor, der eine solche wirkung anstrebt, ähnelt einem boxer, der seinen gegner niederstecken will: jau, das wirkt, wenns wirkt: ein durchschlagender erfolg.
mich kann aber auch ein fliegenjäger sehr amüsieren. oder ein sterbender riese, den diese kleine ratte david heimtückisch niederstreckt. auch das hat wirkung. alles kann auf mich wirken.
intentionen mögen wichtig sein für den autoren selbst (müssen es jedoch keineswegs), für das werk sind sie meines erachtens unwichtig bis bedeutungslos. was schert mich, was jemand wollte?
da wir hier offenbar zu kalauern beginnen:
beckett und bernhard konnten gar wunderbar langweilen ...
deine definition von "wirkung" und ihrer (vermeintlichen wichtigkeit für autor und "welt") überzeugt mich nicht.
ein autor, der eine solche wirkung anstrebt, ähnelt einem boxer, der seinen gegner niederstecken will: jau, das wirkt, wenns wirkt: ein durchschlagender erfolg.
mich kann aber auch ein fliegenjäger sehr amüsieren. oder ein sterbender riese, den diese kleine ratte david heimtückisch niederstreckt. auch das hat wirkung. alles kann auf mich wirken.
intentionen mögen wichtig sein für den autoren selbst (müssen es jedoch keineswegs), für das werk sind sie meines erachtens unwichtig bis bedeutungslos. was schert mich, was jemand wollte?
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Herbert Eiter
- Orpheus
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Re: Tanz der Mahre
Ich habe von Beckett noch nichts Langweiliges gelesen.
Re: Tanz der Mahre
Herbert Eiter hat geschrieben:Aber, sich hin und wieder zu fragen, was man eigentlich will, kann dem Schreiben keinesfalls abträglich sein. Damit es kein dumpfes, halb bewusstes, unstetes Aufflackern bleibt.
gewiss, 100prozent einverstanden.
Re: Tanz der Mahre
Herbert Eiter hat geschrieben:Ich habe von Beckett noch nichts Langweiliges gelesen.
mir düngkt, h.eiter pflege vorbehalte gegenüber der langeweile ... ;)
becketts werk ist meines erachtens eine hommage an die langeweile.
er hat gezeigt, dass selbige philosophisch sein kann ... dass in diesem tristen wüstengarten gar wundervolle blumen sprießen können; indes, dies ist selbstredend meine (unmaßgebliche) lesart ...
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hginsomnia
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Re: Tanz der Mahre
ich dünge mal die langeweile, auf dass daraus die normalität erblühe
langeweile ist mir zu nahe an langweilig, gleichwohl ich dieser lesart becketts durchaus was abgewinnen kann
langeweile ist mir zu nahe an langweilig, gleichwohl ich dieser lesart becketts durchaus was abgewinnen kann
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Herbert Eiter
- Orpheus
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Re: Tanz der Mahre
intentionen mögen wichtig sein für den autoren..... für das werk sind sie meines erachtens unwichtig bis bedeutungslos.
Das heißt, Sie lesen "Mein Kampf" als Komödie?
Das heißt, Sie lesen "Die Bibel" als Sachbuch?
Das heißt, Sie lesen "Feuchtgebiete" als Historie?
Das heißt, Sie lesen "1984" als Frauenroman?
Das heißt, Sie lesen "Romeo und Julia" als essayistisch-philosophische Abhandlung?
Das heißt, Sie lesen "Also sprach Zarathustra" als Sekundärliteratur zum "Faust"?
Das heißt, Sie lesen "Der Richter und sein Henker" als homoerotisches Bekenntnis?
Ich übertreibe, maßlos. Aber vielleicht erahnen Sie mein Argument.
Re: Tanz der Mahre
nun aber ernsthaft:
mein homo kuenstlericus übt seine kunst aus, weil er bereits in der ausübung der kunst einen persönlichen zugewinn erzielt. meinethalben mag er auch monetäre oder sentimentale bedürfnisse zu befriedigen versuchen, aber was mich wirklich ärgert sind künstler, die sich beschweren, dass man sie nicht "wertschätzt": die zeit, die man mit der kunst verbringt, sollte schon lohn genug sein. alles, was dann in der interaktion mit dem publikum (oder "der welt") geschieht, ist ein zubrot.
mir ist es gleich, ob ein künstler wirkung erzielen will oder nur geliebt werden möchte: das ist mir eins.
wichtiger ist mir, was in dem künstler selbst geschieht! das kann ich bestaunen, auch wenn das kunstwerk selbst mich kaltlässt ...
mein homo kuenstlericus übt seine kunst aus, weil er bereits in der ausübung der kunst einen persönlichen zugewinn erzielt. meinethalben mag er auch monetäre oder sentimentale bedürfnisse zu befriedigen versuchen, aber was mich wirklich ärgert sind künstler, die sich beschweren, dass man sie nicht "wertschätzt": die zeit, die man mit der kunst verbringt, sollte schon lohn genug sein. alles, was dann in der interaktion mit dem publikum (oder "der welt") geschieht, ist ein zubrot.
mir ist es gleich, ob ein künstler wirkung erzielen will oder nur geliebt werden möchte: das ist mir eins.
wichtiger ist mir, was in dem künstler selbst geschieht! das kann ich bestaunen, auch wenn das kunstwerk selbst mich kaltlässt ...
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Herbert Eiter
- Orpheus
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- Registriert: 04.01.2004, 19:30
Re: Tanz der Mahre
aber was mich wirklich ärgert sind künstler, die sich beschweren, dass man sie nicht "wertschätzt": die zeit, die man mit der kunst verbringt, sollte schon lohn genug sein.
Das sind wir ganz auf einer Wellenlänge, Herr Glaukos.

Re: Tanz der Mahre
Herbert Eiter hat geschrieben:intentionen mögen wichtig sein für den autoren..... für das werk sind sie meines erachtens unwichtig bis bedeutungslos.
Das heißt, Sie lesen "Mein Kampf" als Komödie?
Das heißt, Sie lesen "Die Bibel" als Sachbuch?
Das heißt, Sie lesen "Feuchtgebiete" als Historie?
Das heißt, Sie lesen "1984" als Frauenroman?
Das heißt, Sie lesen "Romeo und Julia" als essayistisch-philosophische Abhandlung?
Das heißt, Sie lesen "Also sprach Zarathustra" als Sekundärliteratur zum "Faust"?
Das heißt, Sie lesen "Der Richter und sein Henker" als homoerotisches Bekenntnis?
Ich übertreibe, maßlos. Aber vielleicht erahnen Sie mein Argument.
oh, ähnliches las ich letztens in lems wunderbarem philosophischen essai.
was '1984' angeht, muss ich dir sogar recht geben: für mich ist das ein beziehungsroman: die horizontale beziehung zwischen den liebenden wird gelöst und durch die vertikale ersetzt (bürger-staat). für mich ist 1984 in der tat ein liebesroman.
also: ich trenne das werk von dem autor.
denn irgendwann trennt sich das werk sowieso vom autor - es sei denn, selbiger erlangte die unsterblichkeit. aber selbst dann würde er, sofern er "geistbegabt" bliebe, sich selbst verändern, fremd werden. nicht einmal der lebende autor bleibt autor seines werks, mit jedem tag wird er ihm fremder und fremder.
wie schrieb der ältere thomasmann einmal?: wenn ich die geschichten lese, die ich mit 20 schrieb, kann ich mich mitunter seitenweise nicht daran erinnern ... ich mag den stil, aber der inhalt ... ist mir völlig fremd ... (sinngemäß).
(was autoren wollen, ist höchstens von belang für den staatsanwalt oder die zensurbehörde - sofern es der aktualmoral widerspricht)
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hginsomnia
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Re: Tanz der Mahre
Glaukos hat geschrieben:intentionen mögen wichtig sein für den autoren selbst (müssen es jedoch keineswegs), für das werk sind sie meines erachtens unwichtig bis bedeutungslos. was schert mich, was jemand wollte?
das braucht dich nicht zu scheren, aber du liest halt auch, was da steht
bezüglich der wirkung bin ich nicht so absolut
mit sicherheit habe ich schon sachen auf eine bestimmte weise gelesen, die der autor nicht im sinn hatte, aber eben auch andersherum
kein widerspruch, ich weiß
ob ein künstler zugewinn beim schaffen erlebt ... weiß nicht ...
mich nerven zum beispiel auch künstler, die behaupten, sie würden l'art pour l'art' fabrizieren ...
vielleicht aber auch deswegen, weil sie genau das gegenteil erreichen wollen
Re: Tanz der Mahre
soeben gegoogelt für hginsomnia:
"Unsere Zeit ist so aufregend, dass man die Menschen
eigentlich nur noch mit Langeweile schockieren kann."
Samuel Beckett
"Unsere Zeit ist so aufregend, dass man die Menschen
eigentlich nur noch mit Langeweile schockieren kann."
Samuel Beckett
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hginsomnia
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Re: Tanz der Mahre
ooh, dass hat h. eiter in der zwischenzeit schon viel deutlicher ausgeführt 
also das mit der wirkung, die man a priori bekommt

also das mit der wirkung, die man a priori bekommt
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hginsomnia
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Re: Tanz der Mahre
@ glaukos
mir war sowas ähnliches bewusst, von wegen langeweile und was beckett in etwa dazu gesagt hat, aber wenn ich aus zweiter instanz über einen text spreche, ist mir das nicht ganz geheuer ... rein persönliche einschätzung ...
ich hatte beckett allerdings mit einer aussage über normalität im hinterkopf, mein fehler ...
mir war sowas ähnliches bewusst, von wegen langeweile und was beckett in etwa dazu gesagt hat, aber wenn ich aus zweiter instanz über einen text spreche, ist mir das nicht ganz geheuer ... rein persönliche einschätzung ...
ich hatte beckett allerdings mit einer aussage über normalität im hinterkopf, mein fehler ...

Re: Tanz der Mahre
nun, herr beckett artikuliert auch unverhohlen eine intention: er möchte schockieren ... was mich natürlich ziemlich schockiert ;)
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