meine Ausführungen waren ja auch, und das hast du sicherlich auch so gesehen, keine reine Gegendarstellung. Ich wollte einfach den Blick auf diejenigen Intentionen lenken, die ein Text ja durchaus offensichtlich zulässt.
Müsste ich einen Gegensatz formulieren, würde ich sagen, dass meine Darstellung den Blick 'von unten' auf den Text richtet, während deine ihn 'von oben' kreisen lässt (, ohne, dass ich darunter deine ausschließliche Meinung verstehe, damit wir uns richtig verstehen
,) dabei die Intentionen in einen größeren hermeneutischen Kreis einfügt und zu Recht darauf aufmerksam macht, dass, wenn man einen Spiegel gegen den Text hält, der größer als er selbst ist, man sich auch selbst erkennen kann, auch andere eventuell relevante Bilder, aber eben auch die Badezimmertür, hinter der man Shakespeare vermutet
.Glaukos hat geschrieben:es fällt mir mitunter schwer, klassiker der weltliteratur zu lesen, über die ich schon so viel weiß; ich denke dann: oooch, muss das sein, dass ich auch noch das werk lese? ich weiß doch schon alles?
Funktioniert bei mir ganz gut. Ich kann das einigermaßen ausblenden, aber ja, du hast Recht, man trägt schon sehr viel Gepäch mit sich herum.
Ich sage dazu: 'Zweifle an einem Literaturwissenschaftler
und glaube niemals mehreren gleichzeitig
.Glaukos hat geschrieben:Ja, genau. Nur würde ich hier betonen: die Intentionen des Textes.
Zum großen Teil kann ich mich dem anschließen. Du hast ja auch zurecht betont, dass es eine Vielzahl an Motiven in einem Text geben kann, die dem Autor verborgen geblieben ist. Dem Beispiel mit dem 'Eisenkraut' würde auch nichts verloren gehen, wenn man sagte, dass ich mich mit Poeta über eine Intention eines Textes von Perry unterhalten habe.
Kritisch ist es für mich nur, wenn ich eine Textintention erkenne, aber gleichzeitig, wie sagen die Juristen so schön, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behaupten kann, dass der Autor eine andere Intention hatte, dass es sich hier also um eine fehlgeleitete Intention handelt, etwa bei der Verwendung von Metaphern, Alliterationen u.s.w.
Die Trefferquote ist hier recht hoch, weil wir ja über eine Weltwissen verfügen, dass sich schneidet, im Speziellen über ein Sprachbewusstsein, dass gewissen Regeln unterliegt. Sehe ich eine Regel gebrochen, kann ich bei einem Manuskript durchaus auch tadeln, es sei denn, sie ist absichtlich gebrochen, was durch den Text erkennbar gemacht werden kann.
lg
hginsomnia