Guten Morgen Fee,
ich bin unsicher, was ich auf deine Kritik (?) – oder vielmehr – deinen ersten Eindruck erwidern soll. Wenn ich das lese, heißt das im Rückschluss für mich, dass ich als Autor versagt habe. Habe ich das?
Fassen wir dein Statement einmal zusammen. Demnach ist mein Gedicht: ernst, aber fröhlich, schwer (einzuordnen), aber leicht, einfach und wohl geordnet, aber bizarr. Ich frage dich: was soll ich mit diesen sich widersprechenden Aussagen als Autor anfangen? Wie soll mir das weiterhelfen?
... und auf der anderen Seite hast du das so wohl geordnet in einen Kreuzreim gepackt, das klingt sehr nach einem Gedicht aus der Grundschule. Verstehst du, was ich meine?
Kaum. Ließe sich das vielleicht noch etwas präzisieren? Oder lass es mich mal so ausdrücken: Hast du in der Grundschule Gedichte mit Kreuzreimstrophen verfasst? Ich erinnere mich, dass kleinervogel zu einem anderen meiner Gedichte äußerte, es klänge wie ein Kinderlied ... das hab ich seinerzeit auch nicht nachvollziehen können, aber dein Kritikpunkt, wenn ich das so nennen darf, geht anscheinend in die selbe Richtung. Ich meine es Ernst: ich wäre wirklich dankbar, wenn mir einer von euch dieses subjektive Datum etwas genauer erklären könnte. Überdies glaube ich kaum, dass es am Reimschema liegt, wahrscheinlich schon eher an den kurzen Zeilen und der Einfachheit der Sprache, die tatsächlich Absicht ist. Der Kreuzreim widerspricht aber kaum der Ernsthaftigkeit des behandelten Themas.
Sind die Blöcke aus Beton eine Anspielung auf ein Bauvorhaben in unserer Hauptstadt?
Und ich dachte dieses Thema wäre in aller Munde:
http://www.holocaust-mahnmal.de/http://www.holocaust-denkmal-berlin.de/In der letzten Zeile dieser Strophe klingt das "verwand" ein bisschen zu sehr nach einem Wort, dass du nur wegen des Reimes genommen hast. Irgendwie passt es vom Stil her nicht so gut zum Rest des Gedichts, weil es so eine altmodische Sprache ist.
Das sehe ich anders. Ich mag den Reim. Ich mag das Wort. Ich mag die Bedeutung. Ich mag den Sinn und den Zusammenhang dieser Zeilen. Mag sein, dass das Wort veraltet ist, aber das ist mir - ehrlich gesagt - scheißegal.
daneben waren haufen
und hunderte von leichen
ich wollte mich verlaufen
ich wollt sie nie erreichen
Die Strophe gefällt mir nicht so gut, kann nicht genau sagen warum. Irgendwie zu einfach...
Es ist schwierig sich so einem Thema zu nähern. Und ich will gar nicht behaupten, dass mir das in irgendeiner Weise gelungen wäre. Was ich aber in jedem Fall vermeiden wollte, ist die Art von instrumentalisiertem Pathos ("nicht rufe nicht geschrei"), die einst Martin Walser in seiner umstrittenen Paulskirchenrede angemahnt hat – ich weiß nicht, ob dir die Debatte ein Begriff ist. Deswegen die Einfachheit der Sprache. Die entsprechenden Bilder haben wir alle im Kopf. Deswegen die Skizzenhaftigkeit der ersten drei Strophen.
Ich möchte dir – wenn es nicht zu arrogant ist – die Empfehlung geben, dieses Gedicht noch einmal zu lesen und zwar: langsam, mit gedämpfter, fast gebrochen-leiser Stimme ("ein flüstern trat ans ohr"!!!) und in ernstem Ton (denn nichts an diesem Gedicht ist fröhlich) – und nach jeder Zeile eine kurze Pause. Ich habe die Hoffnung, dass dieses Gedicht dann anders wirkt. Ansonsten habe ich wirklich versagt.
Vielleicht klang das wieder ein wenig trotzig-rotzig, was ich da von mir gegeben habe. Aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, wie erleichtert ich bin, dass man eins meiner Gedichte überhaupt noch einer Antwort würdig befunden hat.
In diesem Sinne: Danke Fee!
H. Eiter