Zornhaut
Ich stecke ohne Zweifel voller Wut.
Voll Mißtrau'n, voller Ärger, voller Haß,
Voller Zorn und voll ich-weiß-nicht-was;
Wie Vulkans Schmiede brodelt stets mein Blut.
Die meisten Menschen finden das nicht gut;
Sie sagen: "Komm, du Depp, hör' auf und laß'
das jetzt; du weißt ja nicht einmal auf was
Dein Zorn sich richtet, voller Heldenmut."
"Ach was", sag' ich, "Banausen, schert euch fort,
Weil ihr ja nichts und niemals nichts versteht,
Was ich auch sage, ihr begreift kein Wort."
Nur wahrer Zorn, der um sich selbst sich dreht,
Und fortbesteht, egal was Zeit, was Ort,
Ist guter Zorn, der niemals untergeht.
Zornhaut
-
Das Lyrische Glied
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Zornhaut
Das Lyrische Glied
Re: Zornhaut
Hi DLG,
ja und jain.
Ja, Gedankenaufbau und die Strophengliederung harmonieren.
Kleine Zwischenfrage: warum hast du in diesem Gedicht die Sonettform benutzt?
Gab es kein anderes Reimschema, vielleicht auch ein freies, das deine Aussagen haette besser transportieren koennen?
Sicher, es passt aeusserlich, in dem Sinn, dass jede neue Strophe auch einen innerlichen Gedankenwechsel vermeint. Aber von einer anderen Ebene gesehen, ist das Sonett eine schnicke-picke Form, und es ist die Form, die dem Dichter etwas aufzwingt. Dein ungezugelter Zorn jedoch sollte sich neue Wege suchen! Das ist meine kleine Anmerkung hier.
Jain, die Reime und Jamben.
Ich habe gesehen, dass du schnell dichtest, spontan und impulsiv bist. Manchmal auch respektlos, anstoessig und herausfordernd. Das sind alles gute Eigenschaften fuer einen Dichter, ohne Frage.
Hier aber, da passen die Stilebenen manchmal nicht zusammen. Das ist natuerlich ein subtiles Feld, aber trotzdem ist Stil nicht nur Geschmacksfrage, ich denke, da kannst du mir zustimmen.
Hier wirken zum Beispiel Vulkans Schmiede und Blut gerade noch als satirische Entgleisung. Aber bei /voller Heldenmut/ hoert der Spass dann auf. Ich habe an diesem Punkt festgestellt, dass ich das Gedicht entweder nicht ernst zu nehmen brauche, oder dass da unverzeihliche Fehler unterlaufen sind, auf die man hinweist, bevor sie ausarten.
Banausen und wahrer Zorn neben Depp und ich-weiss-nicht-was. Da stimmt die Stilebene nicht.
Da hast du dich dem Reimschema und den Jamben bedingungslos gebeugt, und dafuer deine eigene Sprache geopfert.
Das hat mich nicht schlecht erstaunt. Ich dachte, dass jemand, dessen Zorn ungebuegelt durch die Strasse laeuft, sich auch vor Reimschema und Jamben nicht fuerchtet. Aber anscheinend doch.
Warum nicht mal etwas kreativer gestalten? Warum nicht selbst den Ton angeben? Warum nicht mal etwas spielerischer an das Ganze herangehen?
Auch ohne die Zwankjeacke des Sonettes haettest du ein verdammt gutes Gedicht schreiben koennen. Ein Gedicht, das deine Sprache spricht.
Warum Banause? Da lacht dich jeder 3jaehrige aus. Und spuckt dir ein /fick-dich/ ins Gesicht. Also, mehr Aggressivitaet wo sie gebraucht wird, Weichei
, und mehr Feingefuehl, wo es dem Ergebnis zutraeglich ist.
Bis dann
SMID
ja und jain.
Ja, Gedankenaufbau und die Strophengliederung harmonieren.
Kleine Zwischenfrage: warum hast du in diesem Gedicht die Sonettform benutzt?
Gab es kein anderes Reimschema, vielleicht auch ein freies, das deine Aussagen haette besser transportieren koennen?
Sicher, es passt aeusserlich, in dem Sinn, dass jede neue Strophe auch einen innerlichen Gedankenwechsel vermeint. Aber von einer anderen Ebene gesehen, ist das Sonett eine schnicke-picke Form, und es ist die Form, die dem Dichter etwas aufzwingt. Dein ungezugelter Zorn jedoch sollte sich neue Wege suchen! Das ist meine kleine Anmerkung hier.
Jain, die Reime und Jamben.
Ich habe gesehen, dass du schnell dichtest, spontan und impulsiv bist. Manchmal auch respektlos, anstoessig und herausfordernd. Das sind alles gute Eigenschaften fuer einen Dichter, ohne Frage.
Hier aber, da passen die Stilebenen manchmal nicht zusammen. Das ist natuerlich ein subtiles Feld, aber trotzdem ist Stil nicht nur Geschmacksfrage, ich denke, da kannst du mir zustimmen.
Hier wirken zum Beispiel Vulkans Schmiede und Blut gerade noch als satirische Entgleisung. Aber bei /voller Heldenmut/ hoert der Spass dann auf. Ich habe an diesem Punkt festgestellt, dass ich das Gedicht entweder nicht ernst zu nehmen brauche, oder dass da unverzeihliche Fehler unterlaufen sind, auf die man hinweist, bevor sie ausarten.
Banausen und wahrer Zorn neben Depp und ich-weiss-nicht-was. Da stimmt die Stilebene nicht.
Da hast du dich dem Reimschema und den Jamben bedingungslos gebeugt, und dafuer deine eigene Sprache geopfert.
Das hat mich nicht schlecht erstaunt. Ich dachte, dass jemand, dessen Zorn ungebuegelt durch die Strasse laeuft, sich auch vor Reimschema und Jamben nicht fuerchtet. Aber anscheinend doch.
Warum nicht mal etwas kreativer gestalten? Warum nicht selbst den Ton angeben? Warum nicht mal etwas spielerischer an das Ganze herangehen?
Auch ohne die Zwankjeacke des Sonettes haettest du ein verdammt gutes Gedicht schreiben koennen. Ein Gedicht, das deine Sprache spricht.
Warum Banause? Da lacht dich jeder 3jaehrige aus. Und spuckt dir ein /fick-dich/ ins Gesicht. Also, mehr Aggressivitaet wo sie gebraucht wird, Weichei
Bis dann
SMID
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Das Lyrische Glied
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Re: Zornhaut
SMID,
Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Einige Anmerkungen habe ich zu machen:
Zum einen bin ich überzeugt, daß sich die Sonettform für nahezu jedes Thema eignet; vielleicht nicht unbedingt als beste Variante, sich aber eignet.
In diesem Fall kam auch die Entscheidung für die Form wieder vor der Konkretisierung des Themas.
Das "du Depp" fand ich eigentlich ganz besonders schön... Was Du mit den vermischten Stilebenen meinst ist mir zwar klar, aber ich fand es eigentlich - nett. Hätte ich etwas wirklich unglaublich zorniges schreiben wollen, so hätte ich vielleicht tatsächlich eine andere Form gewählt; oder das Sonett anders geschrieben.
Auch wenn ich vorläufig bei der ursprünglichen Variante bleibe, gebe ich hier eine Alternative mit kleinen Änderungen:
Zornhaut
Ich stecke ohne Zweifel voller Wut.
Voll Mißtrau'n, voller Ärger, voller Haß,
Voller Zorn und voll ich-weiß-nicht-was;
Wie Vulkans Schmiede brodelt stets mein Blut.
Die meisten Menschen finden das nicht gut;
Sie sagen: "Wüterich, hör' auf und laß'
das jetzt; du weißt ja nicht einmal auf was
Dein Zorn sich richtet, sinnentleerte Glut."
"Ach was", sag' ich, "Schwächlinge, schert euch fort,
Weil ihr ja nichts und niemals nichts versteht,
Was ich auch sage, ihr begreift kein Wort."
Nur wahrer Zorn, der um sich selbst sich dreht,
Und fortbesteht, egal was Zeit, was Ort,
Ist guter Zorn, der niemals untergeht.
Verzeih' bitte, daß ich nicht ausführlicher schreibe. Aber ich lehne es ab, meine eigenen Gedichte zu interpretieren oder meine Absichten beim Schreiben kundzutun. Man genießt als Autor einfach zu große Autorität und kann mit sowas ungeheuer viel zerstören.
Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Einige Anmerkungen habe ich zu machen:
Zum einen bin ich überzeugt, daß sich die Sonettform für nahezu jedes Thema eignet; vielleicht nicht unbedingt als beste Variante, sich aber eignet.
In diesem Fall kam auch die Entscheidung für die Form wieder vor der Konkretisierung des Themas.
Das "du Depp" fand ich eigentlich ganz besonders schön... Was Du mit den vermischten Stilebenen meinst ist mir zwar klar, aber ich fand es eigentlich - nett. Hätte ich etwas wirklich unglaublich zorniges schreiben wollen, so hätte ich vielleicht tatsächlich eine andere Form gewählt; oder das Sonett anders geschrieben.
Auch wenn ich vorläufig bei der ursprünglichen Variante bleibe, gebe ich hier eine Alternative mit kleinen Änderungen:
Zornhaut
Ich stecke ohne Zweifel voller Wut.
Voll Mißtrau'n, voller Ärger, voller Haß,
Voller Zorn und voll ich-weiß-nicht-was;
Wie Vulkans Schmiede brodelt stets mein Blut.
Die meisten Menschen finden das nicht gut;
Sie sagen: "Wüterich, hör' auf und laß'
das jetzt; du weißt ja nicht einmal auf was
Dein Zorn sich richtet, sinnentleerte Glut."
"Ach was", sag' ich, "Schwächlinge, schert euch fort,
Weil ihr ja nichts und niemals nichts versteht,
Was ich auch sage, ihr begreift kein Wort."
Nur wahrer Zorn, der um sich selbst sich dreht,
Und fortbesteht, egal was Zeit, was Ort,
Ist guter Zorn, der niemals untergeht.
Verzeih' bitte, daß ich nicht ausführlicher schreibe. Aber ich lehne es ab, meine eigenen Gedichte zu interpretieren oder meine Absichten beim Schreiben kundzutun. Man genießt als Autor einfach zu große Autorität und kann mit sowas ungeheuer viel zerstören.
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Das Lyrische Glied
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Re: Zornhaut
Über das "ich-weiß-nicht-was" habe ich nachgedacht. Das muß bleiben, sonst wird eine Verbindung zwischen den Versen 3. und 6. aufgelöst.
Auch Zorn ist nicht frei.
Für ein ausgesprochen zorniges Sonett siehe übrigens "Shakespeare: #129" (Nein, ich vergleiche mich nicht mit Master Bill, ich weise lediglich darauf hin).
Auch Zorn ist nicht frei.
Für ein ausgesprochen zorniges Sonett siehe übrigens "Shakespeare: #129" (Nein, ich vergleiche mich nicht mit Master Bill, ich weise lediglich darauf hin).
Das Lyrische Glied
Re: Zornhaut
Ähm... brodelt eine Schmiede? Ich meine, geschmolzenes Eisen beim Gießen brodelt, aber die hitze in der Schmiede is Glut und brodelt weniger. Wobei natürlich Vulkan in einem Vulkan sitzt und da brodelt's schon, aber die Schmiede selbst brodelt nicht? ?-(
Außerdem is Vulkan hinten betont und das beißt sich irgendwie mit der betonten ersten Silbe von der Schmiede. Abawuascht.
Außerdem is Vulkan hinten betont und das beißt sich irgendwie mit der betonten ersten Silbe von der Schmiede. Abawuascht.
I would go to the Dark Side in a heartbeat if I thought they had better dialog over there.
- Ursula Vernon
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Das Lyrische Glied
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Re: Zornhaut
Eine göttliche Schmiede darf ruhig brodeln.
Zur Betonung: Ich war der Meinung, das "Vulkan" als Göttername auf der ersten Silbe betont werde. Bin mir jetzt aber nicht mehr sicher.
Mal schau'n
Zur Betonung: Ich war der Meinung, das "Vulkan" als Göttername auf der ersten Silbe betont werde. Bin mir jetzt aber nicht mehr sicher.
Mal schau'n
Das Lyrische Glied
Re: Zornhaut
Hallo lyrisches Glied,
wir hatten bisher noch nicht das Vergnügen. Deshalb zunächst erstmal ein Herzlich Wilkommen von meiner Seite. Der Ansatz des Gedichtes gefällt mir, jedoch scheint mir die Ausarbeitung noch nicht so weit.
Die erste Strophe klingt mir zu sehr nach Synonym-Wörterbuch. Die Sinnverwandtschaft von Wut, Zorn, Ärger, Haß, Mißtrauen ist einfach zu groß. Für mich ist das als Leser so, als bekäme ich in einem Restaurant ein Gericht, das aus Pommes, Kroketten, Country-Potatoes und Bratkartoffeln besteht. Würde ich nie bestellen.
So so, die Menschen finden das nicht gut. Zumindest erkennen sie in der Wut auch Heldenmut. Sei ehrlich, für den Gedanken übernahm doch der Reimzwang die Patenschaft.
Die letzten beiden Strophen gefallen mir gut, der Übergang zu den Terzinen halte ich für gelungen, ist ja immer so ein neuralgischer Punkt bei Sonetten. Interessant erscheint mir die Kombination der Botschaften "Ihr versteht mich ja sowieso nicht" und "Mein Zorn ist unabhängig von Zeit und Ort", zumal die letzte Strophe offensichtlich falsche Aussagen macht, denn was ist mit dem Zorn, wenn das lyrische Ich stirbt?
Spider
wir hatten bisher noch nicht das Vergnügen. Deshalb zunächst erstmal ein Herzlich Wilkommen von meiner Seite. Der Ansatz des Gedichtes gefällt mir, jedoch scheint mir die Ausarbeitung noch nicht so weit.
Die erste Strophe klingt mir zu sehr nach Synonym-Wörterbuch. Die Sinnverwandtschaft von Wut, Zorn, Ärger, Haß, Mißtrauen ist einfach zu groß. Für mich ist das als Leser so, als bekäme ich in einem Restaurant ein Gericht, das aus Pommes, Kroketten, Country-Potatoes und Bratkartoffeln besteht. Würde ich nie bestellen.
So so, die Menschen finden das nicht gut. Zumindest erkennen sie in der Wut auch Heldenmut. Sei ehrlich, für den Gedanken übernahm doch der Reimzwang die Patenschaft.
Die letzten beiden Strophen gefallen mir gut, der Übergang zu den Terzinen halte ich für gelungen, ist ja immer so ein neuralgischer Punkt bei Sonetten. Interessant erscheint mir die Kombination der Botschaften "Ihr versteht mich ja sowieso nicht" und "Mein Zorn ist unabhängig von Zeit und Ort", zumal die letzte Strophe offensichtlich falsche Aussagen macht, denn was ist mit dem Zorn, wenn das lyrische Ich stirbt?
Spider
Die nette Lyrik-Spinne von nebenan!
Re: Zornhaut
Der Titel ist auf jeden Fall geil.
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