Hallo Sascha!
Ich habe jetzt zum fünften Mal zu diesem post angesetzt, aber die einzelnen Dinge, die mir zu diesem Gedicht akut schreibenswert erscheinen, passen irgendwie nicht zueinander, lassen sich nicht gliedern. Um meine Nerven zu schonen, stell ich sie jetzt einfach als Feststellungen in den Raum, ungeordnet, unzusammenhängend, einfach so. Vielleicht ergibt sich dann am Schluss was zusammenhängendes.
1. Das Thema ist gut. Versunkene-Kathedralen-Texte haben grundsätzlich einen themenbedingten Symphatiebonus. Aber den braucht es eigentlich gar nicht, weil mir das ganze Gedicht gefällt. Wegen Punkt zwei.
2. Dieser eine Satz, der verästelt und verschlungen, verschachtel und gekrümmt ist, erinnert selbst ein bisschen an ein labyrinthisches Bauwerk - scheinbar aus einem einzigen Stein, mit Nischen und Gibeln, Krypten und Schatten - und Teilen, die unter Wasser liegen, also verschwimmen, spiegeln, nicht mehr genau erkennbar sind. Die Mördersyntax passt hier irgendwie, obwohl man siebenmal lesen muss, um überhaupt die Verben einmal richtig zuordnen zu können, und dann noch siebenmal, bis man begreift, welche Satzteile zusammengehören, sehr, sehr gut.
3. Ist die Frau (?) aus der ersten Zeile ("ihr nachspeit") die, die am Schluss als LD die salzigen Schenkel wäscht? Und ist das dieser "ihn" aus "ihn frühlingsblau tönt" der Mond, der durch ein frühlingsblaues Fenster fällt oder ein Mann, auf den das frühlingsblau getönte Mondlicht fällt und ihn so mitfärbt. Wenn es ein Mann wäre (obwohl ich eher auf Mond tippe), ist er dann mit dem Li aus der Letzten Zeile ident?
4.
du wuschst die salzigen Schenkel dort,
wo ich aus jener Perlenmuschel trank
Klingt nach einem Psalm. Kann ziemlich unkirchlich gelesen werden, klingt aber trotzdem psalmig. Oder ich hab da zuviel Phantasie.
5. Mir sind die Zeitebenen nicht ganz klar - zuerst Nacht, dann Rückblick, die Sonne scheint, es ist Ostern und die Kirche ist noch ungeflutet. Heißt die letzte Zeile, dass die Kirche um 15 Uhr 33 irgendwann um Ostern herum unter Wasser gesetzt wurde?