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Schäferstunden

Verfasst: 15.05.2006, 17:35
von Flocke
Mal wieder ein Versuch, den ich nicht gleich wieder in die Tonne gehauen habe...
Habt ihr eventuell Titelvorschläge? Das arme Kleine steht noch ohne da...


o.T.

Nur selten noch spiele ich Leben,
wie ich es früher verstand
jetzt
behüte ich Sterne
und manchmal schon
blenden sie den Tag

Re: Schäferstunden

Verfasst: 15.05.2006, 21:22
von Hilbi
All this talk of getting old


nenn ihn doch so......ich find das passt hervorragend

Re: Schäferstunden

Verfasst: 15.05.2006, 22:19
von Silentium
So'n langer Titel für ein so zierliches Gedicht? Wär, wenn auch schön, doch ein bisserl wasserkopfig, find ich. Und ein bisserl zu viel Deutung. (Aber prinzipiell hat er recht - passen tät's.)

Die ersten zwei Zeilen sind so schön rhythmisch, dass ich bei jedem Lesen wieder erwarte, dass sich auf "verstand" was reimt. Ich weiß nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist, völlig ohne genauere Begründung behaupte ich einfach mal, dass mir das Gedicht selbst gefällt. Klein, fein und schön in mehrere Richtungen deutbar. Außerdem wie gesagt ein wirklich angenehmer, quasi beruhigender, Rhythmus. :-)

Nur... was sind die Sterne? Erinnerungen, ehemalige Heldentaten? Kinder? Kinder würden passen.

Abendlicher Gruß,
Silly

Re: Schäferstunden

Verfasst: 15.05.2006, 22:35
von Hilbi
:-D desto kürzer ein gedicht, desto länger ein titel, das ist eine alte Regel, das hat Goethe schon so gemacht :-)

Re: Schäferstunden

Verfasst: 17.05.2006, 00:00
von Flocke
@Stille

Nur... was sind die Sterne? Erinnerungen, ehemalige Heldentaten? Kinder? Kinder würden passen.


Castor & Pollux, wenn du verstehst... aber es ist wohl mehrfach deutbar, das hab ich noch gar nicht so gesehen. Und für eine Variante paßt wohl auch meine Sig als Titel.
Und eigentlich gehts ja weniger ums Älterwerden.

@Hilbi

Ich fürchte, ich mag Herrn Goethe nicht besonders, ein paar Dinge wurden mir in der Schule durch übermäßigen Konsum verleidet. Pech für mich und ihn, vermutlich.

Trotzdem, danke an euch beide... :thanx:

Abendgruß
Flocke

Re: Schäferstunden

Verfasst: 17.05.2006, 20:51
von [) i r k
Ich fürchte, ich mag Herrn Goethe nicht besonders, ein paar Dinge wurden mir in der Schule durch übermäßigen Konsum verleidet. Pech für mich und ihn, vermutlich.

Oh, das kenne ich nur zu gut. Ich habe den Herrn JoWovoGo in der Schule auch gehasst. Man hatte mich zur Iphigenie verurteilt und ich hatte danach Herrn G. für immer verurteilt. Erst nach der Schule, habe ich mich überwunden, gegen dieses Vorurteil anzukämpfen. Hab mit Mirko bei Ol den Werther gelesen, später die Wahlverwandtschaften und Wilhelm Meister. Und inzwischen geht es mir tatsächlich so, dass Goethe mir immer mehr bedeutet. Seine Sprache und das Mysterium seines Geistes. Flocke, ich kann dir nur dringend dazu raten, dich mal wieder mit Goethe zu beschäftigen, denn es gibt bei dem Herrn noch einiges zu entdecken und was in der Schule an uns verbrochen wurde, kann ja nun auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, oder?

Dein Gedicht gefällt mir - ist eine runde Sache. Nun, Titelvorschläge sind immer so einen Angelegenheit - ich mach das eigentlich nicht gern, weil ich mir als Autor in dieser Frage selbst nie reinreden lassen würde. Aber du hast gefragt - und, naja, ich hab mir ein paar Gedanken gemacht.

Es gibt in der Astrophsyik ein Phänomen, dass es in einem Sonnensystem nicht nur einen Stern, sondern zwei oder gleich drei, vier, fünf, sechs etc. gleichzeitig gibt. Sind es zwei Sterne, spricht man von einem Doppelstern, der englische Fachbegriff ist "binary star". Tja, und das ist mein Vorschlag: Binary Star.

Schon die Bilder und Illustration von solchen Doppelsternen sehen ziemlich faszinierend aus:

http://images.google.de/images?q=binary+star&hl=de&btnG=Bilder-Suche

Manche dieser Sterne sind so eng beieinander, dass sie Gas und Materie austauschen:
Über die Hälfte aller Sterne im Universum sind Teil eines Doppelsternsystems. Je nach Abstand der Sterne voneinander liegen die Umlaufzeiten von Doppelsternsystemen zwischen einigen Stunden (bei sehr nahen Sternen) oder vielen tausend Jahren. Der Abstand kann auch so gering sein, dass die Roche-Grenze überschritten wird, sodass die beiden Sterne in materiellem Kontakt stehen oder Materie von einem zum anderen Stern strömen kann.

Quelle: Doppelstern

Na ja, das fiel mir ein, als ich dein Gedicht las. :-)

Binäre Grüße,
[) i r k

Re: Schäferstunden

Verfasst: 17.05.2006, 21:25
von Silentium
Iiiieks! Doppelsterne! Wir hatten mal auf der Sommerakademie so einen Vortrag von einem Astrophysiker, der uns zweieinhalb Stunden lang erklärt hat, wie man die Massebewegungen zwischen den beiden berechnet und ich, völlig arglos, muss natürlich zwischen zwei aus dem Chemiekus sitzen, die auch noch verstehen, wovon der redet und dauernd Zwischenfragen stellen mit Wörtern drin, die ich noch nie gehört hab. Doppelsterne sind bei mir seitdem ein Trauma.

Re: Schäferstunden

Verfasst: 17.05.2006, 23:55
von Kato
o.T.

Nur selten noch spiele ich Leben,
wie ich es früher verstand
jetzt
behüte ich Sterne
und manchmal schon
blenden sie den Tag




Hallo Flocke,

ich denke auch, dass das ein runder Text ist, der sicher viele Freunde finden wird - und ja auch schon gefunden hat.

Mir persönlich ist er in den ersten zwei Zeilen etwas zu dramatisch.
Auch das Behüten der Sterne finde ich grenzwertig ... - aber gerade da -und mit diesem Bild- ist dir ein feiner und unprätentiöser Übergang vom Nacht- zum Tagbild gelungen.

Gruß, Kato

Re: Schäferstunden

Verfasst: 18.05.2006, 13:52
von Flocke
@Dirk

Die Bilder sind in der Tat faszinierend, so was habe ich gern als Bildschirmhintergrund...

Was Goethe angeht, mal sehen, vielleicht packt es mich irgendwann mal...

Allerdings finde ich englische Titel für deutsche Gedichte nicht so gut, deswegen hat mich Hilbis Idee auch nicht begeistert. Aber trotzdem danke fürs Überlegen.
Ich frage einfach manchmal, weil mir selber nichts vernünftiges einfällt, aber ich es nicht ohne Titel stehenlassen will und mitunter hat ein anderer den Einfall schlechthin... :-))

@Kato


Mir persönlich ist er in den ersten zwei Zeilen etwas zu dramatisch.


Nun ja, bin seit kurzem Mama und das krempelt einem das Leben doch schon nachhaltig um...

Auch das Behüten der Sterne finde ich grenzwertig ...


Warum? Zu pathetisch? Unlogisch?

Dankende Grüße
Flocke

Re: Schäferstunden

Verfasst: 19.05.2006, 14:23
von Kato
Nun ja, bin seit kurzem Mama und das krempelt einem das Leben doch schon nachhaltig um...


Unter diesen Umständen nehm ich meine Kritik an den ersten Zeilen –aus Gründen eigener Erfahrung- sofort zurück! :-)

Zur Grenzwertigkeit der Sterne: so wie du sie hier verwendest, haben sie für mich etwas Kindlich-Märchenhaftes, Sterntalermäßiges, und ohne mein neues Wissen, dass du grad vor kurzem Mutter geworden bist, und auch noch von Zwillingen (ich hab da ein bisschen gestöbert ;-) ) hätte ich auch angenommen, dass es dabei um Erinnerungen geht; um solche, die auf einmal in einem neuen Licht dastehen ...

Aber da ist dein eigener Hinweis auf Castor& Pollux, die mythologischen Zwillinge, von denen manche Quellen behaupten, sie seien nur Halbbrüder gewesen – also geht es (dir) hier doch um die Kinder, die eigenen, à la „ ... du bist mein Augenstern“?

LG, Kato