Hallo, Sehende(r).
Hm, stimme Fitnat in einem Punkt zu, beim ersten Lesen sind es schöne Bilder. Wenn ich es mir allerdings mal zerpflücke, mag mir manches nicht mehr funktionieren.
Zuerst einmal solltest du deutlicher machen, ob du die Liebe in Form des allgemeinen, abstrakten Gefühls wiederfinden möchtest oder eine geliebte Person. In ersterem Fall funktionieren deine Bilder für mich überhaupt nicht, weil ein Gefühl schlicht körperlos ist und die ganzen Sachen, die du gemeinsam mit ihm machst, gar nicht kann.
Unterstellt, es handelt sich um eine geliebte Person, funktioniert es zumindest teilweise. Ich gehe es mal durch.
Liebe,
wenn ich Dich wiederfinde,
Hier müßtest du m. E. nach erstmal klarmachen, was du meinst, siehe oben. Ich lese es nämlich als das Gefühl, deswegen funktioniert mir das Gedicht nicht. Vielleicht mit "mein(e) Liebe(r)" beginnen?
...
springen wir dem Licht
über unseren Schatten,
Das ist so nicht stimmig, sorry. Klingt zwar erstmal gut, die Gegensätze passen aber nicht. Ihr könnt nur über eure Schatten springen, dann müßte es "im Licht" heißen, wobei das dann auch nicht gesagt werden muß, denn Schatten gibt es eh nur im Licht. Im Dunkeln sieht man keine.
"Dem Licht über den Schatten springen" geht auch nicht, weil das Licht ja keinen wirft.
ziehen uns Regenbögen an
und bringen den Schlaf um seine Nacht.
Wir spazieren unter Regentropfen ungetroffen,
Da jeder von euch einen anzieht, sollte es besser die Mehrzahl sein.

)
Den Schlaf um die Nacht bringen, finde ich echt gut. Sehr schönes Bild.
Die Regentropfen sind auch gut, allerdings klingt das ein bißchen komisch. Vielleicht findest du für "ungetroffen" einen anderen Ausdruck? Wobei auch zu überlegen ist, ob man unter Regentropfen spazieren kann. Man kann durch den Regen laufen, aber drunter entlang?
stechen dem Meer in die See
und
rauschen am Strand auf und ab.
Das erste kann nicht gehen, da "Meer" und "die See" hier den gleichen Begriff beinhalten.
Das zweite Bild ist wieder sehr schön, gefällt mir, vielleicht kannst du das erste durch eines ersetzen, das mit dem hier verbunden ist und erklärt, wie die beiden zur Welle werden?
Der Mond lässt uns glänzen
in diesem Tanz
und
in unseren Augen
strahlt lachende Sonne
Den Mond finde ich hier wieder sehr gelungen, allerdings strahlende lachende Sonne, aua. Klischee Kindergarten, Sonne mit Strichgesicht und dererlei Assoziationen drängen sich mir auf. Warum die Sonne? Bleib doch im Bild, denn wenn ihr dem Schlaf die Nacht gestohlen habt, gehört sie jetzt ja euch, warum dann nicht Sterne? Ja, Sterne in den Augen klingt auch sehr nach Klischee, würde mir in diesen Zusammenhang aber besser reinpassen. Vielleicht findest du ja ein schönes Bild.
Und wo, um alles in der Welt, geht es in dem Gedicht um Sterben? Bin ich blind auf dem Auge?
So, und falls ich das jetzt alles mißverstanden habe, weil es wie im Titel wohl um naive Kunst ging, die ja von einem Großteil dessen lebt, was ich kritisiert habe, dann laß es einfach so stehen.
Lieber Gruß
Flocke