Liebe Todesblume,
hab Dank für deine anregenden Gedanken zu diesem kurzen Gesang.
was beginnt das herz? beginnt es zu schlagen? zu hüpfen? auszusetzen?
Beginnt es heftig zu pochen? Beginnt es zu leben? Zu lieben? Zu hoffen? Zu leiden? Zu lachen? Zu tanzen? Zu jubilieren? ...
Es beginnt ... den Rest überlass ich dir. "zu hüpfen?" Hüpfen ist gut. Ein barfuß hüpfendes Herz ... das gefällt mir!
hier stellt sich mri die frage, geht es nur um ein herz also um das des lyrischen ichs oder auch um das zweite das des liebenden? denn warum sollte des lyrischen ichs herz quillen und singen wenn doch der andre einen sieht - sprich manchmal merkt man doch auch nicht wenn jemand anderen einen sieht. wenn es nur um das herz des lyrischen ichs geht würde ich "wenn ich dich seh" schreiben wobei da natürlich dann dein reimschema am a... wär - *auf erklärung wart*
Doch, meine Erfahrung lehrt mich, dass man in der Liebe schnell merkt, ob der andere einen "sieht" oder nicht. Für mich ist das "Sehen" fast synonym mit dem "Lieben". Ich habe, bevor ich diese Gedicht begann, lange darüber nachgedacht, wie ich (für mich selbst) "lieben" eigentlich definieren würde. Und für mich ist die Essenz des "Liebens" das "Sehen" - und darum kommt es sowohl in der ersten, als auch in der zweiten Strophe vor: sehen und gesehen werden. Das "Sehen" ist an dieser Stelle natürlich ein Platzhalter, ein Sammelbegriff für vieles: "Sehen" heißt hier nicht nur die Oberfläche betrachten oder nach dem Aussehen eines Menschen zu gehen, sondern ihn wirklich zu sehen - auf ihn zu achten, ihn wahrzunehmen, ihm zuzuhören, ihm meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. "Sehen" ist eine Auszeichnung, eine Begrenzung des Wahrnehmungsfeldes auf den geliebten Menschen: wenn ich den "sehe", den ich liebe, konzentriere ich mich voll und ganz auf ihn und sehe nichts anderes mehr, dann passiert es (mir!) regelmäßig, dass ich alles andere ausblende und bisweilen sogar vergesse, mich selbst und das, was mit mir geschieht, zu sehen.
hier der schmerz gut zum ausdruck gebracht, aber wenn man etwas eh nicht zeigt, woher weiß das lyrische ich dann das etwas verschwiegen wird?
Gute Frage. Auch in dieser Strophe geht es wieder um das "Sehen". Woher weiß ich, dass der andere mich wirklich liebt, dass er mir nicht etwas vormacht oder mich betrügt? Wie kann ich mir seiner Gefühle sicher sein? Und wie kann ich ihm zeigen, dass ich ihm vertraue, ihn gern habe, ihn liebe? Die Liebe kennt viele Sprachen und viele Zeichen, die gerade auch zwischen den Geschlechtern sehr schnell fehlgedeutet werden. Wie wichtig es für eine Beziehung ist, miteinander zu reden, brauche ich sicherlich nicht zu erörtern.
Selbst eine starke Zuneigung hat häufig viele unschöne Begleiter im Gefolge: Eifersucht, Misstrauen, Kontrollsucht, Zweifel ... oder das Gefühl, dieser Liebe nicht gewachsen zu sein, sie nicht zu verdienen. Darum geht es auch hier: Wenn wir lieben, glauben wir häufig etwas zu sehen, was gar nicht da ist. Wir sehen durch die sprichwörtliche "rosarote Brille" und biegen uns die Wirklichkeit zurecht. Wir "sehen", was wir sehen wollen und übersehen dabei den anderen, wie er wirklich ist, übergehen es, den anderen wirklich zu "sehen" - und tun ihm damit Unrecht. Sprich: Liebe schlägt uns nicht selten auch mit Blindheit. -- Zweifelthaft, ob ich das alles ausgedrückt habe ... ich bin wahrscheinlich gerade dabei, mehr in meine eigenen Zeilen hinzulegen, als tatsächlich drin ist.
dieses doppelte macht mir grad beim denken schwer zu schaffen, wobei es mir zum lesen sehr gefällt
Ich war und bin auch sehr unsicher, was diese Stelle angeht. Ich überlege immer noch, ob es nicht besser ...
mein herz steht still
wenn du nicht zeigst
was du verschweigst
... geheißen hätte. Aber anders herum scheint mir die Aussage stärker zu sein.
und auch die interpreation hierfür gefällt mir. das das herz aufhört schneller zu schlagen, wenn das andere sich abwendet und keine gefühle mehr sendet.
Kann man Gefühle senden? Wäre das möglich, wäre wahrscheinlich nie ein Mensch auf die Idee gekommen, etwas derart dummes und einfältiges zu schreiben wie ein Liebesgedicht.
Deene Irene
ps. Du liest Baudelaire?