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Kardiogramm

Verfasst: 23.09.2006, 03:55
von wicked irene
KARDIOGRAMM

mein herz beginnt
wenn ich dich seh
verweht das weh

es quillt und singt
wenn du mich liebst
wenn du mich siehst

mein herz steht still
wenn du verschweigst
was du nicht zeigst

es hört es endet
wenn deins nicht sendet
wenn deins sich wendet

Re: Kardiogramm

Verfasst: 25.09.2006, 18:04
von deathflower
KARDIOGRAMM

mein herz beginnt
wenn ich dich seh
verweht das weh


die überschrift hat mcih neugierig gemacht und passt mMn auch zum inhalt, somit finde ich sie gut gewählt
was beginnt das herz? beginnt es zu schlagen? zu hüpfen? auszusetzen?

es quillt und singt
wenn du mich liebst
wenn du mich siehst


hier stellt sich mri die frage, geht es nur um ein herz also um das des lyrischen ichs oder auch um das zweite das des liebenden? denn warum sollte des lyrischen ichs herz quillen und singen wenn doch der andre einen sieht - sprich manchmal merkt man doch auch nicht wenn jemand anderen einen sieht. wenn es nur um das herz des lyrischen ichs geht würde ich "wenn ich dich seh" schreiben wobei da natürlich dann dein reimschema am a... wär - *auf erklärung wart*

mein herz steht still
wenn du verschweigst
was du nicht zeigst


hier der schmerz gut zum ausdruck gebracht, aber wenn man etwas eh nicht zeigt, woher weiß das lyrische ich dann das etwas verschwiegen wird? dieses doppelte macht mir grad beim denken schwer zu schaffen, wobei es mir zum lesen sehr gefällt

es hört es endet
wenn deins nicht sendet
wenn deins sich wendet




daran hab ich nichts auszusetzen, die einzige strophe bei der sich alle zeilen reimen, zeigt mir persönlich, dass das gedicht hier zuende ist. und auch die interpreation hierfür gefällt mir. das das herz aufhört schneller zu schlagen, wenn das andere sich abwendet und keine gefühle mehr sendet.


soviel meinerseits


lg deathflower

Re: Kardiogramm

Verfasst: 25.09.2006, 21:36
von Flocke
Hallo, wicked irene.

klein und fein, würde ich sagen. Nicht mehr und nicht weniger.

es quillt und singt
wenn du mich liebst
wenn du mich siehst


Ist das Absicht, dass sich einzig diese Strophe nicht reimt? Falls nicht, folgender Vorschlag:

"es quillt und singt
wenn du mich siehst
wenn du mich liest"

im Sinne der Interpretation von deathflower, das Herz wird vom anderen wahrgenommen, wie ein Buch gelesen...

Allerdings das "quillt" finde ich ein bißchen seltsam. Kann ich mir nicht so recht vorstellen, eher noch vielleicht, dass es schwillt, so wie bei stolzgeschwellter Brust oder so.

mein herz steht still
wenn du verschweigst
was du nicht zeigst


Hier stolpere ich auch ein bißchen über das schweigen und nicht zeigen. Weiß nicht so recht, ob das funktioniert. Etwas nicht zeigen bedeutet doch an sich, man verschweigt etwas, sonst würde man es ja in irgendeiner Form (mündlich, Körpersprache etc.) zum Ausdruck bringen oder verraten.
Vielleicht:

"mein herz steht still
wenn du verschweigst
und dich nicht zeigst" ???

es hört es endet
wenn deins nicht sendet
wenn deins sich wendet


Paßt das mit dem hören? Meinst du nicht eher lauschen? Hören bedeutet für mich, ein Geräusch dringt ans Ohr. Dein Text klingt aber eher nach Funkstille, daher fände ich lauschen angebrachter. Oder?

Lieber Gruß
Flocke

Re: Kardiogramm

Verfasst: 25.09.2006, 21:48
von wicked irene
Liebe Todesblume,

hab Dank für deine anregenden Gedanken zu diesem kurzen Gesang.
was beginnt das herz? beginnt es zu schlagen? zu hüpfen? auszusetzen?

Beginnt es heftig zu pochen? Beginnt es zu leben? Zu lieben? Zu hoffen? Zu leiden? Zu lachen? Zu tanzen? Zu jubilieren? ...

Es beginnt ... den Rest überlass ich dir. "zu hüpfen?" Hüpfen ist gut. Ein barfuß hüpfendes Herz ... das gefällt mir! :-)
hier stellt sich mri die frage, geht es nur um ein herz also um das des lyrischen ichs oder auch um das zweite das des liebenden? denn warum sollte des lyrischen ichs herz quillen und singen wenn doch der andre einen sieht - sprich manchmal merkt man doch auch nicht wenn jemand anderen einen sieht. wenn es nur um das herz des lyrischen ichs geht würde ich "wenn ich dich seh" schreiben wobei da natürlich dann dein reimschema am a... wär - *auf erklärung wart*

Doch, meine Erfahrung lehrt mich, dass man in der Liebe schnell merkt, ob der andere einen "sieht" oder nicht. Für mich ist das "Sehen" fast synonym mit dem "Lieben". Ich habe, bevor ich diese Gedicht begann, lange darüber nachgedacht, wie ich (für mich selbst) "lieben" eigentlich definieren würde. Und für mich ist die Essenz des "Liebens" das "Sehen" - und darum kommt es sowohl in der ersten, als auch in der zweiten Strophe vor: sehen und gesehen werden. Das "Sehen" ist an dieser Stelle natürlich ein Platzhalter, ein Sammelbegriff für vieles: "Sehen" heißt hier nicht nur die Oberfläche betrachten oder nach dem Aussehen eines Menschen zu gehen, sondern ihn wirklich zu sehen - auf ihn zu achten, ihn wahrzunehmen, ihm zuzuhören, ihm meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. "Sehen" ist eine Auszeichnung, eine Begrenzung des Wahrnehmungsfeldes auf den geliebten Menschen: wenn ich den "sehe", den ich liebe, konzentriere ich mich voll und ganz auf ihn und sehe nichts anderes mehr, dann passiert es (mir!) regelmäßig, dass ich alles andere ausblende und bisweilen sogar vergesse, mich selbst und das, was mit mir geschieht, zu sehen.
hier der schmerz gut zum ausdruck gebracht, aber wenn man etwas eh nicht zeigt, woher weiß das lyrische ich dann das etwas verschwiegen wird?

Gute Frage. Auch in dieser Strophe geht es wieder um das "Sehen". Woher weiß ich, dass der andere mich wirklich liebt, dass er mir nicht etwas vormacht oder mich betrügt? Wie kann ich mir seiner Gefühle sicher sein? Und wie kann ich ihm zeigen, dass ich ihm vertraue, ihn gern habe, ihn liebe? Die Liebe kennt viele Sprachen und viele Zeichen, die gerade auch zwischen den Geschlechtern sehr schnell fehlgedeutet werden. Wie wichtig es für eine Beziehung ist, miteinander zu reden, brauche ich sicherlich nicht zu erörtern.

Selbst eine starke Zuneigung hat häufig viele unschöne Begleiter im Gefolge: Eifersucht, Misstrauen, Kontrollsucht, Zweifel ... oder das Gefühl, dieser Liebe nicht gewachsen zu sein, sie nicht zu verdienen. Darum geht es auch hier: Wenn wir lieben, glauben wir häufig etwas zu sehen, was gar nicht da ist. Wir sehen durch die sprichwörtliche "rosarote Brille" und biegen uns die Wirklichkeit zurecht. Wir "sehen", was wir sehen wollen und übersehen dabei den anderen, wie er wirklich ist, übergehen es, den anderen wirklich zu "sehen" - und tun ihm damit Unrecht. Sprich: Liebe schlägt uns nicht selten auch mit Blindheit. -- Zweifelthaft, ob ich das alles ausgedrückt habe ... ich bin wahrscheinlich gerade dabei, mehr in meine eigenen Zeilen hinzulegen, als tatsächlich drin ist.
dieses doppelte macht mir grad beim denken schwer zu schaffen, wobei es mir zum lesen sehr gefällt

Ich war und bin auch sehr unsicher, was diese Stelle angeht. Ich überlege immer noch, ob es nicht besser ...

mein herz steht still
wenn du nicht zeigst
was du verschweigst

... geheißen hätte. Aber anders herum scheint mir die Aussage stärker zu sein.
und auch die interpreation hierfür gefällt mir. das das herz aufhört schneller zu schlagen, wenn das andere sich abwendet und keine gefühle mehr sendet.

Kann man Gefühle senden? Wäre das möglich, wäre wahrscheinlich nie ein Mensch auf die Idee gekommen, etwas derart dummes und einfältiges zu schreiben wie ein Liebesgedicht.

Deene Irene

ps. Du liest Baudelaire?

Re: Kardiogramm

Verfasst: 25.09.2006, 22:19
von wicked irene
Hallo Flocke.
Ist das Absicht, dass sich einzig diese Strophe nicht reimt?

Ja, das ist Absicht, weil ich schon der Meinung bin, dass sich das reimt. Okay, es ist kein sauberer Reim, aber auch zwischen "siehst" und "liebst" gibt es eine starke Klangähnlichkeit.
wenn du mich liest

Das "liest" bzw. exakt diese Zeile hatte ich beim Schreiben bereits erwogen und wieder verworfen. Mir gefällt die Metapher "einen Menschen lesen" einfach nicht. Das klingt mir zu kriminal-psychologisch, das klingt, als könnte man einen Menschen berechnen. Aber in der Liebe gibt es (noch) ein paar von diesen Mysterien, die wir nicht verstehen... und dieser schönen Illusion will ich mich und euch nicht berauben.
Allerdings das "quillt" finde ich ein bißchen seltsam. Kann ich mir nicht so recht vorstellen, eher noch vielleicht, dass es schwillt, so wie bei stolzgeschwellter Brust oder so.

Auch "schwillt" hatte ich erwogen und wieder verworfen. Bei "schwillt" muss ich an Schwellung denken und das klingt mir zu ungesund, zu kränklich. Ich wollte für diese Strophe ein lebendiges, singendes Herz haben. Dagegen denke ich bei "quillt" an Quelle oder an etwas, dass sich vollsaugt. Wie ein Samenkorn, ehe es treibt. Das schien mir besser zu passen.
Etwas nicht zeigen bedeutet doch an sich, man verschweigt etwas, sonst würde man es ja in irgendeiner Form (mündlich, Körpersprache etc.) zum Ausdruck bringen oder verraten.

Wie ich schon sagte: Die Liebe kennt viele Sprachen und Zeichen.
Paßt das mit dem hören? Meinst du nicht eher lauschen? Hören bedeutet für mich, ein Geräusch dringt ans Ohr.

Ich tendiere hier intuitiv eher zum "hören". Wobei dieses "Hören" ebenso im übertragenen Sinn gemeint ist, wie das "Sehen".

Vielen Dank auch dir.

I.

Re: Kardiogramm

Verfasst: 26.09.2006, 13:49
von deathflower
wenn ich dich richtig verstehe lässt du die bedeutung für "beginnt" mit absicht offen?

das mit dem sehen stimmt, wenn man es nicht auf das auge bezieht sondern auf die gefühlswelt ist es weitaus schlüssiger.
zu dem "hört" fällt mir noch ein dass ich es sehr schön als gegenargument zu dem "endet" fand. für mich ist das "hört" in dem zustand wo beide noch die gefühle haben und das "endet" für eben den schluss davon.

und wenn man das ganze noch auf dein sehen bezieht, dann haben wir ja schon 2 der uns gegebenen sinne.


das "senden" meinerseits, war das gegenstück zu deinem "sehen" mir ist keine bessere bezeichnugn dafür eingefallen, denn was es nicht gibt kann man auch nicht "sehen" zumindest in dem zusammenhang. das wäre dann nicht "sehen" sondern "einbilden".

@flocke

cih finde das "quillt" hier als sehr schönes bild, für mich hat es gleich eine schlussfolgerung zu "überquillen" bereit gehalten, dieses sich voll mit liebe fühlen.

auch den unsauberen reim fand ich nicht schlimm, lieber ein unsauberer reim als einen platten inhalt :-D

und nun nochmal @ wicked irene

mit dem doppelten "verschweigen nicht zeigen" hab ich egal wie rum meine probleme, denn ich verschweige jemandem etwas, der sagt dann aber "wenn du es nicht zeigst" und wenn ich frag "was?" kann man ebenso mit "das was du nicht zeigst" antworten also ist es für mich einfach nur ein synonym, das eigentlich nicht weiter gebraucht wird. eventl die verstärkung könnte den doppelgebrauch rechtfertigen, aber da hackt es dann in meinem kopf mit den regeln der deutschen rechtschreibung, bzw der logik.

ehrlich gesagt weiß ich nicht mal wer baudelaire war (ok habs soeben nachgegugt, ein französischer schriftsteller o.ä.) wie kommst du auf die idee ich könnte dinge von ihm schon gelesen haben? das würde mich interessieren :-D


grüße deathflower