Blumenkinder

Du schreibst Gedichte? Laß sie nicht in einer Schublade verschimmeln! Menschenbeifall wirst Du hier finden, aber auch Kritik und Rat.
C_some1_2_smile_4
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Blumenkinder

Beitragvon C_some1_2_smile_4 » 04.10.2006, 19:00

Blumen sind stille Worte.
Sie stehen vor Dir.

Lass sie vorsichtig herein.

Öffne Ihnen Dein Herz
und höre ihnen zu,

wie sie
für Dich duften.

Hamburger
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Re: Blumenkinder

Beitragvon Hamburger » 06.10.2006, 11:56

Guten morgen,

vor der allgemeinen Kritik hier zunächst wieder die gutbürgerliche deutsche Gründlichkeitsportion:

Blumen sind stille Worte.
Sie stehen vor Dir.


Die erste Zeile finde ich ganz okay, auch wenn sie meines Empfindens nach eine nicht ganz so originelle Verdichtung (aus der Sicht des Empfängers) von „Lass Blumen sprechen“ darstellt. Die zweite Zeile hingegen finde ich für das Gedicht nicht notwendig. Denn der in den in nächsten Strophen geforderte Einlass der „stillen Worte“ ins eigene Herz benötigt die Beschreibung „Sie stehen vor dir“ nicht. Denn nur, was ich in irgendeiner Weise erkennen kann, kann ich auch hereinlassen. Zusätzlich bin ich mir hier nicht sicher, ob eine der zwei Ebenen des Gedichtes unstimmig (hier würde ich gerne Flocke ins Spiel bringen) ist. Worte, die vor mir stehen? Oder kann ich hier die vor mir stehenden Blumen als erste Ebene, die Worte jedoch als zweite (bildliche) Ebene begreifen?


Lass sie vorsichtig herein.


Warum „vorsichtig“? Das Gedicht hat doch schon in der ersten Zeile einen ruhigen, besinnlichen Ton angeschlagen. Es geht doch von diesen „stillen Worten“ keine Gefahr aus, die eine „Vorsicht“ rechtfertigen würde. Allerdings kann „Vorsicht“ ja auch im Sinne von „gehe behutsam mit Ihnen (ihrer Botschaft) um“ gelesen werden. Dann passt es. Dann wiederum halte ich „vorsichtig“ aber ein viel zu offensichtliches und auch nicht gerade besonders poetisches Adjektiv. Es ist eher ein Allerweltswort. Klar, auch Lyrik braucht Allerweltsworte, aber an einer so zentralen Stelle wie dieser hier sollte die Beschreibung schon etwas Besonderes sein. Finde ich.


Öffne Ihnen Dein Herz
und höre ihnen zu,


Die erste Zeile ist, sorry, einfach nur Kitsch. Das eigene Herz öffnen ist ungefähr die Sprache von Diddl-Postkarten. Um das sofort im Anschluss klarzustellen: Es liegt mir fern, dich beleidigen zu wollen. Ich möchte vielmehr aufzeigen, was eine solche Zeile in mir als deinem Leser auslöst (und an den Reaktionen deiner Leser bist du sicher interessiert). Ich denke bei einer solchen Zeile an Diddl-Postkarten, platte Herzschmerzfilme und esoterische Sinnsprüche. Und das schreckt mich ab, schafft Distanz zu deinem Gedicht.
Außerdem liegt hier eine Doppelung vor. Du hast bereits eine Strophe zuvor beschrieben, dass die „stillen Worte“ Einlass finden sollen. Nun wiederholst du es quasi und setzt das „Herz“ dazu. Einmal Einlass reicht jedoch, wie ich finde.
Die zweite Zeile passt ansonsten. Den „stillen Worten zuhören“ – finde ich in Ordnung.


wie sie
für Dich duften.


Den Schluss des Gedichtes sehe ich ambivalent. Ich finde das Bild der „duftenden Blumen“ kitschig, das Bild der „duftenden stillen Worte“ originell, aber schief.

Und gehe damit über zur Gesamtkritik: Positiv an dem Gedicht ist, dass die Blumen mehrere Sinne zugleich ansprechen. In diesem Sinne ist auch – und hier schränke ich meine obige Kritik an der zweiten Zeile des Gedichtes etwas ein – die Zeile „Sie stehen vor dir.“ zu rechtfertigen. Sehen, hören, riechen – immerhin bleibt es nicht nur bei der Botschaft der Blumen, sondern die Form der Mitteilung wird durch mehrere Sinne ausgestaltet.

Dennoch finde ich das Gedicht insgesamt nicht besonders gelungen. Ich sehe hier bis auf den Schluss, der einen unerwarteten Sprung (Hören-Riechen) macht und damit mein Interesse weckt eigentlich nichts Originelles. Dass Blumen etwas Schönes sind steht für mich außer Frage, aber die benutzte Bildersprache sowie die Gesamtaussage (besser: Gesamtaufforderung) des Gedichtes ist alt und unoriginell. Ich habe nach dem Lesen deines Gedichtes kein „Mehr“ auf meiner Seite, keine Verdichtung die mich schwelgen lässt
und/ oder mich zum Weiterdenken anregt. Und das fordere ich von Gedichten.

Herzliche Grüße,

Ham
"If it's a hit? - Yeah, that's me! If it's a miss? - Yeah, that's me!" (Robert Palmer)

Flocke
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Re: Blumenkinder

Beitragvon Flocke » 06.10.2006, 21:16

@Ham

Zitat aus Wikipedia:

Die Blumensprache ist ein Kommunikationsmittel, vor allem unter Liebenden, mit Hilfe von Blumen oder Blumensträußen ohne Worte Gefühle, Wünsche, Bitten und Beschwerden mitzuteilen. Nicht nur die Pflanzensorte, sondern auch ihre Stellung im Strauss und ihre Farbe, sowie die sie begleitenden Schleifen bestimmen die Bedeutung des Gebindes. Eine verwelkende Rose etwa signalisiert ein Treffen in einer Stunde, ein Heliotrop in zwei.
Eine nach rechts gebundene Schleife meint die Beschenkte, nach links den Geber. Eine rosa Rose mit linksgebundener Schleife garniert mit einem Ahornblatt heißt beispielsweise «ich bin schüchtern und übe deshalb Zurückhaltung». Nach unten gerichtete Blüten meinen das Gegenteil der eigentlichen Bedeutung.
Ein Strauß aus Chrysanthemen, Farn, Geissblatt, Gladiole, Geranie und einer leicht überfälligen Rose bedeutet: «Sei nicht so stolz! Lass mich hoffen, denn ich bin noch frei. Ich mache nicht gern viele Worte. Drum triff mich an der bekannten Stelle in einer Stunde». Steckt sich die Beschenkte das Röschen ins Haar, darf der Verehrer nicht auf ein Rendezvous hoffen. Am Busen wäre besser.
Die Geheimsprache aus dem Harem Blumensymbolik ist uralt. Die Rose bekam ihren Job als Liebesblume schon lange bevor Botticelli (1445-1510) sie auf die «Geburt der Venus» regnen ließ. Die Blumensprache wurde im antiken Persien entwickelt. Von da dürfte sie im Mittelalter in die Serails gekommen sein.



@Sehende(r)

Ich hoffe, wir reden diesmal nicht so aneinander vorbei wie bei deinem anderen Gedicht… Ich geh’s einfach mal durch.

Blumen sind stille Worte


Wie Ham schon sagte, nicht unbedingt originell, aber an sich ok. Welches Thema ist schon brandneu?

Sie stehen vor Dir.


Hm, in einer Vase? Auf der Wiese? Blumen stehen nicht immer, können auch liegen, als Grabschmuck z.B. oder als Strauß gehalten werden… Würde mich hier nicht unbedingt auf ein Verb festlegen. Und wenn es „stehen“ sein soll, dann wohl besser: „stehen sie vor dir“, das ist irgendwie klangvoller. Aber halt, wenn sie stehen und wie auch immer kommunizieren , müßten es ja wohl lebendige Blumen sein, insofern fallen Strauß und Grabschmuck schon mal weg, da sind sie ja geschnitten und somit eher tot als lebendig. Also gut, dann stehen sie.


„Lass sie vorsichtig herein
Öffne ihnen dein Herz“


Passt von der Logik her nicht ganz, denke, man muss erst etwas öffnen, um dann etwas oder jemanden einlassen zu können, das gehört also andersrum.
Und ob man sie nun unbedingt vorsichtig einlassen muss, erschließt sich mir auch nicht wirklich. Sind sie zerbrechlich, scheu oder gehen kaputt, wenn sie über eine Schwelle treten?

„Herz öffnen“ finde ich auch recht kitschig, zumal das Herz als Organ ja Worte gar nicht hören könnte. Warum also das Herz für die Worte öffnen? Man sagt zwar auch immer, hör auf dein Herz und unterstellt damit, dass es reden könne, meint aber da idR das Bauchgefühl, den Instinkt. Wenn man das jetzt also gleichsetzt und sagt, lass dein Herz = Instinkt die Worte hören, na gut. Mit viel Phantasie akzeptabel.

„höre ihnen zu
wie sie
für dich duften“


Hm, ein Bruch, weil man ja vorher beim Hören ist, der mir aber trotzdem irgendwie gewollt klingt, künstlich. Mir persönlich sind Brüche lieber, die sich beinah wie von selbst ergeben, gerade bei so kurzen Texten, wo es eh auf jedes Wort ankommt.
Bleibt die Frage, ob Blumen durch ihren Duft reden? Oder, um im Bild der Blumensprache zu bleiben, doch nicht eher durch ihr Aussehen oder die Tatsache, dass sie eine Rose, Tulpe, Nelke etc. sind? Denn die Worte schreibt man ja dann der Blume als solcher zu, nicht dem Duft. Gut, es heißt ja immer, Blumen würden es mögen, wenn man mit ihnen redet und ihnen Musik vorspielt. Das ist aber eine einseitige, von Seiten der Blumen passive, Kommunikation. In gewisser Weise reden sie ja nur mit ihrem Duft, wenn es um Befruchtung geht, damit sie Insekten anlocken. Wobei auch da das Aussehen keine untergeordnete Rolle spielt. Und hier geht es ja mitnichten um das Anlocken von Insekten. Du merkst schon, meine Denke wird langsam wieder konfus, weil ich mir keinen rechten Reim darauf machen kann.

Insgesamt lässt mir dein Text mehr Fragen als Antworten übrig. Er bleibt sehr allgemein. Ich lese ihn, steh da und denke mir: Ja, und weiter? Ich soll den Blumen zuhören, gut. Und dann? Vielleicht würde ein wenig mehr lyrische Persönlichkeit gut tun, die Frage, warum das DU den Blumen zuhören soll, gibt’s da eventuell einen spannenden Grund? Dann rein damit in den Text. Soll es vielleicht bestimmten Blumen zuhören, weil in irgendeiner Form die gute alte Liebe und Eifersucht im Spiel sind?

Aber gut. Kritisieren ist eine Sache, besser machen eine andere. :-D

In diesem Sinne grüßt
Flocke


P.S. Eins vielleicht noch, muß das Gedicht unbedingt "Blumenkinder" heißen? Das lockt a) auf eine falsche Fährte hinsichtlich Hippies und so, die dann in keiner Weise bedient wird und b) wirst du den Blumen damit in keiner Weise gerecht.
...Der den Wind kennt / besser als alle Bücher / den Baum / frag nach Wahrheit...

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Re: Blumenkinder

Beitragvon wicked irene » 11.10.2006, 18:40

Ich finde dieses Gedicht irgendwie einfallslos und doof. Und ich habe noch nicht mal Lust, mich dafür zu entschudligen, dass ich es doof finde oder es so offen und unverblümt sage: es ist doof.
Blumen sind stille Worte.

Blumen sind teuer. Blumen wollen gegossen werden. Blumen locken Hummeln, Wespen, Hornissen, hin und wieder auch afrikanische Heuschreckenschwärme und Oxytocin-verseuchte Zweibeiner an. Blumen treiben heuschnupfengeplagten Menschen (wie mir) die Tränen in die Augen. Blumen welken.

Was sagt uns DAS?
Sie stehen vor Dir.

Stell dir mal vor, die laufen durch die Gegend, schlagen Wurzeln in deinem Bett und trinken aus deiner (dann bemoosten und verschlammten) Badewanne. Stell dir mal vor, aus deiner Tastatur wächst Gras und Efeu verschlingt deinen Kleiderschrank. Ich glaub, da hat die Natur mal ausnahmsweise was richtig gemacht, dass die nicht auch noch durch die Gegend laufen.
Lass sie vorsichtig herein.

Blumen, diese extrovertierten, geltungsbedürftigen, in jeder Hinsicht aufdringlichen Gewächse? Am besten noch mit grünen Blättern, was?
Öffne Ihnen Dein Herz

Wie bitte? Was verlangst du da? Ich soll eine OP am offenen Herzen durchführen und mir Pflanzen implantieren lassen? Bist du deppert? Reicht es nicht, dass ich mir täglich diese ganzen Pflanzenerzeugnisse oral zuführen muss? Dieses Gemüse. Oder dieses ... dieses Obst. Kann man nicht mal Grundnahrungsmittel wie Brot ersatzweise aus Fleisch backen oder Tee aus getrockneten Schweineborsten gewinnen? Muss ich mir diese Grünstengel jetzt auch noch in meine Aorta stopfen lassen? Wozu?
wie sie
für Dich duften.

Ja, verduften sollen die sich!

Ich sage: Blumen sind überbewertet. Verschenken Sie lieber Kaulquappen oder einen Molch. Die sind wesentlich interessanter.

the wicked I
All things truly wicked start from an innocence. (Hemingway)

riemsche
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Re: Blumenkinder

Beitragvon riemsche » 04.11.2006, 21:21

irgendwie habe ich mir beim titel "blumenkinder" hinweise auf mögliche spätfolgen des passivrauchens auf minderjährige beim besuch des woodstockfestivals in begleitung von eltern freier liebe erwartet. schade - war dann doch nur ein posiealbumspruch für hobbygärtner.
ich definiere daher ganz kurz :
den duft ?hören? = 1 blumenfurz
sorry und .... bleib trotzdem romantisch !
gerrie
„To hell with circumstances; I create opportunities.“ – Bruce Lee


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