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Herbstsonne fällt, Grabstein

Verfasst: 11.10.2006, 21:24
von C_some1_2_smile_4
Für die
erste oder letzte
Sekunde auf dieser Welt
ist und war
alles
was mich hier noch hält
jetzt
noch einmal und für immer
ein Teil von mir.

Mit einem Lächeln
als Geschenk davon

dem Ende entgegenzutreten
und

mit den Worten
als Erkenntnis

"Es war schön gelebt
und aus dem Ganzen
erst geboren
worden zu sein."

Re: Herbstsonne fällt, Grabstein

Verfasst: 20.10.2006, 20:26
von Herbert Eiter
1. Weniger Pathos wäre mehr.

2. Die Welt, das Ende, die Worte, die Erkenntnis, das Ganze - das ist a.) zu allgemein, zu groß, zu allumfassend, b.) zu unkonkret, zu unanschaulich, zu "unlyrisch", c.) zu inhaltsleer, zu uninspiriert, zu unoriginell. Für mich. Dagegen ist selbst die Sprache von Niklas Luhmann ein Quell der Inspiration.

3. Erste, letzte Sekunde, ist und war alles, jetzt, noch einmal und für immer, es war, geboren worden zu sein. Allein auf der zeitlichen Ebene empfinde ich das Gedicht als unlogisch.

4. Da hilft auch keine Zentrierung.

5. Altes pessimistisches Gegenargument: "Elendes Eintagsgeschlecht, des Zufalls Kinder und der Mühsal, was zwingst du mich, dir zu sagen, was nicht zu hören für dich das Ersprießlichste ist? Das Allerbeste ist für dich gänzlich unerreichbar: nicht geboren zu sein, nicht zu sein, nichts zu sein. Das Zweitbeste aber ist für dich - bald zu sterben." (F. Nietzsche, Die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik).

6. Mein gratis Schreibtipp: Schreib nicht, was du denkst. Gedanken sind banal, sind Blasen, sind Geblubber, das sich myriadenfach wiederholt. Das weiße Rauschen der Menschheit. Versuch das mit Worten zu fassen, was jenseits deiner Gedanken liegt, jenseits der kleinen Spindel, um die der Sputnik deines Ichs kreist.

Keep on smiling,
H. Eiter