tagsüber
mache ich mir einen kleinen spass
und gehe durch den park
zu aldi
und einmal im monat
durch die stadt
an den läden
vorbei
bis zur argentur für arbeit
dort befindet sich
im siebten stock eine kantine
da riecht es gut
und freitags ganz besonders
wenn ich mir meinen teller
füllen lassen will
muss ich einen tag lang
im leverkusener fussballstadion
samstags
bierflaschen einsammeln
einmal habe ich für
enorme 4 euro
in der kantine
von gleich zu gleich
mit meinem gottvatersachbearbeiter
ein fischgericht gegessen
es war freitag
herrgott – so ein fisch
das ist musik von gestern
weil sich inzwischen
im leverkusener fussballstadion
ganze familien zuarbeiten
da bin ich allein verloren
am bahnhof hat mir ein junger mann
prügel angedroht, wenn ich nicht verschwinde
ich wollte mit fahrkarten ins geschäft kommen
inzwischen wühle ich nachts in den
abfallkörben, am liebsten mitten in der stadt
es wird nicht mehr lange dauern
dann gehe ich auch tagsüber
im november ist es nachts zu kalt
ab und zu habe ich hier
auch fisch gefunden
von macdonald
einmal
war er sogar noch warm
fisch
Re: fisch
Gefällt mir. Vor allem auch wegen der Aktualität. Auch der "prosaische" Charakter des Gedichtes passt zum Inhalt. Hat einerseits etwas trostloses, etwas nüchternes, anderseits ist auch eine gewisse Dramaturgie erkennbar (was ich an Gedichten sehr schätze), die für mich in den Zeilen ...
... gipfelt. Diese Strophe ist der tragisch-komische Höhepunkt des Gedichtes. Von daher ist auch der Titel gut gewählt. In der zweiten Hälfte fällt dann die Spannung wieder ab.
Die vorletzte Strophe finde ich überarbeitungswürdig. Der fortschreitende soziale Abstieg "plätschert" mir hier zu sehr "vor sich hin". Das "am liebsten" kommt mir deplaziert vor - ist das Absicht?
Den Abschluss des Gedichtes finde ich im Vergleich zu dem, was vorhergeht und mir sprachlich/inhaltlich gut bis sehr gut gefallen hat, eher schwach:
Vielleicht wäre die Umstellung "auch hier" rhythmisch etwas besser. Dass hier am Ende das Motiv des Gedichtes "Fisch" nochmals auftaucht, find ich ambivalent. Diese Stelle wirkt im Vergleich zum dramaturgischen Klimax des Gedichtes etwas blasser/schwächer.
Da fehlt, glaube ich, ein "s":
McDonald's
Das ist gut.
Das Gedicht macht Lust auf mehr. Willkommen im Forum.
MfG,
[) i r k
einmal habe ich für
enorme 4 euro
in der kantine
von gleich zu gleich
mit meinem gottvatersachbearbeiter
ein fischgericht gegessen
es war freitag
herrgott – so ein fisch
... gipfelt. Diese Strophe ist der tragisch-komische Höhepunkt des Gedichtes. Von daher ist auch der Titel gut gewählt. In der zweiten Hälfte fällt dann die Spannung wieder ab.
Die vorletzte Strophe finde ich überarbeitungswürdig. Der fortschreitende soziale Abstieg "plätschert" mir hier zu sehr "vor sich hin". Das "am liebsten" kommt mir deplaziert vor - ist das Absicht?
ab und zu habe ich hier
auch fisch gefunden
von macdonald
einmal
war er sogar noch warm
Den Abschluss des Gedichtes finde ich im Vergleich zu dem, was vorhergeht und mir sprachlich/inhaltlich gut bis sehr gut gefallen hat, eher schwach:
ab und zu habe ich hier
auch fisch gefunden
Vielleicht wäre die Umstellung "auch hier" rhythmisch etwas besser. Dass hier am Ende das Motiv des Gedichtes "Fisch" nochmals auftaucht, find ich ambivalent. Diese Stelle wirkt im Vergleich zum dramaturgischen Klimax des Gedichtes etwas blasser/schwächer.
von macdonald
Da fehlt, glaube ich, ein "s":
McDonald's
einmal
war er sogar noch warm
Das ist gut.
Das Gedicht macht Lust auf mehr. Willkommen im Forum.
MfG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: fisch
habe mich gefreut über deine textarbeit und über das willkommen - danke. habe eine neue idee für den schluss:
fisch
tagsüber
mache ich mir oft einen kleinen spass
ich gehe durch den park
zu aldi
und einmal im monat
durch die stadt
an den läden
vorbei
bis zur argentur für arbeit
dort befindet sich
im siebten stock eine kantine
da riecht es gut
und freitags ganz besonders
wenn ich mir meinen teller
an der ausgabe füllen lassen will
muss ich samstags
im leverkusener fussballstadion
bierflaschen einsammeln
einmal habe ich für
enorme 4 euro
in der kantine
von gleich zu gleich
mit meinem gottvatersachbearbeiter
ein fischgericht gegessen
es war Freitag
herrgott – so ein fisch
das ist musik von gestern
weil sich inzwischen
im leverkusener fussballstadion
ganze familien zuarbeiten
da bin ich allein verloren
am bahnhof hat mir ein junger mann
prügel angedroht, wenn ich nicht verschwinde
ich wollte mit fahrkarten ins geschäft kommen
so bin ich bei den abfallkörben
gelandet
bisher nur nachts
gestern war ich aber
auch tagsüber unterwegs
die nächte sind jetzt sehr kalt
ein kleiner junge
blieb stehen und sah mir
interessiert zu
seine mutter zog ihn weg
und sagte:
so geht es dir auch mal
wenn du weiter so faul bist
ich habe mich kurz geschämt
und weiter gemacht
du hast recht, der fisch muss nicht mehr auftauchen. dachte auch an eine zeitung, die das LI findet mit einer dieser verlogenen überschriften zur arbeitslosigkeit.
noch eine frage, wenn mir fehler erst später auffallen, wie kann ich dann noch den fehler verbessern?
gruß von der rotfeder
fisch
tagsüber
mache ich mir oft einen kleinen spass
ich gehe durch den park
zu aldi
und einmal im monat
durch die stadt
an den läden
vorbei
bis zur argentur für arbeit
dort befindet sich
im siebten stock eine kantine
da riecht es gut
und freitags ganz besonders
wenn ich mir meinen teller
an der ausgabe füllen lassen will
muss ich samstags
im leverkusener fussballstadion
bierflaschen einsammeln
einmal habe ich für
enorme 4 euro
in der kantine
von gleich zu gleich
mit meinem gottvatersachbearbeiter
ein fischgericht gegessen
es war Freitag
herrgott – so ein fisch
das ist musik von gestern
weil sich inzwischen
im leverkusener fussballstadion
ganze familien zuarbeiten
da bin ich allein verloren
am bahnhof hat mir ein junger mann
prügel angedroht, wenn ich nicht verschwinde
ich wollte mit fahrkarten ins geschäft kommen
so bin ich bei den abfallkörben
gelandet
bisher nur nachts
gestern war ich aber
auch tagsüber unterwegs
die nächte sind jetzt sehr kalt
ein kleiner junge
blieb stehen und sah mir
interessiert zu
seine mutter zog ihn weg
und sagte:
so geht es dir auch mal
wenn du weiter so faul bist
ich habe mich kurz geschämt
und weiter gemacht
du hast recht, der fisch muss nicht mehr auftauchen. dachte auch an eine zeitung, die das LI findet mit einer dieser verlogenen überschriften zur arbeitslosigkeit.
noch eine frage, wenn mir fehler erst später auffallen, wie kann ich dann noch den fehler verbessern?
gruß von der rotfeder
Re: fisch
Es macht Freude, einen Neuankömmling zu lesen, der oder die gut schreibt. Oder zumindest mit dem Erstling große Erwartungen weckt
. Danke dafür!
Mit der Rechtschreibung solltest Du, finde ich, allerdings noch ein wenig sorgfältiger umgehen (aRgentur etc.). Zwei-, dreimaliges Durchlesen ist gut investierte Zeit (ich spreche aus Erfahrung - meine Rechtschreibung ist nämlich auch ziemlich lausig).
Du findest oben rechts an Deinen Beiträgen mehrere kleine Symbole, darunter auch ein Buch mit einem Stift. Wenn Du darauf klickst, bekommst Du eine Eingabemaske, in der Du Deinen Text nach Herzenslust redigieren kannst.
Beste Grüße
Razorback
Mit der Rechtschreibung solltest Du, finde ich, allerdings noch ein wenig sorgfältiger umgehen (aRgentur etc.). Zwei-, dreimaliges Durchlesen ist gut investierte Zeit (ich spreche aus Erfahrung - meine Rechtschreibung ist nämlich auch ziemlich lausig).
wie kann ich dann noch den fehler verbessern?
Du findest oben rechts an Deinen Beiträgen mehrere kleine Symbole, darunter auch ein Buch mit einem Stift. Wenn Du darauf klickst, bekommst Du eine Eingabemaske, in der Du Deinen Text nach Herzenslust redigieren kannst.
Beste Grüße
Razorback
O You who turn the wheel and look to windward,
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Consider Phlebas, who was once handsome and tall as You
Re: fisch
Willkommen auch von mir. Mir gefällt das Gedicht auch sehr gut. Vor allem das was Dirk angesprochen hat wegen der Aktualität. Etwas nüchternes schreiben könnte mir zur Zeit selbst gut tun und würde gerne von dir etwas lernen.
Erste Version hat mir irgendwie besser gefallen, nicht wegen Fisch, Fisch ist gut und hat eine Religiöse Bedeutung sogar. Nur das mit der Mutter und Kind, irgendwie kann ich mir als Mutter nicht vorstellen das eine Mutter die Armen als Schlechterbespiel benützt und Vorurteile gegenüber Armen hat. So gibt sie das zu ihr Kind weiter.
Ich glaube nicht, das es gut ist. Ich schicke meine Tochter immer mit paar Euros in Hand und sage, gibt das Geld zu den Mann oder die Frau ab und danke Gott das du ihm helfen darfs, damit sie das Gefühl erkennt und Teilnimmt gegen das Elend etwas zu unternähmen.
Herzliche Selamunaleykum
Fitnat
Erste Version hat mir irgendwie besser gefallen, nicht wegen Fisch, Fisch ist gut und hat eine Religiöse Bedeutung sogar. Nur das mit der Mutter und Kind, irgendwie kann ich mir als Mutter nicht vorstellen das eine Mutter die Armen als Schlechterbespiel benützt und Vorurteile gegenüber Armen hat. So gibt sie das zu ihr Kind weiter.
Ich glaube nicht, das es gut ist. Ich schicke meine Tochter immer mit paar Euros in Hand und sage, gibt das Geld zu den Mann oder die Frau ab und danke Gott das du ihm helfen darfs, damit sie das Gefühl erkennt und Teilnimmt gegen das Elend etwas zu unternähmen.
Herzliche Selamunaleykum
Fitnat
Wenn ich mein Schatten auf dem Asphalt sehe,
denke ich, "Du Armer Poet, bist schon wieder auf dem Boden!"
F.A. "Tanz des Todes"
denke ich, "Du Armer Poet, bist schon wieder auf dem Boden!"
F.A. "Tanz des Todes"
Re: fisch
Ja, ich schließe mich dem an, was Fitnat zu dem neuen Schluss gesagt hat: Sicherlich, Armut wird zum Ausgrenzungsfaktor und wie diese Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die jetzt in aller Munde ist, wohl auch zeigt, fühlen sich arme Menschen von dem Rest der Gesellschaft und den Chancen, die sie anderen bietet, ausgeschlossen. Was weder verwundert, noch neu ist. Deswegen dürfen wir aber nicht die Hilflosigkeit der Politik mit einem evt. zu einseitigen Menschenbild und Reaktionsmuster auf Armut verwechseln. Ich denke, was Fitnat gesagt hat, zeigt, dass man angesichts von Arbeitslosigkeit, Armut, Obdachlosigkeit, Verwahrlosung ganzer Stadtteile, Drogenmissbrauch, Bettlern und Sammlern, die ich auch in meiner Stadt immer häufiger beobachten kann, anders empfinden und handeln. Außerdem hast du das andere Spektrum des Umgangs mit diesen Zeilen ...
... bereits deutlich gemacht. Ich weiß nicht, was ein guter Abschluss für dieses Gedicht sein könnte, aber die Idee ...
... finde ich gar nicht schlecht. Einen Versuch ist sie allemal wert. Es sollte nur nicht zu krass, zu wuchtig, zu "moralisch eindeutig" sein am Ende. Schön wäre es, wenn es (es = die Schlagzeile der Zeitung und die Situation, in der sie gefunden wird) eine ähnlich makabre, brisante, doch tragisch-komische Qualität hätte, wie die Kantinen-Fisch-Anekdote. Die passende Headline und die entsprechende Reaktion des lyrischen Ichs auf diese Zeilen (er/sie könnte mit der Zeitung etwas machen, was seine Meinung über das Gedruckte zum Ausdruck bringt) - das könnte, richtig beschrieben, schon vollkommen ausreichen, die Ausgrenzung, das Exil, ja, die andere Realität der Armut darzustellen, in der die Worte der Politik möglicherweise nur noch als ein fernes Echo wahrgenommen werden, das wie Hohn klingt. Ich glaube, heute tagt der Bundestag zu diesem Thema: da wird sich doch morgen ein brauchbares Zitat in der Zeitung finden lassen!
MfG,
[) i r k
am bahnhof hat mir ein junger mann
prügel angedroht, wenn ich nicht verschwinde
ich wollte mit fahrkarten ins geschäft kommen
... bereits deutlich gemacht. Ich weiß nicht, was ein guter Abschluss für dieses Gedicht sein könnte, aber die Idee ...
dachte auch an eine zeitung, die das LI findet mit einer dieser verlogenen überschriften zur arbeitslosigkeit.
... finde ich gar nicht schlecht. Einen Versuch ist sie allemal wert. Es sollte nur nicht zu krass, zu wuchtig, zu "moralisch eindeutig" sein am Ende. Schön wäre es, wenn es (es = die Schlagzeile der Zeitung und die Situation, in der sie gefunden wird) eine ähnlich makabre, brisante, doch tragisch-komische Qualität hätte, wie die Kantinen-Fisch-Anekdote. Die passende Headline und die entsprechende Reaktion des lyrischen Ichs auf diese Zeilen (er/sie könnte mit der Zeitung etwas machen, was seine Meinung über das Gedruckte zum Ausdruck bringt) - das könnte, richtig beschrieben, schon vollkommen ausreichen, die Ausgrenzung, das Exil, ja, die andere Realität der Armut darzustellen, in der die Worte der Politik möglicherweise nur noch als ein fernes Echo wahrgenommen werden, das wie Hohn klingt. Ich glaube, heute tagt der Bundestag zu diesem Thema: da wird sich doch morgen ein brauchbares Zitat in der Zeitung finden lassen!
MfG,
[) i r k
"du trittst da fast in die fußstapfen des unseligen dr goebbels und seiner zensur und verdammungsmaschine." (Ralfchen)
Re: fisch
lieber razorback,
danke für hinweis, wie fehler zu verbessern sind.
liebe fitnat
m.e. heißt mutter sein nicht unbedingt,dass wir menschliche qualitäten haben - leider.
danke für deine zeilen.
lieber dirk,
lasse es bei dem schluss, finde ihn das i-tüpfelchen für das soziale miteinander im hochkapitalismus.
gruß von der rotfeder
danke für hinweis, wie fehler zu verbessern sind.
liebe fitnat
m.e. heißt mutter sein nicht unbedingt,dass wir menschliche qualitäten haben - leider.
danke für deine zeilen.
lieber dirk,
lasse es bei dem schluss, finde ihn das i-tüpfelchen für das soziale miteinander im hochkapitalismus.
gruß von der rotfeder
-
Auf Eulen Schwingen
- Sphinx
- Beiträge: 118
- Registriert: 19.10.2003, 15:31
- Wohnort: Bayrisch-Schwaben
Re: fisch
Salve, rotfeder,
ich mag den ruhigen, nüchternen Ton.
ich mag den Langtext, der sich seine
Würde holt, weil er der längenden Streckbank nicht ausweicht, in welcher das LI eingespannt ist, sondern ihr stoisch
und brillant seinen Innenraum entgegensetzt.
Der erste Schluss mit dem warmen Fisch scheint mir sehr gut.
gruß
aes
ich mag den ruhigen, nüchternen Ton.
ich mag den Langtext, der sich seine
Würde holt, weil er der längenden Streckbank nicht ausweicht, in welcher das LI eingespannt ist, sondern ihr stoisch
und brillant seinen Innenraum entgegensetzt.
Der erste Schluss mit dem warmen Fisch scheint mir sehr gut.
gruß
aes
aes
(auf!eulen schwingen)
(auf!eulen schwingen)
Re: fisch
auch von mir dem stadtindianer ein herzliches willkommen! warmer fisch von mc.d. verdirbt zwar möglicherweise die gemeine darmflora aber keinesfalls den erfrischend schlechten nachgeschmack im logout deiner erstfassung.
deine exkursionen lassen einen tieferen autobiografischen background vermuten. geht mich zwar nichts an, aber wenn ja, respekt - und bei allen fehlerlein, lass es raus!
riemsche
deine exkursionen lassen einen tieferen autobiografischen background vermuten. geht mich zwar nichts an, aber wenn ja, respekt - und bei allen fehlerlein, lass es raus!
riemsche
„To hell with circumstances; I create opportunities.“ – Bruce Lee
Wer ist online?
Mitglieder in diesem Forum: Baidu [Spider] und 8 Gäste